{"id":51,"date":"2007-02-08T11:53:12","date_gmt":"2007-02-08T09:53:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/02\/08\/die-suche-nach-der-leidenschaft\/"},"modified":"2015-12-12T16:00:26","modified_gmt":"2015-12-12T15:00:26","slug":"die-suche-nach-der-leidenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/02\/08\/die-suche-nach-der-leidenschaft\/","title":{"rendered":"Die Suche nach der Leidenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Morgens fange ich nicht gleich mit dem Arbeiten an. Ich schau mal in die Emails, surfe auf <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.hor.de\/\">diese<\/a> oder <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.webzettel.de\/\">jene<\/a> Website, besuche ein <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schreibkunst.com\/forum.html\">Forum<\/a>, gucke auf den letzten Diary-Eintrag &#8211; tja, auf was warte ich, was suche ich in diesen militant Sinn-freien Aktivit\u00e4ten?<\/p>\n<p>Es steht ja schon im Titel: ich suche die Leidenschaft, das Aufblitzen eines heftigen Interesses, das mich ergreifen und zum Einstieg in den Tag begeistern soll. In den ersten Jahren des Webs war dieses Erleben leicht zu haben, denn alles war neu und das Neue ist an sich schon reizvoll, ob man das nun bl\u00f6d findet oder nicht. Irgendwann wird jedoch alles zur Routine, zum allzu Bekannten, das aus sich heraus keinen gro\u00dfen Reiz mehr aus\u00fcbt. Wie ich feststellte, gilt das sogar f\u00fcr soziale Prozesse, die ich immer sehr spannend fand. Auch sie haben ihre \u00fcblichen Verl\u00e4ufe, Menschen bringen sich ein, setzen sich auseinander und wieder zusammen, einige scheiden aus, andere steigen zu Meinungsf\u00fchrern auf, Gruppen zerfallen und bilden sich neu &#8211; nun ja&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fcher fand ich es wichtig, jemandem zu widersprechen, der irgend einen Stuss verzapft. Doch schon bald erkannte ich, dass Aufmerksamkeit das gr\u00f6\u00dfte Geschenk ist, das man &#8222;im virtuellen Leben&#8220; machen kann, und dass es vielen Provokateuren einzig darum geht. Seither ignoriere ich alles, was auf blo\u00dfe Kontroverse aus ist, und wei\u00df doch gleichzeitig, dass meine Motive gar nicht so viel anders sind. Ich f\u00fchl&#8216; mich manchmal wie ein Roulette-Spieler, der zwar immer noch gewinnen will, aber das Spiel mit den Chips und der rollenden Kugel entsetzlich \u00f6de findet.<\/p>\n<p>Was ich bis jetzt beschrieb, ist die eher passive Seite der Suche nach Leidenschaft:  Man flaniert ein wenig herum und wartet auf Anreize und Impulse, die von au\u00dfen kommen. Die aktive Seite ist mir ebenso vertraut: Tief eintauchen in ein Projekt, ins Schreiben eines Textes, ins Gestalten einer Website. Schafft man den \u00dcbergang vom t\u00e4glichen Vielerlei ins konzentrierte Arbeiten an einer Sache, ist der Tag gerettet. Ich frag mich, warum es oft so schwer f\u00e4llt, diesen Zustand zu erreichen, wenn ich doch genau wei\u00df, dass es toll ist, wenn ich mal drin bin!  Die Welt scheint sich verschworen zu haben, mich im Zustand der Zerstreuung zu halten, es braucht eine Kraftanstrengung, mich zu konzentrieren und so lange bei einer Sache zu bleiben, bis der &#8222;Flow&#8220; erreicht ist.<\/p>\n<p>Alles in allem empfinde ich eine Situation, in der ich mir solche Gedanken machen kann, als ungeheuer privilegiert. Familienmenschen haben andere Dinge im Kopf und m\u00fcssen sich um den Nachschub an Erregungszust\u00e4nden nicht sorgen. Auch alle, die einer abh\u00e4ngigen und wenig selbst bestimmten Arbeit nachgehen, sind solchen \u00dcberlegungen weitgehend enthoben:  es gibt den Arbeitstag, das Reich der Notwendigkeit, und das Reich der Freiheit: den Feierabend, die Freizeit, den Urlaub. Die allermeisten sind froh, wenn der Arbeitstag vor\u00fcber ist und die selbst bestimmte Zeit beginnt. Bei mir dagegen ist das tendenziell alles eins: f\u00fcr die Harmonie zwischen Spannung und Entspannung, Flow und Zerstreuung, Erregung und Ruhe muss ich selber sorgen.<\/p>\n<p>Ich hab&#8216; es nie anders gewollt und m\u00f6chte wirklich nicht tauschen. Doch manchmal denke ich, ich mach&#8216; zuwenig aus dieser Situation, die mir so viele Freiheiten l\u00e4sst. Es gibt h\u00f6here Werte als das eigene Befinden, sagt mir eine innere Stimme. Ich bin gespannt, ob sie mir auch mal ansagen wird, wo es hingehen soll.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/10\/24\/wofuer-arbeiten-die-suche-nach-der-freude\/\">Wof\u00fcr arbeiten? 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