{"id":617,"date":"2010-12-28T12:06:55","date_gmt":"2010-12-28T10:06:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=617"},"modified":"2010-12-30T11:17:20","modified_gmt":"2010-12-30T09:17:20","slug":"jahresendgedanken-recycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/12\/28\/jahresendgedanken-recycling\/","title":{"rendered":"Jahresendgedanken-Recycling"},"content":{"rendered":"<p>Um diese Zeit schreibe ich gern mal was Besinnliches zum Jahreswechsel. Dieses Jahr hab&#8216; ich erstmal geschaut, was denn in den letzten 10 Jahren mein Thema war. Hier das Ergebnis, in aller gebotenen K\u00fcrze:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/diary00_29_12.htm\">29.12.2000: ohne Titel<\/a> <\/p>\n<blockquote><p>Ganz darauf gefa\u00dft, in stillen Tagen &#038; N\u00e4chten schwer besinnlich zu werden und das Jahr angesichts des Todes zu bilanzieren (Was war? Was bleibt? Was bedeutet das?) stelle ich fest: Die Muse k\u00fcsst mich nicht. Die G\u00f6tter lassen mich alleine wursteln, kein Engel streift mich mit den Fl\u00fcgeln, keine bedeutungsschwangeren Tr\u00e4ume st\u00f6ren den Schlaf. Gro\u00dfe Worte verm\u00f6gen es derzeit nicht, mein Herz zu ergreifen; eher denke ich daran, nachher den H\u00fchnerstall auszumisten, weil es mittlerweile wieder stinkt. Offensichtlich schiebt die Eksistenz Dienst nach Vorschrift, schickt mir keine Visionen und nicht den allerkleinsten Hinweis, dass da irgendwo MEHR sei, als das, was eben IST.<\/p>\n<p>Und weil das Schreiben eine gewisse Eigendynamik entwickelt, kann ich mich nur mit M\u00fche zur\u00fcckhalten, jetzt das Lob dessen, was ist, anzustimmen. Das w\u00fcrde hier n\u00e4mlich gut passen, es folgt eigentlich immer an dieser Stelle: Man schreibt dann getragene S\u00e4tze \u00fcber DAS WUNDER des ganz banalen und normalen Da- und So-Seins bis man selber dran glaubt, bis Schreiber und Leser ausreichend ger\u00fchrt und ergriffen sind von der Tatsache des Etwas im Gro\u00dfen Schwarzen Nichts&#8230;. ABER wenn dieses Etwas dann in Gestalt der zust\u00e4ndigen Sachbearbeiterin im Finanzamt Schwerin mich am Tag nach Weihnachten morgens um zehn anruft und mit erhobener Stimme fragt, WANN ich denn bittsch\u00f6n die Rechnungen vom 2. und 30. Juni versteuert h\u00e4tte &#8211; tja, dann wird die Liebe zum Wunder des Daseins auf eine harte Probe gestellt!<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/26_12_01.htm\">26.12.01 Weihnachten, ein Opferfest<\/a><\/p>\n<blockquote><p><strong>Geld ist nicht alles,<\/strong> das darf jetzt mal gesagt, geschrieben, gesendet und gesehen werden. Sind ja nur ein paar Tage, dann ist wieder das gro\u00dfe kollektive &#8222;Speicher l\u00f6schen&#8220; per Silvesterfete angesagt, mit anschlie\u00dfender kraftvoller Neuprogrammierung auf neue W\u00fcnsche, Ziele und Vorhaben im neuen Jahr. Die kurze Auszeit mu\u00df rituell gebrochen werden, sonst k\u00f6nnten ja Spuren in den Psychen zur\u00fcckbleiben, die Freude am Helfen, Schenken und Teilen k\u00f6nnte um sich greifen &#8211; mit unabsehbaren Folgen! (Man sieht ja, was diese &#8222;Tradition&#8220; z.B. im Internet angerichtet hat, wo sie die ersten Jahre des neuen Mediums kulturell dominierte: kein Gesch\u00e4ft nirgends, E-Commerce ein Milliardengrab!)<\/p>\n<p>Bald ist sie vorbei, die &#8222;freie&#8220; Zeit, das Opfer ist aufgezehrt und hungrig erwacht der Gott unserer Tage zu neuem gefr\u00e4\u00dfigen Leben. Wir werden das Visir herunterklappen, die Samthandschuhe ausziehen, das Herz wieder als blo\u00dfe Pumpe ansehen und tun, was wir tun m\u00fcssen. (Wem der \u00dcbergang zu hart ist, der wird vielleicht im Januar krank -> Zeit des h\u00f6chsten Krankenstandes in diesem Land).