{"id":5091,"date":"2026-09-23T13:30:59","date_gmt":"2026-09-23T11:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=5091"},"modified":"2026-09-23T13:50:21","modified_gmt":"2026-09-23T11:50:21","slug":"test-emotionale-ansprache-fuer-unpopulaere-reformen-ein-formulierungsversuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2026\/09\/23\/test-emotionale-ansprache-fuer-unpopulaere-reformen-ein-formulierungsversuch\/","title":{"rendered":"Test: Emotionale Ansprache f\u00fcr unpopul\u00e4re Reformen &#8211; ein Formulierungsversuch"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger,<\/p>\n<p>Ihr fragt Euch vielleicht, warum wir &#8222;Reformpakete&#8220; schn\u00fcren, die vor allem aus Einsparungen bestehen und verst\u00e4ndlicherweise nicht gut ankommen. Seid versichert: Sehr gerne w\u00fcrden wir auf all das verzichten und staatliche Unterst\u00fctzungen lieber steigern als streichen! Das bringt mehr Zustimmung, keinen \u00c4rger und mehr W\u00e4hlerstimmen &#8211; also alles, was wir Politiker\/innen in verantwortlichen \u00c4mtern sch\u00e4tzen. Und was wahr ist, auch wenn uns das viele von Euch nicht glauben: Wir w\u00fcnschen uns, dass unser Land so gut funktioniert, dass es m\u00f6glichst allen gut geht!<!--more--><\/p>\n<p><strong>Warum machen wir das also? Ehrlich: Weil wir m\u00fcssen! Und: wir haben Angst!<\/strong><br \/>\nAngst davor, wichtige, aber megateure Systeme ins unbezahlbare Chaos laufen zu lassen, wenn wir nichts \u00e4ndern. Vermutlich wisst Ihr, dass unsere Wirtschaft seit sieben Jahren nicht mehr w\u00e4chst, wodurch auch die Steuereinnahmen nicht mehr wachsen. Und gewiss habt Ihr an den Ladenkassen gesp\u00fcrt, dass in diesen Jahren wirklich ALLES sehr viel teurer geworden ist! Das gilt nicht nur f\u00fcr die Waren des t\u00e4glichen Bedarfs, sondern z.B. auch f\u00fcr die Geh\u00e4lter in der Pflege, die den Menschen in diesem fordernden Beruf wirklich zu g\u00f6nnen sind.<\/p>\n<p>Dass immer weniger Junge die Renten von immer mehr Alten bezahlen m\u00fcssen, habt Ihr sicher auch schon als Problem erkannt. Deshalb finanziert sich die Rente schon lange nicht mehr nur aus den Beitr\u00e4gen: stolze 30% der Gesamtkosten kommen aus dem Bundeshaushalt als Zuschuss! Das k\u00f6nnen wir nicht einfach erh\u00f6hen, weil wir schon jetzt diesen Haushalt nur mit immensen Schulden finanzieren m\u00fcssen. Allein in diesem Jahr sind es insgesamt 181,5 Milliarden Euro neue Schulden, die zweith\u00f6chste Summe in der Geschichte. Und eine Besserung ist nicht in Sicht, es wird im Gegenteil immer mehr werden.<\/p>\n<p><strong>Na und? Geht doch, denkt Ihr vielleicht!<\/strong> Aber wer Kredite aufnimmt, muss auch Zinsen zahlen &#8211; und die steigen zurzeit deutlich. Die Folge: Der Staat muss einen immer gr\u00f6\u00dferen Anteil der Steuereinnahmen als Zinsen bezahlen. Geld, das f\u00fcr wichtige Sozialausgaben und f\u00fcr die Verbesserung der teils maroden Infrastruktur fehlt. Wenn wir jetzt nicht &#8222;mit Augenma\u00df&#8220; sparen, dann muss bald jeder zweite verdiente Euro von eurem Brutto f\u00fcr die Sozialkassen abgezogen werden, sofern wir deren Leistungen \u00fcberhaupt aufrechterhalten k\u00f6nnen. Das wollt Ihr nicht? Wir auch nicht, wirklich nicht!<\/p>\n<p><strong>Aber lasst uns Tacheles reden!<\/strong> Das fr\u00fcher so hoffnungsvolle Wort &#8222;Reform&#8220; hei\u00dft f\u00fcr Euch allzu h\u00e4ufig: weniger im Portemonnaie. Das ist keine Fehlwahrnehmung, es ist die Wahrheit, die wir nicht l\u00e4nger sch\u00f6nreden wollen. Aber schaut bitte genau hin: Es gibt im f\u00fcr diesen Herbst geplanten Reformpaket auch ein paar Punkte, die Euch entlasten: Der steuerfreie Grundfreibetrag steigt, ebenso der Kinderfreibetrag und das Kindergeld, sowie der Arbeitnehmerpauschbetrag. Was durch die Einsparungen erhalten bleibt ist die verl\u00e4ssliche Rente, eine Pflege, die nicht wegen Personalmangel zusammenbricht und eine Infrastruktur, die wir endlich nach und nach sanieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Das findet Ihr selbstverst\u00e4ndlich? Ist es leider nicht,<\/strong> denn wir k\u00f6nnen ja kein Geld drucken, wenn die Wirtschaft nicht mehr genug abwirft und die Steuereinnahmen nicht reichen. Was wir aber k\u00f6nnen: Unsinn aus dem Reformpaket streichen, denn Gesetze werden noch immer im Bundestag gemacht, nicht in Expertenkommissionen. Zum Beispiel das mit der &#8222;Krankschreibung ab dem 1. Tag&#8220;: Da sieht doch jeder auf den ersten Blick, dass das nicht praktikabel ist! Auch weitere Ma\u00dfnahmen, die einige von Euch besonders treffen, werden wir nochmal pr\u00fcfen und schauen, ob wir die H\u00e4rten abpuffern k\u00f6nnen &#8211; im Rahmen der gegebenen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>Das reicht euch nicht?