Claudia am 03. Mai 2007 — 9 Kommentare

Von Müll-Müttern und anderen Verwahrlosungen

„Die Wohnung der Müll-Mutter“ als fette Schlagzeile und ein Bild von einem unübersichtlichen Haufen Gerümpel begrüßt mich beim morgendlichen Milch holen im Eckladen. Seit Tagen ereifert sich ein Berliner Boulevard-Blatt über den Fall einer Mutter, deren drei Kinder man alleine in einer verdreckten Wohnung angetroffen haben soll. In der Abendschau wird allerdings berichtet, dass die Kinder in der Schule „in keiner Weise auffällig“ gewesen seien: für behördliches Einschreiten hätte es keinerlei Anlass gegeben. Weiter → (Von Müll-Müttern und anderen Verwahrlosungen)

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Claudia am 25. April 2007 — 12 Kommentare

Arbeitszeit verkürzen oder mehr Geld verdienen?

Eigentlich seltsam, dass sich diese Frage im Lauf meiner nun über zehnjährigen Selbständigkeit noch nie gestellt hat. Erst jetzt, seit ich einen Garten habe und mit viel Freude und Entdeckerlust dort viele Stunden verbringe, erkenne ich, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt, das mindestens genauso befriedigend ist wie das Navigieren, Produzieren und Kommunizieren am Monitor.

Gefragt, wie viel und wie lange ich üblicherweise arbeite, musste ich mir immer erst überlegen, zu welchen Zeiten ich NICHT arbeite, um dann im Umkehrschluss die Antwort geben zu können. Genau wie Programme einen „Default-Status“ haben, eine Grundeinstellung, die sie bei der Installation mitbringen, so war der Sitzplatz vor dem PC, Hand an Maus und Tastatur, meine „Grundeinstellung“. Nur zu den allernötigsten Reproduktionszwecken und bei Besuchen bewegte ich mich weg vom „Ort der Macht“, von dem aus ich meine Welt weitgehend steuere. Weiter → (Arbeitszeit verkürzen oder mehr Geld verdienen?)

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Claudia am 23. April 2007 — Kommentare deaktiviert für Frühling, Sonne, Aufschwung…

Frühling, Sonne, Aufschwung…

Ist es einen Diary-Eintrag wert, wenn es einem einfach nur gut geht? Only bad news are good news, heißt es doch, und was ist schon spannend daran, zu lesen, wie alles flutscht und die Laune steigt? Nichts, nichts, nichts, doch ist mir das für den Moment schnuppe!

Letztes Jahr hatte ich beschlossen, meine Arbeits- und Finanzlage so zu verändern, dass ein bisschen Rücklage entsteht, um auch mal ein paar Wochen krank werden oder verreisen zu können. Das hat geklappt, und zwar ganz ohne besondere Anstrengungen oder Verzichtsgefühle. Im Nebeneffekt fühle ich mich jetzt auch freier, nicht ALLES machen zu müssen, was mir angetragen wird, was dem Geschäft nicht etwa schadet, im Gegenteil.

Gestern fragte ich einen Taxifahrer: Spüren Sie eigentlich den „Aufschwung“? Ja, sagte er nach kurzem Zögern, die Tariferhöhung habe sich nicht negativ ausgewirkt und es fahren wieder mehr Leute Taxi. Wenn ich die Zeitung aufschlage, lese ich, dass die Lage der Unternehmen glänzend sei, trotz hohem Euro-Kurs, hohem Ölpreis und Mehrwertsteuererhöhung. Die Arbeitslosenzahlen sinken, die Steuereinnahmen sprudeln, so dass sogar ernsthaft daran gedacht wird, den Riesenschuldenberg abzubauen, und selbst die langjährig miese „Binnennachfrage“ hat sich erholt: Es wird wieder mehr konsumiert und investiert – und ich hab‘ mitgemacht und mir bei Ebay ein Fahrrad ersteigert. Weiter → (Frühling, Sonne, Aufschwung…)

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Claudia am 11. April 2007 — 3 Kommentare

Leben mit der finalen Diagnose – und schreiben!

