{"id":58,"date":"2007-04-07T11:14:29","date_gmt":"2007-04-07T09:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/04\/07\/ostern\/"},"modified":"2007-04-07T12:34:33","modified_gmt":"2007-04-07T10:34:33","slug":"ostern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/04\/07\/ostern\/","title":{"rendered":"Ostern ?"},"content":{"rendered":"<p>Dass schon wieder Ostern ist, hab&#8216; ich erst letzte Woche bemerkt. Innerlich lebe ich einen Tages- und Wochenrythmus, in dem Feiertage (au\u00dfer Weihnachten) nicht ohne Anst\u00f6\u00dfe von au\u00dfen auffallen. Bis Samstagmittag arbeite ich, dann ist Wochenende &#8211; Montags geht es wieder weiter. Als mein Liebster mich jetzt darauf aufmerksam machte, dass vier freie Tage am St\u00fcck zur Verf\u00fcgung stehen, wurde mir bewusst, dass ich die Feiertage bisher nur am Rande registriert hatte: als Tage, an denen ich davon ausgehen kann, dass niemand etwas von mir will, zumindest nicht gesch\u00e4ftlich &#8211; also eine gute Zeit, um in Ruhe Dinge abzuarbeiten, die ansonsten leicht von &#8222;Wichtigerem&#8220; verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Nun hab&#8216; ich also beschlossen, endlich auch &#8222;die Feiertage zu heiligen&#8220;, selbst dann, wenn sie nicht auf den Sonntag fallen. Da es die erste Saison des wilden Gartens ist, der mir im letzten Sommer in den Scho\u00df fiel, ist das auch nicht wirklich ein Problem: es gibt jede Menge zu pflanzen, zu gie\u00dfen, zu beobachten und zu fotografieren &#8211; und wenn es warm genug ist, liege ich auch gerne einfach nur im Liegestuhl und blinzle in die Sonne.<\/p>\n<p>Wenn ich allerdings im Kiosk die Schlagzeilen der Zeitungen lese oder mal im TV durch die Kan\u00e4le zappe, bemerke ich, wie ferne mir &#8222;Ostern&#8220; als Feiertag ist. <!--more-->Kommt es mir nur so vor oder ist der Eindruck richtig, dass zur Zeit wieder mehr &#8222;Christentum zelebriert&#8220; wird? Obwohl ich als Kind den \u00fcblichen Indoktrinationen der katholischen Kirche (Religionsunterricht, Kommunion, Firmung..) nicht ausweichen konnte, ist davon nichts geblieben, was innere Saiten zum Klingen bringen k\u00f6nnte. Ich bin nach wie vor nicht damit einverstanden, wie das Martyrium eines religi\u00f6sen Rebellen  christlicherseits interpretiert und zelebriert wird, als w\u00e4re sein Ableben das Wesentliche gewesen &#8211; von der &#8222;Auferstehung&#8220; mal ganz zu schweigen!<\/p>\n<p><em>Jesus am Kreuz<\/em> als DAS beherrschende Symbol der Christenheit war mir immer schon suspekt: was f\u00fcr eine Leidens-verliebte Religion! F\u00fcr mich l\u00e4ge es weit n\u00e4her, etwa die &#8222;wundersame Brotvermehrung&#8220; symbolisch durch die Jahrtausende zu feiern: seht her, wenn die Menschen &#8222;im rechten Geiste&#8220; zusammen kommen, reichen auch geringe Mittel aus, um alle satt und gl\u00fccklich zu machen! Statt dessen werden die Einzelheiten der grausamen Kreuzigung und des Weges dahin wieder und wieder ins Bewusstsein gehoben, in Prozessionen nachempfunden, in Bildnissen verewigt &#8211; n\u00f6, das inspiriert mich gerade NICHT zu irgend einer Form des Nacheiferns, wenn mir auch klar ist, wie es gemeint ist:  nicht das Leiden selbst, sondern die Transzendierung des Leidens durch Hingabe (an Gott-Vater) wird hier (eigentlich&#8230;) gefeiert. Das kommt aber aus meiner Sicht nicht wirklich r\u00fcber, die exzessive &#8222;Kreuzverehrung&#8220; als Teil des Karfreitags-Ritus setzt gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig ganz andere Schwerpunkte &#8211; hierzu sei mal <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karfreitag#In_der_r.C3.B6misch-katholischen_Kirche\">Wikipedias Artikel<\/a> zum Stichwort &#8222;Karfreitag&#8220; zitiert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ein Kreuz mit oder ohne Darstellung des Gekreuzigten wird den Mitfeiernden hoch erhoben gezeigt (&#8222;Kreuzerh\u00f6hung&#8220;) und alle mit dem Ruf: &#8222;Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit. Venite adoremus&#8220;. Zu deutsch: &#8222;Seht das Holz des Kreuzes, daran gehangen der Herr hat. Kommt, lasset uns anbeten!&#8220;, zur Kreuzverehrung eingeladen. Dabei wird entweder ein verh\u00fclltes Kreuz in den Altarraum gebracht, dort in drei Schritten enth\u00fcllt und gezeigt. Oder ein unverh\u00fclltes Kreuz wird in Prozession vom Kircheneingang zum Altarraum getragen und w\u00e4hrend der Prozession dreimal die Kreuzerh\u00f6hung mit dem Aufruf zur Kreuzverehrung vorgenommen. Danach treten alle Mitfeiernden in einer Art Prozession zum Kreuz und verehren es durch die klassischen Zeichen der anbetenden Kniebeuge und des Kusses.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Gruslig! Wie kann man nur&#8230; Nun ja, Christen konnten und k\u00f6nnen sich offenbar darin finden, ich merke bei alledem \u00fcberdeutlich: zwar hab&#8216; ich kulturell bedingt &#8222;christliche Wurzeln&#8220;, aber ich bin keine Christin und war es eigentlich auch nie.<\/p>\n<p>Nun, Ostern als Fr\u00fchlingsfest, das den Neubeginn des Lebenszyklus feiert, kann ich auch ohne innere Verrenkungen und Irritationen nachvollziehen und genie\u00dfen. Regelm\u00e4\u00dfig fasziniert es mich, wie die Natur im Fr\u00fchling quasi explodiert: einfach so, unendlich freigiebig, kostenlos und unbezahlt &#8211; ganz ohne besonderes &#8222;Motivationstraining&#8220;, wie es Menschen allzu oft brauchen, um einfach tun zu k\u00f6nnen, was anliegt.<\/p>\n<p>Bei mir liegt jetzt einkaufen an: zwei Tage ohne Supermarkt-Zugang wollen \u00fcberbr\u00fcckt werden. Im Garten hat sich Besuch angesagt, ein Standort f\u00fcr weitere Lilien muss gefunden werden und der anderswo &#8222;gerettete&#8220; Efeu darf seine \u00dcberlebensk\u00fcnste an der Gartenmauer beweisen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche allen, die hier vorbei surfen, wundersch\u00f6ne Ostertage!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass schon wieder Ostern ist, hab&#8216; ich erst letzte Woche bemerkt. Innerlich lebe ich einen Tages- und Wochenrythmus, in dem Feiertage (au\u00dfer Weihnachten) nicht ohne Anst\u00f6\u00dfe von au\u00dfen auffallen. 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