{"id":677,"date":"2011-05-06T13:19:09","date_gmt":"2011-05-06T11:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=677"},"modified":"2011-06-15T22:10:16","modified_gmt":"2011-06-15T20:10:16","slug":"ohne-willensanstrengung-rauchfrei-6-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/05\/06\/ohne-willensanstrengung-rauchfrei-6-tag\/","title":{"rendered":"Ohne Willensanstrengung rauchfrei &#8211; 6.Tag"},"content":{"rendered":"<p>Grade trinke ich meinen \u00fcblichen Milchkaffee und bin sehr dankbar, dass das noch geht. Er BEFRIEDIGT mich, auch OHNE dass ich dazu f\u00fcnf bis zehn Selbstgedrehte rauchen m\u00fcsste, wie sonst an jedem Vormittag.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich hab ich mir noch extra eine Kanne Tee gemacht, um dieses gewohnheitsm\u00e4\u00dfige Gieren nach der Kippe zum Kaffee zum vermeiden. Als dann nichts dergleichen auftrat, auch nicht am Rest des Tages, bin ich zum Morgenkaffee zur\u00fcckgekehrt &#8211; warum auch nicht?<\/p>\n<p>Seit meinem 14. Lebensjahr hab&#8216; ich geraucht. Es gab ein paar Rauchpausen rund um diverse Aufh\u00f6rversuche &#8211; maximal ein halbes Jahr, wenn ich mich recht erinnere. Wegen des mehrmaligen Scheiterns hab&#8216; ich den Gedanken, jemals rauchfrei zu werden, dann aufgegeben. Ich rauchte weiter meine 30 Zigaretten t\u00e4glich, w\u00e4hrend ich hilflos beobachtete, wie sich das Ganze mehr und mehr auf die Gesundheit auswirkte. <!--more--><\/p>\n<h2>Das Leiden an der Sucht<\/h2>\n<p>Ich litt z.B. unter zunehmender  Atemnot und Kurzatmitgkeit bei Anstrengungen; musste im zweiten Stock Pause machen, bevor ich die Treppe zum dritten angehen konnte. In diesen dem\u00fctigenden Momenten f\u00fchlte ich mich wie 80 Jahre alt!  Weiter begl\u00fcckten mich dieses Jahr schon zwei Erk\u00e4ltungen, die sich unziemlich lange hinschleppten. Hinzu kam allgemeine Energielosigkeit, das Gef\u00fchl, der K\u00f6rper sei eine Last, die man von Stuhl zu Stuhl wuchten muss, anstatt an der Bewegung Freude zu haben.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich, am Ende einer Erk\u00e4ltung, h\u00f6rte ich beim Einschlafen ein mit dem Atmen einher gehendes hohes Pfeiffen in der Lunge. Sowas hatte ich noch nie erlebt und war entsetzt &#8211; und dann gleich auch voller Schuld- und Mitgef\u00fchl: arme Lunge!<\/p>\n<p>Und jetzt &#8211; am 6. Tag meines &#8222;Rauch-Moratoriums&#8220; &#8211; merke ich erst so richtig, was f\u00fcr eine geistige LAST diese innere Inkonsequenz und Zerrissenheit bedeutet. Einerseits bin ich immer gerne beim Welt-retten und verbessern dabei, andrerseits offenbar komplett unf\u00e4hig, dieses massiv selbstzerst\u00f6rerische Sucht-Verhalten aufzugeben. Meinen &#8222;Elan vital&#8220; hat das auf Dauer ganz sch\u00f6n herunter gedimmt &#8211; und mein Selbstbewusstsein litt nat\u00fcrlich auch, ohne dass ich das so richtig bemerkte.<\/p>\n<h2>Weg vom Dampf ohne Kampf<\/h2>\n<p>Nun scheint es mit alledem f\u00fcrs erste vorbei zu sein (toi toi toi!). Das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/05\/03\/punkt-schluss-zufaellig-rauchfrei-dritter-tag\/\">&#8222;Rauch-Moratorium&#8220;<\/a>, in das ich ganz spontan mittels einer Walpurgisnacht-Nachwirkungs-Matschbirne geschlittert bin, klappt weit besser und anstrengungsloser, als ich es mir vorgestellt h\u00e4tte. WENN ich dr\u00fcber nachgedacht h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n<p>Es ist alles ganz anders als w\u00e4hrend fr\u00fcherer Aufh\u00f6rversuche, die immer diesen Kampf- und Verzichts-Aspekt hatten. Kommt der Gedanke ans Rauchen, kommt er schon gleich in der Form: <em>&#8222;Mein Gott, bin ich froh, nicht mehr rauchen zu m\u00fcssen!