{"id":9,"date":"2006-03-10T10:55:43","date_gmt":"2006-03-10T08:55:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/03\/10\/jetlag-und-deutsche-kaelte\/"},"modified":"2012-01-05T16:37:42","modified_gmt":"2012-01-05T14:37:42","slug":"jetlag-und-deutsche-kaelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/03\/10\/jetlag-und-deutsche-kaelte\/","title":{"rendered":"Jetlag und deutsche K\u00e4lte"},"content":{"rendered":"<p>Immer noch werde ich zu den falschen Zeiten m\u00fcde und mitten in der Nacht hell wach. Niemand hindert mich ja am einschlafen, wenn die Augenlieder schwer wie Blei werden. Die Erk\u00e4ltung tut ihr Teil dazu, mein Gef\u00fchl des Ausnahmezustands zu verl\u00e4ngern: hat es denn eine Bedeutung, WANN ich arbeite, wache, schlafe?? Eigentlich nicht, es wird sich schon wieder normalisieren, denk ich mir und mische mich nicht willentlich ein.<\/p>\n<p>Der Himmel \u00fcber Berlin ist tr\u00fcb und verhangen, es schneit, doch bleibt nicht mehr viel davon liegen. Immer wenn ich aus dem Fenster schaue, erinnere ich gleichzeitig die Sonne in Phnom Penh, die tropische Hitze, das st\u00e4ndige Schwitzen, das bald &#8222;ganz normal&#8220; wird, wenn die ersten Tage \u00fcberstanden sind. <!--more-->So ein zweiter Hochsommer mitten im Winter ist schon irritierend! Meine Heizung steht wieder auf 20 Grad und ich f\u00fchle mich wohl. In Kambodscha h\u00e4tte ich gebibbert \u00fcber den pl\u00f6tzlichen K\u00e4lteeinbruch und mich w\u00e4rmer angezogen. Zumindest bei den Temperaturen bin ich also wieder akklimatisiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"200\" height=\"276\" style=\"float: left; margin-right: 10px\" title=\"Buddha in Angkor Wat\" alt=\"Buddha in Angkor Wat\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/themes\/digidiary\/images\/buddha_in_angkor.jpg\" \/> Was mir mehr M\u00fche macht, ist die deutsche Unfreundlichkeit. Zwar verlasse ich kaum die Wohnung, doch reicht es schon, ein wenig im Web herum zu lesen, in Foren und Mailinglisten, die ich fr\u00fcher gerne mal aufsuchte: aggressive Untert\u00f6ne, wenn nicht gleich offener Schlagabtausch, exzessives Gebl\u00f6del, wenn jemand ein ernstes Anliegen hat &#8211; ach, ich bin im Moment wohl zu empfindlich und lass es besser, bis mir wieder eine Reptilienhaut ums Herz gewachsen ist, durch die nichts dringt. Ich f\u00fchl mich ja schon verletzt, wenn ich keine Antwort auf eine Mail bekomme! Vor der Reise h\u00e4tte ich einfach angenommen, dass sie den Empf\u00e4nger nicht erreicht hat und h\u00e4tte erst mal nachgefragt, bevor da \u00fcberhaupt ein Gef\u00fchl aufgetaucht w\u00e4re.<\/p>\n<p>Was ist denn nur los? Es geht mir doch blendend! Hinter mir liegen drei Wochen ohne jeden pers\u00f6nlichen \u00c4rger, ohne Streit \u00fcber den rechten Weg, die richtige Meinung, die genaue Farbe der Wahrheit, liebevolles Miteinander mit dem Reisegef\u00e4hrten und dem Gastgeber, neugieriges Erkunden von Land und Leuten, kein Gedanke an existenziellen Stress, im Gegenteil: unser europ\u00e4isches Dasein erscheint unendlich reich und abgesichert, wenn man t\u00e4glich Menschen sieht, die vom Bruchteil eines Dollars ihre Existenz fristen m\u00fcssen &#8211; und noch dabei l\u00e4cheln!