{"id":98,"date":"2007-10-15T23:20:57","date_gmt":"2007-10-15T21:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/10\/15\/eine-gute-nachricht-vom-universum\/"},"modified":"2008-01-21T18:06:10","modified_gmt":"2008-01-21T16:06:10","slug":"eine-gute-nachricht-vom-universum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/10\/15\/eine-gute-nachricht-vom-universum\/","title":{"rendered":"Eine gute Nachricht vom Universum"},"content":{"rendered":"<p>Gerade hat eine Ph\u00f6nix-Wissenschafts-Doku ganz unerwartet meiner Vorstellung vom Kosmos ein wesentliches Update verpasst. Und jetzt bestaune ich die neue Gestalt, die sich da in gut untermauerten Theorien zeigt, staune aber noch mehr \u00fcber die Erleichterung, die ich angesichts des neuen, vollst\u00e4ndigeren Anblicks empfinde. Wow, wie wunderbar &#8211; es ist NICHT nur SO, wie ich es bisher gekannt hatte: ein Haufen seit dem &#8222;Big Bang&#8220; auseinander fliegender Materie, Wolken aus Gas und Staub, die sich zu Sternen und Galaxien verdichten, die letztlich in schwarze L\u00f6cher st\u00fcrzen, Reste explodierter Sterne von ungeheurer Masse, die als gefr\u00e4\u00dfige Monster alles zermalmen und verschlingen, was da kommt &#8211; sogar das Licht.<!--more--><\/p>\n<h2>Der deprimierende Kosmos<\/h2>\n<p>Jetzt erst bemerke ich, wie sehr mich das so beschriebene Universum trotz all seiner Gro\u00dfartigkeit deprimiert hat. Nat\u00fcrlich war mir immer klar, dass sich all diese Prozesse in Zeitr\u00e4umen abspielen, die f\u00fcr mein pers\u00f6nliches Leben, wie auch das der Menschheit und das unseres Planeten Erde keinerlei Bedeutung haben. Dass die Nachbargalaxie Andromeda mit 120 Sekundenkilometern auf die Milchstra\u00dfe zurast, kann mich als Mensch ja wirklich kalt lassen, wenn ich wei\u00df, dass das Treffen erst in f\u00fcnf Milliarden Jahren stattfinden wird.<\/p>\n<p>Und doch &#8211; was ich \u00fcber das Universum las und lernte, hat mir nicht gefallen. Ja, jetzt werde ich mir gewahr, dass ich es sogar richtig zum Kotzen fand, in einem solch finsteren All zu leben! Es hat mein Herz beleidigt, all dieses Explodieren, Zusammenst\u00fcrzen, Fressen und gefressen werden \u00fcber zwar unendlich lange Zeitr\u00e4ume, aber doch mit dem sicheren Ende im schwarzen Loch  &#8211; dieses unendlich verdichtete Nichts, das irgendwann alles verschlungen und vernichtet haben wird, was einmal strahlte und lebte, Licht, Farbe und W\u00e4rme besa\u00df.<\/p>\n<p>Mein Gef\u00fchl sagte mir immer schon, dass es so was &#8222;eigentlich&#8220; nicht geben d\u00fcrfte, bzw. dass es ein Skandal sei, wenn das Universum derart widerlich beschaffen sein sollte. Nur nehmen, fressen und vernichten &#8211; das kann nicht die letzte Wahrheit sein!<\/p>\n<p>Und doch hatte ich mich damit abgefunden, schlie\u00dflich kann ich mir als Mensch mein Universum nicht aussuchen. Es hat ja auch schon einige &#8222;gro\u00dfe Beleidigungen&#8220; in der Geschichte gegeben, die mir noch nie weh taten, aber meine Vorfahren nicht wenig schmerzten: Wir sind nicht das Zentrum, kein Himmel nirgends, kein v\u00e4terlicher Gott da droben, keine Sph\u00e4ren, die uns halten, sondern \u00fcberall frei fliegende Ballungen von Teilchen, die einander nach nicht widerspruchsfrei erforschten Gesetzen im Gro\u00dfen und im Kleinen anziehen und absto\u00dfen, sich mal als Materie, mal als Energie zeigen und gelegentlich ineinander verwandeln. Ein Fall vom Zentrum des Seins ins chaotische Herumdriften &#8211; schon heftig! Und dann noch die Geschichte von der Evolution, vom Einzeller bis zu uns, die heute wieder vielen als unertr\u00e4gliche &#8222;Zumutung&#8220; aufst\u00f6\u00dft, sofern da nicht mindestens ein &#8222;intelligenter Designer&#8220; angenommen werden kann.<\/p>\n<p>DAS ALLES hat mir ja nichts ausgemacht, im Gegenteil, ich fand es &#8222;ganz nat\u00fcrlich&#8220;, ziemlich stimmig geschildert und eigentlich ok. Bis auf diese Blicke in die Zukunft: die Sternenexplosionen, das Ende in der zuf\u00e4lligen Begegnung mit einem schwarzen Loch, das alles einsaugt bis nichts mehr \u00fcbrig ist, und alles kalt, still, dunkel und tot. <em>(Da schau&#8216; ich dann doch lieber Lindenstra\u00dfe als mir das weiter anzutun, Wahrheit hin oder her).