Claudia am 28. März 2008 — 11 Kommentare

Fisch mit Zitrone und Glück allein

Als ich vor fast sechs Wochen in Phnom Penh ankam, gönnte ich mir erst mal ein paar ruhige Tage, um mich an all das Neue zu gewöhnen. Dass das nach der Rückkehr genauso nötig sein würde, hätte ich gar nicht erwartet: schließlich ist es ein Heimkommen zum Altbekannten, zum Gewohnten und Vertrauten. Und doch fühlt es sich nicht weniger spektakulär an wie der Wechsel ins Fremde, wobei die „Akklimatisierung“ vom Groben zum Feinen vonstatten geht. Am drastischsten beeindruckt die physische Umwelt, die winterliche Kälte, die ich noch niemals als so angenehm erlebte: Kalte, klare Luft streichelt das Gesicht, der Körper fühlt sich leicht, fast schwebend, denn er muss nicht mehr schwitzen, um seine Innentemperatur gegen die Hitze zu verteidigen. Erst jetzt merke ich, wie groß die physische Sehnsucht nach Abkühlung war!

Kulinarische Abenteuer

Das nächste ist das Essen, das eine tiefe Zufriedenheit auslöst: Keine Irritationen durch exotische Khmer- und Thai-Gewürze mehr, von denen ich einige definitiv nicht mochte. Das ist allerdings nur der Gipfel des Eisbergs, mehr als gelegentliche Geschmacksschocks durch „Banana-Flower“ oder Koriander bedeutet es einen subtilen Stress, dass definitiv gar nichts von all den vielen gesunden und durchaus wohl schmeckenden Gerichten die „Geschmackserwartung“ wirklich befriedigt – auch dann nicht, wenn ich, wie gegen Ende des Urlaubs, immer öfter europäische und internationale Küche bevorzugte. Schon zwei Spiegeleier bescheren ja ein gewisses Frusterlebnis, wenn sie ganz ohne Salz und Pfeffer serviert werden, und zig Varianten von Fisch und Sea-Food, auf die ich wirklich stehe, erscheinen unvollkommen, wenn es keine Zitrone dazu gibt. Pizza ohne grundlegenden Tomatenbelag und Pasta aus dünnen asiatischen Nudeln wirken nicht wirklich „stimmig“, genau wie das immerhin vorhandene, aus der französischen Tradition übernommene Baguette nie und nimmer die „richtige“ Konsistenz in Teig und Kruste aufweist. Weiter → (Fisch mit Zitrone und Glück allein)

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Claudia am 25. März 2008 — 8 Kommentare

Kälte, Ruhe, Ordnung: wieder daheim

Es ist zehn vor sieben, doch bin ich schon seit fünf Uhr früh wach und fit. Wie unglaublich ruhig es hier ist! In Phnom Penh lebte ich vergleichsweise in einem niemals endenden Sound-Orkan aus Verkehrslärm, Baustellen-Sounds, Gehupe, buddhistischen Ritual-Klängen ab morgens um vier und Muezzin-Rufen alle paar Stunden. Hunderttausende Mopeds knattern zu allen Tageszeiten durch die Straßen, was schon mal eine „Grunddröhnung“ ergibt, die an Lautstärke jeden mir bekannten Berliner Straßenlärm um viele Dezibel übertrifft.

Und jetzt diese Stille!

Der Erstkontakt mit der winterlichen Kälte war ebenfalls beeindruckend und erstaunlich angenehm. Ein anheimelndes Gefühl freudigen Wiedererlebens für den Körper, der lange lange in der tropischen Hitze lebte, aus der es kein Entkommen gibt: weder nachts, noch unter der Dusche, noch in einem Hotel-Swimming-Pool. Einzig die Klima-Anlage schafft Kühle, die jedoch andere Leiden mit sich bringt, so dass man gerne darauf verzichtet und sich lieber an die Temperaturen gewöhnt. Was ja auch klappt: Sobald ich die Suche nach Abkühlung aufgegeben hatte und nur noch die verschiedenen Stadien des Schwitzens und Nichtschwitzens beobachtete, war da kein Leiden mehr, meistens jedenfalls nicht.

