Claudia am 12. Mai 2010 — 9 Kommentare

Merkwürdigkeiten am Rande des Tiefschlafs

„Wenn Ihr an der Schwelle zum Einschlafen konzentriert den Atem beobachtet, werdet Ihr erstaunliche Entdeckungen machen!“ Diese, nicht weiter erläuterte Bemerkung meines Yogalehrers fällt mir immer wieder ein, wenn ich an eben dieser Schwelle Zustände erlebe, die „weder wach noch Schlaf“, jedoch höchst seltsam sind.

Jeder kennt den Wachzustand und das Träumen, manche erleben gelegentlich luzide Träume jener Art, in der uns bewusst wird, dass wir träumen. Davon unterschieden sind die sogenannten „Out-of-Body-Erlebnisse“ (OOBE), in denen man sich außerhalb des Körpers wähnt, zum Beispiel „an der Decke schwebend“ mit Blick nach unten auf den eigenen, schlafenden Körper. Dieses Phänomen wirkt sehr spektakulär, gleichzeitig beängstigend und beglückend: legt es doch den Schluss nahe, dass wir „nicht nur der Körper sind“, sondern zumindest temporär „außerhalb“ existieren können. Klingt völlig irre, ich weiß, ist aber ein weltweit bekanntes Erleben, das Menschen aller Zeiten auf verschiedenste Weise deuteten: von der Konstruktion besonderer Jenseitswelten bis hin zur Etikettierung als spontane „psychische Dissoziation“ unserer nüchternen Wissenschaften. Weiter → (Merkwürdigkeiten am Rande des Tiefschlafs)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 07. Mai 2010 — 8 Kommentare

Entgrenzte Beziehungen: Problem oder Befreiung?

Irritationen auf dem Weg zu einer Netikette für soziale Netze

In den letzten Wochen haben wir hier viel über „virtuelle Beziehungen“ diskutiert, also vornehmlich über die Wertigkeit und den Umgang mit Netzkontakten, die man nur übers Internet kennt.

Antje Schrupp, deren Beiträge für mich zum Besten gehören, was die Welt der Blogs derzeit zu bieten hat, nimmt nun einen viel bedeutenderen Aspekt des neuen „Geschwurbels“ in den sozialen Medien ins Visier. In „Das Ende der Heuchelei“ betrachtet sie die Folgen eines entgrenzten Miteinanders, in dem auf einmal reale Bekannte, Kollegen, Freunde und Partner auch andere Persönlichkeitsaspekte und Aktivitäten einer Person mitbekommen, um die sie zuvor in der eher „privaten“ oder streng „geschäftlichen“ Beziehung gar nicht wussten:

„da kann es zuweilen zu interessanten Irritationen kommen, wenn die jetzt auf Facebook alle miteinander zu tun haben. Wenn ich also Informationen von mir nicht mehr selbst filtere je nach “Szene”, an die sie gerichtet sind, sondern wenn plötzlich alle alles mitbekommen. Wenn die Gleichstellungsbeauftragte, die mich schon öfter zu Vorträgen eingeladen hat, erfährt, dass ich Anarchistin bin. Wenn mein politisch konservativer Onkel anfängt, sich mit meinen feministischen Freundinnen zu streiten. Wenn meine politischen “linken” Gesinnungsgenossen damit konfrontiert werden, dass ich mit anderen ernsthaft über Gott diskutiere. Oder wenn die Lesben, die mich als radikale Feministin kannten (und womöglich dachten, ich wäre auch lesbisch) plötzlich wissen, dass ich mit einem Mann verheiratet bin.“

Wenn alle alles wissen

Antje begreift die Herausforderungen, die sich so ergeben, als produktive und befreiende Veränderung, die es zunehmend verunmöglicht, Beziehungen allzu eingleisig (und wie sie meint: heuchlerisch) und Nutzen-orientiert zu führen – wie etwa die vom Privaten stark getrennten Geschäftsbeziehungen der alten Welt. Und sie sieht das Wegbleiben, Zögern und Zaudern vieler, die den sozialen Netzen kritisch gegenüber stehen, vor allem als Angst vor dieser Unübersichtlichkeit: je mehr ich öffentlich von mir zeige, desto mehr können „alle möglichen“ Leute auch von mir wissen – ein Machtverlust bezüglich der eigenen Außenwirkung in den bisherigen sozialen Rollen, der nicht jedem behagt. Weiter → (Entgrenzte Beziehungen: Problem oder Befreiung?)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 04. Mai 2010 — 12 Kommentare

