{"id":79,"date":"2007-07-14T09:51:20","date_gmt":"2007-07-14T07:51:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/07\/14\/sterben-ohne-jammern\/"},"modified":"2009-06-16T09:02:32","modified_gmt":"2009-06-16T07:02:32","slug":"sterben-ohne-jammern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/07\/14\/sterben-ohne-jammern\/","title":{"rendered":"Sterben ohne Jammern?"},"content":{"rendered":"<p>Ich wurde zu einem Treffen meiner alten Schreibgruppe eingeladen, die ich in den letzten zehn Jahren nur noch sehr sporadisch traf. Eine Art Gedenkveranstaltung f\u00fcr eine Mitschreiberin, die neulich an Krebs gestorben ist, sollte es sein. Ich habe abgesagt, obwohl ich die Frau wirklich mochte.<\/p>\n<p>Zur Zeit \u00f6det mich das Thema &#8222;Tod und Sterben&#8220; einfach nur an. Vielleicht, weil meine Mutter nun schon so lange stirbt, doch ist es nicht nur das. Noch vor zwei  drei Jahren tauchte ich &#8211; ausgel\u00f6st durch die <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/02\/10\/angst-vorm-fliegen-die-reise-nach-kambodscha\/\">Todesangst beim Fliegen<\/a> &#8211;  innerlich tief ein in die ganz pers\u00f6nliche Erkenntnis der Tatsache, dass das Leben endlich ist und dieses hoch gesch\u00e4tzte &#8222;Ich&#8220; eines Tages einfach so verschwinden wird &#8211; wie furchtbar! In Spekulationen auf ein &#8222;danach&#8220; bzw. ein Jenseits kann ich mich nicht retten, zum Glauben jedweder Art bin ich einfach nicht im Stande. Was also dann?<!--more--><\/p>\n<p>Ich frage mich, ob es nicht ein &#8222;Sterben ohne Jammern&#8220; geben k\u00f6nnte. Ohne all dieses so &#8222;piet\u00e4tvolle&#8220; und tief traurige Getue und Gemache, ohne gesenkte Blicke,  bedeutungsschwangere Reden, hilflose Gesten, ohne Warten auf ein Wunder und auch ohne Beschw\u00f6rungen von Geistern, Engeln, G\u00f6ttern oder was auch immer. Sterben als ein Fest: Hey, endlich ist Schluss mit dem ganzen Elend, macht&#8217;s gut, Ihr Lieben &#8211; bye bye!<\/p>\n<p>Ein Elend geht dem Sterben ja meist voraus und mich wundert, dass das Klammern am Leben in dieser Zeit selten abnimmt, eher im Gegenteil. Ein befreundeter Arzt erz\u00e4hlt, dass quasi alle seine Patienten in der finalen Phase ihre Verf\u00fcgungen gegen lebensverl\u00e4ngernde Ma\u00dfnahmen widerrufen &#8211; erschreckend!<\/p>\n<p>Ich gehe nicht davon aus, dass es mir anders ergehen wird, blo\u00df weil ich jetzt so denke. Doch nehme ich mir heraus, diese Tradition des &#8222;elenden Sterbens&#8220; in Verzweiflung, Traurigkeit und Angst zu hinterfragen: geht es nicht auch anders? Muss das so sein? K\u00f6nnen wir als Menschen denn nie und nimmer unseren Lebenserhaltungstrieb transzendieren?<\/p>\n<p>Die R\u00f6mer fallen mir da ein, die Griechen, die Stoa. Dazu ein Zitat aus <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stoa\">Wikipedia:<\/a><\/p>\n<p>&#8222;<strong>Chrysippos von Soli<\/strong>, der nach Zenon wegen seiner \u00fcberragenden dialektischen F\u00e4higkeiten als zweiter Begr\u00fcnder der Stoa galt, hat die Verantwortlichkeit des Menschen f\u00fcr sein Tun am Beispiel von Triebregung und Verhaltenskonsequenz dargelegt. Die Vernunftanlage des Menschen gibt ihm die M\u00f6glichkeit und stellt ihn vor die Aufgabe, die mit der Triebregung verbundene Vorstellung zu pr\u00fcfen und dar\u00fcber zu befinden, ob ihr zu folgen oder ob sie zur\u00fcckzuweisen ist&#8220;.<\/p>\n<p>Genau. Und ich w\u00fcnsche mir mehr Zur\u00fcckweisung des finalen Elends, das ja nur teilweise aus physischen Schmerzen besteht und in weit h\u00f6herem Ma\u00dfe psychisch bedingt ist: Nicht gehen wollen &#8211; ja was w\u00fcrde denn aus der Welt, wenn nicht gestorben w\u00fcrde? Es w\u00e4r ihr Ende!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde zu einem Treffen meiner alten Schreibgruppe eingeladen, die ich in den letzten zehn Jahren nur noch sehr sporadisch traf. Eine Art Gedenkveranstaltung f\u00fcr eine Mitschreiberin, die neulich an Krebs gestorben ist, sollte es sein. Ich habe abgesagt, obwohl ich die Frau wirklich mochte. 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