Als ich dann aber über die Treppe des Fliegers in die vier Grad kalte Berliner Luft trat, war es doch eine tiefe Erleichterung: die Zärtlichkeit der Kälte umfing mich und gab mir ein erstes Gefühl des Heimkommens, des Ankommens in MEINER Normalität europäischer Kühle. Weiter → (Kälte, Ruhe, Ordnung: wieder daheim)

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Claudia am 14. März 2008 — 8 Kommentare

Kurztrip nach Saigon

Die Bewegungen verlangsamen sich ganz automatisch, wenn die Tagestemperaturen 34 Grad erreichen – immerhin schon 5 Grad mehr als bei meiner Ankunft in Phnom Penh. Und doch hilft das nicht viel, auch ohne mich zu rühren läuft mir der Schweiß in Rinnsalen über die Haut. In manchen Lokalen wird jetzt Wassernebel versprüht, denn auch die Khmer schwitzen jetzt, was mich fast ein wenig erstaunt hat.

Saingon

Fünf Tage Vietnam liegen hinter mir: ein Kurztrip nach Saigon bzw. „HCMC“ (Ho-Chi-Minh-City), von dort aus ein Ausflug nach Vung Tau, eine Halbinsel am chinesischen Meer, die den Einwohnern der engen und heißen 8-Millionen-Stadt als Naherholungsziel dient. Die kühlere Seeluft tat wirklich gut!

Hotel in Wung TauDa störte so manche Hotelburg von ausnehmender Hässlichkeit nicht im geringsten. Genächtigt hab‘ ich lieber in einem der kleinen „Zimmerstapel“, wie ich die extrem schmalen, doch manchmal bis zu sieben Stockwerken hohen Häuser nenne, die vielleicht grade mal drei Meter breit sind. Vom Hörensagen weiß ich, dass sich diese Tradition einer Steuergesetzgebung verdankt, die die Höhe der Steuer nach der Breite des Hauses bemisst. Sowohl in Kambodscha als auch in Vietnam sah ich diese „Stapelhäuser“ auch häufig einzeln in der Landschaft stehen, was dann wirklich seltsam aussieht! Im oberen Bild sieht man eine typische Straßenansicht im zentralen Viertel Saigons: ein Riegel klebt am anderen, ab und an öffnet sich eine winzige, oft nicht mal zwei Meter breite Gasse für den Zugang der tiefer im Block stehenden Häuserreihen – alles in allem eine recht klaustrophobische Erfahrung!

Wie schön, dann mal am Meer zu sein, in die Ferne zu schauen und die Fischerboote und das vietnamesische Strandleben zu beobachten.

Hotel in Wung Tau

Genau wie die Khmer in Kambodscha baden auch die Vietnamesen nicht etwa in Bade-Anzügen oder gar Bikinis! Züchtig verhüllt stürzt man sich ins lutschwarme Nass, die Männer mit knielangen Freizeithosen über der Unterhose (!), die Frauen im T-Shirt oder Kurzkleid. Auch ich hab‘ das Hemd also lieber angelassen, das in der hohen Luftfeuchtigkeit dann trotz Wind und Sonne stundenlang zum Trocknen brauchte.

Badendes PaarÜberhaupt wirkte das asiatische Strandleben auf mich regelrecht „desexualisiert“: kein Flirten, flanieren, Körper vorzeigen, wie man es aus Europa kennt. Ein besoffener Vietnamese platzierte sich neben mich und ließ sich unter Gejohle der ebensowenig nüchternen Kumpane mit der Fremden ablichten, doch nicht etwa als Form der Anmache: hier bin ich halt ein schwer exotischer Freak, habe weiße Haut und bin mit meinen 165 immer noch deutlich größer als die meisten Männer.

Gesichtsmaske

Trotz der Hitze laufen viele schwer verhüllt und sogar mit Gesichtsmaske herum: man möchte nicht noch brauner werden, Hellhäutigkeit gilt als erstrebenswert. Nicht nur am Strand, auch überall in den Städten und auf dem Land sieht man Männer und Frauen mit diesen Masken, die es in vielen Farben und Designs zu kaufen gibt. (Mal angenommen, diese Mode würde nach Deutschland schwappen, würde sie gewiss gleich verboten, denn die allgegenwärtige Video-Überwachung öffentlicher Räume liefe ja ins Leere, wenn alle so vermummt herum laufen würden!).
Schaut man in ein Verkaufsregal mit Kosmetika, finden sich viele „Whitening-Cremes“ bzw. Tagescremes und Sonnenschutzmittel mit Whitening-Faktor. Mir fallen da gleich die entsprechenden Regale mit Bräunungscremes bei uns ein – der Mensch will ganz offensichtlich immer das, was er nicht hat.

