{"id":609,"date":"2010-12-13T15:06:17","date_gmt":"2010-12-13T14:06:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=609"},"modified":"2015-12-12T15:44:44","modified_gmt":"2015-12-12T14:44:44","slug":"wie-ich-als-bloggerin-ueberlebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/12\/13\/wie-ich-als-bloggerin-ueberlebe\/","title":{"rendered":"Wie ich als Bloggerin \u00fcberlebe"},"content":{"rendered":"<p>Das wollte gestern eine Fern-Bekannte per Spontan-Chat von mir wissen. Wie sich schnell heraus stellte, meinte sie es nicht \u00f6konomisch, sondern fragte danach, wie ich ausbleibende Resonanz verkrafte: <em>&#8222;Was ist, wenn du etwas schreibst, das dich tief bewegt, und niemand sagt etwas dazu?&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Tja, der letzte Beitrag hier (zum <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/12\/10\/was-ist-gemeinsinn-brauchen-wir-mehr-davon\/\">Thema &#8222;Gemeinsinn&#8220;!<\/a>) hat auch grade niemanden interessiert, obwohl er auf Wunsch von Stammlesern zustande kam. Aber gerade das ist es wohl, was zur bisherigen Null-Resonanz beitr\u00e4gt: im Grunde hab&#8216; ich dazu schon alles gesagt, nicht nur in einem Artikel, sondern auch <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/11\/25\/brauchen-wir-gemeinsame-ziele\/\">im l\u00e4ngsten Kommentargespr\u00e4ch aller Diary-Zeiten<\/a>. F\u00fcr mich also kein Anlass, in Blogger-Depression zu verfallen. :-)<\/p>\n<p>Bei der Fragerin hatte es sich jedoch anders dargestellt. Ihr Thema war &#8222;aus dem Herzen geschrien&#8220; und dass es keine Reaktionen gab, hat&#8216; ihr das Bloggen verleidet. Was ich verstehen kann, denn nichts wirkt so ausgrenzend und vereinsamend wie komplett  ignoriert zu werden, wenn man sich inmitten einer pers\u00f6nlichen Krise mit allem, was auf der Seele liegt, schreibend einer \u00d6ffentlichkeit anvertraut. Kommen dann wom\u00f6glich auch noch Negativ-Kommentare oder Sp\u00f6tteleien, wird das Ganze leicht zum pers\u00f6nlichen Kommunikations-GAU.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h2>WER ignoriert?<\/h2>\n<p>Aber: WER ist es, der ein Herzblut-Posting ignoriert? Um diese Frage zu beantworten, muss man das ganze Blog und die gesamte Webpr\u00e4senz einer Person betrachten. Eine Leserschaft, die auch reagiert und kommentiert, muss sich n\u00e4mlich erst einmal einfinden, bevor man von &#8222;ignoriert werden&#8220; sprechen kann. Daf\u00fcr reicht ein einziger Text nicht aus, der in einem Blog erscheint, das bis dahin nur sehr sporadisch k\u00fchle Infos aus der Berufssph\u00e4re zur Ansicht brachte. <\/p>\n<p>Selbstdarstellung alleine erweckt im g\u00fcnstigen Fall vielleicht Bewunderung, aber reizt nicht zur Beteiligung.<br \/>\nF\u00fcr letztere muss man kontinuierlich und nicht nur einmal (wenns brennt&#8230;) sein Inneres nach au\u00dfen kehren: die eigenen \u00c4ngste, Sorgen, W\u00fcnsche und Motive entlang an einem Thema schreibend erforschen. Und zwar nicht mit besorgtem Blick auf die Au\u00dfenwirkung, sondern in ehrlichem Bem\u00fchen, sich selbst auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>Auf diesem GRUND trifft man dann &#8211; quasi automatisch &#8211; auch die Anderen. Denn so wahnsinnig unterschiedlich sind die menschlichen \u00c4ngste und Tr\u00e4ume nicht: Was mich wirklich