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"240\" height=\"303\" class=\"rechts\" alt=\"Kinder auf Oudong\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/pics\/kids_oudong.jpg\" \/> Gestern war ich zum ersten Mal seit der R\u00fcckkehr im Supermarkt zum \u00fcblichen Einkauf: allerlei Lebensmittel, nix Besonderes, 22 Euro 50. Damit k\u00f6nnte ich einem Kind in Kambodscha \u00fcber einen Monat lang Wohnung, Nahrung, Kleidung und die Schule bezahlen. Gewusst hab&#8216; ich das auch vor der Reise, klar, aber jetzt f\u00fchle ich die extremen Dissonanzen in diesem Weltgeschehen anders: Was DORT einen gewaltigen Unterschied macht &#8211; z.B. 25 Dollar haben oder nicht haben &#8211; bedeutet mir hier kaum etwas. Ob ich echten Parmesan, Fenchelsalami und italienischen Schinken konsumiere oder mich von Pellkartoffeln und Kr\u00e4uterquark ern\u00e4hre, \u00e4ndert an meinem Gl\u00fccksempfinden nahezu nichts. Und das gilt f\u00fcr fast alles, was man hier so kauft: der ganze Konsum-Zirkus, das Schn\u00e4ppchen jagen, das Shoppen als &#8222;Erlebnis&#8220; &#8211; wie lange ist man nach dem Akt des Kaufens tats\u00e4chlich gl\u00fccklicher aus zuvor??<\/p>\n<h2>Ungl\u00fcckliche Maden im Speck<\/h2>\n<p>Mir scheint, der Kern meiner Irritation liegt genau darin: wir leben auf hohem materiellen Niveau, doch macht uns das nicht gl\u00fccklich. Allenfalls gibt es den Wunsch nach MEHR, aber selten mal ein Gef\u00fchl der Dankbarkeit &#8211; das kennen nur alte Menschen, die noch den Krieg erlebt haben. Wie gro\u00df das Sinndefizit ist, das ich hier anspreche, zeigt sich zu Zeiten gro\u00dfer Naturkatastrophen: w\u00e4hrend der Oderflut reisten Leute aus ganz Deutschland an, um Sands\u00e4cke zu f\u00fcllen und den Betroffenen zu helfen, Schr\u00f6der gewann nicht zuletzt deshalb die Wahl, weil er in der Katastrophe eine gute Figur machte. Der Tsunami in Thailand l\u00f6ste dann eine noch weit gr\u00f6\u00dfere Spendenwelle aus: endlich eine Gelegenheit, mit den eigenen \u00dcbersch\u00fcssen etwas unhinterfragbar N\u00dcTZLICHES zu tun! Offenbar ist das ein unausrottbares Bed\u00fcrfnis in den Herzen der Menschen, doch ist unser Alltag derart durch Konkurrenz, Geltungsbed\u00fcrfnis, Neid, Misstrauen und Egozentrik gekennzeichnet, dass diese mitmenschliche Komponente kaum je zum Zuge kommt. Der aufgekl\u00e4rte Blick bewertet den Bed\u00fcrftigen, ob er auch &#8222;unverschuldet&#8220; in Not geraten ist, ansonsten hat er kein &#8222;Recht&#8220; auf Hilfe und Unterst\u00fctzung. Und f\u00fcr diese Hilfe haben wir Institutionen, Gesetze und B\u00fcrokratien geschaffen, die uns das Elend weitgehend vom Halse halten. Wer damit nicht zurecht kommt, hat halt Pech bzw. sollte eben mit dem Trinken aufh\u00f6ren und eine Beratungsstelle aufsuchen. Was hat das also mit mir zu tun, fragt sich der B\u00fcrger, dem es noch gut geht, und hat im Grunde recht &#8211; und doch fehlt etwas, nicht in der Bilanz, aber in den Herzen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"280\" height=\"398\" alt=\"M\u00fcllabfuhr: nichts Verwertbares bleibt \u00fcbrig\" class=\"links\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/pics\/muellabfuhr.jpg\" \/> Ich kritisiere beileibe nicht, dass es uns materiell recht gut geht, doch angesichts der Zust\u00e4nde anderswo frage