{"id":96,"date":"2007-10-10T11:48:31","date_gmt":"2007-10-10T09:48:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/10\/10\/burma-kambodscha-3welt-wie-helfen\/"},"modified":"2007-11-01T19:39:35","modified_gmt":"2007-11-01T17:39:35","slug":"burma-kambodscha-3welt-wie-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/10\/10\/burma-kambodscha-3welt-wie-helfen\/","title":{"rendered":"Burma, Kambodscha, 3.Welt: Wie helfen?"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich wurde ich von einer lieben Bekannten, die ich 2006 in Phnom Pen zum ersten Mal &#8222;von Angesicht&#8220; getroffen habe, in eine Kambodscha-Mailingliste eingeladen. Dort sind Menschen versammelt, die auch ganz privat Hilfe leisten, Projekte unterst\u00fctzen und jenseits gro\u00dfer Organisationen Spenden sammeln, die bist auf den letzten Cent die Adressaten erreichen. Ich bin begeistert!<\/p>\n<h2>Vitamintabletten statt Spielzeug<\/h2>\n<p>Und gleichzeitig auch wieder entsetzt, denn es gab&#8216; auch Bilder zu sehen, privat fotografiert, die Kinder, Jugendliche und Kranke  in allermiesesten Verh\u00e4ltnissen zeigen. Man kennt Hungerbilder aus Afrika, aus Kambodscha waren mir solche Extreme noch nicht bekannt. Rachitische, verwachsene Kinder, deren lebenslange Sch\u00e4digung einzig dem Vitaminmangel zu verdanken ist. Dazu die Info, Reisende sollten keine Schulhefte und Spielzeuge mitbringen, sondern Vitamintabletten. Die Mangelern\u00e4hrung mit ausschlie\u00dflich Reis, die vielerorts aufgrund der Armut der Bev\u00f6lkerung \u00fcblich ist, reicht einfach nicht und ergibt Folge-Sch\u00e4den, die man hierzulande lange schon nicht mehr kennt.<!--more--><\/p>\n<p>Vitamintabletten helfen &#8211; ja verdammt nochmal, ist es denn so schwer, das Land damit zu beliefern und sie z.B. \u00fcber die m\u00f6nchischen &#8222;Wats&#8220; zu verteilen?? Ich stecke zu wenig im Thema drin, als dass ich die M\u00f6glichkeiten und Rahmenbedingungen von Hilfsprojekten \u00fcberschauen k\u00f6nnte, doch die Privatinitiative, die ich \u00fcber die Liste mitbekomme, ermuntert mich, es nicht dabei zu belassen.<\/p>\n<h2>Free Burma &#8211; und dann?<\/h2>\n<p>Ja, die Aktion &#8222;Free Burma&#8220; hat mich nicht kalt gelassen, doch schien es mir dabei auch darum zu gehen, <strong>die publizistische &#8222;Macht der Blogger&#8220;<\/strong> auszutesten. Das ist nichts B\u00f6ses, die Situation in Burma rechtfertigt jegliche Solidarit\u00e4ts-Aktivit\u00e4ten, doch f\u00fchle ich mich selbst nicht mehr danach, \u00fcber die Widerlichkeiten der Welt immer nur zu schreiben, zu schimpfen, zu mahnen &#8211; heute \u00fcber Burma, morgen \u00fcber das n\u00e4chste Land, das das Gl\u00fcck hat, die Aufmerksamkeit der Gro\u00dfmedien auf sich zu ziehen, auf deren fahrenden Zug man dann aufspringen kann. (Die &#8222;Macht&#8220; der Blogs w\u00e4re aus meiner Sicht erst dann erwiesen, wenn es gel\u00e4nge, selber ein Thema zu setzen, dass dann von der Presse aufgegriffen wird).<br \/>\nDavon abgesehen bin ich mir sicher, dass kein Diary-Leser in dieser Sache auf MICH angewiesen war, um von der Aktion etwas mitzubekommen.<\/p>\n<h2>Etwas Konkretes tun<\/h2>\n<p>In den acht Jahren, die es das Digital Diary schon gibt, hab&#8216; ich immer mal wieder \u00fcber das Helfen geschrieben: wie es im pers\u00f6nlichen Umfeld fast unm\u00f6glich ist, irgend jemandem wirklich zu helfen, der zwar klagt, aber sich der Einsicht in die eigene Situation versperrt. Die Probleme des N\u00e4chsten k\u00f6nnen wir oft ganz gut sehen, doch den sprichw\u00f6rtlichen &#8222;Balken im eigenen Auge&#8220; erblicken wir nicht, bzw. wollen ihn nicht sehen, solange das Leiden nicht \u00fcberhand nimmt.