<\/em><\/p>\n<h2>Eine halbe Wahrheit ist falsch<\/h2>\n<p>Nun also das Update:  Schwarze L\u00f6cher sind keine Monster, denen man als Galaxie mal eben \u00fcber den Weg l\u00e4uft und  &#8211; Pech gehabt &#8211; weggefressen wird ohne Wiederkehr. Die Entdeckung, dass im Zentrum der Milchstra\u00dfe ein schwarzes Loch von dreifacher Sonnenmasse existiert, hat die Forscher inspiriert, auch andere beobachtbare Galaxien zu untersuchen, und siehe da: das scheint der Normalfall zu sein, in jeder elliptischen Galaxie sitzt ein schwarzes Loch im Zentrum. Und wenn zwei Galaxien kollidieren, umtanzen, ber\u00fchren und durchdringen sie einander und vereinigen sich schlie\u00dflich zu einer neuen Gestalt, wobei auch die schwarzen L\u00f6cher in ihrem Kern zu einem einzigen, nun deutlich gr\u00f6\u00dferen und massigeren Loch verschmelzen. (<strong>Galaktischer Sex<\/strong> &#8211; wie sch\u00f6n!)<\/p>\n<p>Klar liegt jetzt der Schluss nahe, dass das kein zuf\u00e4lliges Miteinander von Galaxien und schwarzen L\u00f6chern ist, sondern dass letztere sehr wahrscheinlich mit dem Entstehen der Galaxien ebensoviel zu tun haben wie mit dem Vergehen. Die derzeitige Theorie meint, dass es die schwarzen L\u00f6cher sind, die die Materie, den ganzen Sternenstaub anziehen, die sich beim n\u00e4her kommen zu Sternen verdichten, die das Loch umkreisen &#8211; womit die typische elliptische Galaxie entsteht.<\/p>\n<p>Der &#8222;Ansaugprozess&#8220; ist jedoch kein alles verschlingender, niemals endender Malstrom, der der Galaxie keine Zeit zum Leben l\u00e4sst, sondern ein Geschehen, das zum Stillstand kommt, wenn das schwarze Loch die ein- bis eineinhalb Prozent Masse der Galaxie (oder waren es Promille? :-) erreicht hat. Dann wird das schwarze Loch inaktiv und verharrt in diesem Zustand (quasi in der Ateml\u00fccke). Die meisten beobachteten L\u00f6cher sind inaktiv, haben um sich herum eine wundervolle Galaxie zusammen gesammelt, die sich nun in Ruhe  entwickeln kann &#8211; wie die unsere, die immerhin schon Zeit genug hatte, uns reizende Evolutionsergebnisse hervor zu bringen.<\/p>\n<p>Tja, und jenseits der &#8222;Ateml\u00fccke&#8220; des schwarzen Lochs: auch in der Phase, in der es aktiv ist und alles um sich her anzieht, zermalmt und verschlingt, bzw. &#8222;einatmet&#8220;, gibt es gleichzeitig auch Gewaltiges ab: einen geb\u00fcndelten Energiestrahl, der so stark ist, dass er hunderte Lichtjahre weit reicht und in dessen Mitte sich ein &#8222;Gasstrahl&#8220; befinden soll, der vielleicht &#8211; irgendwo da drau\u00dfen &#8211; am Entstehen neuer Galaxien beteiligt ist. Das w\u00e4re das Ausatmen, yogisch gesehen.<\/p>\n<p>Alles, was ich hier beschreibe, ist schon ein paar Jahre bekannt. Ich  hab&#8216; die Ver\u00e4nderungen der herrschenden Theorie nur nicht mitbekommen, weil ich das Thema f\u00fcr mich abgehakt hatte. Als es mal Jahre lang nur noch um verschiedene String-Theorien, um zehn-, elf- oder N-dimensionale Universen ging, bin ich aus der Beobachtung der Weltbild-Entwicklung ausgestiegen. &#8222;Sch\u00e4ume&#8220; sagen mir nichts, das ist eher ein M\u00e4nner-Spielzeug. Und inneren Frieden erwartete ich an dieser Stelle der Erkenntnism\u00f6glichkeiten nicht: zu gro\u00df, zu unberechenbar, zu gefr\u00e4\u00dfig und zu lebensfeindlich erschien mir das Universum, das mir die Wissenschaft da zeigte. Gleichwohl hielt ich es immer f\u00fcr wahr und akzeptiere bis heute keine Lehre, die diesem Stand der Erkenntnis widerspricht, bzw. das wissenschaftliche Weltbild negiert, anstatt es zu umgreifen.<\/p>\n<p>Dabei war dieses Bild vom Kosmos so gar nicht &#8222;wahr&#8220;, denn es war unvollst\u00e4ndig und einseitig: schwarze L\u00f6cher, die nur fressen und zerst\u00f6ren, aber weder f\u00fcttern, noch befruchten noch geb\u00e4ren. Was mir jetzt gezeigt wird, ist vollst\u00e4ndig, umfasst beide Pole der M\u00f6glichkeiten, dient dem Werden ebenso wie dem Vergehen, kennt Geben genau wie Nehmen, ist ein Ganzes, das alle H\u00f6llen und Himmel umfasst.<\/p>\n<p>Da finde ich mich wieder, damit bin ich eins. In diesem f\u00fcr andere vermutlich ganz unbedeutendem Wissenszuwachs \u00fcber das Universum finde ich den inneren Frieden mit dem, was ist &#8211; weil ich mich in ihm spiegeln kann und mich darin erkenne.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade hat eine Ph\u00f6nix-Wissenschafts-Doku ganz unerwartet meiner Vorstellung vom Kosmos ein wesentliches Update verpasst. Und jetzt bestaune ich die neue Gestalt, die sich da in gut untermauerten Theorien zeigt, staune aber noch mehr \u00fcber die Erleichterung, die ich angesichts des neuen, vollst\u00e4ndigeren Anblicks empfinde. 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