{"id":916,"date":"2012-09-24T16:34:45","date_gmt":"2012-09-24T15:34:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=916"},"modified":"2012-09-26T08:23:22","modified_gmt":"2012-09-26T07:23:22","slug":"vom-aufraumen-und-der-entwohnung-von-der-welt-des-materiellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/09\/24\/vom-aufraumen-und-der-entwohnung-von-der-welt-des-materiellen\/","title":{"rendered":"Vom Aufr\u00e4umen und der Entw\u00f6hnung von der Welt des Materiellen"},"content":{"rendered":"<p>Mit der materiellen Welt, die uns im richtigen Leben umgibt, hat es eine Bewandnis, die sie von den virtuellen Welten, die ich per Computer und Bildschirm betrete, drastisch unterscheidet. Gestalte ich eine Webseite oder bearbeite ein Bild, geschieht nichts, was ich nicht will. Zwar kann ich etwas falsch machen und sehe dann ein falsches Ergebnis, doch nichts passiert ohne mich. <\/p>\n<p>Auch Webseiten und die Str\u00f6me der Nachrichten in sozialen Medien sind weitgehend auf mein steuerndes Maus-klicken und neuerdings &#8222;dr\u00fcber wischen&#8220; angewiesen: Was ich nicht anschauen will, ignoriere ich, was ich ausw\u00e4hle, zeigt sich brav in voller Sch\u00f6nheit &#8211; und verschwindet wieder, wenn ich weiter surfe. Alles ist zu jeder Zeit &#8222;da&#8220; &#8211; und zwar prinzipiell unver\u00e4ndert, es sei denn, die jeweiligen Administratoren oder ihre willf\u00e4hrigen Algorithmen haben etwas hinzugef\u00fcgt oder weggenommen. <!--more--><\/p>\n<p>Ganz anders die Gegenst\u00e4nde und Lebewesen der physischen Welt: da herrscht eine nat\u00fcrliche Eigendynamik, die Menschen immer schon zur Wei\u00dfglut treiben konnte. Unwetter verhagelt die Ernte, Materialien werden br\u00fcchig und zerfallen, unser eigener K\u00f6rper schw\u00e4chelt und wird krank, Essen verschimmelt, die Milch wird sauer. Und die R\u00e4ume, in denen ich lebe, verdrecken ebenfalls, ganz ohne dass ich etwas dazu tue. Zwar laufe ich zuhause in Str\u00fcmpfen herum, um keinen Stra\u00dfendreck zu verteilen, trotzdem ist irgendwann Putzen unvermeidlich. \u00c4tzend!<\/p>\n<h2>Wachsen und Werden, Sterben und Zerfall<\/h2>\n<p>In der Kleingartenanlage, in der ich einen Garten habe, erleben es wohl manche Neumitglieder als Schock: Der Garten ist nicht nur ein sch\u00f6ner Ort, der nach Belieben zu Erholungszwecken zur Verf\u00fcgung steht, sondern vor allem ein sehr dynamisches Biotop, dass sich ganz ohne menschliches Zutun entwickelt &#8211; ziemlich schnell sogar und meist nicht in die Richtung, die man gerne sieht. <\/p>\n<p>Im richtigen Leben herrscht Wachsen und Werden, Sterben und Zerfall. Seit Menschengedenken arbeiten wir dagegen an, obwohl wir selbst demselben Gesetz unterworfen sind. Die medialen Welten, mit denen wir immer h\u00e4ufiger umgehen, lassen weitgehend vergessen, was der Fall ist. Das Bild des T-Shirts im Online-Shop ist auch nach einem Jahr noch immer sauber und die Passform super, wogegen das erworbene Exemplar nach ein paar W\u00e4schen die Farbe verliert, ausleihert oder einl\u00e4uft. <\/p>\n<p>Wie wunderbar dagegen die virtuellen &#8222;Gegenst\u00e4nde&#8220;: Digital gespeicherte Musik bekommt keine Kratzer (Platte) oder Aussetzer und H\u00e4ngeschleifen (CD). Digitale Texte vergilben nicht