<\/strong> Wir verstehen eure Wut, aber wahr ist eben auch:\u00a0 Eine Politik, die &#8222;mehr statt weniger&#8220; f\u00fcr alle bringt, k\u00f6nnen wir in diesen Zeiten leider nicht mehr versprechen. Was wir aber versprechen k\u00f6nnen ist Ehrlichkeit. Es wird keine Ank\u00fcndigungen mehr geben, die wir nicht halten und keine Zahlen, die wir extra sch\u00f6nrechnen. Wir k\u00f6nnen nur darauf hoffen, dass Ihr dann manches besser versteht, was wir auch gerne anders h\u00e4tten!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Zu diesem (eigenen, nix KI) <strong>Versuch einer &#8222;emotionalen Ansprache&#8220;<\/strong> hat mich der Blogpost &#8222;<a href=\"https:\/\/www.borisstumpf.de\/2026\/09\/weiter-so-wir-sind-auf-dem-einzig-richtigen-weg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weiter so, wir sind auf dem einzig richtigen Weg<\/a>&#8220; von Boris Stumpf inspiriert:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das scheint das aktuelle Narrativ zu sein, auf das sich die F\u00fchrungsebene(n) der CDU verst\u00e4ndigt haben&#8230; Fehler hat man allenfalls in der Kommunikation gemacht. Die B\u00fcrger haben sich offensichtlich nicht mitgenommen gef\u00fchlt, weil man ihnen die objektiven Notwendigkeiten, die man als Bundesregierung erkannt und in Angriff genommen hat, nicht (emotional) richtig erkl\u00e4rt hat.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie f\u00e4ndet Ihr eine solche Rede?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>Und sonst:\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/horstschulte.com\/spd-nach-den-wahlen-regieren-nach-zufriedenheitslage\/\" target=\"_blank\"><strong>SPD nach den Wahlen: Regieren nach Zufriedenheitslage? (Horst Schulte)<\/strong><\/a><br \/>\n&#8222;B\u00e4rbel Bas spricht von \u201evielen Menschen\u201c, die mit den Reformen unzufrieden seien \u2013 beim Deutschlandfunk werden daraus \u201edie Menschen\u201c. Doch die wichtigere Frage lautet: Was h\u00e4lt die SPD selbst noch f\u00fcr richtig? &#8222;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2026\/pilotprojekt-verhaltensscanner-in-berlin-die-moeglichkeit-der-anonymen-nutzung-des-oeffentlichen-raums-verschwindet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Pilotprojekt Verhaltensscanner in Berlin \u201eDie M\u00f6glichkeit der anonymen Nutzung des \u00f6ffentlichen Raums verschwindet\u201c (Netzpolitik)<\/strong><\/a><br \/>\n&#8222;Am Kottbusser Tor in Berlin beginnt ein zun\u00e4chst vierw\u00f6chiges Pilotprojekt zur polizeilichen Video\u00fcberwachung mit automatisierten Verhaltensscannern.&#8220;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/jacobin.de\/linke-keine-antisemitische-partei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Die Linke ist keine antisemitische Partei (Jacobin)<\/strong><\/a><br \/>\n&#8222;Die Kampagne richtet sich an die politische Klasse Berlins und soll Die Linke von der Macht fernhalten.&#8220;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/tante.cc\/2026\/09\/14\/der-besorgte-ki-bro\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Der besorgte \u201cKI\u201d-Bro (tante.cc)<\/strong><\/a><br \/>\n&#8222;Wenn man die Warnungen der \u201cKI\u201d-Bros ernst nehmen w\u00fcrde, m\u00fcsste man sie alle einsperren. &#8222;<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, Ihr fragt Euch vielleicht, warum wir &#8222;Reformpakete&#8220; schn\u00fcren, die vor allem aus Einsparungen bestehen und verst\u00e4ndlicherweise nicht gut ankommen. 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