{"id":78,"date":"2007-07-11T10:17:04","date_gmt":"2007-07-11T08:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/07\/11\/mein-juli-ein-arbeitsabenteuer\/"},"modified":"2009-06-16T09:02:06","modified_gmt":"2009-06-16T07:02:06","slug":"mein-juli-ein-arbeitsabenteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/07\/11\/mein-juli-ein-arbeitsabenteuer\/","title":{"rendered":"Mein Juli &#8211; ein Arbeitsabenteuer"},"content":{"rendered":"<h2>R\u00fcckblicke und Ausblicke auf ein kreatives Altern<\/h2>\n<p>Nun bekomme ich schon Nachfragen, wo ich denn abgeblieben bin seit meiner Reise nach Wiesbaden. Kein Eintrag seitdem, kein &#8222;Hallo, bin wieder da!&#8220; &#8211; aber es gibt mich noch, keine Sorge! Einerseits war ich ersch\u00f6pft von diesem so intensiven Wochenende:  Das Klassentreffen nach 34 Jahren, der Besuch bei meiner sterbenden Mutter, die Non-Stop-Kommunikation von Donnerstag bis Sonntag, die vielst\u00fcndige Fahrt mit einem alten Schulfreund, mit dem es viel zu reden gab.<\/p>\n<p>Als ich dann Montag wieder am PC sa\u00df, st\u00fcrzten die in vier Tagen &#8222;offline&#8220; aufgelaufenen Dinge \u00fcber mich herein, als g\u00e4be es auf der Welt keine Wochenenden und erst recht keine Sommerflaute. Und f\u00fcrs folgende Wochenende hatte sich schon meine Schwester angesagt! Ihr Besuch bei mir war wundervoll, doch fiel damit erneut &#8222;das \u00dcbliche&#8220; aus, die gewohnte Pause am Samstag und Sonntag, darunter auch die Mu\u00dfe zum schreiben.<\/p>\n<p>Was ich beim <strong>Klassentreffen<\/strong> und mit meiner Mutter erlebt habe, werde ich gefragt. Ersteres war besser als gedacht. Schon im Gymnasiums waren wir mehr ein verr\u00fcckter Haufen verschiedener Individualisten als eine normale Klasse: Musischer Zweig, Hauptfach Kunst, bzw. Musik, dazu die experimentelle und kulturrevolution\u00e4re Stimmung der Jahre 1968 bis &#8217;73 &#8211; sogar ein alter Klassenlehrer war gekommen und erz\u00e4hlte uns, dass wir damals &#8222;seine erste gro\u00dfe Herausforderung&#8220; waren, nachdem wir die vorherige Klassenlehrerin gerade auf \u00e4u\u00dferst skandal\u00f6se Art weggemobbt hatten.<!--more--><\/p>\n<p>Das Treffen war dann auch erfreulich frei von den oft berichteten Angebergesten (seht her: mein Haus, mein Auto, mein toller Beruf!). Wir erz\u00e4hlten uns, wie wir die Zeit und die Klasse damals erlebt hatten und staunten nicht schlecht, wie wenig wir damals eigentlich voneinander wussten. Ich hatte zum Beispiel heftige h\u00e4usliche Konflikte und Angst, vor Gruppen zu sprechen, doch davon hat niemand etwas mitbekommen. Man empfand mich eher als mutig und sehr lebendig: jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich einiges traut. Ich konnte mich nur wundern, denn innerlich sah es ganz anders aus!<\/p>\n<p><strong> Meine Mutter<\/strong> erlebte ich auf dieser Reise ja nicht das erste Mal in ihrer jetzigen Situation, deshalb war ich auch nicht ersch\u00fcttert \u00fcber ihre 38 Kilo und alles, was ihre letzte Phase problematisch macht. Ich wei\u00df aber eines:  ein langes Siechtum in pflegebed\u00fcrftigem Zustand ist das Letzte, was ich mir f\u00fcrs eigene Ableben w\u00fcnsche! Das N\u00f6tigste nicht mehr selber tun k\u00f6nnen, aber dennoch in Stein gemeiselte Vorstellungen hegen, wie und von wem die Pflege zu leisten ist, davor will ich bewahrt werden, bzw. mich selbst bewahren.<\/p>\n<h2>Wie werde ich im Alter leben?