{"id":580,"date":"2010-10-17T12:54:40","date_gmt":"2010-10-17T10:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=580"},"modified":"2010-10-30T11:11:59","modified_gmt":"2010-10-30T09:11:59","slug":"nase-voll-nicht-nur-von-stuttgart21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/10\/17\/nase-voll-nicht-nur-von-stuttgart21\/","title":{"rendered":"Nase voll &#8211; nicht nur von Stuttgart21"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart21, Verl\u00e4ngerung der AKW-Laufzeiten, Gesundheits-&#8222;Reform&#8220;, Hartz IV, Autobahnneu- und Ausbauten, Schulreformen\/Turbo-Abitur, Bologna-Prozess, zunehmende \u00dcberwachung, Protzprojekte in vielen St\u00e4dten, die Welt als Ansammlung von Profit-Centern und Shoppingmalls &#8211; alles nat\u00fcrlich Sachzwang, v\u00f6llig alternativlos! Wir sollen uns hochmobil und maximal anpassungswillig dem &#8222;Druck der Globalisierung&#8220;, der Beschleunigung aller Prozesse beugen und dabei einsehen, dass es unabwendbares Schicksal ist, dass die Reichen immer reicher und die Massen immer \u00e4rmer werden. <!--more--><\/p>\n<p>Von den Gro\u00df-Medien wird die neue Protestkultur gegen alles, was nervt, derzeit ausgiebig analysiert. DIE ZEIT widmet dem Ph\u00e4nomen einen vierseitigen, sehr lesenswerten Artikel (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/42\/Modernisierungsprotest?page=1\">&#8222;Wir haben die Nase voll&#8220;<\/a>) und kommt zum Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Bis jetzt lautet der Befund, Protest rege sich immer dort, wo die B\u00fcrger an der \u00bbVernunft\u00ab von Wachstums- und Beschleunigungsdruck zweifeln, an den Verhei\u00dfungen von Fortschritt, Reform und \u00d6konomisierung. Dieses Unbehagen ist strukturell konservativ, man k\u00e4mpft nicht f\u00fcr etwas, man k\u00e4mpft gegen etwas. Atomkraftgegner k\u00e4mpfen gegen die verl\u00e4ngerte Produktion von radioaktivem Hochrisiko; Studenten und Professoren m\u00f6chten verhindern, dass ihre Universit\u00e4t progressiv zum Profitcenter umgebaut wird, Eltern wollen, dass eine Schule eine Schule bleibt, und protestieren \u2013 ob zu Recht oder zu Unrecht \u2013 gegen die b\u00fcrokratische Rationalit\u00e4t einer eingreifenden Verwaltung. K\u00fcnstler wehren sich gegen den \u00bbsymbolischen Kapitalismus\u00ab des Stadtmarketings und bestehen auf der Unterscheidung von Kunst und Reklame. Und f\u00fcr die demonstrierenden schw\u00e4bischen B\u00fcrger ist Stuttgart 21 eine sinnlose Verausgabung von Energie und das Nullsummenspiel eines technokratischen Denkens, das niemanden mehr gl\u00fccklich macht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch, es macht diejenigen gl\u00fccklich, die den Politikern ihre Gesetze schreiben (Z.B. BigPharma) und die &#8222;Sachzw\u00e4nge&#8220; diktieren. Ob ein Projekt nach Fertigstellung einen greifbaren Nutzen hat, ist egal, denn alleine die Durchf\u00fchrung hat ja schon &#8222;die Wirtschaft&#8220; massiv bereichert. Und ja, auch Arbeitspl\u00e4tze &#8222;gesichert&#8220;, die dann allerdings wieder durch ein weiteres Mega-Projekt erhalten werden m\u00fcssen. Wer fragt schon nach dem Sinn des Tuns, solange die Kasse stimmt?<\/p>\n<p>Anna Reimann betrachtet im SPIEGEL ONLINE  rebellische Rentner beim <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,723053,00.html\">Aufstand der Silberk\u00f6pfe.