„Wir reden über Wochen….“ – mit dieser ärztlich verkündeten Perspektive einfach weiter leben, geht das? Wie es geht, beschreibt Ulla in den neueren Einträgen ihres Altweibersommer-Blogs. Als ich nach längerer Pause dort mal wieder vorbei surfte, erwischte mich ihre Geschichte „aus heiterem Himmel“. Ich erwartete lockeres Geplauder über dies und das, statt dessen las ich von der Diagnose, der sie sich seit wenigen Monaten stellen muss: Bauchspeicheldrüsenkrebs, inoperabel. Weiter → (Leben mit der finalen Diagnose – und schreiben!)

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Claudia am 07. April 2007 — 8 Kommentare

Ostern ?

Dass schon wieder Ostern ist, hab‘ ich erst letzte Woche bemerkt. Innerlich lebe ich einen Tages- und Wochenrythmus, in dem Feiertage (außer Weihnachten) nicht ohne Anstöße von außen auffallen. Bis Samstagmittag arbeite ich, dann ist Wochenende – Montags geht es wieder weiter. Als mein Liebster mich jetzt darauf aufmerksam machte, dass vier freie Tage am Stück zur Verfügung stehen, wurde mir bewusst, dass ich die Feiertage bisher nur am Rande registriert hatte: als Tage, an denen ich davon ausgehen kann, dass niemand etwas von mir will, zumindest nicht geschäftlich – also eine gute Zeit, um in Ruhe Dinge abzuarbeiten, die ansonsten leicht von „Wichtigerem“ verdrängt werden.

Nun hab‘ ich also beschlossen, endlich auch „die Feiertage zu heiligen“, selbst dann, wenn sie nicht auf den Sonntag fallen. Da es die erste Saison des wilden Gartens ist, der mir im letzten Sommer in den Schoß fiel, ist das auch nicht wirklich ein Problem: es gibt jede Menge zu pflanzen, zu gießen, zu beobachten und zu fotografieren – und wenn es warm genug ist, liege ich auch gerne einfach nur im Liegestuhl und blinzle in die Sonne.

Wenn ich allerdings im Kiosk die Schlagzeilen der Zeitungen lese oder mal im TV durch die Kanäle zappe, bemerke ich, wie ferne mir „Ostern“ als Feiertag ist. Weiter → (Ostern ?)

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Claudia am 27. März 2007 — 21 Kommentare

Die eigene Welt erschaffen?

Inwieweit ich selbst es bin, die die eigene Welt erschafft, interessiert mich lange schon. Es gibt da Extrempositionen, z.B. die, dass die Welt im Bewusstsein entstehe und nicht das Bewusstsein in der Welt: Das Subjekt, das wir genauso wenig erkennen können wie sich das Auge selber sehen kann, „erschaffe“ das Dasein von Augenblick zu Augenblick.

Schon als Jugendliche hat mich das aufgeregt, egal, ob diese Lehre östlich oder westlich daher kam. Das Ding an sich ist unerkennbar – ok, Herr Kant, aber es ist doch trotzdem DA. Wenn ich sterbe, wird die Welt nicht verschwunden sein, sondern weiter bestehen. Ich konnte nicht ernst nehmen, was da gesagt wird, denn es widersprach allen lebenspraktischen Überlegungen und Erfahrungen, die mir so selbstverständlich sind wie Essen und Trinken, oben und unten, Nacht und Tag. Weiter → (Die eigene Welt erschaffen?)

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Claudia am 21. März 2007 — 35 Kommentare

Mich selbst erkennen

Endlich versteh‘ ich, was meinen Yogalehrer motivierte, uns Übende wieder und wieder zu ermahnen, auf uns selbst zu schauen und nicht nach außen, wenn wir etwas über unser „Mensch sein“ erfahren wollten. Da ich länger schon nicht in Gefahr stand, zu glauben, man fände „sich selbst“ in der Wissenschaft und Statistik, im Politischen, in einer Religion oder spirituellen Lehre, rannte er bei mir offene Türen ein. Auch meine Mitschüler waren mehrheitlich durchaus selbstbeobachtungsfähig und willig. Warum also immer wieder diese engagierten kleinen Reden?