<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/25_12_02.shtml\">25.12.2002 Vom Mausarm &#8211; ein Leiden mit Sinn<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Auf der Suche nach Inspirationen hab ich gerade in der Vergangenheit &#8222;gebl\u00e4ttert&#8220; und den Beitrag vom 26. Dezember 2001 gelesen: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/26_12_01.htm\" target=\"new\">&#8222;Weihnachten, ein Opferfest&#8220;<\/a>. Wie seltsam! Zwar ist die Beschreibung des ausgestorbenen Stadtteils fast w\u00f6rtlich identisch, doch ansonsten ist es ein Artikel, wie ich ihn jetzt ganz bestimmt nicht mehr schreiben w\u00fcrde. Was f\u00fcr eine deprimierende Stimmung: verhaltene Verbitterung, Klage und Anklage, weise Entsagung, unterschwellig agressiv, und dann doch wieder dieser in Melancholie auslaufende Sound gepflegter, um Haltung bem\u00fchter Hoffnungslosigkeit: &#8222;Tote G\u00f6tter plastern unsern Weg&#8220; &#8211; ach je! Dabei ist das gar kein schlechter Spruch, kommt nur drauf an, wie man ihn ausspricht &#8211; eher klagend oder als Erfolgsmeldung. Ich finde, G\u00f6tter, die sich von Menschen zu Tode bringen lassen, sind doch nicht wirklich der Rede wert, oder?<br \/>\nSeit \u00fcber zehn Tagen liegt \u00fcbrigens meine PC-Maus nun schon links von mir &#8211; und ich kann alles machen! <\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/30_12_03.shtml\">30.12.2003: Jahresendgedanken<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Ballast abwerfen, alles Unn\u00f6tige, Zerstreuende, Ablenkende aussortieren, mich ganz neu auf das Wesentliche konzentrieren. Was aber ist &#8222;das Wesentliche&#8220; ? Ein f\u00fcr allemal l\u00e4sst es sich gewiss nicht bestimmen &#8211; ja, es l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt nicht BESTIMMEN! Es funktioniert jedenfalls nicht, die einzelnen Aktivit\u00e4ten vors geistige Auge zu stellen und sie dann nach &#8222;vern\u00fcnftigen&#8220; Kriterien zu bewerten: Das hier hat keinen sichtbaren Nutzen f\u00fcr irgend jemanden, es bringt auch kein Geld, also wird es gestrichen. Dieses hier hat mir immer mehr \u00c4rger als Freude gebracht, also weg damit! Und jenes sollte eigentlich ein bisschen Welt-retten, ich seh&#8216; aber keinen Erfolg: hau weg den Schei\u00df!<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/25_12_04.shtml\">25.12.2004 Lass dich weiterleiten!<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Anstatt Texte \u00fcber Sein und Selbst zu verfassen, genie\u00dfe ich einfach diese Tage und N\u00e4chte, die so wunderbar &#8222;undefiniert&#8220; sind, wenn man am allgemeinen Umtrieb keinen Anteil hat. <\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/12\/26\/weihnachten-2006-einfach-so-herumlungern\/\">25.12.2006: Einfach so herumlungern<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Keine Termine, keine Telefonate, keine E-Mails, die mich zum Reagieren zwingen. Ich sitze mit dem ersten Milchkaffee vor dem Monitor, schaue nach links aus dem Fenster und sehe den Nebel, der alle Konturen milchig wei\u00df verschwimmen l\u00e4sst. Weihnachten hat die kollektive Aufmerksamkeit komplett auf sich gezogen und mich braucht es dazu nicht. Ich bewohne die entstandene Leere und f\u00fclle sie auch selber nicht mit Sinn: kein Abarbeiten anstehender Aufgaben, kein Eintauchen in einen kreativen Schub, nicht mal ein Wellness-Programm mit ich-tu-mir-jetzt-was-Gutes-Vors\u00e4tzen. Die Zeit vergeht und ich nutze sie nicht. Wie lange ist es eigentlich her, dass ich das mal so erlebt habe? Ich wei\u00df es nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/12\/30\/auch-ein-jahresrueckblick\/\">30.12.2007: Auch ein Jahresr\u00fcckblick<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Abschied vom wilden Garten: In den f\u00fcnf Monaten seit der <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/09\/19\/gekuendigt-wilder-garten-auf-abruf\/\">K\u00fcndigung<\/a> machte ich die lehrreiche Erfahrung, dass der Ausblick auf eine Zukunft doch wesentlich das JETZT mitbestimmt \u2013 zumindest, wenn es sich um einen Garten handelt, in dem ein Gro\u00dfteil