und m\u00fcssen nicht abgestaubt werden. Daten kann ich in der Wolke speichern und von wechselnden Ger\u00e4ten aus abrufen &#8211; wow, das ist doch mal was Anderes! Ein echter Sieg gegen den Zerfall&#8230; :-)<\/p>\n<p>So stand ich also gestern vor dem Regal neben meinem Bett, in dem die in den letzten Jahren angesammelten CDs, DVDs, etliche B\u00fccher und mehrere Stapel Zeitschriften vor sich hin verstauben. Die Mini-Anlage funktioniert schon lange nicht mehr, den DVD-Player nutze ich vielleicht einmal im Jahr. Musik h\u00f6re ich, wenn \u00fcberhaupt mal, online &#8211; und die Magazine lese ich meist gar nicht, hab&#8216; sie nur aus Sympathie abonniert. Das meiste, was drin steht, ist auch online zu erkunden, wenn ich es brauche &#8211; warum also weiter diese Stapel anwachsen lassen? <\/p>\n<h2>Besitz belastet &#8211; weg mit dem Zeugs!<\/h2>\n<p>B\u00fccher haben noch eine kurze Schonfrist: ich sortiere wieder mal alle aus, die ich vermutlich nicht noch einmal lesen werde und gebe sie weg. Der kleine Rest kann bleiben, bis ich mich an einen E-Reader gew\u00f6hnt habe. Die Zeitschriften werde ich verschenken und entsorgen, die Anlage fliegt raus genauso wie die paar ungenutzten Filme, die mal &#8222;irgendwie&#8220; zu mir gekommen sind. Das Sortieren der CDs ergab ganze 15 St\u00fcck, deren Musik ich nicht missen will: die werde ich &#8222;rippen&#8220;, sie digitalisieren, auf dass ich sie k\u00fcnftig auf PC oder mit dem kleinen Tablet abspielen kann, wenn ich denn m\u00f6chte. Zum Nexus 7 hab&#8216; ich mir extra einen Mini-aktiv-Lautsprecher gekauft, der macht f\u00fcr so ein kleines, ca. f\u00fcnf Zentimeter hohes Teil einen verdammt guten Sound. Und f\u00fcr mehr gibts ja Kopfh\u00f6rer. Was f\u00fcr ein ungeheurer Gewinn an Platz und \u00dcbersichtlichkeit!<\/p>\n<p>Wenn ich dann fortfahre mit dem Aufr\u00e4umen, dann wird von allem, was zur Zeit noch drei weitere Regale und zwei Schreibtisch-Unterschr\u00e4nke in meinem Wohn-Arbeitszimmer f\u00fcllt, nicht mehr allzu viel \u00fcbrig bleiben. Vielleicht 3 x 80 cm B\u00fccher, ebenso soviele Aktenordner und ein paar B\u00fcro-Materialien. Ich freu&#8216; mich schon drauf! Die Zeit der physischen Medien neigt sich in meinem Wohnbereich dem Ende zu. Nurmehr die Ger\u00e4te werden bleiben, die mir sowieso Zugang zu viel mehr erm\u00f6glichen, als ich je in meinen Zimmern h\u00e4tte unterbringen wollen. <\/p>\n<p>So entlastet wird dann auch das Putzen sehr viel schneller und leichter, denn wo nichts ist, kann auch nichts verstauben. Statt verfallender Medien mag ich lieber lebendige Pflanzen, gem\u00fctliche Teppiche und bequeme, nicht allzu raumgreifende M\u00f6bel jenseits verg\u00e4nglicher Moden. Der gro\u00dfe Rest steht in der &#8222;digitalen Ewigkeit&#8220; ohne Raumanspr\u00fcche und g\u00e4nzlich zerfallsfrei zur Nutzung bereit. <\/p>\n<p>Gef\u00e4llt mir! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der materiellen Welt, die uns im richtigen Leben umgibt, hat es eine Bewandnis, die sie von den virtuellen Welten, die ich per Computer und Bildschirm betrete, drastisch unterscheidet. Gestalte ich eine Webseite oder bearbeite ein Bild, geschieht nichts, was ich nicht will. 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