{"id":947,"date":"2012-11-08T10:52:00","date_gmt":"2012-11-08T09:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=947"},"modified":"2012-11-08T11:49:09","modified_gmt":"2012-11-08T10:49:09","slug":"lieben-heist-mitfuhlen-und-auch-mitleiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/11\/08\/lieben-heist-mitfuhlen-und-auch-mitleiden\/","title":{"rendered":"Lieben hei\u00dft mitf\u00fchlen &#8211; und auch mitleiden"},"content":{"rendered":"<p>Manche Schlagzeilen klicke ich einfach weg. Weil ich schon wei\u00df, was f\u00fcr eine menschenverachtende Sauerei da wieder besprochen wird, zum soundsovielten Mal, ohne dass sich irgend etwas \u00e4ndert. Mit zunehmendem Alter scheine ich sensibler zu werden, was nicht immer sch\u00f6n ist. Denn alles, was ich an mich heran lasse, spricht nicht nur meinen Kopf, sondern auch mein Herz an &#8211; ein &#8222;Organ&#8220;, von dem ich fr\u00fcher glaubte, es sei nur eine Pumpe und der &#8222;Mythos Herz&#8220; eine romantische Metapher. <\/p>\n<p>Das soll nicht hei\u00dfen, dass ich mich selber als gef\u00fchllos empfand! Oh nein, ich war ganz normal verliebt, traurig, w\u00fctend, zeigte auch &#8222;Mitgef\u00fchl&#8220; gegen\u00fcber leidenden Menschen im Freundeskreis. Mir war nicht bewusst, dass diese Normalit\u00e4t bereits ein sehr vermindertes, eingemauertes F\u00fchlen war: eingebettet in Schutzmauern der Ignoranz, die eine Distanz zu allem Leiden der Anderen schuf &#8211; und auch zum eigenen \u00fcbrigens, wie ich bei einem heftige &#8222;Burnout&#8220; Ende drei\u00dfig erfuhr.<!--more--><\/p>\n<h2>Das &#8222;Herz&#8220; gibt es wirklich<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend eines Selbsterfahrungsworkshops mit &#8222;gemischten \u00dcbungen aus verschiedenen Traditionen&#8220; erlebte ich dann zum ersten Mal, was das &#8222;Herz&#8220; ist. Erstaunlicherweise war die etwa 20-min\u00fctige Atem\u00fcbung gar nicht darauf ausgerichtet, etwas anderes als tiefe Versenkung und Entspannung zu verursachen. Ich lag nur da und atmetete tief und lang, w\u00e4hrend eine &#8222;Begleiterin&#8220; neben mir sa\u00df und ihre Hand auf unterschiedliche K\u00f6rperregionen legte: Stirn, Kehle, Brust, Solar Plexus,Bauch&#8230; ich wei\u00df nicht mehr, wie weit sie gekommen war, ich atmete bereits ca. 10 Minuten in dieser vertieften Form, als etwas Seltsames mit mir geschah. <\/p>\n<p>Auf einmal \u00e4nderte sich mein Selbstgef\u00fchl, weg von der abwartenden, leicht gelangweilten beobachtenden Haltung hin zu einem spektakul\u00e4ren Gef\u00fchlsschub. Es war, als fiele ein schwerer Panzer von mir ab, auf einmal war da &#8222;str\u00f6mende, warme Liebe&#8220; und gro\u00dfe Leichtigkeit &#8211; ich kann das unm\u00f6glich beschreiben! <\/p>\n<p>Es war allerdings keine &#8222;Liebe f\u00fcr mich&#8220;, in der ich nun wohlig baden konnte. Ganz im Gegenteil, ich brach die \u00dcbung ab, stand auf und begann zu &#8211; tja, es passt wirklich nur der Begriff &#8222;predigen&#8220;! Voller Inbrunst forderte ich die anderen Workshop-Teilnehmer auf, ihre Mauern einzurei\u00dfen, die doch komplett \u00fcberfl\u00fcssig und nur leidvoll seien. Schlie\u00dflich h\u00e4tten wir doch keinen Grund, voreinander Angst zu haben! <\/p>\n<p>Selber war ich pl\u00f6tzlich komplett angstfrei, bzw. bemerkte nun erst, dass eine ansonsten offenbar unbemerkt immer pr\u00e4sente Angst weggefallen war. All dieses &#8222;was wohl die Anderen von mir denken?