{"id":656,"date":"2011-03-24T10:48:53","date_gmt":"2011-03-24T08:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=656"},"modified":"2011-04-04T10:45:36","modified_gmt":"2011-04-04T08:45:36","slug":"atomausstieg-fukushima-umsteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/03\/24\/atomausstieg-fukushima-umsteuern\/","title":{"rendered":"Geld verdienen als Endzweck? Oder k\u00f6nnte es andere gemeinsame Ziele geben?"},"content":{"rendered":"<p>In Sachen Ausstieg aus der Atomkraft und Umbau in Richtung erneuerbare Energien hab&#8216; ich schon \u00f6fter mal gedacht: Warum macht man sowas eigentlich nicht zur gro\u00dfen gesellschaftlichen Aufgabe? <\/p>\n<p>In Zeiten des Internets w\u00e4re es doch machbar, die verschiedenen Handlungsfelder mit &#8222;potenziell allen&#8220; zu diskutieren und zu organisieren: den Aufbau dezentraler Energie-Erzeuger ebenso wie den erforderlichen Netzausbau, vor allem aber die unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten, Energie einzusparen. Informationskampagnen, bereichert durch &#8222;Schwarm-Intelligenz&#8220;, Communities, Anreiz-Systeme und vieles mehr w\u00e4ren denkbar &#8211; warum passiert das nicht? Warum bleibt die Diskussion im Wesentlichen in der althergebrachten Form &#8222;B\u00fcrger fordern, Politiker antworten&#8220; stecken?<!--more--><\/p>\n<p>K\u00f6nnte man &#8222;die Bev\u00f6lkerung&#8220; nicht so weitgehend in die Umsetzung der Ziele einbinden, dass Argumente wie &#8222;aber der Strom muss bezahlbar bleiben&#8220; kein Totschlagsargument mehr sind? Weil eben dann genug Leute ihren Stromverbrauch deutlich senken und auch mal bereit sind, f\u00fcr Energie mehr zu bezahlen, wenn &#8222;der Umbau&#8220; nicht anders zu haben ist? <\/p>\n<p>Viele fordern mehr direkte Demokratie, ich auch. Nat\u00fcrlich m\u00fcsste eine solche Mega-Kampagne abgestimmt werden &#8211; der Souver\u00e4n, das Volk, m\u00fcsste sich KONKRET dazu \u00e4u\u00dfern, ob es das will: als gemeinsame Anstrengung, nicht als etwas, das &#8222;von oben&#8220; serviert wird, weil man es bestellt hat &#8211; um dann zu meckern, dass die Suppe doch nicht so gut schmeckt wie gedacht. <\/p>\n<h2>Nihilismus: jeder macht seins und will in Ruhe gelassen werden<\/h2>\n<p>Auf die Idee zu diesem Beitrag brachte mich ein Artikel im FREITAG: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/wochenthema\/1112-das-str-uben-der-wilden-masse\">Die Welt danach -Atomkraft \u00fcberwinden, das hie\u00dfe, die Abkehr vom Geldverdienen als Endzweck.<\/a> Michael J\u00e4ger geht der Frage nach, warum ein Ereignis wie &#8222;Fukushima&#8220; heute nicht mehr im Stande ist, &#8222;einen Diskurs zu widerlegen&#8220; &#8211; n\u00e4mlich so, wie etwa das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erdbeben_von_Lissabon_1755\">Erdbeben von Lissabon<\/a> 1755 einen solchen wiederlegt hat. Danach mochte niemand mehr daran glauben, was zuvor herrschende Meinung war: dass die Natur moralisch sei, auch wenn wir nicht immer erkennen k\u00f6nnten, was im katastrophischen Einzelfall &#8222;das Gute&#8220; ist. <\/p>\n<p>Abgel\u00f6st wurde das alte Denken durch den Kampf gegen die morallose Natur, wie ihn der deutsche Philosoph Fichte dann ausformulierte (zitiert nach &#8222;Freitag&#8220;):<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;\u201eAll jene [&#8230;] verw\u00fcstenden Orkane, jene Erdbeben, jene Vulkane k\u00f6nnen nichts anderes sein, denn das letzte Str\u00e4uben der wilden Masse gegen den gesetzm\u00e4\u00dfig fortschreitenden, belebenden und zweckm\u00e4\u00dfigen Gang [&#8230;] \u2013 nichts, denn die letzten ersch\u00fctternden Striche der sich erst vollendenden Ausbildung unseres Erdballes\u201c. Die Wissenschaft, eine \u201edurch ihre Erfindungen bewaffnete menschliche Kraft\u201c, soll \u201eeindringen\u201c in die Gesetze der Natur und sie \u201eohne M\u00fche [&#8230;] beherrschen\u201c. Es soll \u201eallm\u00e4hlich keines gr\u00f6\u00dfern Aufwandes an mechanischer Arbeit bed\u00fcrfen, [&#8230;] und diese Arbeit soll aufh\u00f6ren Last zu sein; \u2013 denn das vern\u00fcnftige Wesen ist nicht zum Lasttr\u00e4ger bestimmt.\u201c&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Sicht der Dinge wirke im kollektiven Unbewussten fort, sei aber als bewusste Zielbestimmung l\u00e4ngst in Vergessenheit geraten, meint J\u00e4ger. Denn:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ein Dreivierteljahrhundert sp\u00e4ter diagnostizierte ein anderer Philosoph, Friedrich Nietzsche, den \u201eNihilismus\u201c, von dem Europas Kultur ergriffen werde. Nihilismus ist das Verschwinden von Zielen und Bestimmungen. Man lebt nur noch, um zu \u00fcberleben. Diese Situation, von Nietzsche nur erst erahnt, ist sie nicht inzwischen eingetreten?<\/p>\n<p>Lasst uns Geld verdienen, denn morgen sind wir tot \u2013 wenn das alles ist, was wir noch wollen, dann gibt es nichts mehr, was selbst durch eine Kernschmelze widerlegt werden k\u00f6nnte. Das Erdbeben verachten wir als \u201eStr\u00e4uben der wilden Masse\u201c, bemerken es aber gar nicht mehr. Eine Strategie wird also gebraucht, die den Diskurs wieder bewusst macht, der Arbeit, Bestimmung des Menschen und Krieg gegen die Natur verkn\u00fcpft, damit man ihn widerlegen kann.&#8220;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Mir gef\u00e4llt an diesem Gedankengang, dass er eben nicht fatalistisch auf &#8222;die Kapitallogik&#8220; abhebt, die unsere Welt so &#8222;alternativlos&#8220; aussehen l\u00e4sst. Sondern dieses Kapitallogik aus Auswuchs eines in Vergessenheit geratenen Diskurses ansieht, den man auch wieder aufnehmen kann &#8211; und umsteuern. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Sachen Ausstieg aus der Atomkraft und Umbau in Richtung erneuerbare Energien hab&#8216; ich schon \u00f6fter mal gedacht: Warum macht man sowas eigentlich nicht zur gro\u00dfen gesellschaftlichen Aufgabe? 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