<\/a> <em>&#8222;Der Hippie von gestern ist der Opa von heute&#8220;<\/em> &#8211; aber dem wird mal eben so von einem anderen SPIEGEL-Autor (Dirk Kurbjuweit) vorgeworfen, als alter Mensch und &#8222;Wutb\u00fcrger&#8220; nicht mehr an DIE ZUKUNFT zu denken, sondern das egoistische Interesse in der Abwehr von Ver\u00e4nderungen auszuleben. <\/p>\n<p>Ja, ja, wenn das alles so weiter geht, ist wahrlich der Standort Deutschland in Gefahr! Die Wirtschaft klagt \u00fcber die allzu renitenten B\u00fcrger und fordert bei Gro\u00dfprojekten schnellere Entscheidungen und weniger Einspruchrechte. <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/wirtschaft-klagt-ueber-buerger\/-\/1472596\/4745572\/-\/index.html\">Wie die FR berichtet<\/a>, ist unsere Kanzlerin Merkel da ganz einverstanden:<\/p>\n<blockquote><p>Sie beklagte bei einem Auftritt vor dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ebenfalls die sich h\u00e4ufenden Proteste gegen Infrastrukturprojekte. In Deutschland eskaliere vielerorts der Bau von Hochspannungsleitungen oder Kohlekraftwerken zu einem \u201e\u00f6rtlichen Drama\u201c, kritisierte Merkel. Die Bev\u00f6lkerung m\u00fcsse offen bleiben f\u00fcr Innovationen. Konkurrierende L\u00e4nder in Osteuropa und Asien warteten nicht, bis sich die Deutschen entschieden h\u00e4tten, meinte Merkel.<\/p><\/blockquote>\n<p>Inwiefern sind Politiker daf\u00fcr da, der Bev\u00f6lkerung anzusagen, was sie wollen soll ? War es nicht mal umgekehrt so gedacht, dass die gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten umsetzen, was das Wahlvolk mehrheitlich will? Konkurrierende L\u00e4nder in Osteuropa und Asien haben einen immensen Nachholbedarf und weithin unentwickelte Infrastrukturen und Produktionskapazit\u00e4ten. Es sei ihnen geg\u00f6nnt, sich ihren Teil am Fortschritt (nach-) zu holen. <\/p>\n<p>Hierzulande sieht die Sache anders aus: es ist kaum zu vermitteln, dass man f\u00fcr einen geringen Geschwindigkeitsgewinn viele Milliarden in die Umw\u00fchlung von Stuttgart investiert &#8211; und DAS ist ja auch nicht der wahre Grund. Sondern die Gewinnerwartung <a href=\"http:\/\/www.wallstreet-online.de\/nachricht\/3031664-stern-stuttgart-21-fuer-investoren-vor-allem-immobilienprojekt-nachhaltiges-neubaugebiet-noch-wichtiger-als-bahnhof\">des damit zusammen h\u00e4ngenden Mega-Immobilienprojekts: <\/a>Wo Bahnhof und Geleise waren, kann dann GEBAUT WERDEN. Und es muss nun mal immer GEBAUT WERDEN, was sollen denn sonst die ganzen Planer, Architekten und Bauarbeiter machen? Ganz zu schweigen von den Investoren: wo soll das arme notleidende Kapital denn hin, wenn der B\u00fcrger zu allem &#8222;Nein, wollen wir nicht, brauchen wir nicht!&#8220; sagt???<\/p>\n<p>Ja, wir sind eine alternde Republik, die auch schon weitgehend &#8222;zugebaut&#8220; ist. Das <a href=\"http:\/\/www.hiogi.de\/question\/wie-ist-das-aktuelle-durchschnittsalter-in-deutschland-85101.html\">Durchschnittsalter lag 2007 bei 43<\/a>, liegt jetzt vielleicht schon bei 45 Jahren (=keine aktuellen Daten, nur Hochrechnungen gefunden). Obwohl nur Durchschnitt, bedeutet das insgesamt doch, dass nicht mehr alles nur deshalb, weil es NEU ist, auch schon gleich gut gefunden wird. Die Vorhaben und Projekte m\u00fcssen ihre Sinnhaftigkeit beweisen, bevor sie akzeptiert werden &#8211; und damit ist eben NICHT der Sinn f\u00fcr wenige Profiteure, sondern der Nutzen f\u00fcr die Allgemeinheit gemeint. <\/p>\n<p>Ob das die vielen Betonk\u00f6pfe und Technokraten unter unseren Politikern nochmal begreifen werden? Angesichts der <a href=\"http:\/\/finkployd.blogger.de\/stories\/1712204\/\">Verstrickungen<\/a>, die zwischen Politik und Wirtschaft offenbar zur Normalit\u00e4t geh\u00f6ren, rechne ich nicht mit viel Einsichtsf\u00e4higkeit. <\/p>\n<p>Und freue mich \u00fcber jeglichen Widerstand, der dem &#8222;h\u00f6her, schneller, weiter&#8220;-Trend Sand ins Getriebe streut! Da bin ich gerne &#8222;strukturell konservativ&#8220;!!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stuttgart21, Verl\u00e4ngerung der AKW-Laufzeiten, Gesundheits-&#8222;Reform&#8220;, Hartz IV, Autobahnneu- und Ausbauten, Schulreformen\/Turbo-Abitur, Bologna-Prozess, zunehmende \u00dcberwachung, Protzprojekte in vielen St\u00e4dten, die Welt als Ansammlung von Profit-Centern und Shoppingmalls &#8211; alles nat\u00fcrlich Sachzwang, v\u00f6llig alternativlos! 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