{"id":989,"date":"2012-12-27T13:31:18","date_gmt":"2012-12-27T12:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=989"},"modified":"2012-12-27T16:34:36","modified_gmt":"2012-12-27T15:34:36","slug":"haben-wir-zeit-verinnt-sie-konnen-wir-sie-uns-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/12\/27\/haben-wir-zeit-verinnt-sie-konnen-wir-sie-uns-nehmen\/","title":{"rendered":"Haben wir Zeit? Verrinnt sie? K\u00f6nnen wir sie uns nehmen?"},"content":{"rendered":"<p>Thinkabout hat ein besinnliches Posting mit dem Titel <a href=\"http:\/\/thinkabout.ch\/article\/die-zeit-ist-immer\">Die Zeit ist immer<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Darin reflektiert er das Zeit-Problem, wie es heute vielen vertraut ist: Zuwenig Zeit f\u00fcr alles, was wir tun wollen, tun k\u00f6nnten, tun sollten. &#8222;Zeitmanagement&#8220; gilt als angemessener Umgang mit der vermeintlich immer knappen Zeit, doch hift das wirklich? Ist es doch blo\u00df eine elaborierte Form der ToDo-Liste, die wir sowieso alle im Kopf (und im Gef\u00fchl!) haben. <\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Sich das Bewusstsein erarbeiten, Zeit zu haben, ist pure Lebenskunst. Und etwas ganz Wundervolles. Das, immerhin, wissen wir alle. Fangen Sie jetzt nicht auch noch an, Ihren guten Vors\u00e4tzen Zeitmanagement hinzuzuf\u00fcgen (was ja wahrscheinlich eh schon drauf steht). Nein. Greifen Sie einfach zu. Nehmen Sie davon. Gehen Sie spazieren. Machen Sie ein Telefonat, das schon lange wartet, weil Sie sich die Zeit daf\u00fcr nicht geg\u00f6nnt haben&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, so einfach geht das. F\u00fcr die meisten aber nur an Feiertagen, und nur, wenn man sich diese nicht mit einem  Feiertagsprogramm voll stopft. <\/p>\n<h2>Wenn ich mal nichts tun muss&#8230;<\/h2>\n<p>Weihnachten war f\u00fcr mich eine sch\u00f6ne Auszeit! Einfach mal gar nichts tun, auch nicht &#8222;Online-Pr\u00e4senz&#8220; zeigen, Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe posten, Weihnachtsbotschaften senden, an alle Welt mailen &#8211; angesichts meiner auf sieben Blogs, drei soziale Netzwerken, mehrere Foren und acht Mail-Accounts verteilten Aktivit\u00e4ten hab&#8216; ich das gar nicht erst versucht. Es w\u00e4re stressiger gewesen als das ganze Rest-Jahr! <!--more--><\/p>\n<p>Statt dessen also NICHTS getan. Was war das konkret? Abgesehen vom Besuch eines alten Freunds an heilig Abend mit gutem Essen und Geplauder, war ich alleine und hab&#8216; es genossen, einfach meinen Impulsen zu folgen. Geleistet hab&#8216; ich dabei gar nichts, nicht mal im Sinn von &#8222;forcierter Besinnung&#8220;. Sondern ganz ohne Eile im Web \u00fcber Themen gelesen, zu denen ich sonst nicht komme, auch mal einen halben Tag \u00fcber den richtigen Mixer recherchiert, um in Zukunft mehr <a href=\"http:\/\/www.unverbissen-vegetarisch.de\/2012\/04\/gruener-smoothie-aus-wildkraeutern\/\">Gr\u00fcne Smoothies<\/a> in meine Ern\u00e4hrung einzubinden. Zwischendurch hab&#8216; ich mir was gekocht, bin tats\u00e4chlich eine halbe Stunde spazieren gegangen &#8211; und hatte auch kein Problem damit, vor der Glotze zu h\u00e4ngen und herum zu zappen. Das Elend der Welt wollte ich allerdings mal NICHT sehen, weder als Doku noch als Fiction. <\/p>\n<p>Hab&#8216; ich diese Zeit also &#8222;verschwendet&#8220;?? Kann man Zeit \u00fcberhaupt verschwenden, besitzen, managen, verlieren? Ich k\u00f6nnte mich vervierfachen und dann alle vier Klone locker ganztags besch\u00e4ftigen &#8211; h\u00e4tte ich so vervierfacht MEHR ZEIT?<\/p>\n<h2>GIBT es ZEIT?