Wir sind das Netz! Netzkritik ist Selbstkritik

Hat schon mal jemand das rasant gewachsene Straßennetz für die Qualität der Beziehungen verantwortlich gemacht, die Menschen heute „in die Ferne“ haben bzw. haben könnten? Was ist von den vielen Flugverbindungen zu halten, die dem bloßen Konsum touristischer Sehenswürdigkeiten dienen? Und was bringt ein noch so gut gepflegtes Schienennetz, wenn es uns einander nicht wirklich näher bringt??

Komische Sicht? Nö, ganz normal, zumindest, wenn über das Internet, bzw. das „Social Web“ geredet wird. Dass ich mich zeigen und verlinken kann, dass ich „Leuten folgen“ und mich mit XYZ „vernetzen“ kann, die dann je nach Plattform „Freunde“, „Kontakte“, „Fans“ oder wie auch immer heißen – was ist das denn MEHR als eine technische Möglichkeit? Weiter → (Wir sind das Netz! Netzkritik ist Selbstkritik)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 01. Mai 2010 — 5 Kommentare

Freizeit, freie Zeit – gibt es das?

Die Frage wird einige irritieren, doch legt der Beitrag „Flucht vor freier Zeit“ auf Einschau diese Frage nahe. Da schreibt Götz über einen Tag, der frei hätte sein können:

„Obwohl der Tag “objektiv” betrachtet eher entspannt war, fand ich mich in einem Wust von Aktivitäten, in denen wieder dieses Stressgefühl aufkam, bzw. dieses Gefühl, nicht genug Zeit zur Verfügung zu haben. Es waren aber allesamt Aktivitäten, die weder “wichtig” noch “wertvoll” waren. Ich hatte sie mir einfach völlig ohne Not aufgehalst. „

„Freizeit“ ist ein Begriff, der die Trennung von Arbeit und restlicher Zeit voraussetzt, die für das Industriezeitalter typisch war und noch heute (wenn auch abnehmend) das Leben vieler dominiert. Man versteht darunter die Zeit, in der man sich von der Arbeit erholt, sich Freunden und Familie, sowie diversen „Hobbys“ widmet. Vorrangig ist jedoch der Aspekt der Wiederherstellung bzw. Erhaltung der Arbeitskraft, was die Freiheit dieser Freizeit durchaus fraglich macht:

„Im spätindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsprozeß verausgabten.“ (Adorno/Eisler)

Wer nun – freiwillig oder gezwungenermaßen – aus den althergebrachten Welten des Angestellten-Daseins heraus tritt, bekommt mit der „Freizeit“ naturgemäß ein Problem. Umso mehr, je freudiger und weniger „entfremdet“ die nun frei gewählte Arbeit erlebt wird: Wenn mein Hobby zur Arbeit wird, von dem ich leben kann – wozu dann noch Freizeit? Weiter → (Freizeit, freie Zeit – gibt es das?)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 27. April 2010 — 13 Kommentare

Freundschaft in den Zeiten sozialer Medien

Heute kommt mich ein lieber Freund besuchen: ganz real wird er hier in den dritten Stock steigen, mit mir auf dem Sofa sitzen, reden, Kaffe trinken. Er kommt nicht zufällig vorbei, sondern reist nach Berlin, um mich zu treffen. Ein „Netzkontakt“, aus dem sich eine echte Freundschaft entwickelte, seit wir uns 2005 „irgendwo im Internet“ in einer der vielen Plauderrunden trafen.