<\/p>\n<p>Was <strong>das Helfen im gr\u00f6\u00dferen Rahmen<\/strong> angeht, konnte ich mich nur selten zu etwas Konkretem entscheiden. W\u00e4hrend meiner Aktivistinnen-Jahre in der Stadtteilpolitik Kreuzbergs hatte ich jede Menge <strong>pers\u00f6nlichen Bezug<\/strong> zu all den Missst\u00e4nden, um deren Ver\u00e4nderung wir uns bem\u00fchten. Nicht so beim &#8222;Elend der Welt&#8220;, das an so vielen Ecken virulent ist, das ich mich immer fragte: warum hier und nicht dort? Auf welchen hei\u00dfen Stein soll ich meinen pers\u00f6nlichen Tropfen denn sch\u00fctten? Und kann ich \u00fcberhaupt sicher sein, dass er ankommt?<\/p>\n<p>Mir scheint, diese Situation \u00e4ndert sich gerade. Ich sp\u00fcre einen neuen &#8222;pers\u00f6nlichen Bezug&#8220;, denn ich werde zum zweiten Mal nach Kambodscha fahren. Und wenn ich von den dortigen Umst\u00e4nden erfahre, geht es mir auf einmal anders als bei &#8222;irgend einem Elend&#8220;: es emp\u00f6rt und irritiert mich die konkrete Erfahrung, mit WIE WENIG MITTELN man dort sehr viel erreichen und sehr gro\u00dfes Leid lindern kann!! Das setze ich automatisch in Bezug zu der Art, wie achtlos ich hierzulande gelegentlich &#8222;ein paar Euro mehr&#8220; als n\u00f6tig ausgebe, ohne dadurch auch nur ein Gef\u00fchl des Luxus zu genie\u00dfen. Dabei reichen 20 Euro pro Monat, um mein kambodschanisches Patenkind zu versorgen und zu beschulen, 30 bis 50 Euro \/ Monat kostet eine engagierte Arbeitskraft &#8211; und die paar Euro, die ein Kind im Jahr f\u00fcr Vitamintabletten br\u00e4uchte, will ich gar nicht erst ausrechnen!<\/p>\n<h2>So geizig sind wir gar nicht<\/h2>\n<p>In vieler Hinsicht gehe ich in der Beurteilung anderer von mir selbst, vom eigenen Erleben und F\u00fchlen aus &#8211; und von daher sage ich: So GEIZIG sind wir gar nicht! Man denke an die Spendenaktionen bei der Oderflut oder nach dem Tsunami in Thailand &#8211; es kam weit mehr &#8218;r\u00fcber als aktuell n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, denn alle hatten auf einmal das gute Gef\u00fchl, etwas SINNVOLLES zu tun, das nicht in irgendwelchen Organisationen und B\u00fcrokratien versackt.<\/p>\n<p>Viele Menschen spenden auch regelm\u00e4\u00dfig vor Weihnachten an Hilfsorganisationen, doch vielen anderen fehlt (wie mir bisher) der pers\u00f6nliche Bezug zum Thema. Hinzu kommt das Misstrauen, ob man nicht mit dem Spendengeld blo\u00df das gute Leben der Helfer in Drittweltl\u00e4ndern finanziert, ohne dadurch viel zu bewegen.<\/p>\n<p>Ich werde den Bereich <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/category\/kulturschock-kambodscha\/\">&#8222;Kulturschock Kambodscha&#8220;<\/a> in diesem Diary ausbauen und im Vorfeld meiner n\u00e4chsten Reise Projekte erkunden, die eine gute Adresse f\u00fcr konkrete Hilfen sind. In den n\u00e4chsten Tagen bekomme ich eine DVD zur Arbeit einer Fraueninitiative auf dem Land, die &#8211; unterst\u00fctzt von hiesigen privat Engagierten &#8211;  das Dengue-Fieber bek\u00e4mpft, Brunnen baut, wo es nur faulige Pf\u00fctzen gibt, und Krankenstationen mit dem N\u00f6tigsten ausstattet. Ich stelle mir vor, meinen Leserinnen und Lesern ein Projekt vorzuschlagen, es zu beschreiben und Spenden daf\u00fcr zu sammeln (nat\u00fcrlich nicht an mich, sondern an die Tr\u00e4ger-Initiative). Wer sich von mir zum Mittun verf\u00fchren l\u00e4sst und ein paar Euro locker macht, k\u00e4me (mit Link, wenn gew\u00fcnscht) auf die Spenderliste. Und ich besuche im Februar das Projekt und berichte, damit auch alle sehen, was aus dem Geld wird.<\/p>\n<p>Als Diary-Stammleser\/in ist das vielleicht auch f\u00fcr Dich ein St\u00fcck &#8222;pers\u00f6nlicher Bezug&#8220;, um mehr zu tun als nur \u00fcber das Elend zu schreiben. Zumindest hoffe ich das! :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich wurde ich von einer lieben Bekannten, die ich 2006 in Phnom Pen zum ersten Mal &#8222;von Angesicht&#8220; getroffen habe, in eine Kambodscha-Mailingliste eingeladen. Dort sind Menschen versammelt, die auch ganz privat Hilfe leisten, Projekte unterst\u00fctzen und jenseits gro\u00dfer Organisationen Spenden sammeln, die bist auf den letzten Cent die Adressaten erreichen. Ich bin begeistert! 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