{"id":820,"date":"2012-03-15T00:15:25","date_gmt":"2012-03-14T23:15:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=820"},"modified":"2025-12-02T15:23:32","modified_gmt":"2025-12-02T14:23:32","slug":"im-13-jahr-das-eigene-blog-neu-entdecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/03\/15\/im-13-jahr-das-eigene-blog-neu-entdecken\/","title":{"rendered":"Im 13.Jahr: Das eigene Blog neu entdecken"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist mir so richtig aufgefallen, dass ich in diesem Blog ja auch mal nachlesen k\u00f6nnte, was ich so vor zehn Jahren erlebte, dachte und schrieb.  Normalerweise schaue ich nie zur\u00fcck. Mich interessieren aktuelle Themen, nicht Texte von vorvorgestern, schon gar nicht die eigenen.<\/p>\n<p>Die Idee kam beil\u00e4ufig, in einer Mail an jemanden, der mir nah und doch ferne steht. Dem &#8222;Gru\u00df zum F\u00fcnfzigsten&#8220; f\u00fcgte ich die URL zu meinem entsprechenden <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2004\/07\/24\/funfzig\/\">Eintrag aus 2004<\/a> hinzu. Da er den schlichten Titel &#8222;F\u00fcnfzig!&#8220; tr\u00e4gt, wusste ich, dass es ihn gibt. Als ich ihn nun wieder sah, fiel mir besonders die Google-Werbung f\u00fcr Seniorenheime ins Auge! Ich hatte auf diesen alten Seiten ein &#8222;Ad&#8220; platziert, in das Google seit Jahren &#8222;passende&#8220; Werbung einspielt &#8211; und es dann vergessen.  Jetzt ist es weg. :-) <!--more--><\/p>\n<h2>Und weiter zur\u00fcck&#8230;<\/h2>\n<p>Da ich grad schon dabei war, sichtete ich auch noch einen Text von vor zehn Jahren. Der <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/03\/12\/spaziergang-zur-spree\/\">&#8222;Spaziergang zur Spree&#8220;<\/a> stammt noch aus der Vor-Blogscript-Zeit, dem entsprechend sind auch die Bilder f\u00fcr heutige Sehgewohnheiten recht eigenartig angeordnet <em>(ja SO FREI war man damals!).<\/em> <\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2002 war ich schon ein paar Monate wieder in Berlin, nach einem zweij\u00e4hrigen Land-Wohn-Experiment in Mecklenburg, in einem kleinen Dorf bei Schwerin. Frappierend, was sich seitdem alles ge\u00e4ndert hat!  Meine damaligen Eindr\u00fccke beschreiben ein Berlin-Friedrichshain vor der &#8222;Gentrifizierung&#8220;, und die gezeigten Stadtbrachen und alten Gem\u00e4uer sind heute weitr\u00e4umig einer <em>ordentlichen Verwertung<\/em> zugef\u00fchrt: Umbau, Neubau, Stra\u00dfenbau, Bahnhofsbau, Stadtvillen &#8211; der <a href=\"http:\/\/www.modersohn-magazin.de\/2006\/07\/27\/vom-charme-unaufgeraeumter-orte\/\">Charme unaufger\u00e4umter Orte<\/a> ist l\u00e4ngst dahin.<\/p>\n<p>Wie gl\u00fccklich ich damals war, zur\u00fcck in der Stadt zu sein! Etwas, das sich trotz allen Wandels seither nicht wieder ge\u00e4ndert hat. Dazu passt gut eine Weisheit des Medienphilosophen Vil\u00e9m Flusser:<\/p>\n<blockquote><p>Das Selbst kommt nicht in die Stadt, um zum anderen zu kommen, sondern im Gegenteil: Erst in der Stadt entsteht das Selbst als das Andere des anderen.<\/p>\n<p>&#8211; Vil\u00e9m Flusser &#8211;<\/p><\/blockquote>\n<h2>Ja, ja, der Hauch der Geschichte&#8230; <\/h2>\n<p>Ok, man kann also in manchem Diary-Beitrag den drastischen Wandel der Zeiten nachvollziehen. Jetzt erinnere ich mich auch, schon mal bei Gelegenheit allgemeinen Gedenkens den ersten Eintrag nach 9\/11 (<a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/09\/18\/vom-glueck-mitten-im-grauen\/\">Vom Gl\u00fcck inmitten des Grauens<\/a>) gesichtet zu haben. Nach dem Einst\u00fcrzen der T\u00fcrme war ich eine gute Woche verstummt, und wurde erst durch eine Leser-Mail <em>(&#8222;Da geht die Welt unter und du bist nicht da!)<\/em> aus dem schreiberischen Stupor gerissen. <\/p>\n<p>Wie seltsam, die eigene Stimme aus lang vergangener Zeit zu vernehmen! Mein Hobby wird das bestimmt nicht, wenn ich mich auch als Schreibende mit mir selbst identisch f\u00fchle, egal von wann der Text stammt. Die Schreibende ist in meinem Gef\u00fchl ein Aspekt jenseits der Zeit. Eine Repr\u00e4sentanz des inneren Wesens, das wir nicht benennen und konkretisieren k\u00f6nnen, aber stets als identisch erleben &#8211; mit 8 genau wie mit 80.