ich mich, warum so wenig Gl\u00fcck und Zufriedenheit dabei heraus kommt. Die gro\u00dfe Mehrheit hierzulande ist mit v\u00f6llig marginalen Bauchnabelthemen besch\u00e4ftigt, und zwar in einem wattig ausgepolsterten Schonraum, der allzu harte St\u00f6\u00dfe von Seiten der Realit\u00e4t abfedert. Es ist ja nicht n\u00f6tig, \u00fcber den Tellerrand der bundesrepublikanischen Existenz zu schauen, allenfalls sehen wir Bedrohungen unseres Wohlstands und bibbern vor wandernden Arbeitskr\u00e4ften und Arbeitsplatzverlagerungen. Mehr Egozentrik geht kaum. Das eigene Wohlbefinden, die eigene &#8222;Entwicklung&#8220;, die eigene glatte Haut, die eigene Erleuchtung &#8211; und daf\u00fcr bittsch\u00f6n die n\u00f6tigen \u00f6konomischen und sozialen Bedingungen, damit wir dem ungest\u00f6rt nachgehen k\u00f6nnen. Das ist es doch, das hiesige allgemeine Bewusstsein, aus dem ich mich gar nicht ausschlie\u00dfen will!<\/p>\n<p>Die W\u00fcrdelosigkeit hiesigen Lebens, die mir im Moment so ins Auge springt, liegt darin, dass der ganze Reichtum kaum jemanden wirklich gl\u00fccklich macht, aber jede Menge Ressourcen verheizt werden, die anderswo dringend gebraucht w\u00fcrden. Unsere Kultur des Konsumierens und hemmungslosen Verbrauchens tradiert keinen Sinn, der \u00fcber die je eigenen Interessen an einem angenehmen Leben hinaus ragt. Wir machen nichts aus unserem &#8222;besseren Leben&#8220; &#8211; im Gegenteil, Ignoranz und Herzensk\u00e4lte, Zynismus und Orientierungslosigkeit, Depressionen, physische und psychische Krankheiten nehmen stetig zu. Haben wir den &#8222;Sinn des Seins&#8220; verloren, weil wir immer nur uns selber sehen?<\/p>\n<p>Dabei br\u00e4uchte man nur den Blick heben und s\u00e4he unendlich viel N\u00f6tiges zu tun &#8211; wie ich jetzt eher zuf\u00e4llig in Kambodscha. Unglaublich, was dort alles fehlt, wie sehr die Leute im Kampf ums \u00dcberleben stehen, und zwar um die Basics der Existenz! (und dabei doch meist fr\u00f6hlich, in irritierend guter Stimmung!)<br \/>\nUnd was f\u00fcr schlechte Bedingungen sie haben: heimische Magnaten, die sich einen Dreck f\u00fcr Entwicklung interessieren und nur in die eigene Tasche wirtschaften (Angkor Wat hat einer davon &#8222;gepachtet&#8220; und zahlt grade mal eine schlappe Million pro Jahr an die Regierung! Jeder ausl\u00e4ndische Besucher dr\u00fcckt aber schon mindestens 20 Dollar Eintritt ab &#8211; und JEDER, der nach Kambodscha kommt, besucht Angkor Wat!). Im ganzen Land gibt es nur 200 Richter, doch Justiz ist f\u00fcr die Armen sowieso unerschwinglich, genau wie medizinische Versorgung. Es hat mich jedenfalls schier \u00fcberw\u00e4ltigt, zu sehen, wieviel N\u00f6tiges da zu tun ist &#8211; und wie es hier und dort von Institutionen, Initiativen und Individuen unterschiedlichster Art versucht wird. Wieviel Geld dagegen hierzulande f\u00fcr vielerlei Dinge mehr oder weniger vergeudet wird, wobei das Erworbene oder Genossene gar keine entsprechende Freude oder Befriedigung mehr bringt &#8211; das ist schon der Hammer, wenn man beides zusammen sieht!