<\/h2>\n<p>Soviel Tod und Sterben in der Umgebung (auch mehrere ehemalige Mitsch\u00fcler hat es schon erwischt) motiviert mich, mehr \u00fcbers eigene Altern nachzudenken: nicht nur philosophisch, sondern auch mal ganz praktisch. Eine Rente, die den Namen verdient, habe ich mit meinem abwechslungsreichen Lebenslauf nicht zu erwarten. Auch sind da keine Kinder, die sich verpflichtet f\u00fchlen k\u00f6nnten, sich meiner anzunehmen. Gleichzeitig kann ich mir gar nicht vorstellen, freiwillig mit dem Arbeiten aufzuh\u00f6ren, einfach nur deshalb, weil ich ein bestimmtes Alter erreicht habe.  Schlie\u00dflich tue ich das, was mir Freude macht, wieso sollte ich damit aufh\u00f6ren, solange ich noch mit der Maus klicken kann?<\/p>\n<p><strong> So lange ich noch fit bin<\/strong>, besteht das &#8222;Problem&#8220; also darin, meine Aktivit\u00e4ten und Dienste so zu entwickeln, dass ich auch weiterhin gebraucht und nachgefragt werde. Das ist keine Frage, die wesentlich von au\u00dfen bestimmt wird, sondern es h\u00e4ngt davon ab, wie gut ich es vermeiden kann, geistig und psychisch zu verkn\u00f6chern und zu vergreisen.<\/p>\n<p>Was wir an den &#8222;richtig Alten&#8220; oft nicht m\u00f6gen, ist ja ihr Altersstarrsinn, ihre oft substanzlose Besserwisserei, ihre Ungeduld und Verbitterung. Bei den &#8222;Arrivierten&#8220; nervt oft ein hohes Ma\u00df an Alterseitelkeit und autorit\u00e4rem D\u00fcnkel, und allzu viele Alte sind in der alterstypischen R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit gefangen, die sie immer nur daran denken l\u00e4sst, wie fr\u00fcher doch alles besser war und wie schlimm die b\u00f6se Welt heute doch ist.<\/p>\n<p>Die Nachkommenden haben mit dieser Welt jedoch ihre aktuellen Probleme und all diese Haltungen helfen ihnen dabei nicht, diese mutig anzugehen, sondern bedr\u00fccken sie noch zus\u00e4tzlich. Ein alter Mensch mit solchen Einstellungen wird schnell zur reinen Belastung &#8211;  und ich mag mir jetzt lieber nicht ausdenken, was man in der Zukunft so alles unternehmen wird, um diese Last (der dann sehr vielen Alten) nicht sp\u00fcren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet das: <strong>geistig offen bleiben, die Liebe kultivieren<\/strong> und weiterhin <strong>n\u00fctzlich sein.<\/strong> Die Tatsache, dass man (nach einem intensiv gelebten Leben) mit zunehmendem Alter erst richtig zum Individuum wird, innerlich unabh\u00e4ngig von den Meinungen und Vorstellungen der Welt da drau\u00dfen, darf nicht Lizenz zur Eigenbr\u00f6telei und selbstgen\u00fcgsamer Abschottung werden. Damit errichtet man n\u00e4mlich selbst die Mauern, hinter die man letztlich abgeschoben wird, wenn alle (im weiten Sinne erotischen) Beziehungen zum lebendigen JETZT des sozialen Miteinanders gekappt sind. <em>(Ein wunderbares Vorbild ist mir da im positiven Sinne Adrian, der mit 84 sogar noch  <a href=\"http:\/\/frag-den-alten.eu\/blog\/\">ein Blog startet<\/a>, um seine Lebenserfahrung den J\u00fcngeren zur Verf\u00fcgung zu stellen.).