{"id":61,"date":"2007-04-25T08:23:28","date_gmt":"2007-04-25T06:23:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/04\/25\/arbeitszeit-verkuerzen-oder-mehr-geld-verdienen\/"},"modified":"2007-04-25T10:22:13","modified_gmt":"2007-04-25T08:22:13","slug":"arbeitszeit-verkuerzen-oder-mehr-geld-verdienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/04\/25\/arbeitszeit-verkuerzen-oder-mehr-geld-verdienen\/","title":{"rendered":"Arbeitszeit verk\u00fcrzen oder mehr Geld verdienen?"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich seltsam, dass sich diese Frage im Lauf meiner nun \u00fcber zehnj\u00e4hrigen Selbst\u00e4ndigkeit noch nie gestellt hat. Erst jetzt, seit ich einen <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/\">Garten<\/a> habe und mit viel Freude und Entdeckerlust dort viele Stunden verbringe, erkenne ich, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt, das mindestens genauso befriedigend ist wie das Navigieren, Produzieren und Kommunizieren am Monitor.<\/p>\n<p>Gefragt, wie viel und wie lange ich \u00fcblicherweise arbeite, musste ich mir immer erst \u00fcberlegen, zu welchen Zeiten ich NICHT arbeite, um dann im Umkehrschluss die Antwort geben zu k\u00f6nnen. Genau wie Programme einen &#8222;Default-Status&#8220; haben, eine Grundeinstellung, die sie bei der Installation mitbringen, so war der Sitzplatz vor dem PC, Hand an Maus und Tastatur, meine &#8222;Grundeinstellung&#8220;.  Nur zu den allern\u00f6tigsten Reproduktionszwecken und bei Besuchen bewegte ich mich weg vom &#8222;Ort der Macht&#8220;, von dem aus ich meine Welt weitgehend steuere. <!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist nicht alles &#8222;Brotarbeit&#8220;, was ich da mache, doch bildet diese den Rahmen und bietet gute Gr\u00fcnde f\u00fcr allerlei Nebenaktivit\u00e4ten: kommunizieren, mich informieren, eigene Projekte betreiben, die einfach Spass machen &#8211; so bin ich immer schon zu meinen Kunden und Klienten gekommen, nicht etwa durch so unangenehme Dinge wie &#8222;Kaltaquise&#8220; (igitt!! Schon allein das Wort&#8230;!!) oder Werbebriefe. Zu meiner gro\u00dfen Freude hat sich gezeigt, dass die Welt der Wirtschaft, die ich als in den 70gern Sozialisierte fr\u00fcher als feindlich, unpers\u00f6nlich, an Formalien h\u00e4ngend und komplett &#8222;entfremdet&#8220; empfand, zumindest im kleinen Rahmen nicht ZWINGEND die Arbeitsbedingungen vorschreibt: es geht auch anders, ich muss mich keinesfalls verbiegen, um mir ein Einkommen zu erwerben &#8211; wie sch\u00f6n! Muss das aber hei\u00dfen, dass ich f\u00fcr alle Zeit und viel zu viele Stunden pro Tag vor dem Monitor kleben bleibe? So langsam wird mir bewusst, dass es Alternativen gibt!<\/p>\n<p>Da ich meine Befriedigungen und Best\u00e4tigungen immer schon IN der Arbeit fand, war ich nie konsum-orientiert: einkaufen m\u00fcssen ist mir l\u00e4stig, wenn m\u00f6glich, mache ich es \u00fcbers Netz (mein \u00fcber Ebay gekauftes Fahrrad ist noch immer nicht da, f\u00e4llt mir da ein!). Wenn genug Geld rein kommt, um die laufenden Kosten ohne Probleme zu decken, denke ich gar nicht \u00fcber mehr oder weniger arbeiten und Geld verdienen nach &#8211; und die allermeiste Zeit war das so. Es reichte mir, dass es weiter ging, an R\u00fccklagen und Sicherheiten dachte ich gar nicht, sondern schaute sogar ein wenig herab auf diejenigen, die auf derlei Spie\u00dfigkeiten  Wert legen und daf\u00fcr die Freude des Augenblicks auf die eine oder andere Weise opfern.