&#8220; war verschwunden und ich sah, wie unspontan und gef\u00fchllos der &#8222;Normalzustand&#8220; war, in dem wir alle unser Leben leben. Womit einher geht, dass es uns auch meistens egal ist, wie es Anderen gerade geht &#8211; mal abgesehen von nahen Freunden. <\/p>\n<p>Nun, die Workshopteilnehmer reagierten immerhin nicht ver\u00e4rgert! :-) Die beiden Leiterinnen wirkten sogar begl\u00fcckt: Bei mir habe sich das &#8222;Herz-Chakra ge\u00f6ffnet&#8220;, kl\u00e4rten sie mich auf. &#8222;Und jetzt?&#8220; fragte ich, denn ich wusste nicht, wohin mit dieser heftigen Liebe, die mich danach dr\u00e4ngte, sie zu teilen &#8211; aber wie?  <\/p>\n<p>&#8222;Keine Sorge, das geht auch wieder zu!&#8220;, war die Antwort. Das konnte ich allerdings in der Situation nicht abwarten, wollte auch den weiteren Verlauf nicht st\u00f6ren. Ich verlie\u00df also die Runde und ging duschen &#8211; es war einfach ZUVIEL Liebe, zuviel Mitf\u00fchlen  mit der nun auf einmal sp\u00fcrbaren Verpanzerung der Anderen. <\/p>\n<p>Unter der Dusche normalisierte ich dann wieder, hatte aber pl\u00f6tzlich ein Bewusstsein daf\u00fcr, was gemeint ist mit &#8222;ein Herz haben&#8220;. Und weil ich es jetzt kannte, verschwand diese Dimension nicht mehr ganz aus meinem Leben. Genau wie ich sp\u00fcre, wenn mich etwas intellektuell anspricht oder ich etwas &#8222;haben will&#8220;, sp\u00fcrte ich fortan auch besser, wenn etwas &#8222;mein Herz ber\u00fchrt&#8220;. Im Lauf der Jahre immer mehr.<\/p>\n<p>Dass das nicht nur sch\u00f6n, sondern im Alltag auch problematisch ist, wurde mir dann auch bald bewusst. Die Verpanzerung des Herzens kommt ja nicht grundlos: ich will nicht dauernd mitleiden, wenn ich Leiden wahrnehme. Die feine Unterscheidung zwischen &#8222;Mitleid&#8220; und &#8222;Mitgef\u00fchl&#8220; ist mir abhanden gekommen: entweder ich \u00f6ffne mich f\u00fcr das Leiden des Anderen, dann leide ich unweigerlich auch mit &#8211; oder ich verbleibe in weitgehend gef\u00fchlloser Ignoranz. <\/p>\n<p>Im Mitf\u00fchlen und Mitleiden zu verweilen, ist schwer zu ertragen &#8211; gerne biegen wir das um in Wut und leiden dann an der Ohnmacht, die jeweilige Ursache des Leidens zu ver\u00e4ndern (wer kennt nicht den \u00c4rger, wenn ein leidender Mitmensch partout die guten Ratschl\u00e4ge nicht befolgt? Von der Liebe sind wir dann wieder ziemlich weit weg&#8230;).<\/p>\n<p>Besonders schwer haben es auch jene Menschen, die gar nicht die Wahl haben. Ihr &#8222;Herz&#8220; ist immer offen, weshalb sie nicht wirklich alltagskompatibel sind und ihnen diverse Geisteskrankheiten attestiert werden &#8211; aber das ist ein anderes Thema. <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Zu diesem Eintrag inspiriert haben mich diese beiden Blogpostings:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zentao.wordpress.com\/2012\/11\/03\/mitgefuhl\/\">Mitgef\u00fchl &#8211; ZenTao Blog<\/a>;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/thinkabout.ch\/article\/was-ist-schon-klartext-und-tiefe-empfindung\">Was ist schon Klartext und tiefe Empfindung? Thinkabout<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Schlagzeilen klicke ich einfach weg. Weil ich schon wei\u00df, was f\u00fcr eine menschenverachtende Sauerei da wieder besprochen wird, zum soundsovielten Mal, ohne dass sich irgend etwas \u00e4ndert. Mit zunehmendem Alter scheine ich sensibler zu werden, was nicht immer sch\u00f6n ist. 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