{"id":804,"date":"2012-02-15T13:28:04","date_gmt":"2012-02-15T12:28:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=804"},"modified":"2015-12-12T15:38:40","modified_gmt":"2015-12-12T14:38:40","slug":"von-der-personalisierung-des-grossen-gespraechs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2012\/02\/15\/von-der-personalisierung-des-grossen-gespraechs\/","title":{"rendered":"Von der Personalisierung des &#8222;gro\u00dfen Gespr\u00e4chs&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber die Umstrukturierung des Internets weg von den Inhalten hin zu Personen<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Sinnkrise beim Bloggen ereilt jeden mal, erst recht, wenn man das schon viele Jahre macht. Dabei wei\u00df ich noch gar nicht, ob &#8222;Sinnkrise&#8220; das richtige Wort ist f\u00fcr meine aktuellen Irritationen in Sachen &#8222;ins Web schreiben&#8220;. Es geht auch nicht allein um den Verlust von Blog-Kommentaren durch die &#8222;sozialen Netze&#8220; &#8211; auch wenn ich das jetzt hier als Einstieg ins Thema nutze. <!--more--><\/p>\n<h2>Kommentare ab in die Netzwerke?<\/h2>\n<p>Robert Basic hat in seinem neuen <a href=\"http:\/\/www.buzzriders.com\/2012\/02\/willkommen-auf-buzzriders\/\">Technik-Magazin Buzzriders<\/a> das Kommentieren gar nicht erst erlaubt &#8211; deshalb nenne ich es auch nicht mehr Blog. Zur Begr\u00fcndung schreibt er:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist nicht mein Ansinnen, wie die klassische Presse alles an sich zu rei\u00dfen, was man an Lesern bekommen kann. Mein Anliegen ist prim\u00e4r, dass Ihr Euch dar\u00fcber unterhaltet, wenn es mir gelingt, Euch zu aktivieren. Sich \u00fcber Technologien und deren Auswirkungen den Kopf zu machen. Wo sonst als bei Euch, in Euren Wohnzimmern und sozialen Netzen, auf Facebook, auf Twitter, G+ sollte das passender sein? Warum sollen hier die Diskussionen stattfinden? Das macht keinen Sinn f\u00fcr mich. Eure Themen, Eure Gespr\u00e4che. <\/p><\/blockquote>\n<p>Das hei\u00dft doch auf gut Deutsch: verschont mich mit Eurem Gequatsche, erwartet nicht, dass ich pr\u00e4sent bin und mitdiskutiere &#8211; ab jetzt bin ich nurmehr &#8222;Publisher&#8220; und konzentriere mich auf meine Inhalte.<\/p>\n<p>Ok, das kann und darf jeder machen, wie er mag. Erw\u00e4hnenswert erscheint es mir, weil ich ja selber merke, dass das Kommentieren auf Blogs abgenommen hat, und dass sich immer mehr Menschen den <strong>andersartigen Strukturen der &#8222;Sozialen Netze&#8220;<\/strong> unterwerfen, um sich auszutauschen. Anders als Blogartikel und Foren sind Gespr\u00e4che in diesen Netzen nicht nach Themen strukturiert, sondern entlang an Personen &#8211; eine grundst\u00fcrzend ANDERE Situation mit Folgen f\u00fcr das &#8222;gro\u00dfe Gespr\u00e4ch der vielen mit den vielen&#8220;, die kaum mal diskutiert werden. <\/p>\n<h2>Wenn Personen wichtiger werden als Themen<\/h2>\n<p>Eine Diskussion unter dem Original-Artikel im Blog des Verfassers ist ein duch Thema und Autor\/in definier- und erinnerbarer &#8222;\u00f6ffentlicher Ort&#8220;.  Ein virtueller, jedoch best\u00e4ndiger Platz, der als Agora dienen kann, wo man sich den gemeinsamen Belangen widmet.<\/p>\n<p>Wogegen in den sozialen Netzen nur chaotische Vernetzungen verschiedenster Individuen existieren, die vielfach &#8222;Things&#8220; (Artikel, Videos&#8230;) verlinken, wobei gelegentlich unter solchen Verlinkungen Gespr\u00e4che entstehen. Gespr\u00e4che, die aber niemals &#8222;alle&#8220; zu gleichen Bedingungen lesen k\u00f6nnen, denn A ist ja mit B, C und D vernetzt, wogegen ein User E es nicht mitbekommt, wenn er nicht auch A abonniert\/eingekreist hat. <\/p>\n<p>So ergeben sich geschichtslose Kurzzeit-Stimmf\u00fchlung-Partys, die binnen Stunden, sp\u00e4testens Tagen aus der &#8222;Sicht&#8220; geraten. Letzteres gilt auch f\u00fcr die seltenen hochkar\u00e4tigen Diskussionen &#8211; z.B. die k\u00fcrzliche <a href=\"https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/105241783171606794422\/posts\/hj9DQqg2Rpu\">Diskussion \u00fcber Urheberrecht<\/a>, die ich jetzt nur wieder finden kann, indem ich in den Postings von Stefan M\u00fcnz zur\u00fcck bl\u00e4ttere, durch <a href=\"https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/109568960804534353862\/posts\/DQrGft9ojNt\">dessen Hinweis<\/a> ich sie fand. Wobei ich mich nur deshalb an die Herkunft der Info erinnern kann, weil ich Stefan seit den Anf\u00e4ngen des Webs kenne. F\u00fcr die meisten meiner &#8222;Vernetzten&#8220; gibt es solche Erinnerungsst\u00fctzen nicht. <\/p>\n<h2>Strukturelle Marginalisierung<\/h2>\n<p>Die potenziell emanzipative Kommunikation der Vielen mit den Vielen wird durch diese uns schon so selbstverst\u00e4ndlich erscheinende Umstrukturierung genauso entmachtet und marginalisiert, wie es schon der traditionellen Politik passiert ist: PERSONEN verdr\u00e4ngen THEMEN. Es ist interessanter, wer etwas sagt und wen er damit vermutlich kritisiert, als der Inhalt, um den es geht. Und in der Social-Media-Variante gibts \u00fcberhaupt NUR NOCH Personen als Kan\u00e4le f\u00fcr alles M\u00f6gliche. Interessiert mich, was jemand zum Thema GARTEN schreibt, kann ich ihn abonnieren, bekomme dann aber ALLES, was derjenige verlautbart. Und weil das zun\u00e4chst recht unterhaltsam ist, f\u00e4llt kaum jemandem der Effektivit\u00e4tsverlust der allgemeinen Personalisierung unangenehm auf. <\/p>\n<p>Es hei\u00dft, das Internet vergesse nichts. Das stimmt nur teilweise und nur auf der technischen Ebene, indem z.B. bei Facebook sogar Gel\u00f6schtes auf dem Server bleibt. Der aktuelle Trend geht eher in Richtung des gro\u00dfen Vergessens, indem nicht die Inhalte, sondern Personen &#8211; gleich auch noch meist mit Klarnamen &#8211; als strukturierende Elemente fungieren. Personen, die heute zu diesem und morgen zu jenem etwas sagen &#8211; warum sollte man da zur\u00fcck bl\u00e4ttern?<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Resonanz und interessante Gespr\u00e4che tragen so zunehmend nicht mehr zum Wert der Webseite bei, die das Thema in die Welt brachte, sondern vermehren die Reputation der Person, die sie verlinkt hat &#8211; eine grundst\u00fcrzende \u00c4nderung! Pech f\u00fcr alle, die lieber Artikel schreiben als ein m\u00f6glichst gro\u00dfes Aufhebens um die eigene Person zu machen, bzw. fortw\u00e4hrend &#8222;pr\u00e4sent zu sein&#8220;.<\/p>\n<h2>Und warum passiert das?<\/h2>\n<p>Und WARUM wurde und wird alles zunehmend personalisiert? Warum investieren Unternehmen Unsummen in die urspr\u00fcnglich als &#8222;Vernetzung von Freunden&#8220; aufgekommene neue Struktur? Warum ignorieren immer mehr Software-Automatismen den hier und da noch w\u00e4hlbaren &#8222;User-Namen&#8220; und verwenden statt dessen den Klarnamen, wenn sie Zugriff z.B. auf den Twitter-Account bekommen? <\/p>\n<p>Ihr ratet es sicher: Weil nur eine Person etwas kaufen kann. Ein Internet, in dem sich User unter Pseudonymen rund um Themen und Inhalte versammeln, ist nicht zweckdienlich. Deshalb wird es z\u00fcgig umgebaut, so dass alle Inhalte, die eine Person teilt, verlinkt, kommentiert oder auch nur anklickt, dar\u00fcber Aufschluss geben, was man ihr noch verkaufen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>An sich ist &#8222;verkaufen wollen&#8220; nichts B\u00f6ses. Besser mir wird angeboten, was ich vermutlich brauche, als dass ich den Briefkasten mit Bergen unn\u00fctzer Prospekte voll geschmissen bekomme. Dass dem aber s\u00e4mtliche anderen Werte und Erfordernisse untergeordnet werden, so dass das &#8222;gro\u00dfe Gespr\u00e4ch&#8220; \u00fcber not-wendige Weltver\u00e4nderungen strukturell zersplittert und zerst\u00f6rt wird, ist ein verdammt hoher Preis! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Umstrukturierung des Internets weg von den Inhalten hin zu Personen Die Sinnkrise beim Bloggen ereilt jeden mal, erst recht, wenn man das schon viele Jahre macht. 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