Claudia am 03. Oktober 2026 — 2 Kommentare

Der politische Blogpost des Jahres 2026 – behaupte ich mal!

Üblicherweise gilt für Blogartikel das ungeschriebene Gesetz: bitte bei EINEM Thema bleiben, nicht ausufern, sonst liest das niemand mehr. Dass es auch anders geht, zeigt der Blogpost vom 30.September auf Draußen nur Kännchen: „Meine 5cent zur politischen Situation – ohne, dass der Name des Kanzlers vorkommt

Für mich ist das schon jetzt der Blogpost des Jahres!

Ganz unaufgeregt –  ohne Empörung und Moralisieren – gelingt Vanessa eine sehr präzise Nahaufnahme unserer Gegenwart.  Weil ich selbst hauptsächlich zum Weltgeschehen blogge, kann ich ermessen, wieviel Arbeit der Text gemacht haben muss: möglichst alle relavanten Aspekte unserer Situation erfassen, aber immer aufs Wesentliche konzentriert. Ganz toll, ich bin trotz der Länge dran geblieben, was etwas heißen will!

Der Blogpost teilt sich in zwei starke Teile, jeweils mit übersichtlich durchnummerierten Unterkapiteln:

  • Die Beobachtung: Vanessa zeigt auf, wo es im Alltag knirscht: von der extrem ungleichen Vermögensverteilung über die Zerrüttung der Daseinsvorsorge bis hin zur Überforderung durch eine immer komplexere Welt. Sie erklärt das Erstarken der radikalen Ränder aus der Ohnmacht heraus, ohne es zu entschuldigen.
  • Was Vanessa sich wünscht: Ich staune, weil ich sonst nirgends positive Zukunftsbilder finde, sogar herunter gebrochen auf die verschiedenen Aktionsfelder. Sie plädiert für einen pragmatischen, zukunftsgewandten Konservatismus und konsequente Langzeitpläne für Bildung, Energiewende, Wohnraum und Verwaltung.

Fast durchweg konnte ich beim Lesen zustimmend nicken. Fast? Nun ja, ein wenig fremdle ich mit dem „pragmatischen Konservatismus“, obwohl ich vom „Meinungskonstum“ her vermutlich schon längst da angekommen bin (nur noch nicht ganz in der Selbstidentifikation).  Vanessa scheint es ähnlich zu gehen:

„Ich sage das nicht, weil ich selbst konservativ bin und mich persönlich danach sehne. Ich empfinde mich mehr als Europäerin denn als Deutsche, empfinde wenn überhaupt einen europäischen Patriotismus. Aber ich habe den Eindruck, dass wir als eine im Herzen konservative Nation eine neue konservative Idee brauchen“

Im weiteren wird diese dann in wenige Sätzen skizziert – warum lese ich so etwas nicht von den „Parteien der Mitte“?

Den ganzen Blogartikel sollten bittschön alle Politiker/innen und Amtstragenden lesen, denen unser aller Wohl am Herzen liegt! Zum heutigen Tag der Deutschein Einheit eine passende Lektüre, die (in #2 – Das Unkontrollierbare) auch die Abhängigkeiten thematisiert, die „unser Staat aus seinem territorialen und rechtlichen Rahmen heraus nicht lösen kann„.

Wer also Lust hat, mal einen Blick aufs Große & Ganze zu werfen und ein bisschen Lesezeit mitbringt, surft mal eben rüber ➜;

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Und sonst:

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Diskussion

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2 Kommentare zu „Der politische Blogpost des Jahres 2026 – behaupte ich mal!“.

  1. Deine Begeisterung für den Text kann ich gut nachvollziehen. Schon der Versuch, die vielen Probleme nicht einzeln und empört abzuhaken, sondern sie miteinander in Beziehung zu setzen und daraus eine Vorstellung von Zukunft zu entwickeln, ist bemerkenswert. Und politisch so furchtbar überfällig.

    Bei einem Punkt bin ich allerdings hängen geblieben: dem „pragmatischen Konservatismus“. Vanessa beschreibt Deutschland selbst als eine „im Herzen konservative Nation“. Gleichzeitig setzt nahezu alles, was sie anschließend vorschlägt, eine erhebliche Veränderungsbereitschaft voraus – bei Bildung, Energie, Verwaltung, Wohnen und nicht zuletzt bei unseren eigenen Erwartungen an den Staat.

    Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Widerspruch unserer gegenwärtigen Situation: Wir wissen ziemlich genau, dass sich vieles grundlegend verändern muss, möchten aber gleichzeitig möglichst viel von dem bewahren, woran wir uns gewöhnt haben. Ob sich dieser Widerspruch tatsächlich unter der Überschrift „Konservatismus“ auflösen lässt, da bin ich mir nicht sicher.

    Aber vielleicht ist gerade das eine der Stärken dieses ungewöhnlich langen Textes: Er liefert genügend Stoff, um nicht nur zustimmend zu nicken, sondern weiterzudenken.

  2. “ warum lese ich so etwas nicht von den „Parteien der Mitte“?“ – das ist wahrscheinlich ein großer Teil des Problems: wer sind denn die Parteien der Mitte?
    btw: ‚konservativ‘ bedeutet ja nicht, etwas verhindern, sondern das Gute zu bewahren.

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