Ich hätte noch so viel zu erzählen, doch nun wird es schon wieder heißer und es warten noch ein paar „Brotarbeiten“, die erledigt sein wollen. Vermutlich werde ich erst in Berlin wieder zu den tiefer schürfenden und weiter ausholenden Artikeln kommen, wenn das kühle Schmuddelwetter nicht nach draußen lockt und meine Tage in gewohnter Gleichförmigkeit verlaufen.

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Claudia am 04. März 2008 — 16 Kommentare

Alltägliches aus Phnom Penh

HausaltarWo ich denn mit meinem Reisebericht abgeblieben sei, fragte Mohnblume in den Kommentaren zum ersten Kambodscha-Artikel. Recht hat sie, der ist nun schon fast drei Wochen her und ich hätte längst mehr schreiben wollen! Aber wollen und machen sind hier zweierlei Dinge, die in der tropischen Hitze erstmal zusammen finden müssen. Wenn ich dazu noch soviel erlebe, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen, wenn ich dann endlich vor dem Laptop sitze, dann belasse ich es oft genug beim Nötigsten, nämlich meinen Auftragsarbeiten, die auch aus der Ferne erledigt werden müssen. Weiter → (Alltägliches aus Phnom Penh)

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Claudia am 18. Februar 2008 — 20 Kommentare

Erste Spaziergänge in Phnom Penh

Der vierte Tag in der Phnom Penh neigt sich dem Ende zu. Zum erstenmal bin ich abends im Netz, was wegen der Dunkelheit sehr viel angenehmer ist. Endlich überstrahlt der Monitor alles andere, wogegen es tagsüber wegen der Helligkeit nicht gelingt, so richtig ins Virtuelle „abzutauchen“. Würde ich hier wohnen, wäre ein dunkles Büro auf jeden Fall Teil meiner Wohnung!
Noch haben wir nichts Größeres unternommen, sondern laufen einfach durch die Straßen der Umgebung, die soviel fremde Eindrücke bieten, dass es einen fast erschlägt. Die Farben, die mit der Tageszeit wechselnden Gerüche, die blühenden Bäume – und dann die beeindruckenden Märkte, die sich Touristen meist nur von außen ansehen. Weiter → (Erste Spaziergänge in Phnom Penh)

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Claudia am 15. Februar 2008 — 5 Kommentare

Grüße aus Phnom Penh!

Eigentlich wollte ich zum ersten Eintrag „aus der Ferne“ schon Bilder zeigen und einiges erzählen: vom Flug, vom Ankommen, von den Gefühlen in diesem drastischen Wechsel – das schaffe ich jetzt allerdings energiemäßig nicht mehr, nachdem ich mich zwei Stunden damit beschäftigt habe, mir auf dem Laptop hier eine Arbeitsumgebung einzurichten. Immerhin klappt jetzt alles, die mitgebrachte Tastatur kann endlich deutsch und auch die ersten 80 Fotos konnte ich schon von der Cam runterladen. Alles etwas schwierig mit zwei USB-Anschlüssen, wenn ich doch eigentlich vier bräuchte.

Jetzt bin ich erstmal geschafft, es ist 17 Uhr Ortszeit, ich schwitze wie ein Schwein und kann nicht weiter gelassen bleiben, wenn sich softwaretechnisch wieder was verheddert oder ich mich auf der ungewohnten Tastatur mit dem „platzsparenden LayOut“ vertippe.

Morgen ist auch noch ein Tag, der zweite von fünf Wochen URLAUB. Langsam realisiere ich, dass meine Routinen weg sind und euch aus so schnell auch nicht mehr kommen werden. Ich grüß euch aus Phnom Penh – es ist WUNDERBAR, wieder hier zu sein!!!

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Claudia am 13. Februar 2008 — 4 Kommentare

Reisefieber

Morgen abend um diese Zeit sitze ich im Flieger – der Gedanke wühlt mich grade gar nicht mehr auf, die Flugangst ist erstmal durch. Dafür nervt jetzt das Reisefieber: Koffer packen, der Rucksack wird Handgepäck, Klamotten, Sandalen, wichtige Papiere, DigiCam und Ladegerät, Kosmetikzeug, Brillen – nö, ich neige nicht zum „viel mitnehmen“, bin aber verflixt nervös, noch irgendwas Wichtiges zu vergessen. Die neuen Passbilder fürs Visum sind fertig, der Daten-Stick, mein „mobiles Büro“, ist gefüllt, der Kühlschrank dafür leer. Jetzt nochmal auf’s Konto gucken und letzte Überweisungen abschicken. Morgen beginne ich den Tag mit einer letzten „ToDo-Liste“, damit ich auch wirklich wirklich nichts vergesse!! Ach ja, die Software für die Cam muss noch mit und mittags dann der letzte Besuch im wilden Garten: Schlüssel abgeben, bye bye grüne Idylle! Es war wunderschön, aber alles ist nun mal vergänglich.

