{"id":734,"date":"2011-08-23T11:53:11","date_gmt":"2011-08-23T09:53:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=734"},"modified":"2011-09-30T10:40:40","modified_gmt":"2011-09-30T08:40:40","slug":"krisenstatus-wer-zahlt-was-schon-verbraucht-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/08\/23\/krisenstatus-wer-zahlt-was-schon-verbraucht-ist\/","title":{"rendered":"Krisenstatus: Wer zahlt, was schon verbraucht ist?"},"content":{"rendered":"<p>Kurzbeschreibungen der laufenden Gro\u00dfkrise sind f\u00fcr mich fast schon Sammelobjekte. In wenigen S\u00e4tzen sagen, was seit Jahren abgeht und sich immer weiter verschlimmert, gelingt immer besser, je l\u00e4nger das Elend andauert.  Sogar die FAZ, die ja nicht unwesentlich die neoliberale Politik  seit Maggie Thatcher &#8222;begleitet&#8220; hat, sieht jetzt klar und richtig schwarz. Hier in K\u00fcrze die drei Phasen der Krise, zitiert aus <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30351\/eine-verteilungsfrage-die-naechste-stufe-der-finanzkrise-30488040.html#\">&#8222;Die n\u00e4chste Stufe der Finanzkrise&#8220;<\/a>:<!--more--><\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li>&#8222;In der ersten gerieten Banken wegen hoher Abschreibungen auf verbriefte Hypothekenanleihen in Schieflage und wurden, bis auf Lehman Brothers, durch Vergemeinschaftung ihrer Verluste gerettet.<\/li>\n<li>In der zweiten Phase wurden europ\u00e4ische Peripheriel\u00e4nder in einen Abw\u00e4rtssog gezogen, weil das Niveau ihrer Verschuldung nicht mehr erwarten lie\u00df, dass sie ihre Kredite w\u00fcrden zur\u00fcckzahlen k\u00f6nnen. Eine Stabilisierung wurde durch Rettungspakete versucht, die von den jeweiligen Rentnern und anderen staatsabh\u00e4ngigen Gruppen sowie von den \u00f6konomisch st\u00e4rkeren Eurol\u00e4ndern im Norden finanziert wurden und werden.<\/li>\n<li> In der dritten Phase haben sich nun die Zweifel an der staatlichen Solvenz auch auf Kernl\u00e4nder der Weltwirtschaft ausgeweitet, besonders die Vereinigten Staaten, aber auch Italien, zuletzt Frankreich. Damit geraten auch diese L\u00e4nder in den Strudel&#8220;.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Das Vertrauen in die R\u00fcckzahlungsf\u00e4higkeit, das den Anlegern mittels Rettungspaketen und Schirmen, B\u00fcrgschaften und Notenbankeingriffen (Anleihen kaufen = Geld drucken) vermittelt werden soll, verschlei\u00dft jeweils umgemein schnell. Wer b\u00fcrgt und rettet, \u00fcbernimmt ja eine Schuldenlast, die wiederum das Vertrauen an den Rettern untergr\u00e4bt &#8211; ein Teufelskreis, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.  Mittlerweile sind die Vertrauensreserven aufgebraucht, schreiben die Soziologen Jens Beckert und Wolfgang Streeck (faz.net) &#8211; und wer wollte da widersprechen?<!--more--><\/p>\n<p>Was nun als &#8222;n\u00e4chste Stufe&#8220; firmiert, ist eine &#8222;soziale Krise ungekannten Ausma\u00dfes&#8220;.  Beckert und Streek referieren die wenigen M\u00f6glichkeiten, die der Politik bleiben (massives Sparen, Steuererh\u00f6hungen, Schuldenschnitte, Inflation) die aber samt und sonders die Lage verschlimmern bzw. als nicht durchsetzbar erscheinen (wie etwa Steuererh\u00f6hungn in den USA). <\/p>\n<p>Die d\u00fcstere Sicht der Dinge kulminiert im Fazit: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es zeigt sich, dass die L\u00f6sung der Schuldenkrise wesentlich eine Verteilungsfrage ist. Wer zahlt f\u00fcr Ausgaben, die l\u00e4ngst get\u00e4tigt wurden, ohne je abgegolten worden zu sein, in einer Situation, in der die Gl\u00e4ubiger das Vertrauen verloren haben und ihr Geld zur\u00fcckverlangen? Was da aussteht, ist die Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres, in einigen L\u00e4ndern sogar weit mehr. Nachdem die Zuw\u00e4chse des Sozialprodukts w\u00e4hrend der vergangenen drei\u00dfig Jahre vornehmlich den oberen Bev\u00f6lkerungsschichten zugutekamen, stellt