bewegt, ber\u00fchrt und umtreibt, ber\u00fchrt allermeist auch die Leser. Und das umso mehr, je weniger ich beim Berichten darauf achte, welches &#8222;Bild&#8220; ich wohl abgebe. <\/p>\n<p>Jedoch: einmal gen\u00fcgt nicht! Erst mit dem wiederholten Erscheinen bestimmter &#8222;Textsorten&#8220; bildet sich eine Leserschaft, die dann auch Erwartungen hat, dass es SO weiter geht &#8211; ab und zu wenigstens. Entt\u00e4uscht man diese Erwartungen nicht, erf\u00e4hrt man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Anteilnahme und begl\u00fcckende Resonanz, wenn man selber mal psychisch &#8222;im Keller&#8220; ist und es richtig n\u00f6tig hat. <\/p>\n<p>15 Jahre schreibe ich jetzt ins Web, seit 11 Jahren im Digital Diary, neben dem im Lauf der Zeit noch <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/startinsnetz.html\">f\u00fcnf andere Blogs<\/a> entstanden. Immer entlang an meinen pers\u00f6nlichen Interessen, die sich im Lauf der Zeit ver\u00e4ndern. Das Digital Diary ist trotz seiner vielen gesellschaftlichen und politischen Themen das pers\u00f6nlichste meiner Web-Medien. Es wird existieren, so lange ich noch Tastatur und Maus bedienen kann &#8211; und vielleicht lerne ich irgendwann im Bett der finalen Pflegesituation ja noch das Diktieren! :-)<\/p>\n<p>Die Frage nach dem &#8222;\u00dcberleben als Bloggerin&#8220; stellt sich mir so nicht, denn ich empfinde die Befriedigung bereits im Schreiben. Etwas, das mich ber\u00fchrt, &#8222;auf den Punkt gebracht&#8220; zu haben, es in klare Worte gefasst und meine Haltung dazu konkretisiert zu haben, begl\u00fcckt mich schon ungemein. Ein lebendiges Kommentargespr\u00e4ch ist dann nat\u00fcrlich toll, liegt als &#8222;Benefit&#8220; aber schon auf einer anderen Ebene. <\/p>\n<h2>\u00dcberleben? Ist mir nicht genug&#8230;.<\/h2>\n<p>Die Freude am Selbstausdruck und am Austausch mit anderen ist wundervoll und kann ein Blogger-Leben tragen. Selber nehme ich allerdings l\u00e4nger schon wahr, dass mir das nicht mehr gen\u00fcgt. Je \u00e4lter ich werde, desto wichtiger wird es mir, \u00fcber das Reden und Schreiben hinaus auch etwas zu bewirken.  Das geschieht manchmal bloggend, manchmal im pers\u00f6nlichen Kontakt, oft genug mittels beidem. <\/p>\n<p>In der lezten Woche hab&#8216; ich z.B. zwei Menschen mit Weizenfleisch bek\u00f6stigt und so die &#8222;frohe Botschaft&#8220; weiter gegeben: es gibt einen <a href=\"http:\/\/www.unverbissen-vegetarisch.de\/2010\/12\/und-aus-mehl-werden-steaks\/\">richtig guten Fleischgenuss<\/a> ohne jegliches Tierleid, ohne Massentierhaltung, ohne vergleichbare Umweltbelastung &#8211; und noch dazu so spottbillig, dass es eigentlich jeder Hartz4er sofort begeistert in den Speiseplan aufnehmen sollte. <\/p>\n<p>Solche Entdeckungen mit gro\u00dfem Ver\u00e4nderungspotenzial zu verbreiten, bzw. daran mitzuwirken, sie aus ihren vorurteilsbehafteten Nischen heraus zu holen, macht mir heute die gr\u00f6\u00dfte Freude.  Wenn ich dann lese, dass es jemand selber ausprobiert und f\u00fcr gut befunden hat, dann ist mir das mehr wert als 300 Unique-User-Klicks, die nur sagen: auf dieser Seite war ich kurz drauf!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wollte gestern eine Fern-Bekannte per Spontan-Chat von mir wissen. 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