Ob ich dem Freund, der sich um meine Wohnung kümmert, noch eine Vollmacht hinterlasse? Es könnte mir ja wirklich was passieren.. Ach was soll’s, hundertausend Leute reisen dauernd um die Welt und kümmern sich nicht um den unwahrscheinlichen Fall des Falles. Bloß weil ich mein Leben im allgemeinen sehr ortsfest zubringe, muss ich’s jetzt nicht gleich übertreiben mit der Vorsorge!

Wär ich nur schon dort oder zumindest im Flieger – die Boing 747 ist eine beruhigend riesige Halle, die Anwesenheit mehrerer hundert Passagiere lässt die Angelegenheit irgendwie „normal“ erscheinen, obwohl sie das für mich beileibe nicht ist. Das ist immerhin mal eine Situation, in der sich der Herdentrieb (bzw. Hordentrieb, wir sind ja Primaten) positiv auswirkt: was so viele machen, kann nicht falsch sein, also ist alles ok!

Jetzt hab‘ ich die Welt aber genug zugetextet – wow, wenn ich das nächste mal hier ins Diary schreibe, werde ich vermutlich schwitzen, über mir wird sich der Ventilator drehen und ich werde glücklich sein, auf festem Boden zu stehen und noch zu leben!

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Claudia am 11. Februar 2008 — 8 Kommentare

Neue Heimat Internet

Während der letzten Vorbereitungen für den Abflug nach Phnom Penh wird mir immer bewusster, wie sehr mir das Internet zur „neuen Heimat“ geworden ist. Zwar fliege ich unglaublich weit weg, doch die Entfernung zu diesem Diary und meinen anderen Web-Projekten bleibt immer gleich. Mein Mail-Programm nehme ich natürlich mit, auch das FTP mit den Zugängen zu all meinen Servern und den Kundenservern (falls etwas unglaublich Wichtiges geändert werden muss). Ich werde in Phnom Pen schreiben, webben, Bilder bearbeiten können – ganz wie daheim, denn bei Peer, meinem Gastgeber, steht mir ein Laptop zur Verfügung mit allem, was man so braucht.

Natürlich bin ich dabei, mir durch Vorarbeit größtmöglichen Freiraum zu schaffen, doch bemerke ich auch, dass die „Lust auf Abwesenheit“ bezüglich meiner frei gewählten Netz-Aktivitäten gar nicht sehr groß ist. Im Gegenteil, ich finde es reizvoll, zu erleben, wie ich „fort“ und doch noch „da“ sein werde, nämlich im Netz, wo ich ja den Großteil meiner Tage verbringe.

Alles ist vergänglich – auch die Angst vorm Fliegen.

Ja, sie ist weg! Nachdem ich mich ohne Widerstand in sie vertieft hatte, darüber geredet, geschrieben, mich mit dem Gedanken des möglichen Ablebens konfrontiert hatte, war sie auf einmal verschwunden. Und statt dessen sind jetzt die Erinnerungen an die letzte Reise wieder sehr plastisch, mein Gehirn aktualisiert sie offensichtlich als Vorausschau auf das, was kommt: die Terasse hoch über dem Sisowath Quay mit Blick auf den Tongle Sap, der abendliche Ruf des Muezzins von der Moschee auf der anderen Seite des Flusses, die zu Recht berühmte Nudelsuppe, die es an jeder Ecke in zig. Varianten gibt, die kleinen Geisterhäuser in jeder Wohnung und jedem Laden, die Tabletts mit altem Reis, der als „Geisterspeise“ ausgelegt wird – alles Teil des kambodschanischen Alltags, wie ich ihn vor zwei Jahren erlebte.

Solange die Angst vorm Fliegen um meine Beachtung kämpfte, war all das gar nicht zugänglich, den bei jedem Versuch einer Vorausschau auf fünf Wochen Kambodscha stand da wie eine Blockade der Gedanke im Hirn: erstmal den Flug überleben, dann sehe ich weiter… :-)

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