<\/p>\n<h2>Vom werten und nicht werten<\/h2>\n<p>Mir sind auf der Reise allerlei Schuppen von den Augen gefallen, insbesondere auch die links-ideologischen und &#8222;alternativen&#8220; Betrachtungsweisen in Bezug auf die dritte Welt, die seit den 70gern weitgehend meine Meinungen bestimmten. Diese durchaus gut gemeinte Propaganda hatte es immer n\u00f6tig, das Fremde zu idealisieren und das Eigene anzuklagen: da drau\u00dfen lauter sch\u00f6ne Wilde, die von uns (bzw. vom b\u00f6sen westlichen Kapitalismus) geknechtet und verformt, ihrer ach so tollen Kultur und Tradition beraubt werden. Hilfe als Wiedergutmachung, als &#8222;Solidarit\u00e4t im Kampf&#8220; &#8211; also nur solange die Illusion Bestand hat, dort drau\u00dfen lebten die besseren, weil &#8222;urspr\u00fcnglicheren&#8220; und naturn\u00e4heren Menschen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"460\" height=\"213\" border=\"1\" alt=\"Mahnmal in den Killing Fields\" style=\"border: 1px solid black\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/pics\/killing_fields.jpg\" \/><\/p>\n<p>All das halte ich im Moment f\u00fcr gequirlte Schei\u00dfe. Nirgendwo gibt es &#8222;bessere&#8220; Menschen &#8211; wie k\u00f6nnte es sonst geschehen, dass in diesem buddistischen &#8222;Land des L\u00e4chelns&#8220; mal eben s\u00e4mtliche Traditionen in die Tonne getreten und 25% der Bev\u00f6lkerung umgebracht werden? Und das ist noch gar nicht lange her, der Friede ist erst 15 Jahre alt und alle au\u00dfer den J\u00fcngsten haben es miterlebt. Die Roten Khmer haben Phnom Penh binnen weniger Tage ger\u00e4umt und die Bewohner aufs Land getrieben, haben alle Intellektuellen, K\u00fcnstler, alle des Lesens und Schreibens M\u00e4chtigen umgebracht, die Religion verboten und alles au\u00dfer Landarbeit abgeschafft. 2007 ist ein erstes Tribunal, auf dem ein paar alte M\u00e4nner verurteilt werden, doch viele sitzen noch in \u00c4mtern und W\u00fcrden und verf\u00fcgen \u00fcber Reichtum und Macht.<\/p>\n<p>Ja, als Deutsche f\u00fchle ich mich diesem resozialisierungswilligen Ex-Schurkenstaat mit schrecklicher Vergangenheit irgendwie nahe. Entwicklungshilfe aus Deutschland kann da nicht moralisch arrogant auftreten, das ist gewiss ein Vorteil! Und wirklich: was ich an deutschen Herangehensweisen und Projekten so mitbekam, hat mir gefallen: nichts wird von oben herab aufgedr\u00fcckt, alles geschieht unter Einbeziehung der lokalen Bev\u00f6lkerung, von der Planung \u00fcber die Umsetzung bis hin zum Dauerbetrieb. Wobei die Kommunikation mit den Einheimischen nicht eben einfach ist! Der Buddhismus lehrt das &#8222;nicht werten&#8220;, man kritisiert also nicht mal eben locker vom Hocker irgend einen Missstand, der uns verbesserungsw\u00fcrdig erscheint. Tut das ein unsensibler Politiker oder Projektmanager, gefriert die Stimmung zu Eis und es ist ungeheuer schwer, Vertrauen und Achtung der &#8222;Locals&#8220; soweit zur\u00fcck zu gewinnen, dass eine Zusammenarbeit m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Hab ich je zuvor daran gedacht, dass so eine wunderbare Weisheitsleere wie die vom &#8222;nicht werten&#8220; in einer Kultur, die ihrem Ursprung weit n\u00e4her ist als unsere, solche Folgen haben k\u00f6nnte? Nicht im Traum! Ich hab das ausschlie\u00dflich &#8222;westlich rezipiert&#8220;, als Korrektiv zur Erhaltung einer letzten inneren Gelassenheit angesichts der Tatsache, dass nicht alle \u00dcbel jetzt und gleich aus der Welt verschwinden k\u00f6nnen. Aber nie im Leben w\u00e4re ich auf die Idee gekommen, die \u00dcbel nicht einmal mehr benennen zu sollen! Wie soll man denn ohne Kritik etwas aufbauen, etwas zum Besseren \u00e4ndern, Fehlerhaftes berichtigen, Fehlendes fordern, neue M\u00f6glichkeiten diskutieren?