{"id":523,"date":"2010-09-02T12:51:01","date_gmt":"2010-09-02T10:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=523"},"modified":"2011-05-04T12:39:46","modified_gmt":"2011-05-04T10:39:46","slug":"entspann-dich-gefaelligst-musse-geht-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/09\/02\/entspann-dich-gefaelligst-musse-geht-anders\/","title":{"rendered":"Entspann dich gef\u00e4lligst? Mu\u00dfe geht anders!"},"content":{"rendered":"<p>Es sind die einfachen Dinge, die richtig schwer fallen. Das vermeintlich allereinfachste, n\u00e4mlich &#8222;gar nichts tun&#8220; muss ich mir regelrecht erobern, erk\u00e4mpfen, zumindest ganz bewusst erlauben. Geeignete Gelegenheiten wahrnehmen und dann aufpassen, dass ich nicht allzu schnell wieder &#8218;raus falle&#8230;<\/p>\n<h2>Das Problem mit der Mu\u00dfe<\/h2>\n<p>Die viel gelobte, aber wenig praktizierte Mu\u00dfe als &#8222;Pause des Geistes&#8220; f\u00e4llt mir schwer, weil ich mich durchweg in der Pflicht f\u00fchle, etwas zu tun. Das ist beileibe nicht immer blo\u00df das Abarbeiten von ToDo-Listen im beruflichen Sektor: da sind auch Vorhaben und Zukunftsprojekte, die beplant werden wollen, allerlei Erledigungen f\u00fcr die &#8222;Beh\u00f6rdenfront&#8220;, alle Arbeiten im Haushalt, waschen, aufr\u00e4umen, einkaufen, Pflanzen gie\u00dfen, mal wieder renovieren, Hausverwaltung kontakten etc. usw.<!--more--><\/p>\n<p>Klar, dass das alles niemals &#8222;fertig&#8220; ist &#8211; und dann kommen ja noch die Bleib-Gesund-\u00dcbungen dazu (<a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/02\/16\/weniger-ist-mehr-erfahrungen-mit-fitness-centern\/\">FitnessCenter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/01\/21\/endlich-wieder-yoga\/\">Yoga<\/a>), sowie das weite Feld der Gartenarbeit. Zwar ist das <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">ein &#8222;wilder&#8220; naturnaher Garten<\/a>, aber auch der will gestaltet und entwickelt werden, sonst k\u00f6nnte ich ja gleich eine beliebige Brache bewundern! (Mach ich auch, aber im Garten soll es schon anders aussehen&#8230;);<\/p>\n<h2>Nicht gestresst, aber besch\u00e4ftigt<\/h2>\n<p>Mein Arbeitsleben hab&#8216; ich mir so eingerichtet, dass es nahezu nie in Stress ausartet. Es gibt nur wenige &#8222;Drucktermine&#8220;, bei den meisten Angelegenheiten kommt es nicht drauf an, ob sie heute oder \u00fcbermorgen fertig werden. Vieles hat noch einen deutlich l\u00e4ngeren flexiblen Horizont &#8211; es ist also alles Bestens!<\/p>\n<p>Trotzdem bringe ich zuhause keine &#8222;echte Mu\u00dfe&#8220; zustande. Zu verlockend steht da im Homeb\u00fcro mein PC als &#8222;Fenster zur Welt&#8220;, im Wohnzimmer ist es das TV und ein Stapel B\u00fccher. Und dazu noch ein Netbook, falls mir das nicht reicht &#8211; den setze ich aber nur selten ein, denn wirklich bequem ist das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/10\/13\/internet-im-liegen-aber-wie\/\"> Surfen und Lesen im Liegen<\/a> damit auch nicht.<\/p>\n<h2>Entspannungs\u00fcbungen?<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich kann ich mich &#8222;verdonnern&#8220;, das alles zu ignorieren und nun pflichtschuldigst  20 Minuten <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/entspann.htm\">Entspannung<\/a> oder 40 Minuten Yoga einzulegen. Als echte Mu\u00dfe empfinde ich das dann allerdings nicht &#8211; eher als weiteres ToDo, nur eben anders motiviert.  Ich kenne nahezu ALLE Varianten von Entspannungsmethoden, nicht wenige hab&#8216; ich ausreichend lange ausprobiert, \u00fcber andere im Rahmen von Honorarjobs jede Menge recherchiert und geschrieben. Und ja, wenn man so etwas praktiziert, dann lernt man Entspannung &#8211; aber das hei\u00dft noch lange nicht, dass man es dann auch wirklich gerne tut, dass es &#8222;von selber&#8220; geschieht, gar als Freude und Lust erlebt wird. <\/p>\n<h2>Mu\u00dfe braucht K\u00f6rper, Bewegung, Natur<\/h2>\n<p>Schon fr\u00fcher hab&#8216; ich festgestellt, dass dieses echte Nichtstun am ehesten gelingt, wenn der Imperativ des inneren &#8222;Du solltest jetzt eigentlich&#8230;&#8220; durch physische Gegebenheiten zwingend au\u00dfer Kraft gesetzt ist. So etwa w\u00e4hrend einer Zugfahrt oder als Beifahrer im Auto: da kann ich nicht weg und muss auch nichts machen, alles ist perfekt, wie es gerade ist. Zudem tritt keine geistige Langeweile ein, weil sich um mich her ja alles bewegt, der Anblick durchs Fenster sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndert. Ohne Eigenleistung bewege ich mich in Richtung meines Ziels &#8211; und kann endlich mal richtig abschalten!