{"id":708,"date":"2011-07-11T12:35:07","date_gmt":"2011-07-11T10:35:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=708"},"modified":"2011-07-11T13:56:57","modified_gmt":"2011-07-11T11:56:57","slug":"ist-arbeitslosigkeit-zwangslaeufig-ein-krebsgeschwuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/07\/11\/ist-arbeitslosigkeit-zwangslaeufig-ein-krebsgeschwuer\/","title":{"rendered":"Ist Arbeitslosigkeit zwangsl\u00e4ufig ein Krebsgeschw\u00fcr?"},"content":{"rendered":"<p>Angeregt durch das k\u00fcrzlich hier gezeigte Revolutionsvideo <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/07\/02\/ueber-binsenweisheiten-totschlagargumente-und-demokratie\/\">(\u00dcber Binsenweisheiten, Totschlagargumente und Demokratie)<\/a> sprach <strong>Relax Senf<\/strong>, einer meiner gesch\u00e4tzten Stammleser, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/07\/02\/ueber-binsenweisheiten-totschlagargumente-und-demokratie\/#comment-12020\">in einem Kommentar<\/a> vom Krebsgeschw\u00fcr der Arbeitslosigkeit:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Die Arbeitslosigkeit ist bereits ein Problem und wird fortschreitend zu einem b\u00f6sartigen Krebsgeschw\u00fcr. Wobei zu beachten ist, dass sowohl der Mangel an High Potentials als auch der \u00dcberfluss an \u201cnur sich selbst = nur Arbeitskraft\u201d Anbieter zunehmen wird. Der Weg zum pers\u00f6nlichen Gl\u00fcck wird schwieriger, ist aber noch immer durch Eigenleistungen beeinflussbar.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon vor \u00fcber 20 Jahren h\u00f6rte ich die Botschaft, &#8222;die Wirtschaft&#8220; k\u00f6nne perspektivisch locker mit 30% der arbeitsf\u00e4higen Menschen auskommen, um die Welt mit G\u00fctern und Dienstleistungen zu versorgen. Der Rest werde dann nicht mehr gebraucht.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr mein Empfinden stellt dieser Gang der Dinge durchaus die Systemfrage &#8211; ABER eben nur in dem Fall, dass die 70% nicht zu ihrer gef\u00fchlten Zufriedenheit mitversorgt werden (Transferleistungen,  Grundeinkommen). Denn um ARBEIT, definiert als Mitwirkung im Produktionsprozess, geht es doch eigentlich nicht &#8211; sondern darum, ob man genug vom zu verteilenden Kuchen abbekommt. <\/p>\n<p>Ich halte es lange schon f\u00fcr eine absolut verr\u00fcckte und verzerrte Darstellung der Verh\u00e4ltnisse, wenn alle immer so tun, als sei die Mitwirkung am Produktionsproszess unverzichtbar f\u00fcrs pers\u00f6nliche Gl\u00fcck. An der Stelle scheint leider Interessen-geleitete Indoktrinierung bei vielen recht erfolgreich das Gehirn gewaschen zu haben und immer noch weiter zu waschen.<\/p>\n<p>Es gibt doch so viele Formen, sich sinnvoll und gl\u00fcckbringend zu besch\u00e4ftigen! Man sucht als Mensch nat\u00fcrlich Gelegenheiten, die eigenen Talente zu entwickeln, sucht Selbsterfahrung und Anerkennung von Anderen. Aber das alles k\u00f6nnte auch in freier Selbstorganisation geleistet werden: b\u00fcrgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit, Kunst &amp; Kultur machen&#8230;<\/p>\n<p>Dass die Arbeitslosigkeit forschreitet, ist so gesehen kein b\u00f6sartiges Krebsgeschw\u00fcr &#8211; sondern nur dann, wenn  &#8222;Arbeitslose&#8220; (an sich schon ein unzutreffender Begriff!) diskriminiert und auf vielerlei Weisen marginalisiert werden. <\/p>\n<p>W\u00e4re dem nicht so, w\u00e4re Arbeitslosigkeit die Erf\u00fcllung eines alten Menschheitstraums vom Schlaraffenland: man k\u00f6nnte auch einfach nur so ruml\u00fcmmeln und trotzdem w\u00e4re an gebraten Tauben kein Mangel!<\/p>\n<p>Wie KRANK, dass heute statt dieser sympathischen. \u00fcber Jahrtausende geteilten menschlichen Vision von Freiheit (bei deren Realisierung ja kaum jemand nur rumliegen w\u00fcrde!) ein <strong>Arbeitsbienenbewusstsein<\/strong> herrscht, nach dem ein Mensch fast kein Lebensrecht hat, der nicht in irgendwelchen meist gar nicht nachhaltigen und oft ziemlich \u00fcberfl\u00fcssigen Produktionsprozessen mitschwitzt.<\/p>\n<p>In meiner wilden Jugendzeit (70ger, 80ger) war das mal anders. Mittlerweile aber betet man das Laufrad gar noch an, in dem man sich im Extremfall mit bis zu drei schlecht bezahlten Jobs gleichzeitig dem Tod entgegen strampelt!<\/p>\n<p>Zum Schluss dieser spontanen kleinen Brandrede recycle ich mit Freude eines meiner Lieblingszitate vom &#8222;Medienphilosophen&#8220; <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/flusser\/index.htm\">Vil\u00e9m Flusser<\/a> zum Thema Arbeit:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Arbeit, sei sie Tun oder Leiden,<br \/>\noder sei sie Tun und Leiden,<br \/>\nmacht unfrei, weil sie M\u00f6gliches verwirklicht.<br \/>\nNur wenn Tun und Leiden auf Automaten abgeschoben sind, &#8230;,<br \/>\nnur im Feld des Potentiellen ist die Freiheit:<br \/>\nnur wenn man projiziert anstatt zu operieren.&#8220;<\/p>\n<p>Vil\u00e9m Flusser<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeregt durch das k\u00fcrzlich hier gezeigte Revolutionsvideo (\u00dcber Binsenweisheiten, Totschlagargumente und Demokratie) sprach Relax Senf, einer meiner gesch\u00e4tzten Stammleser, in einem Kommentar vom Krebsgeschw\u00fcr der Arbeitslosigkeit: &#8222;Die Arbeitslosigkeit ist bereits ein Problem und wird fortschreitend zu einem b\u00f6sartigen Krebsgeschw\u00fcr. 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