{"id":935,"date":"2012-10-14T11:36:14","date_gmt":"2012-10-14T09:36:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=935"},"modified":"2015-12-12T15:37:22","modified_gmt":"2015-12-12T14:37:22","slug":"blog-sterben-anonymitat-ist-ein-fluchtiger-schutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/10\/14\/blog-sterben-anonymitat-ist-ein-fluchtiger-schutz\/","title":{"rendered":"Blog-Sterben: Anonymit\u00e4t ist ein fl\u00fcchtiger Schutz"},"content":{"rendered":"<p>Das Blog <a href=\"http:\/\/lilly-dornroeschen.blogspot.de\/2012\/10\/lilly-dornroschen-endet-hier.html\">&#8222;Dornr\u00f6schen holt die Heckenschere&#8220;<\/a> macht dicht. Es waren eher private Themen, die &#8222;Lilly&#8220; auf emotionale und recht spritzige Art dort seit 2009 verhandelt hat. Aus und vorbei. Warum?<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe mich immer um Authentizit\u00e4t bem\u00fcht, wollte nie die Mrs. Perfect vorgeben, aber da ich hier nun mal ein &#8222;Gesicht&#8220; habe und (leider) viele von meinem Blog wissen, denen ich freiwillig nichts (mehr) von mir erz\u00e4hlen w\u00fcrde, macht mir das Bauchweh. Gro\u00dfes Bauchweh.<br \/>\nEs ist gegen meine Intention hier nur Kochrezepte, Sockenstrickanleitungen und drollige Kinderanekdoten zu posten. &#8230;&#8230;. Aber w\u00fcrde ich hier so weitermachen wie bisher, w\u00fcrde ich Euch, und viel schlimmer noch, mich selbst betr\u00fcgen. Ich w\u00fcrde \u00fcber Nebens\u00e4chlichkeiten schreiben, obwohl etwas ganz anderes in mir schreit heraus zu d\u00fcrfen. <\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nLillys Blog ist nur ein Beispiel aus vielen, die mir mit diesem Ausstiegsgrund im Lauf der Jahre schon begegnet sind. Oft sind es &#8222;anonyme&#8220; Blogs, die keinerlei Realdaten \u00fcber die Person enthalten, was den Schreiber\/innen die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, kein Blatt vor den Mund zu nehmen: pers\u00f6nliche Beziehungen und ihre Konflikte, Probleme mit Arbeitgeber und Kollegen, erotische Details, Launen, Leiden, Krankheiten &#8211; und genau dieser Stoff ist es, der dem Unterhaltungsbed\u00fcrfnis vieler Lesenden entgegen kommt. Man nimmt quasi Teil an einer realen Daily Soap und ist gespannt auf die Fortsetzung. Bis es eines Tages der Autorin zuviel wird: Zu vielen Menschen aus dem eigenen &#8222;realen Leben&#8220; hat man das Blog irgendwann gezeigt, so dass das freie Schreiben angesichts der vielen Mitwissenden zunehmend unm\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>Irgendwann ist also Schluss: es folgt ein Abschied, oft versehen mit dem Hinweis, dass diejenige durchaus weiter schreiben wird &#8211; irgendwo anders, wieder &#8222;richtig anonym&#8220;. <\/p>\n<p><strong>Wie finde ich das?<\/strong> Einerseits lese ich selbst mit Interesse das eine oder andere derartige Blogs (das &#8222;Dornr\u00f6schen&#8220; hab&#8216; ich allerdings erst an dessen Ende entdeckt). Andrerseits k\u00f6nnte und wollte ich selber so niemals bloggen: Was ich den jeweiligen Personen nicht auchins Gesicht sagen kann, bzw. schon gesagt habe (!), schreibe ich auch nicht ins Netz. \u00dcber Beziehungen blogge ich nur in gro\u00dfem zeitlichen Abstand, in verallgemeinerter Form oder MIT ERLAUBNIS der Person, die ich (auch ohne Namensnennung) erw\u00e4hne. <\/p>\n<p>Meiner Authentizit\u00e4t tut das keinen Abbruch &#8211; im Gegenteil, ich f\u00fchle mich nur so wirklich integer, denn ich muss mir keine Gedanken machen, ob irgendwer vielleicht an dem Ansto\u00df nimmt, was ich schreibe. Das kann nat\u00fcrlich auch bez\u00fcglich der Inhalte, die ich hier zum Besten gebe, passieren &#8211; es handelt sich dann aber immer um Dinge, zu denen ich rundum und gegen\u00fcber jedem stehen kann. Wogegen detailreiche Ausf\u00fchrungen \u00fcber mein reales Erleben mit konkreten Mitmenschen immer auch ein \u00dcbergriff auf DEREN LEBEN darstellen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich w\u00fcrde ihre Sicht der Dinge NICHT mitberichtet &#8211; und selbst wenn, w\u00fcrden sie es nicht unbedingt sch\u00e4tzen, &#8222;\u00f6ffentlich diskutiert&#8220; zu werden. <\/p>\n<p>So ist Anonymit\u00e4t (f\u00fcr deren Verteidigung im Netz ich jederzeit eintrete!) immer ein zweischneidiges Schwert. Wobei &#8222;Blog-Hopping&#8220; vermutlich noch der geringste Schaden ist, der die Betreffenden ereilen kann. <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Zu diesem Thema hab&#8216; ich schon \u00f6fter gebloggt, z.B. 2003:<\/p>\n<p>Reflexionen in der ersten Person:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/30_06_03.shtml\">Von sich schreiben &#8211; Webdiarys und mehr<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Blog &#8222;Dornr\u00f6schen holt die Heckenschere&#8220; macht dicht. Es waren eher private Themen, die &#8222;Lilly&#8220; auf emotionale und recht spritzige Art dort seit 2009 verhandelt hat. Aus und vorbei. Warum? 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