{"id":695,"date":"2011-05-27T08:46:08","date_gmt":"2011-05-27T06:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=695"},"modified":"2011-06-15T22:15:56","modified_gmt":"2011-06-15T20:15:56","slug":"50-wege-die-geliebte-zu-verlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/05\/27\/50-wege-die-geliebte-zu-verlassen\/","title":{"rendered":"50 Wege, die Geliebte zu verlassen"},"content":{"rendered":"<p>Wer die Geliebte ist? Nat\u00fcrlich die Zigarette, das Rauchen, die ganze pers\u00f6nliche &#8222;Kultur&#8220; rund um den t\u00e4glichen Gifthauch. Und der Titel dieses Postings ist eine deutsche \u00dcbersetzung des alten Songs <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=298nld4Yfds&amp;NR=1\" target=\"_blank\">&#8222;50 Ways to leave your lover&#8220; <\/a>von Paul Simon. <\/p>\n<p>Wer den Song kennt oder jetzt mal eben anh\u00f6rt, wird sich vielleicht wundern, dass ich diese Hymne auf das entschlossene Beenden einer <b>Liebesbeziehung<\/b> auf den Abschied vom Rauchen \u00fcbertrage. Ist es doch sehr viel \u00fcblicher, den Ziggis alles B\u00f6se dieser Welt anzulasten, sie zu beschimpfen, zu verachten &#8211; und sich selbst gleich mit. Denn wer war es denn, der geraucht hat?<!--more--><\/p>\n<p>Im Song von den &#8222;50ways&#8220; wechseln zwei Stimmungen einander recht drastisch ab: <\/p>\n<ul>\n<li>einerseits die <b>Melancholie des Abschieds, <\/b>die Wehmut beim Gedanken an all das Sch\u00f6ne, das einmal war <\/li>\n<li>&#8211; und andrerseits die <b>Freude am Aufbruch,<\/b> am Abenteuer, an neuen Pl\u00e4nen &#8211; die Euphorie der Befreiung aus nur noch als Einschr\u00e4nkung wahrgenommenen Bindungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das zweite Gef\u00fchl bedarf wohl keiner Erl\u00e4uterung &#8211; jede\/r nicht mehr Rauchende wird den Ausstieg aus den Zw\u00e4ngen der Sucht phasenweise so empfinden: wie sch\u00f6n, nicht mehr rauchen zu m\u00fcssen!  Es tut gut, das mittels Musik ein wenig MEHR ins Bewusstsein zu heben. <\/p>\n<p>Die Melancholie aber, die Wehmut \u00fcber das unausweichliche &#8222;Verlassen der Geliebten&#8220; &#8211; ist es nicht hoch gef\u00e4hrlich, der Kippe so offen hinterher zu trauern? Wird das nicht eher dazu f\u00fchren, dass man ihr wieder einen Platz im Leben einr\u00e4umt &#8211; in der falschen Hoffnung, &#8222;diesmal werde alles anders&#8220;? (z.B. mittels &#8222;nur 5 am Tag&#8220; oder dergleichen Illusionen). <\/p>\n<p>Nein &#8211; f\u00fcr mich ist das Gef\u00fchl der Wehmut und Wertsch\u00e4tzung erst m\u00f6glich, seit ich das Verschwinden des Verlangens erlebe &#8211; bis eben dahin, gar keines mehr zu sp\u00fcren.  <\/p>\n<p>Bleibt man in Begriffen aus dem Beziehungsleben, ist es die Erkenntnis, dass &#8222;es wirklich aus&#8220; ist und alles Diskutieren daran nichts mehr \u00e4ndern wird. Man wird gehen, bzw. ist schon gegangen &#8211; und in der R\u00fcckschau verkl\u00e4rt sich alles Sch\u00f6ne noch einmal im warmen Schein des positiven Erinnerungsverm\u00f6gens:  <\/p>\n<p>Du warst mir kein &#8222;Niko-Monster&#8220;, sondern eine liebevolle St\u00fctze zur rechten Zeit. <\/p>\n<ul>\n<li>Hast mich gestreichelt, wenn das Leben mich qu\u00e4lte, <\/li>\n<li>hast mich die F\u00fclle f\u00fchlen lassen, wenn ich mich sonst in der Leere verloren h\u00e4tte. <\/li>\n<li>Warst mir ein Pflaster auf jede Wunde,<\/li>\n<li>eine wohl verdiente Pause, wann immer ich sie brauchte.<\/li>\n<li>Du warst DA, wenn alle Welt mich verlassen hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielen vielen DANK!!!!!!!!!!!<\/p>\n<p>H\u00e4tte ich gedacht, dass mir mal Abschieds-Tr\u00e4nen kommen, wenn ich ans Rauchen denke? An all die Wagenladungen voll Zigaretten, die ich in Jahrzehnten konsumierte &#8211; die mir &#8218;(neben all dem Schaden, den sie anrichteten) ja auch immer etwas GEGEBEN haben, das ich zu brauchen meinte. Etwas GUTES! <\/p>\n<p><b>50 Wege, die Geliebte zu verlassen &#8211; und meiner?<\/b><\/p>\n<p>Mein Weg hei\u00dft &#8222;Moratorium f\u00fcr die Lunge&#8220; und das bedeutet, so zu tun, als g\u00e4be es ein &#8222;zur\u00fcck&#8220;. Damit die Angst vor dem &#8222;nie mehr&#8220; nicht zu gro\u00df wird, um im Hier &amp; Jetzt nicht mehr zu rauchen. <\/p>\n<p>Diese &#8222;Erlaubnis zur R\u00fcckkehr&#8220; behindert paradoxerweise das Gef\u00fchl des Abschieds nicht. Im Gegenteil, ich f\u00fchle mich sehr frei, zu tun oder zu lassen, was immer ich mag. <\/p>\n<p>Und gerade diese gef\u00fchlte Freiheit von der so vertrauten Sucht l\u00e4sst mich die Melancholie des Abschieds sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Mach&#8217;s also gut, Ziggi &#8211; ich werde dich immer in liebevoller Erinnerung behalten! <\/p>\n<p>Du kannst ja nichts daf\u00fcr, dass du deine Lover auf Dauer umbringst &#8211; aber ich will halt noch ein bisschen leben. GUT leben, nicht nur sp\u00e4ter sterben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die Geliebte ist? Nat\u00fcrlich die Zigarette, das Rauchen, die ganze pers\u00f6nliche &#8222;Kultur&#8220; rund um den t\u00e4glichen Gifthauch. Und der Titel dieses Postings ist eine deutsche \u00dcbersetzung des alten Songs &#8222;50 Ways to leave your lover&#8220; von Paul Simon. Wer den Song kennt oder jetzt mal eben anh\u00f6rt, wird sich vielleicht wundern, dass ich diese [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/695"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=695"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/695\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}