<\/p>\n<p>Nun erkenne ich, dass es auch Freude macht, mal NICHT zu arbeiten, auch nicht &#8222;f\u00fcr mich selbst&#8220;. Und bemerke gleichzeitig, dass kaum ein Freiberufler, den ich kenne, je an so etwas wie &#8222;Arbeitszeitverk\u00fcrzung&#8220; als erstrebenswertes Ziel denkt. Es geht immer nur darum, &#8222;im Gesch\u00e4ft zu bleiben&#8220; und es zu verbessern. Zwar lese ich viel von den Bem\u00fchungen, das Arbeiten zu effektivieren, doch geschieht das \u00fcblicherweise nicht, um mehr Freizeit zu haben, sondern um mehr Geld zu verdienen. Die ersparten Stunden werden nahtlos mit weiterer &#8222;effektiver&#8220; Arbeit gef\u00fcllt: Verdichtung statt Befreiung ist das (nicht unbedingt bewusst gew\u00e4hlte) Ziel. Von den Freuden des Lebens mit nur wenig Arbeit sprechen meist nur diejenigen, die bisher nicht wirklich &#8222;eingestiegen&#8220; sind, die noch nicht das gefunden haben, womit sie sich selbst verwirklichen und gleichzeitig auch den Lebensunterhalt bestreiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Halbtags arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p>Zur Zeit n\u00e4here ich mich unverhofft dem lange abgelegten Traum meiner Jugend, n\u00e4mlich der &#8222;Halbtagsarbeit&#8220;. Denn nachmittags gehe ich in den Garten und ob danach noch etwas zustande kommt, steht in den Sternen und f\u00e4llt in diesen Fr\u00fchlingstagen auch mal ganz aus.<\/p>\n<p>Zuerst hat mich das irritiert: wird mir der Himmel auf den Kopf fallen, wenn ich die volle Identifikation mit der Arbeit verliere? Werde ich Kunden verlieren oder keine neuen mehr gewinnen, wenn ich &#8222;andere G\u00f6tter neben ihnen&#8220; habe?<\/p>\n<p>Keine Rede! Der Garten macht m\u00fcde, also schlafe ich fr\u00fch ein und bin entsprechend fr\u00fch wach. Heute war es halb f\u00fcnf, meistens sitze ich ab 7 Uhr am PC. Der Garten lockt mich so ab 13 Uhr, das sind also 6 Stunden &#8211; mal sechs (inkl. Samstag) gerechnet, komme ich auf eine 36-Stunden-Woche, mal abgesehen von der einen oder anderen Sp\u00e4tschicht, die doch noch anf\u00e4llt. Wenn &#8222;der Kunde ruft&#8220; erreicht er mich auch nachmittags \u00fcbers Handy, doch ist das die Ausnahme, denn meine Kunden mailen lieber und rechnen mit Antwort binnen 24 Stunden, genau wie ich.<\/p>\n<p>Im Winter wird es wieder anders aussehen, doch jetzt genie\u00dfe ich einfach den Fr\u00fchling &#8211; etwas, das am Monitor so nicht geht. Und so wahnsinnig viele Fr\u00fchlinge, dass mir das egal sein k\u00f6nnte, hab&#8216; ich ja gar nicht mehr, das ist mir heute bewusster als noch vor zehn Jahren. Grund genug, in die Sonne zu blinzeln, den Duft der Bl\u00fcten zu riechen, ihre erstaunlichen Formen zu bewundern und mit Lust in der Erde zu w\u00fchlen &#8211; nur so werde ich vom Leben satt und kann eines Tages sagen: ja, es ist genug!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/wp-content\/uploads\/2007\/04\/2007-04-13kirschbluete.jpg\" \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich seltsam, dass sich diese Frage im Lauf meiner nun \u00fcber zehnj\u00e4hrigen Selbst\u00e4ndigkeit noch nie gestellt hat. 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