{"id":52,"date":"2007-02-28T00:29:32","date_gmt":"2007-02-27T22:29:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/02\/28\/krank\/"},"modified":"2009-06-16T08:59:56","modified_gmt":"2009-06-16T06:59:56","slug":"krank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/02\/28\/krank\/","title":{"rendered":"Krank"},"content":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen dachte ich noch, ich sei immun gegen den grassierenden Infekt, der meine N\u00e4chsten und auch viele Ferneren in diesen Wochen mal eben aufs Krankenlager streckte.  Falsch! Nun hat es mich auch erwischt: Matschbirne, Fieber, Schnupfen &#8211; das \u00dcbliche und daher kaum erw\u00e4hnenswert. W\u00e4re es nicht das erste Mal seit wei\u00df-nicht-wieviel Jahren, dass ich mich tats\u00e4chlich ins Bett lege und nicht arbeite, jetzt  gar schon den zweiten Tag!<\/p>\n<p>Wie seltsam, solange im Bett liegen zu bleiben.  Kein Buch, in das ich mich versenken k\u00f6nnte, keine Zeitung, keine Lust zu gar nichts. So zappe ich durch die Kan\u00e4le und erlebe das mediale Deutschland:  Kinderbetreuungsdebatte, Koch-Shows, Zoo-Shows, Gerichtssendungen, Frauentausch, Talksshows &#8211; um Himmels Willen, wie muss jemand drauf sein, der all das dauernd guckt und nicht nur bei Fieber?<!--more--><\/p>\n<p>Wenn man Erk\u00e4ltungen ignoriert und sich nicht schont, k\u00f6nnen die Viren das Herz angreifen, werde ich in einem Gesundheitsmagazin belehrt. Eine Frau bekam eine Herzmuskelentz\u00fcndung, weil sie einfach weiter arbeitete. Wie sch\u00f6n, ich tue <em>das Richtige!<\/em>  Die Sendung bes\u00e4nftigt meine innere Antreiberin, die es ganz falsch findet, einfach so abzuliegen, stundenlang, tagelang. Dabei ist es arbeitstechnisch m\u00f6glich, es gibt keine dr\u00e4ngenden Termine und wenn ich mal quer \u00fcber meine Aktionsfelder schaue, dann ist auch nichts davon so wichtig, dass es auf ein paar Tage hin oder her ank\u00e4me. Trotzdem f\u00fchl&#8216; ich mich so g\u00e4nzlich unt\u00e4tig fehl am Platz. Wenn schon im Bett, k\u00f6nnte ich doch immerhin ein gutes Buch lesen, ein Projekt planen, oder mich wenigstens konsequent meditativ versenken, dem Atem nachsp\u00fcren und so die Heilung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Aber nix da, etwas mit Sinn will mir nicht gelingen &#8211; ich hab&#8216; einfach keine Lust auf Sinn!  \u00dcbe mich im Zeit tot schlagen ohne Sinn und Zweck, und das Fieber befreit mich dankenswerterweise von allen Gegenargumenten und Bedenken &#8211; naja, fast.  Ab morgen hab&#8216; ich wieder Arbeit geplant, was ist, wenn es dann immer noch nicht besser ist?? Nichts, es wird nichts weiter sein, als dass ich noch ein paar Leuten Bescheid sage, dass ich krank bin und sich dies und jenes um ein paar Tage verschiebt. Kein Drama nirgends, nicht mal ein kleiner \u00c4rger.<\/p>\n<p>Wenn ich das mal weiter denke: Niemand ist von meiner Arbeit und meinen Beitr\u00e4gen zur Welt existenziell abh\u00e4ngig. Als Webworkerin bin ich ersetzbar und meine anderen Aktivit\u00e4ten spielen sich erst recht im Luxusbereich ab. Klar, einige w\u00fcrden es bedauern, wenn es keine Schreibimpulse-Kurse und keine besinnlichen Diary-Eintr\u00e4ge mehr g\u00e4be, aber bald w\u00e4r das alles vergessen und durch andere Angebote ersetzt.<\/p>\n<p>Weiter gedacht: Rechtfertig so etwas leicht Verzichtbares die extreme Verstrickung ins T\u00e4tig-Sein von morgens bis abends, die mein Leben ausmacht?? Dieses Wuseln auf unterschiedlichen Spielfeldern, \u00fcberall ganz nett, aber nirgends wirklich wichtig? Mein Augenmerk liegt jetzt nicht auf der (mir nicht neuen) Erkenntnis, verzichtbar zu sein, sondern auf der \u00c4ktschn, die ich \u00fcblicherweise bringe, um all dieses Unwichtige zu veranstalten. Steht das denn daf\u00fcr?? Ist dieses schwer besch\u00e4ftigte Sitzleben vor dem Monitor das, was ich vom Leben will?<br \/>\nH\u00e4tte ich ein eigenes Forschungsgebiet oder einen anderen spezifischen D\u00e4mon, der mich treibt, w\u00fcrde sich die Frage nicht stellen. So aber ist es schon mal interessant, bei &#8222;getretener Kupplung&#8220; zu \u00fcberdenken, f\u00fcr was man eigentlich den Gang einlegt und losf\u00e4hrt: um irgendwohin zu kommen? Aus Freude am Fahren?<\/p>\n<p>Das &#8222;Fahren&#8220; im Sinne meines quasi automatisch weiter laufenden Arbeitsalltags ist wirklich nicht schlecht. An vielen Aspekten meiner Arbeit freue ich mich, kann mich versenken, bekomme intensiven Kontakt und gestalte in hohem Ma\u00dfe selbst, was ich tue und wie ich es mache. Und doch, so aus der Distanz betrachtet, kommt es mir gerade als ein ziemlich unbewusstes Weiterwuseln vor.<\/p>\n<p>Tun, was anliegt &#8211; h\u00f6rt sich gut an, aber ist das alles? W\u00fcnsche ich mir denn, dass das noch zwanzig Jahre genau so weiter geht?? Die einzige Herausforderung, die mir zu diesem Szenario einf\u00e4llt ist die Frage, wieweit ich wohl darin gehen werde, meinen Sterbeprozess \u00f6ffentlich zu machen. Irgendwann bekomme ich ja meine finale Diagnose, dann folgt die Auseinandersetzung mit der Krankheit, vielleicht K\u00e4mpfen, vielleicht Gelassenheit \u00fcben, vermutlich erst das eine, dann das andere &#8211; und immer mal einen Diary-Eintrag zur Sache. Da steigen dann noch mal die Zugriffszahlen und vielleicht verhilft mir das zum  Internet-Zugang auf dem Sterbebett. Na toll!<\/p>\n<p>Genug! Ich bin krank und Kranke soll man nicht so ernst nehmen. Gesund werden hei\u00dft, solchen Gedanken nicht nachzugehen, sondern tun, was anliegt. Ab morgen, sp\u00e4testens \u00fcbermorgen bin ich wieder am Ball, bzw. an der Maus &#8211; zumindest ist das sehr wahrscheinlich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen dachte ich noch, ich sei immun gegen den grassierenden Infekt, der meine N\u00e4chsten und auch viele Ferneren in diesen Wochen mal eben aufs Krankenlager streckte. Falsch! Nun hat es mich auch erwischt: Matschbirne, Fieber, Schnupfen &#8211; das \u00dcbliche und daher kaum erw\u00e4hnenswert. 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