Damals hat er einfach angefangen, mir privat zu mailen, was mich zunächst wunderte: Was will der von mir? Sein Interesse war nicht etwa erotisch, auch ist er kein Schreibender, dem es schon mal darum gehen kann, neue Leser auf seine Seiten zu ziehen. Ja, nachdem ich bereit war, mich aufs mailen mit ihm einzulassen, stellte sich heraus, dass er nicht mal Lust hatte, wesentliche Themen per Text zu verhandeln – und das mir! Weiter → (Freundschaft in den Zeiten sozialer Medien)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 22. April 2010 — 26 Kommentare

Stadt, Land, Netz? Verändert das Internet unser Wohnen?

Das Kommentargespräch zum Artikel Privatheit ade: verschwindet die Anonymität des Stadtlebens? hat alles in den Schatten gestellt, was ich dazu erwartet hätte! Es entspann sich eine intensive Auseinandersetzung über die Vor- und Nachteile des Lebens auf dem Land bzw. in der Stadt – ein Thema, mit dem ich mich erlebend und experimentierend lange schon befasse. Nach zwei recht ernst gemeinten Versuchen der „Auswanderung“ (einmal „Pendeln in die Toskana“, später zwei Jahre Umzug in ein kleines Dorf in Mecklenburg) hab‘ ich meinen Frieden in der Stadt gefunden. Allerdings erst so richtig, seit ich einen Kleingarten in nicht allzu weiter Ferne betreibe: 20 Minuten mit dem Fahrrad, wenn ich mich beeile, auch schneller – da ist das „Cardio-Training“ gleich inbegriffen – gut so! Weiter → (Stadt, Land, Netz? Verändert das Internet unser Wohnen?)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 21. April 2010 — 4 Kommentare

Gelesen: Meinhard Miegel – Wohlstand ohne Wachstum

„EXIT“ steht in großen roten Lettern auf dem Umschlag des Buchs von Meinhard Miegel, mit dem „einer der renomierstesten Sozialwissenschaftler Deutschlands“ (Klappentext) antritt, Wege aus dem Dilemma unserer Zeit zu weisen. Er widmet sein neuestes Werk „denen, die über den Tag und Tellerrand hinaus schauen“, womit ich mich durchaus gemeint fühle. Zudem bewegt mich das Wachstumsproblem schon länger, erscheint der Zwang zum ständigen „Mehr von allem“ doch schier unlösbar, ähnlich einem ZEN-KOAN, das auch nicht mit dem Mitteln des Intellekts gelöst werden kann.

Miegel schrieb sein Buch 2009 inmitten der Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihm für sein Thema eine Steilvorlage bot. Im Einleitungskapitel „Wachstum Wachstum über alles“ geht er mit einer Politik ins Gericht, die mit Rettungsschirmen, Abwrackprämien und riesigen Konjunkturprogrammen den Karren noch weiter in den Dreck schiebt und sämtliche hehren Ziele (Haushaltskonsolidierung, Umweltpolitik, Generationengerechtigkeit, Ordnungspolitik etc.) in die Tonne tritt, sobald das Wachstum mal ein wenig schrumpft. Und zwar im Konsens von rechts bis links, national und international, im Konsens auch von Unternehmern und Gewerkschaften, die allesamt wie Süchtige am Tropf des Wachstums und seiner Finanzierung aus immer mehr Schulden hängen. Weiter → (Gelesen: Meinhard Miegel – Wohlstand ohne Wachstum)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Claudia am 16. April 2010 — 6 Kommentare

Eyjafjallajoküll

Wie eigenartig: da hat man sich ausgiebig an die menschengemachten Katastrophen gewöhnt, da zeigt uns ein Vulkan, dass es auch noch anderes zu fürchten gibt. Sogar mitten in Europa, das bisher den Erdbeben und Vulkanausbrüchen eher von Ferne mitleidig zusah.

Kein Flugverkehr mehr wegen zuviel Asche am Himmel – es klingt wie eine kurzzeitige Maßnahme, aber wer will wissen, wie lange der Vulkan so weiter machen wird? Die Wolke sei jetzt schon etwas „reiner“, heißt es im SPIEGEL, doch bedeute das kein baldiges Ende des Ausbruchs. Weiter → (Eyjafjallajoküll)

Diesem Blog per E-Mail folgen… (-> Sidebar)

Neuere Einträge — Ältere Einträge