<\/h2>\n<p>Rund um den Weltuntergangs-Hype am 21.12. erinnerte <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/20\/live-blog-zum-weltuntergang-2012\/\">ein Blogger daran<\/a>, dass jedes Datum auf diesem Planeten <a href=\"http:\/\/www.swetzel.ch\/kalender\/datgre\/datgre.html#10\">48 Stunden &#8222;in Gebrauch&#8220; ist<\/a>. Dieses leicht absurd wirkende Ph\u00e4nomen der Zeitzonen auf der sich drehenden Erde macht deutlich, dass es &#8222;in Wirklichkeit&#8220; so etwas wie Zeit gar nicht gibt. Es existiert nur Bewegung von Materie und Licht im Raum, wobei selbst diese Koordinaten unserer Weltwahrnehmung wissenschaftlich lange schon grundst\u00fcrzend zur &#8222;Raumzeit&#8220; relativiert wurden. <\/p>\n<p>Hat das alles etwas mit mir und meinem Alltag zu tun? Alles und nichts! Das Gef\u00fchl, keine oder nicht genug Zeit zu haben, ist eine Folge der Machtergreifung des Verstands in Form des berechnenden Denkens, verbunden mit der Potenzierung der Handlungsm\u00f6glichkeiten, die uns in der heutigen Welt offen stehen. <\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich am Mixer-Beispiel gut zeigen: Viele Informationen sagen mir, dass es unglaublich viel ges\u00fcnder w\u00e4re, den Anteil gr\u00fcner Blattgem\u00fcse in der Ern\u00e4hrung drastisch zu erh\u00f6hen. Das soll sogar gegen vielerlei Krankheiten helfen bzw. ihnen vorbeugen. Faktisch schaffe ich es aber nicht, das mittels normalem Essen umzusetzen. Wer mag schon dauernd soviel Gr\u00fcnzeug verschlingen? Die L\u00f6sung ist die Zubereitung von <a href=\"http:\/\/www.gruenesmoothies.org\/\">Mixgetr\u00e4nken aus 50% Gr\u00fcnzeug und 50% Obst<\/a>, verfl\u00fcssigt mit genug Wasser. Und selbstverst\u00e4ndlich bietet der MARKT gef\u00fchlte 1000 Mixer, um das Problem zu l\u00f6sen &#8211; preislich so zwischen 20 und 1500 Euro. Da eine Entscheidung zu treffen, braucht dann halt einen guten halben Tag! Zeit, die anderswo wieder fehlt&#8230;.<\/p>\n<p>Die ganze Angelegenheit ist Folge der Dominanz rechnenden Denkens: Mache ich dies oder jenes, wird es mir (vielleicht) besser gehen. Und schon bin ich verstrickt in eine &#8222;Zeit-fressende&#8220; Aktivit\u00e4t, die definitiv nichts mit realweltlich vorhandenen Gel\u00fcsten, Empfindungen, Gef\u00fchlen und Befindlichkeiten zu tun hat. Niemand verlangt nach &#8222;gr\u00fcnen Smoothies&#8220;, so lange man sie nicht kennt, von ihren &#8222;Probleml\u00f6serqualit\u00e4ten&#8220; nicht \u00fcberzeugt ist. <\/p>\n<p>Wir wissen allerdings immer mehr dar\u00fcber, was wir noch alles tun k\u00f6nnten und sollten. Jede nicht verwirklichte M\u00f6glichkeit, von der wir wissen, verst\u00e4rkt das Gef\u00fchl, nicht genug Zeit zu haben. <\/p>\n<p>Allein das dar\u00fcber nachdenken hilft mir, daran nicht zu verzweifeln &#8211; und mich beim &#8222;Zeit verschwenden&#8220; nicht schlecht zu f\u00fchlen. Ein weiterer Denkansto\u00df ist die Frage nach dem Subjekt der Entscheidungen: ist es wirklich so wichtig, dass ICH etwas tue oder lasse? Inwieweit ist es z.B. sinnvoll, f\u00fcr die eigene Gesundheit zu &#8222;arbeiten&#8220;? Sollte es nicht zu denken geben, dass es eine noch nie dagewesene &#8222;Lebe-gesund-und-tu-was-daf\u00fcr-Welle&#8220; gibt, w\u00e4hrend auf der Ebene der Politik die &#8222;Alternativlosigkeit&#8220; herrscht?<\/p>\n<p>Diese Fragen transzendieren das Thema Zeit &#8211; und der Artikel ist sowieso schon zu lang. Ich mache also hier Schluss und w\u00fcnsche allen Mitlesenden angenehme Zwischenjahres-Tage.<br \/>\nMit VIEL ZEIT f\u00fcr alles, was Ihr Euch w\u00fcnscht!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thinkabout hat ein besinnliches Posting mit dem Titel Die Zeit ist immer ver\u00f6ffentlicht. Darin reflektiert er das Zeit-Problem, wie es heute vielen vertraut ist: Zuwenig Zeit f\u00fcr alles, was wir tun wollen, tun k\u00f6nnten, tun sollten. &#8222;Zeitmanagement&#8220; gilt als angemessener Umgang mit der vermeintlich immer knappen Zeit, doch hift das wirklich? 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