<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Klassentreffen fragte ich in die Runde der nun 53-J\u00e4hrigen, wie es ihnen denn mit dem Altern ergehe und wie sie ihre Zukunft sehen. Hier und bei anderen Gespr\u00e4chen mit \u00c4lteren f\u00e4llt auf, dass alle &#8211; genau wie ich, siehe oben &#8211; das Alter meist nur im Modus <em>&#8222;so lange ich noch fit bin&#8220;<\/em> voraus denken. Aber was kommt dann? Diejenigen, die ein Angestelltenleben hinter sich haben, rechnen mit einer schlecht und recht ausk\u00f6mmlichen Rente und funktionierenden sozialen Institutionen. Manche verlassen sich auf ihre Kinder, andere reden vom selbst bestimmten Abtreten &#8211; ja Himmel, so geht das doch nicht! Klar geh\u00f6rt zur Menschenw\u00fcrde die Macht, das Leben zu beenden, wenn es mir nicht mehr gef\u00e4llt &#8211; aber schon jetzt so etwas in Betracht zu ziehen, weil die \u00f6konomischen Aussichten im Methusalem-Staat nicht rosig sind, ist doch keine Antwort!<\/p>\n<h2>Das Eigene aufbauen<\/h2>\n<p>Bis zum offiziellen Rentenalter mit 67 sind es bei mir noch 14 Jahre. Mal davon abgesehen, ob und wann ich &#8222;aussteigen&#8220; werde, ist bis dahin doch ausreichend Zeit, noch etwas auf die Beine zu stellen, was mich ern\u00e4hrt (bzw. die Mini-Rente aufbessert), wenn ich selbst nicht mehr so viel arbeiten will oder kann. In den Zeiten des Internet geht alles viel schneller als fr\u00fcher, man kann Projekte aus dem virtuellen Boden stampfen, kann binnen kurzer Zeit erfolgreich  sein, wenn man den Nerv einer Zielgruppe trifft. Warum sollte das mir als Netz-Urgestein NICHT gelingen? Das &#8222;Projekte machen&#8220; geh\u00f6rt sowieso zu meinen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen, also werde ich den unternehmerischen Aspekt des Klinger-Webs st\u00e4rker entwickeln, was ich sogar richtig spannend finde.<\/p>\n<h2>Handeln und nicht nur reden<\/h2>\n<p>F\u00fcrs erste hab&#8216; ich mir einen <strong>&#8222;Arbeitsurlaub&#8220;<\/strong> geg\u00f6nnt: bis zum 9.August widme ich mich dem Neubau des <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/\">Webwriting-Magazins<\/a>: ein uraltes Projekt, das seit 2003 nur noch ein Dasein als Webleiche fristet, doch gleichwohl noch einen guten Stand in der Netzwelt hat, wenn man Besucherzahlen, Verlinkung und andere web-\u00fcblichen Bewertungsma\u00dfst\u00e4be betrachtet. Im <strong>WWMag 2.0<\/strong> werde ich weitestm\u00f6glich Jargon-frei \u00fcber das heutige Web (2.0, Blogosph\u00e4re etc.) schreiben und meiner eigenen Altersgruppe wie auch den \u00c4lteren die M\u00f6glichkeiten und das Knowhow vermitteln, es im Sinne der je eigenen Ziele und Interessen kreativ zu nutzen.<\/p>\n<p>Daneben werde ich meine anderen Blogs konsequenter weiter entwickeln: regelm\u00e4\u00dfig schreiben, bekannt machen, und die Werbe-Einnahmen steigern, ohne die Leser damit \u00fcber Geb\u00fchr zu nerven. Das <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-Gartenblog.de\">Gartenblog<\/a> ist schon ein gutes Beispiel, wie so etwas funktioniert &#8211; und es macht mir riesigen Spass!!<\/p>\n<p>Im <strong>Digital Diary<\/strong> verabschiede ich mich vom selbst gesetzten Zwang, hier nur &#8222;Langartikel&#8220; zu schreiben. Besser mal was K\u00fcrzeres als gar nichts, schlie\u00dflich f\u00e4llt mir oft etwas ein, was ich nur &#8222;hier&#8220; schreiben kann, im pers\u00f6nlichen Diary, das keinem spezifischen Inhalt verpflichtet ist.<\/p>\n<p>Wer also mag, schaut mal rein in n\u00e4chster Zeit, es wird lebendiger hier. :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckblicke und Ausblicke auf ein kreatives Altern Nun bekomme ich schon Nachfragen, wo ich denn abgeblieben bin seit meiner Reise nach Wiesbaden. Kein Eintrag seitdem, kein &#8222;Hallo, bin wieder da!&#8220; &#8211; aber es gibt mich noch, keine Sorge! 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