{"id":818,"date":"2012-03-13T13:33:17","date_gmt":"2012-03-13T12:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=818"},"modified":"2012-03-13T17:48:01","modified_gmt":"2012-03-13T16:48:01","slug":"vom-handy-mann-und-der-spontanen-bereitschaft-zu-dienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/03\/13\/vom-handy-mann-und-der-spontanen-bereitschaft-zu-dienen\/","title":{"rendered":"Vom Handy-Mann und der spontanen Bereitschaft zu dienen"},"content":{"rendered":"<p>Ich h\u00e4tte nat\u00fcrlich auch &#8222;helfen&#8220; schreiben k\u00f6nnen statt &#8222;dienen&#8220;, das h\u00e4tte normaler und ehrenwerter geklungen, trifft aber den Punkt nicht, der mir beim folgenden Erlebnis aufgesto\u00dfen ist: <\/p>\n<p>Auf dem Weg zur U-Bahn kam mir ein Mann um die dreissig entgegen, das Handy ans Ohr haltend und sichtlich ins Gespr\u00e4ch vertieft. Noch etwa zwei Meter von mir entfernt, schaute er mich pl\u00f6tzlich fragend an und machte dazu mit der freien Hand ein Zeichen f\u00fcr &#8222;Feuerzeug dr\u00fccken&#8220;.  <!--more--><\/p>\n<p><em>Aha, er will rauchen und braucht Feuer!<\/em> Dazu passte auch die unbefeuerte Zigarette, die er nun einh\u00e4ndig aus der Jackentasche kramte, w\u00e4hrend ich meinerseits nach dem Feuerzeug suchte. Ich \u00fcberreichte es ihm, denn es war ein wenig windig und der Versuch, ihm selbst Feuer zu geben, w\u00e4re zum Scheitern verurteilt gewesen.<\/p>\n<p>Immer noch das Handy am Ohr und (nicht mit mir) weiter redend, versuchte der Handy-Mann nun das Kunstst\u00fcck, sich mit der freien Hand Feuer zu geben.  Das misslang ihm mehrfach, weil er nun mal keine dritte Hand hatte, die als Windschutz h\u00e4tte dienen k\u00f6nnen.  Nat\u00fcrlich war ich ihm auch dabei noch mit zwei freien H\u00e4nden behilflich, schlie\u00dflich wollte ich mein Feuerzeug zur\u00fcck und irgendwann auch zur U-Bahn. <\/p>\n<p>Endlich hatte er es geschafft, gab mir (immer noch telefonierend) das Feuerzeug zur\u00fcck und nickte kurz. Ende der wortlosen Begegnung. <\/p>\n<h2>?<\/h2>\n<p>Im Weitergehen wunderte ich mich: Wieso war ich spontan so bereit, diesem ach so besch\u00e4ftigten Stra\u00dfentelefonierer sein hilfloses Restleben im Hier &#038; Jetzt problemfreier zu gestalten? Schlie\u00dflich finde ich solche Leute normalerweise ziemlich bescheuert, insbesondere, wenn sie meinen, das klingelnde Handy sei stets wichtiger als der Mensch, der gerade vor ihnen steht oder <a href=\"http:\/\/ver-rueckt.net\/?p=7264\">mit ihnen fr\u00fchst\u00fcckt<\/a>.<\/p>\n<p>Hier hatte ich mich aber durch blo\u00dfe Mimik und Gestik spontan zur dienstbereiten Service-Kraft machen lassen, die ihm &#8222;wie selbstverst\u00e4ndlich&#8220; zu Hilfe kam, als er mit den Fingern schnippte. Ganz ohne irgend eine widerst\u00e4ndige Aufwallung meines Rest-Egos, das ansonsten schon noch meldet, wenn mich jemand allzu sehr &#8222;butlerisieren&#8220; will. <\/p>\n<p>Es war wohl gerade die Wortlosigkeit, die uns auf die \u00fcbliche Ebene sozialen Miteinanders gar nicht erst kommen lie\u00df. Er war als Person ja nicht wirklich DA, sondern klebte an seinem Gespr\u00e4ch mit irgendwem &#8211; und diese Situation erlebte ich als gegebenen Fakt, nicht als &#8222;diskussionsw\u00fcrdiges&#8220; Verhalten. Und handelte dann eben den Erfordernissen entsprechend. Genauso spontan und selbstverst\u00e4ndlich, wie man den Ball f\u00e4ngt, der von Kindern ins Aus geschossen wird, wenn man gerade an der richtigen Stelle steht. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich h\u00e4tte nat\u00fcrlich auch &#8222;helfen&#8220; schreiben k\u00f6nnen statt &#8222;dienen&#8220;, das h\u00e4tte normaler und ehrenwerter geklungen, trifft aber den Punkt nicht, der mir beim folgenden Erlebnis aufgesto\u00dfen ist: Auf dem Weg zur U-Bahn kam mir ein Mann um die dreissig entgegen, das Handy ans Ohr haltend und sichtlich ins Gespr\u00e4ch vertieft. 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