{"id":675,"date":"2011-05-03T11:50:03","date_gmt":"2011-05-03T09:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=675"},"modified":"2011-06-15T22:03:28","modified_gmt":"2011-06-15T20:03:28","slug":"punkt-schluss-zufaellig-rauchfrei-dritter-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/05\/03\/punkt-schluss-zufaellig-rauchfrei-dritter-tag\/","title":{"rendered":"Punkt-Schluss: Zuf\u00e4llig rauchfrei, dritter Tag"},"content":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor 11,  vor mir steht die \u00fcbliche Kanne Milchkaffee, alles ist wie immer &#8211;  fast.  Es fehlen die Tabakkr\u00fcmel auf der Tastatur, die Bl\u00e4ttchen und Drehfilter, der Aschenbecher und die mittlerweile s\u00fcndhaft teuren Tabakbeutel der Marke &#8222;Javaanse Jongens&#8220;, die ich viele Jahre fast ausschlie\u00dflich rauchte. <\/p>\n<h2>Es tut gar nicht weh&#8230;<\/h2>\n<p>Was zu meiner Verwunderung ebenfalls fehlt, sind drastische Entzugserscheinungen. Ab und zu meldet sich eine pl\u00f6tzliche Erinnerung an das vermeintlich &#8222;gute&#8220; Gef\u00fchl, wenn der mit ca. 4000 verschiedenen Schadstoffen belastete Rauch durch die Lunge str\u00f6mt. Dann atme ich einmal tief ein und freue mich dr\u00fcber, dass der Atem &#8222;nach oben hin&#8220; schon nicht mehr so anst\u00f6\u00dft wie noch vorvorgestern.  Und ich sp\u00fcre meinen K\u00f6rper, der sich pl\u00f6tzlich nicht mehr anf\u00fchlt wie eine Last, die man &#8222;von Stuhl zu Stuhl&#8220; durchs Leben schleppen muss, sondern irgendwie leichter, lustvoller, durchaus geneigt, sich auch mal ein bisschen zu bewegen. Sogar die Nase ist dabei, zu einem &#8222;n\u00e4chsten Leben&#8220; zu erwachen &#8211; ich kann den Kaffee schon wieder ein bisschen riechen, bevor ich ihn trinke. <!--more--><\/p>\n<p>Sollte es doch dazu kommen, dass mich der &#8222;Schmacht&#8220; \u00fcberf\u00e4llt, nehme ich gleich bei den ersten Anzeichen eine viertel Nikotin-Tablette. Gestern und vorgestern hab&#8216; ich zusammen  insgesamt vier solcher Miniporti\u00f6nchen konsumiert. Im Ergebnis also EINE Nikotin-Tablette, die mengenm\u00e4\u00dfig etwa dem entspricht, was pro vier Zigaretten ins Blut gelangt. Sauwenig, wenn ich bedenke, wie gut es mir geht.<\/p>\n<h2>Kein Vorsatz, nur Leiden<\/h2>\n<p>Anders als bei vorherigen Versuchen, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren, hatte ich jetzt keinen entsprechenden Vorsatz. Ich habe es lange schon aufgegeben, mir aus Angst vor dem fr\u00fchen Krebstod immer neue, dann doch bald scheiternde &#8222;Ges\u00fcnder-leben-Programme&#8220; zu verordnen. Der letzte Stand meiner Auseinandersetzung mit alledem und mir selbst, steht im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/04\/29\/die-geste-des-anlaufs-ab-morgen-wird-alles-anders\/\">&#8222;Die Geste des Anlaufs: Ab morgen wird alles anders?&#8220;<\/a> vom April 2006. Nat\u00fcrlich hab&#8216; ich es damals NICHT geschafft, l\u00e4nger rauchfrei zu bleiben. Nur mein Selbstbild hatte sich ein weiteres Mal ver\u00e4ndert, indem ich noch viel weniger als bisher an die Kraft rational begr\u00fcndeter Selbstver\u00e4nderungsbeschl\u00fcsse glaubte: Etwas in mir ist VIEL VIEL st\u00e4rker als die Vernunft &#8211; und l\u00e4sst mich locker &#8222;umdenken&#8220;, wenn ich ihm nicht gebe, was es braucht.<\/p>\n<p>Seitdem sind weitere f\u00fcnf Jahre vergangen, in denen ich grob gesch\u00e4tzt 8400 Euro f\u00fcr Tabak, Bl\u00e4ttchen und Filter ausgegeben habe. Dabei bin ich trotz Gartenarbeit, Yoga, Rad fahren und Kiesern auch immer kurzatmiger geworden: mittlerweile muss ich nach dem zweiten Stock eine Pause machen, bevor ich die letzte Treppe in den 3. Stock schaffe. \u00c4tzend! Ich komme mir vor wie 80&#8230;.<\/p>\n<p>Auch sonst leidet die Gesundheit: Lange erlebte ich gar keine Erk\u00e4ltungen. Doch in diesem April erwischte mich auf der Re:Publica schon die zweite im Jahr 2011. Und es zieht sich hin bis zur Gesundung: das Husten, die sp\u00fcrbar verschleimte Lunge bleiben deutlich l\u00e4nger als normal. Wodurch ich mich noch schw\u00e4cher f\u00fchle als gew\u00f6hnlich.<\/p>\n<h2>Feste feiern, wie sie fallen<\/h2>\n<p>Am Samstag dann ein Walpurgisnacht-Fest: ich feierte mal wieder richtig mit, konsumierte etliche Biere und allen mitgef\u00fchrten Tabak, dazu geschnorrte Zigaretten, als die Packung alle war. Tags drauf gab&#8217;s die Rechnung: Matschbirne und Nachwirkungen bis zum Nachmittag. Und einen absoluten Ekel beim blo\u00dfen Gedanken ans weiter rauchen.<\/p>\n<p>Das hab&#8216; ich nat\u00fcrlich schon \u00f6fter erlebt und wei\u00df, dass die Sucht nur allzu schnell wieder kommt &#8211; bisher jedenfalls. Und doch: Warum nicht die Gelegenheit wahrnehmen, zumindest eine RAUCHPAUSE einzulegen? Ein &#8222;Moratorium&#8220; sozusagen, das der Lunge eine gewisse Regenerationszeit g\u00f6nnt und mich erleben l\u00e4sst, wie schlimm oder eben nicht schlimm der Ausstieg sich derzeit anf\u00fchlt ?<\/p>\n<p>Tja, im Moment geht es erstaunlich locker. Und ich werde den Teufel tun und gro\u00dfe Zukunftspl\u00e4ne machen! Viel wichtiger ist es, hier und jetzt zu bemerken, wieviel BESSER ich mich f\u00fchle ohne die Last der t\u00e4glich 20 bis 30 Zigaretten&#8230; <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor 11, vor mir steht die \u00fcbliche Kanne Milchkaffee, alles ist wie immer &#8211; fast. Es fehlen die Tabakkr\u00fcmel auf der Tastatur, die Bl\u00e4ttchen und Drehfilter, der Aschenbecher und die mittlerweile s\u00fcndhaft teuren Tabakbeutel der Marke &#8222;Javaanse Jongens&#8220;, die ich viele Jahre fast ausschlie\u00dflich rauchte. 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