<\/p>\n<p>Da ich aber nur selten Bahn oder Auto fahre, ist das nur eine Beobachtung, keine st\u00e4ndige Praxis. Die &#8222;richtige Mu\u00dfe&#8220; hab&#8216; ich mittlerweile im Garten gefunden: irgendwann bin ich k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar m\u00fcde, dann lege ich mich in den Liegestuhl und d\u00f6se vor mich hin. Klar flie\u00dft meine Yogapraxis insofern ein, als ich mich dann zun\u00e4chst auf den Atem und die Entspanntheit des K\u00f6rpers konzentriere &#8211; allerdings nicht mehr &#8222;mit Absicht&#8220;. Die Gedanken kommen und gehen, doch sobald ich merke, dass mich ein Thema emotional ergreifen will, fokussiere ich wieder die Bauchdecke, die sich bei solchen &#8222;\u00dcbergriffen&#8220; sofort leicht anspannt &#8211; und entspanne wieder. <\/p>\n<h2>Mitten im Leben!<\/h2>\n<p>Manchmal nicke ich auch kurzzeitig ein, doch anders als in vergangenen Bem\u00fchungen um explizite <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/meditation.html\">Meditation<\/a> st\u00f6rt mich das nicht. Ich liege einfach ab und genie\u00dfe die Abwesenheit jeglichen Tuns und Sollens. Zwar bewege ich mich selber nicht, doch um mich her ist das volle Leben: Insekten summen, V\u00f6gel zwitschern, Grillen zirpen, in einiger Entfernung fahren Autos, ab und zu h\u00f6rt man auch eine Baumaschine, tobende Kinder, eine Kettens\u00e4ge oder einen Rasenm\u00e4her. Am Himmel ziehen die Wolken und ver\u00e4ndern mein Befinden immer wieder deutlich &#8211; am besten ist es, wenn die Sonne nicht zu hei\u00df ist, ich unter Wolken aber auch nicht fr\u00f6steln muss. Leichter Wind ist ok, zuviel davon st\u00f6rt. <\/p>\n<p>Mittlerweile ist mir diese Mu\u00dfe-Stunde viel wert. Ich mummle mich sogar mit Decke und Pullover ein, um das auch bei nicht mehr sommerlichem Wetter zu genie\u00dfen. Denn es klappt SO einfach nirgends anders. Vor allem nicht in geschlossenen R\u00e4umen, in denen mich die Abwesenheit der meisten Sinnesreize auf das innere &#8222;Nichts&#8220; zur\u00fcck wirft, bzw. in der Folge an zweckgerichteten Gedanken sehr viel mehr festhalten l\u00e4sst. <\/p>\n<p>Jetzt hab&#8216; ich also meine &#8222;rechte Mu\u00dfe&#8220; gefunden: ein Geisteszustand, der wie ich deutlich sp\u00fcre, der Verarbeitung der allzu vielen Eindr\u00fccke und Inhalte dient, denen ich mich t\u00e4glich aussetze. Auf einmal werden Priorit\u00e4ten klar, es kommen auch mal neue Einf\u00e4lle, doch alles auf einem Grundton tiefer, wohliger Ruhe. Nichts m\u00fcssen, nichts sollen, nichts wollen &#8211; wie wunderbar!<\/p>\n<h2>Und sp\u00e4ter?<\/h2>\n<p>Dabei f\u00e4llt mir die letzte <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/08\/26\/bloss-nicht-pflegebeduerftig-werden\/\">Diskussion \u00fcber Altenheime und Pflegebed\u00fcrftigkeit<\/a> ein: Wieviele solcher Heime machen es wohl m\u00f6glich, dass die Alten einfach mal &#8222;drau\u00dfen&#8220; mit Blick auf irgend ein nettes Gr\u00fcn auf Liegest\u00fchlen abliegen k\u00f6nnen? Also nicht auf B\u00e4nken aufrecht sitzen m\u00fcssen oder &#8222;die halbe Stunde&#8220; mit dem Rollator im Kreis laufen?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich w\u00e4re DAS jedenfalls die sch\u00f6nste Form des Sterbens. <\/p>\n<p>***<br \/>\nZum selben Thema gibts  einen guten ZEIT-Artikel:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/01\/Die-Wiederentdeckung-des-Nichtstuns\">Die Wiederentdeckung der Mu\u00dfe<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind die einfachen Dinge, die richtig schwer fallen. Das vermeintlich allereinfachste, n\u00e4mlich &#8222;gar nichts tun&#8220; muss ich mir regelrecht erobern, erk\u00e4mpfen, zumindest ganz bewusst erlauben. 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