Unberührbarkeit zeigt vor allem der Schreiber selbst, spielt sie zumindest in seinen Texten. In der Regel kommt er in den Texten nämlich nicht vor (SIE erst recht nicht): er ist nur der Wissende, der die anderen mit seinen stimmig hingeschriebenen Erkenntnissen beglückt.
Da die Welt der Texte aber übervoll von solchen Belehrungen ist, seien sie nun aus wissenschaftlichen, spirituellen, politischen oder journalistischen Traditionen auf uns gekommen, berühren sie uns nicht mehr.
Nicht über das angenehme Empfinden hinaus: "wie schön, der sieht die Dinge richtig!" oder das verärgerte: "Was für ein Stuß!"
Nach 20 Jahren Lesepraxis kennt der Leser die möglichen Gedankenfiguren und wer gern zum Thema Glück liest, kennt alle Rezepte.
Wer dennoch weiterliest, erfreut sich vielleicht an originellen Wortschöpfungen, an der kreativen Verbindung zweier Gesichtspunkte, kurzum: an den ästhetischen Merkmalen des Textes, sofern vorhanden. Viele entdecken jetzt den Zugang zur Literatur, zur Lyrik. Oder zu Klassikern aller Traditionen, denen man nicht vorwerfen kann, sich als Person zu verstecken, da es zu ihrer Zeit noch gar kein Individuum im heutigen Sinne gab.
Autoren aber, die unter den Lebenden weilen und Anleitungen zum richtigen Leben vertreiben, müssen sich fragen lassen: Und DU? Was hat dir dein Wissen gebracht? Und was hat es dich gekostet? Zeig mir Deine Abgründe, laß mich sehen, wo du scheiterst trotz deiner Weisheit - DANN werde ich Dich ernst nehmen, denn dann erst nehme ich Dich als Mensch wahr und nicht als Vermarkter von Gedankengebäuden.