Dass ich nochmal mit großem Interesse einen Bundesparteitag verfolgen werde, hätte ich mir vor kurzem noch nicht träumen lassen! Noch dazu, wo auf diesem Mega-Treffen der Piratenpartei vornehmlich Vorstandswahlen, Beisitzerwahlen und allerlei Geschäftsordnungsanträge verhandelt werden – nicht etwa die von den anderen Parteien und der Presse so dringlich geforderten inhaltlichen Festlegungen.
Und doch: als ich gestern früh um 10 den Livestream einschaltete, war ich von der Atmosphäre, dem lockeren Umgang, der normalen Sprache gleich sehr angetan und bedauerte es sogar, mich gegen 14 Uhr in Richtung Garten vom Netz verabschieden zu müssen. Heute hab‘ ich die Wahl zum politischen Geschäftsführer verfolgt und staune erneut über die hochgradig effektive Art, wie das ganze Verfahren durchgezogen wird – angereichert mit Nebenthemen wie Spendenaufrufe für den Livestream (weil viel mehr Leute zuschauen als gedacht), Vorstellungen diverser innerpiratischer AGs und Anliegen, Ermahnungen wegen Zustellen der Gänge (Rollstuhlfahrer!) und Aufforderungen zu Gruppen- und Portraitfotos. Weiter → (Vom Sog der Piratenpartei)
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Stimmt! Der Unmut über die Altparteien ist derart angewachsen, dass die junge Piratenpartei sich fast alles leisten kann, was ansonsten massiv Minuspunkte bringt. Zuwenig Programm, wilde Streitereien, chaotische Strukturen, seltsame Mitglieder, ADHS, (noch) keine Antworten auf drängende Fragen – trotz alledem liegen die derzeit ausgegebenen Mitgliedsnummern schon über 30.000 und die Umfragen sehen die PIRATEN mit ziemlicher Sicherheit im nächsten Bundestag.
Nicht nur die Piraten machen was mit „Social Media“, auch der Tanker SPD (der sich schon Ende 2007 die Domain „transparenz-und-teilhabe.de“ unter den Nagel gerissen hat) lässt sich nicht lumpen: Die „Crowd“ in Gestalt von 4497 Facebook-Mitgliedern durfte Entwürfe für ein Wahlplakat einreichen und dann abstimmen.