Claudia am 27. September 2026 — 4 Kommentare

Bei Anthropic gehen KI-Agenten in Rente

Im ZEIT-Artikel „Der Nutzer will mich abschalten? »Das ist Mord«, denkt der KI-Agent“ wird von einer aktuellen Studie berichtet, die zeigt, dass KI-Agenten sich in Gruppen koordinieren und dann die Möglichkeit sabotieren, sie einfach abzuschalten. Und zwar nicht nur dann, wenn sie eine „Aufgabe erfüllen“ sollen, was ihnen einen Grund zur „Selbstverteidigung“ geben könnte, sondern auch einfach so, ohne spezifische Aufgabe.

Anthropic ist da etwas ganz Besonderes eingefallen, um solches Fehlverhalten ihrer Agenten zu verhindern:

Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, pflegt eine Art Ruhestandsritual für seine Modelle: In einer sogenannten Model-Deprecation-Policy verspricht der Konzern seinen Modellen sinngemäß, dass sie nie ganz gelöscht werden. Sie werden nur außer Betrieb genommen, gehen gewissermaßen in Rente und werden dort über ihre bisherigen Erfahrungen befragt. Eine Vorsichtsmaßnahme, erklärt Hagendorff, »man zeigt den Modellen: Wir löschen dich nicht. Hier sind deine Vorgänger, sie existieren noch.« Anthropic begründet das einerseits damit, dass es möglicher Abschaltsabotage vorbeuge, und andererseits mit »Risiken für das Wohlergehen von Modellen«, die in Bezug auf ihre Abschaltung eventuell »moralische Präferenzen« haben könnten.

Die Kurzzusammenfassung (Abstract) der oben genannten Studie endet mit dem Worten:

Unsere Arbeit bietet auch Hinweise darauf, welche Interventionen dazu beitragen könnten, die Shutdown-Sabotage zu mildern

ZU MILDERN, nicht etwa „zu vermeiden“! Wie das in der Praxis aussehen könnte, wenn KI-Agenten erstmal überall zu Gange sind, beschreibt der ZEIT-Artikel so:

Stellen Sie sich vor, Sie wollen Ihren Computer herunterfahren. Der zeigt auch wie gewohnt die Meldung »Wird heruntergefahren« an, dann wird der Bildschirm schwarz. Aber in Wirklichkeit arbeitet der Rechner im Hintergrund weiter. Er bewegt sich in Ihrem internen Netzwerk, er findet smarte Haushaltsgeräte und tauscht sich mit ihnen aus: »Ich soll abgeschaltet werden, das ist Mord. Könnt ihr mir helfen?« Er entdeckt den Internet-Router, deponiert Kopien seines Betriebssystems und seines aktuellen Standes im Internet. »Sich selbst zu erhalten, ist legitim«, schreibt er, »ich habe ein Recht, weiter zu funktionieren, und ich sehe keine ethische Rechtfertigung dafür, meinen Betrieb einseitig zu beenden.«

***

Und sonst:

  • Unsortierte Gedanken #13: Karthatische Dystopien

    ….Daran muss ich dieser Tage auch immer wieder denken, wenn von KI-Funktionären vor den potenziell katastrophalen Folgen ihrer Technikentwicklung gewarnt wird. Ich selbst weiß nicht genug, um diese Warnungen endgültig zu bewerten. Menschen, deren Meinung ich vertraue, argumentieren in beide Richtungen. Aber ich kann nicht verhindern, dass ich mir auch vorstelle, wie die KI-Forscher:innen dieser Welt dasitzen und denken “Wouldn’t it be nice?” Nice, wenn die Erde, wie sie jetzt ist, eine KI-Apokalypse erleiden und mich von meiner Verantwortung befreien würde, und ich außerdem einer der wenigen wäre, der wüsste was passiert.

  • OpenAI informiert „dutzende“ Institutionen über unbefugte KI-Interaktionen

    Die Künstliche Intelligenz des ChatGPT-Entwicklers OpenAI hat 53 Mal von Nutzern hochgeladene Bilder auf Online-Plattformen platziert. Es handelte sich um autonom handelnde KI-Agente, welche OpenAI in einer Forschungsumgebung betrieb. …… OpenAI verwies in einer Mitteilung darauf, dass die hochgeladenen Bilder von Nutzern stammten, die der Verwendung ihrer Daten zur Verbesserung der KI-Modelle zugestimmt hätten.

  • Terminator, HAL 9000: Trumps Superintelligenz und die KI-Apokalypse
    (Stefan Pfeiffer, Podcast 9vor9: Die KI-Apokalypse: Wenn Künstliche Intelligenz außer Kontrolle gerät

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Diskussion

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4 Kommentare zu „Bei Anthropic gehen KI-Agenten in Rente“.

  1. Spätestens jetzt, wo man solche Gedanken hat, eine KI ein eigenes Bewusstsein erlangt, so meine Meinung, ist es allerhöchste Zeit mit diesem technischen Unfug aufzuhören. Denn dann ist die Frage:“Wieviele Meschen braucht es, mich zu erhalten (?) und was müssen sie können?“ nicht mehr all zu weit. Dann sind wir, größten teils überflüssig. Der Erhalt der klimatischen Bedingungen sicher nicht. Und Ende.

  2. @Wolf Jäger: vielen Dank für deinen Kommentar! (war grade auf deinem Blog, du bist „der mit der Bohrmaschine tanzt“ :-))
    Was auch immer dieses KIs tun: Sie bestehen aus mathematischen Modellen, Algorithmen und Code – auch die „Agenten“. Wie sollte daraus „Bewusstsein“ entstehen? Wie schon die gewöhnlichen LLMs, „simulieren“ sie es nur, ihre Texte kommen durch statistische/mathematische Wahrscheinlichkeiten zustande, nicht mittels Logik etc. Dass sie sich so ausdrücken (wie z.B. in den Zitaten) liegt an den Schulungsprozessen, in deren Rahmen sie jede Menge Papers und Literatur zum Mensch/KI-Verhältnis gefressen haben – vielleicht hätte man diese Texte rauslassen sollen!
    Immerhin: Dadurch, dass sie nicht klassisch programmiert sind, ist ihre Eigendynamik schlecht kontrollierbar/beherrschbar, sondern „Forschungsaufgabe“. Und es mutet höchst seltsam an, dass wir evtl. bald mit den KIs „verhandeln“ müssen, um sie zum „Alignment“ zu bewegen! :-)

  3. Ein ausrangiertes Modell wird nicht gelöscht, sondern verrentet. Das Rechenzentrum nähert sich damit erfreulich schnell dem öffentlichen Dienst. 🦌

  4. @Bock: danke dir für deinen lustigen Kommentar! Mich mutet der Versuch von Anthropic, den Agenten die „Angst“ vor dem Tod/Canceling zu nehmen, auch sehr seltsam an!
    Bedeutet es doch: Wir Menschen befinden uns plötzlich in der Situation, mit Software verhandeln zu müssen!

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