<br \/>\nUnsere Entwicklungshelfer kennen da mittlerweile einige Tricks, die kulturelle H\u00fcrde zu umschiffen &#8211; alle Achtung!<\/p>\n<h2>Angst vorm Fliegen?? Angst beim Shippern!<\/h2>\n<p>Ich wurde gefragt, was denn nun aus meiner Angst vorm Fliegen geworden sei. Alsdenn: Die Flugangst war beim Hinflug (ohne Tabletten, ohne Baldriantropfen, die ich zur Sicherheit dabei hatte) weitgehend weg. Auf der Strecke Berlin-Frankfurt f\u00fchlte ich mich ziemlich sicher, da ich mir im Vorfeld immer wieder klar gemacht hatte, dass hier ja noch nie ein Verkehrsflugzeug abgest\u00fcrzt ist. Der Langstreckenflug Frankfurt-Bangkok in einer Boing 747 war dann sehr ruhig, ein Gef\u00fchl fast wie im ICE. In Bangkok hatten wir mehrere Stunden Aufenthalt und ich war viel zu fertig, um noch Angstgef\u00fchle zu versp\u00fcren: endlich starten war die Erl\u00f6sung! Auf dem R\u00fcckflug gab es dann wieder ein paar angstvolle Momente, doch die meiste Zeit litt ich an der frischen Erk\u00e4ltung mit Fieber, Husten, verstopfter Nase und Kopfschmerzen.<\/p>\n<p>Wirklich heftig in Sachen Angst war auf dieser Reise nicht etwa das Fliegen, sondern die Bootsfahrt \u00fcber den Tongle Sap auf dem Weg nach Siem Reap \/ Angkor Wat. Dieser Flu\u00df tut sich mitten in Kambodscha zu einem riesigen See auf. Rundum sah man lange Zeit nur noch Wasser &#8211; und pl\u00f6tzlich ist da der Motor verreckt! Wir lagen eine Stunde in sengender Sonne still, ohne Kontakt irgendwohin. Da war sie wieder, die Todesangst!<\/p>\n<p>Das Schnellboot &#8211; ein klimatisiertes Busboot f\u00fcr ca. 120 Leute mit besteigbarem Flachdach &#8211; hatte weder ein Navigationssystem, noch sahen wir irgendwelche Kommunikationsger\u00e4tschaften. Handys funktionieren dort nat\u00fcrlich nicht. Der Motor verschluckte sich lautstark und erstarb, ein \u00f6lig verbrannter Gestank breitete sich aus &#8211; mir brach der Angstschwei\u00df aus und ich dachte: Jetzt saufen wir ab! Doch nichts dergleichen passierte, nur sengende Sonne am Mittag, kein Schatten, kein Wind, der See total still. Und keinerlei andere Schiffe oder Boote in Reichweite.<\/p>\n<p>Eine K\u00fchlwasserpumpe war ausgefallen und schlie\u00dflich brachten sie das Ding wieder ins Laufen, hatten wohl h\u00e4ndisch Wasser zugef\u00fchrt, das dann bis zum Ziel reichte. Oh, wie war ich erleichtert!!! Zur\u00fcck nahmen wir dann den Express-Bus, der zwar uns\u00e4glich lange brauchte, um Phnom Penh zu erreichen, mir aber kein weiteres Angst-Erlebnis zumutete &#8211; es kostete auch nicht halb soviel wie das Boot.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer noch werde ich zu den falschen Zeiten m\u00fcde und mitten in der Nacht hell wach. Niemand hindert mich ja am einschlafen, wenn die Augenlieder schwer wie Blei werden. Die Erk\u00e4ltung tut ihr Teil dazu, mein Gef\u00fchl des Ausnahmezustands zu verl\u00e4ngern: hat es denn eine Bedeutung, WANN ich arbeite, wache, schlafe?? 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