sich in der Schuldenkrise die Frage, ob und mit welchen Mitteln die Wohlhabenden versuchen werden, ihre Position auch um den Preis einer massiven sozialen und politischen Krise zu verteidigen. Wir k\u00f6nnen nicht ausschlie\u00dfen, dass sie die Schrift an der Wand auch weiterhin nicht verstehen wollen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich staune! Immerhin war die FAZ doch lange eine jener W\u00e4nde, deren Schriften die Besitzenden dieser Welt ermuntert hat, unter der Fahne der (Neo-)Freiheit ihre Interessen als weit wichtiger anzusehen als jegliches Gemeinwohl. Aber egal, auch sp\u00e4te Einsicht ist Einsicht  &#8211; auch Schirrmacher hat da ja k\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30351\/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-30484461.html\">ordentlich vorgelegt. <\/a><\/p>\n<h2>Alles nur ein Geldproblem?<\/h2>\n<p>Nun werden all jene, die immer schon genau wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt, wieder anmerken, dass die Crux im Geldsystem liegt, das wegen der Geldsch\u00f6pfung mittels Schulden (FiatMoney), mangelnder Wertdeckung (im Unterschied zum fr\u00fcheren Goldstandard) und dem Zins&#038;Zinseszins-System sowieso ein Betrug sei und zwangsl\u00e4ufig gro\u00dffl\u00e4chig scheitern m\u00fcsse. Ja, das mag stimmen, aber wem hilft das jetzt weiter? Ergeben sich daraus auch sinnvolle und umsetzbare Ratschl\u00e4ge f\u00fcr die Politik? So richtig ich viele dieser Analysen finde, so tr\u00fcb und versponnen, egozentrisch und gesellschaftsfeindlich erscheinen die blo\u00df ans (meist auch: reichere) Indiv\u00edduum gerichteten Tipps wie &#8222;Gold kaufen&#8220; oder &#8222;Vorr\u00e4te anlegen&#8220;!<\/p>\n<p>Eine Krankheit kann nicht dadurch geheilt werden, dass man die Geisteshaltung, aus der sie erw\u00e4chst, noch verst\u00e4rkt! Und kranken unsere immer noch m\u00e4chtigen westlichen Gesellschaften nicht vor allem an Egoismus und Ignoranz vieler &#8222;Bessergestellter&#8220;, die nicht mehr sehen, dass sie mit all den Marginalisierten letztlich doch im selben Boot sitzen? <\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen sitzen wir ja auch alle auf EINEM Planeten. Und auf dem sind eben mittlerweile einige k\u00fcrzlich-noch Entwicklungsl\u00e4nder angetreten, ihren Teil vom Kuchen zu fordern und auch einzutreiben. Was unsere Geld-Eliten dazu zwingt, zu teilen &#8211; und das m\u00f6gen sie nicht. Zumindest wollen sie die Verluste dann an anderer Stelle ausgeglichen sehen: also rauf mit dem Sharholder-Anteil, hoch die Rendite, runter die Steuern und Sozialabgaben, weg mit den Regeln! <\/p>\n<p>B\u00f6se? Ach je &#8211; da bin ich altersmilde.. im Grund&#8216; ist es diesselbe Haltung, die viele Mittelst\u00e4ndler motiviert, zuerst die Putzfrau zu entlassen oder schlechter zu bezahlen, wenn die Preise steigen, das Gehalt aber nicht. Genau so streichen Reiche und M\u00e4chtige eben die &#8222;Etats&#8220; der Bev\u00f6lkerungen zusammen, die \u00fcber Politik der Staaten als Anteil am Kuchen verteilt werden d\u00fcrfen, wenn der eigene Anteil schrumpft.<\/p>\n<p>Kein Hass also. Wohl aber die Einsicht, dass wir wieder &#8222;Klassenkampf&#8220; haben &#8211; weltweit. <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Lesetipp:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.krisendoku.de\/teilhabe.html#\"><br \/>\nDie Grundlage zur L\u00f6sung der Krise: Das Prinzip der Teilhabe<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzbeschreibungen der laufenden Gro\u00dfkrise sind f\u00fcr mich fast schon Sammelobjekte. In wenigen S\u00e4tzen sagen, was seit Jahren abgeht und sich immer weiter verschlimmert, gelingt immer besser, je l\u00e4nger das Elend andauert. Sogar die FAZ, die ja nicht unwesentlich die neoliberale Politik seit Maggie Thatcher &#8222;begleitet&#8220; hat, sieht jetzt klar und richtig schwarz. 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