<\/p>\n<h2>Aber wer liest schon alte Texte?<\/h2>\n<p>Die Frage hatte ich im Beitrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/03\/11\/das-digital-diary-erneuern-aber-wie\/\">die angedachte Neugestaltung des Digital Diarys<\/a> gestellt &#8211; und ein Leser, der gewiss nicht sauer ist, wenn ich ihn zitiere, schrieb mir dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Du stellst die Frage &#8222;Aber wer liest schon uralte Texte?&#8220; &#8211; Ja: ich. Ich teile Dir im Anhang den Inhalt eines Newsletters mit, den ich vor ein paar Tagen an ein paar Bekannte versendet habe und der auch einen Link auf einen Deiner Texte enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Was ist neu bzw. was ist aktuell? Der Beitrag <a href=\"http:\/\/www.kunst-des-alterns.de\/2012\/01\/was-wir-am-ende-des-lebens-bereuen\/\">&#8222;Was wir am Ende des Lebens bereuen&#8220;<\/a> ist jetzt (und zuf\u00e4llig) relativ frisch, aber er ist jetzt f\u00fcr Dich und f\u00fcr mich neu und aktuell. In einigen Wochen oder Jahren wird er f\u00fcr Dich nicht mehr neu sein, aber immer noch aktuell f\u00fcr jeden, der ihn noch nicht kennt oder der ihn wiederlesen m\u00f6chte (!!!).<\/p>\n<p>Darauf sollte Webgestaltung reagieren. Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass Texte im Archiv versacken sollten, nur weil sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und scheinbar nicht mehr neu sind. Es w\u00e4re also zu \u00fcberlegen, ob nicht Leser den Texten einen Wertma\u00dfstab (etwa Sternchen wie die fr\u00fchere Version von ReadersEdition, oder Verschlagwortung) mitgeben k\u00f6nnten, die solchem Versacken entgegenwirkt und den Text in der Aufmerksamkeits-Sph\u00e4re beh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zur \u00c4sthetik kann ich nur den Satz wiederholen, der mich beruflich jeden Tag begleitet:<\/p>\n<p><strong>Die Form verbessern hei\u00dft den Gedanken verbessern.<\/strong><br \/>\n&#8211; Ludwig Reiners &#8211;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr diese Anregung! <strong>Ein Bewertungssystem<\/strong> ziehe ich nicht wirklich in Betracht, da ich ja immer noch davon ausgehe, dass kaum jemand alte Texte lesen wird. Das &#8222;Voting&#8220; w\u00fcrde also lange lange der Wertigkeit vieler Texte nicht entsprechen. <\/p>\n<p>Anders, wenn eine Statistik der Abrufe seit dem jeweiligen Erscheinen existierte, die es aber \u00fcber ganze 13 Jahre nicht gibt. Zu sehr haben sich die beteiligten Techniken ge\u00e4ndert, ich bin ja schon froh, die Texte \u00fcber die Zeiten gerettet zu haben. (Wenn auch mancher durch diverse Umstellungen und Transfers <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/03\/15\/technikthema-altbrowser-wegwerfen\/\">gelitten hat<\/a>. Das werde ich beim \u00dcbertrag im Rahmen des Updates bereinigen).<\/p>\n<p>Zumindest aber k\u00f6nnte ich die M\u00f6glichkeit schaffen, per Klick Artikel von  &#8222;vor einem Jahr&#8220;, &#8222;vor f\u00fcnf Jahren&#8220; und &#8222;vor zehn Jahren&#8220; auszuw\u00e4hlen. Diese Erweiterung m\u00fcsste ich  wohl programmieren lassen, denn sie m\u00fcsste ja auch im Stande sein, einen Beitrag anzuzeigen, der &#8222;dem gew\u00fcnschten Datum am n\u00e4chsten&#8220; ist. Schlie\u00dflich war das Digital Diary nie eine t\u00e4gliche Publikation. <\/p>\n<p>Immerhin w\u00e4re die &#8222;R\u00fcckschau&#8220; ein Feature, das es so nicht an jeder Ecke gibt. F\u00fcr mich selbst k\u00f6nnte ich sie ja ausblenden, wenn mir ernste Bedenken kommen, ich k\u00f6nnte doch noch damit anfangen, mich f\u00fcr &#8222;mich damals&#8220; zu interessieren. (Bitte nicht!)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist mir so richtig aufgefallen, dass ich in diesem Blog ja auch mal nachlesen k\u00f6nnte, was ich so vor zehn Jahren erlebte, dachte und schrieb. Normalerweise schaue ich nie zur\u00fcck. Mich interessieren aktuelle Themen, nicht Texte von vorvorgestern, schon gar nicht die eigenen. 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