&#8220;.<\/em><\/p>\n<h2>Entzug ohne Schmacht<\/h2>\n<p>Ich st\u00fctze den Ausstieg mit minimalen Dosen von Niko-Tabletten: bisher zwei Tabletten, aufgeteilt in &#8222;Sechstel-St\u00fcckchen&#8220; \u00fcber die ersten f\u00fcnf Tage. Das ist eine Nikotinmenge von insgesamt nur 8 Milligramm. Daran kann es also nicht liegen, dass kein &#8222;Schmacht&#8220; aufkommt. <\/p>\n<p>Dennoch kommen ganz gelegentlich Entzugserscheinungen, die aber nicht mit dem Gef\u00fchl, rauchen zu wollen verbunden sind. So ein fiebriges Schwitzen, jede Zelle scheint irgendwie &#8222;offen&#8220; bzw. bed\u00fcrftig. Der Zustand erinnert mich an die Zeit als Kind, wenn ich allzu lange im Chlor-Wasser des Schwimmbeckens geblieben und danach &#8222;v\u00f6llig fertig&#8220; war.  <\/p>\n<p>Wenn DAS auftritt, zusammen mit diesem Watte-im-Kopf-Gef\u00fchl, dann nehme ich ein &#8222;Br\u00f6ckchen&#8220; Nikotablette. Ich denke, damit kann ich gut &#8222;ausschleichen&#8220;, denn ich bin mir fast sicher, dass das so nicht bleiben wird, nicht mit SO WENIG Nikotin-Input.<\/p>\n<h2>Kein Verzicht, sondern sp\u00fcrbare (!) Befreiung<\/h2>\n<p>Ich staune, wie leicht es diesmal f\u00e4llt, nicht zu rauchen &#8211; trotz meiner stofflich gesehen massiven Raucherkarriere und der wenig erfolgreichen Bem\u00fchungen zuvor.  Zentraler Punkt dabei ist die Vermeidung jeglichen K\u00e4mpfens, was eine gewisse Wachheit erfordert. Es gilt, in jedem Moment zu sehen, was Fakt ist: Die Zigarette ist nichts Angenehmes, das ich mir m\u00fchsam verkneife, sondern ein mega-sch\u00e4dliches Kraut, dass die Zust\u00e4nde \u00fcberhaupt erst erzeugt, in denen &#8222;eine rauchen&#8220; als vermeintliche L\u00f6sung  erscheint. Wenn der Gedanke ans Rauchen kommt, reicht es momentan v\u00f6llig aus, mich an die oben aufgez\u00e4hlten Leiden zu erinnern &#8211; und schon sp\u00fcre ich Dankbarkeit, dass ich mir DAS nicht mehr antun muss! <\/p>\n<p>Aber keine Sorge, dieses Diary wird deshalb nun nicht erneut zum Nichtrauchertagebuch (wie 1998 das von Alan Carr inspirierte <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/glueck\/nrdiryfs.htm\">&#8222;Power auf Now!&#8220;<\/a>). F\u00fcr den detaillierteren Gespr\u00e4chsbedarf &#8218;rund ums Nicht-mehr-rauchen hab ich mir <a href=\"http:\/\/www.rauchfrei-portal.de\/forum\/\">ein Forum gesucht<\/a>. Dort <a href=\"http:\/\/www.rauchfrei-portal.de\/forum\/blogs\/claudiab\/\">teile ich meine Erfahrungen<\/a>, h\u00f6re denen zu, die \u00fcber Disziplin und Durchhalten, Krampf und Kampf rauchfrei bleiben wollen &#8211; und staune weiter, dass es auch ganz anders geht. <\/p>\n<p>Wie lange, wird die Zeit zeigen. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grade trinke ich meinen \u00fcblichen Milchkaffee und bin sehr dankbar, dass das noch geht. Er BEFRIEDIGT mich, auch OHNE dass ich dazu f\u00fcnf bis zehn Selbstgedrehte rauchen m\u00fcsste, wie sonst an jedem Vormittag. K\u00fcrzlich hab ich mir noch extra eine Kanne Tee gemacht, um dieses gewohnheitsm\u00e4\u00dfige Gieren nach der Kippe zum Kaffee zum vermeiden. 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