Ha, damals hatte ich ja noch keine Ahnung, wie weit das „von sich absehen“ bei der Mehrheit meiner Mitmenschen reicht! Und auch selbst hatte ich noch weit mehr Konzepte im Kopf, über die ich viel lieber diskutierte, als dass ich für die Details „meiner selbst“ großes Interesse aufgebracht hätte. Zwar hatte ich im Zuge der Yoga-Übungen ausgiebig erfahren, wie Geist, Körper und Gefühl ineinander verschränkt sind, hatte gelernt, mich zu entspannen und mit Freude entdeckt, dass ein entspannter Körper weder Furcht noch Ärger kennt. Doch wurde „ich selbst“ mir auch weiterhin nur bei Gelegenheit eines Problems zum Thema, nicht einfach so. Schließlich hab‘ ich mich immer dabei, was sollte ich denn da suchen? Statt auf die damals so angesagte „Suche nach dem Selbst“ zu gehen, suchte ich lieber das, was mir fehlte oder nicht genügte: den großen Anderen, das Gegenüber, mit dem ich mich verstehen könnte – „ich“ war mir vergleichsweise uninteressant. Weiter → (Mich selbst erkennen)

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Claudia am 13. März 2007 — 3 Kommentare

Vom eigentlichen Leben

Gerade hab‘ ich mir das neue Buch von Gerd-Lothar Reschke „Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere“ gekauft und bin hin und weg! In der Mitte aufgeschlagen und angefangen zu lesen, konnte ich kaum wieder aufhören. Seine Sprache und die Klarheit seiner Gedanken, die ganz aus dem eigenen Erleben schöpfen, faszinieren mich, ganz unabhängig davon, wie mich das Gesagte im Einzelfall anmutet. Er ist für mich der einzige Autor weit und breit, den ich in Sachen Erleuchtung & Erwachen (und damit leben) richtig ernst nehme, denn er setzt sich nicht auf ein Podest und belehrt die Leute, wo sie lang zu gehen hätten. Wer das tut, verschweigt in der Regel all die problematischen und verstörenden Seiten, die mit mancher spirituellen Erhellung einher gehen. Gerd-Lothar thematisiert sie ausführlich, nicht theoretisierend, sondern anhand der Alltags-Erfahrung, die durch die größere Wachheit allerdings gar nicht mehr „alltäglich“ wirkt.Michael fragte im Webzettel neulich nach dem „eigentlichen Leben“. Das Thema ist einen eigenen Artikel wert, doch nach allem, was ich erfahren habe, ist das „eigentliche Leben“ nichts, was bestimmte Außenbedingungen benötigt, sondern ein Zustand größerer Wachheit. Dieser Zustand ist – im Prinzip – in jedem Augenblick erreichbar, doch braucht es mehr Energie, ihn zu halten, als der übliche alltägliche Halbschlaf. Deshalb empfehlen so viele Yogis und andere spirituelle Lehrer ein gesundes Leben als Voraussetzung, denn falsches Essen, Genussgifte und ein dem Körper wenig bekömmliches Sitzleben vernichten die Energie, die es braucht, um (absichtslos!) im Augenblick ganz wach und aufmerksam zu sein.

Es hilft aber auch nichts, sich nun zielgerichtet zusammen zu reißen und ein „reines Leben“ zu führen, in der Hoffnung, das bedeute automatisch das Ticket zur Wachheit. Man muss auch motiviert sein und wer nur im Geist des „nice to have“ an seiner „spirituellen Entwicklung“ arbeitet (!), wird in der Regel nichts erreichen. Echte Motivation ist meist ein LEIDEN, und zwar eines, das sich niemand wünschen kann. Mir persönlich geht es einfach (noch?) zu gut, als dass ich mich gefordert fühlen würde, nach mehr zu streben als nach der einen oder anderen kleinen Verbesserung im Alltag. Dass der Draht zum „ganz Anderen“ nicht völlig abreißt, danke ich im Wesentlichen der Lektüre von Lothar-Reschkes Selbsterkenntnis-Texten.

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