des g\u00e4rtnerischen Tuns zwangsl\u00e4ufig auf Wachsen und Werden ausgerichtet ist: Warum noch B\u00e4ume beschneiden, wenn sie doch bald gef\u00e4llt werden? Ich setzte keine Pflanzen mehr und lie\u00df die, die schon da waren, wachsen wie sie wollten, bzw. verdorren, ohne noch irgend etwas abzur\u00e4umen. Kompost sieben? Wozu denn? &#8230;  Mein eigenes Gerede vom Leben im Augenblick erschien auf einmal als spiritueller Hochmut und blo\u00dfes Geschw\u00e4tz: Solange die Zukunft OFFEN ist, der Raum der Hoffnungen und Planungen also zur (potenziellen) Nutzung bereit steht, l\u00e4sst sich locker im \u201cHier und Jetzt\u201d sinnvoll agieren \u2013 wenn ich aber wei\u00df, dass es keine Zukunft gibt, sieht das anders aus. Wenn ich also mal erfahren sollte, dass ich noch sechs Monate zu leben habe, werde ich mir nicht noch den zus\u00e4tzlichen Stress machen, weiter \u201cApfelb\u00e4umchen zu pflanzen\u201d!<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/12\/29\/vom-altern-2\/\">29.12.2008 Vom Altern<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Genau dieses gegen das Altern Anstrampeln ist es aber, das die Sicht auf die Fr\u00fcchte verstellt, die man im Alter ernten k\u00f6nnte. N\u00e4mlich die Freiheit, nicht mehr \u00fcberall \u201cdabei sein\u201d zu m\u00fcssen, die wachsende Unabh\u00e4ngigkeit vom Urteil anderer, das sich abzeichnende Austreten aus dem \u201cStress des Werdens\u201d \u2013 und vor allem die Gelassenheit, von sich absehen und den Blick auf Andere richten zu k\u00f6nnen: nicht mehr als Objekte des Begehrens, deren Begehren man begehrt, sondern als Suchende, die noch angestrengt nach Dingen streben, die man selber gar nicht mehr braucht.<\/p>\n<p>So w\u00fcnsche ich mir f\u00fcrs neue Jahr, immer mehr von mir absehen zu k\u00f6nnen. Und wenn ich den Jungen etwas raten sollte, was sie \u201czur Altersvorsorge\u201d jenseits des Materiellen tun k\u00f6nnen, w\u00e4re es immer derselbe Rat: Tut, wonach Euer Herz sich sehnt und verschiebt es nicht auf \u201cirgendwann sp\u00e4ter\u201d! Dann habt Ihr \u201csp\u00e4ter\u201d den Kopf frei und m\u00fcsst nicht f\u00fcrchten, Euer EIGENES Leben vers\u00e4umt zu haben.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/12\/30\/jahresendbesinnung-2009\/\"><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/12\/30\/jahresendbesinnung-2009\/\">30.12.2009 Jahresendbesinnung<\/a><\/a><\/p>\n<blockquote><p>&#8230;die politische Dimension deprimiert ja nicht nur, sie ist auch sehr spannend! In diesem Jahr hat sich dank \u201cZensursula\u201d endlich mal wieder richtig was bewegt. Die dilettantischen Herangehensweisen eher netzferner Politiker haben junge (und auch ein paar \u00e4ltere) Menschen motiviert, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Der Auftritt der Piratenpartei auf der politischen B\u00fchne hat weit mehr bewirkt, als die 0,9% Stimmen vermuten lassen. Mittlerweile sind viele Netzthemen auf der Agenda, die alten M\u00e4chte, denen ihre traditionellen Gesch\u00e4ftsmodelle wegbr\u00f6ckeln, entfalten ihre Kampfkraft, treffen aber auch auf breiten Widerstand. \u00dcberwachung, Datennutzung, Urheberrecht, \u201cKultur des Kostenlosen\u201d und vieles mehr werden breit diskutiert \u2013 und es ist nicht mehr ganz einfach, so \u201cvon oben\u201d mal eben etwas aufzuzwingen. Ich bin gespannt, wie all diese Themen sich weiter entwickeln werden, wobei ich aufs Sch\u00e4rfste hoffe, dass sich die Unvernunft, die das freie Verlinken und Zitieren mittels eines \u201cLeistungsschutzrechts\u201d unterbinden will, NICHT durchsetzt. <\/p><\/blockquote>\n<p>Und dieses Jahr? Mal sehen&#8230;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um diese Zeit schreibe ich gern mal was Besinnliches zum Jahreswechsel. Dieses Jahr hab&#8216; ich erstmal geschaut, was denn in den letzten 10 Jahren mein Thema war. 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