{"id":494,"date":"2010-06-10T11:01:23","date_gmt":"2010-06-10T09:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=494"},"modified":"2015-12-12T15:48:18","modified_gmt":"2015-12-12T14:48:18","slug":"schubumkehr-vom-buchstabenglueck-zurueck-zum-sinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/06\/10\/schubumkehr-vom-buchstabenglueck-zurueck-zum-sinn\/","title":{"rendered":"Schubumkehr: Vom Buchstabengl\u00fcck zur\u00fcck zum Sinn"},"content":{"rendered":"<p><em> &#8222;Vom Sinn des Lebens zum Buchstabengl\u00fcck&#8220;<\/em> ist der Untertitel dieses, jetzt gut 11 Jahre alten Webdiarys. Der Titel bezog sich auf eines meiner ersten Themen im Web: <strong>&#8222;Sinn des Lebens&#8220;<\/strong> war eine exemplarische Suchanfrage, an deren Ergebnissen entlang ich einen sp\u00e4ter recht erfolgreichen Artikel <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/archiv\/MissingLinkAusstell\/reise.htm\">\u00fcber Philosophie im Netz<\/a> schrieb, zu Zeiten, als die breite \u00d6ffentlichkeit noch nicht ahnte, was sich da &#8222;online&#8220; entwickelte. Dass ich <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/42_%28Antwort%29\">42<\/a> (!) Jahre alt war, als ich meine erste Homepage baute, spielte ebenfalls eine Rolle &#8211; und das &#8222;Buchstabengl\u00fcck&#8220; sollte aussagen, dass es mich gl\u00fccklich macht, \u00fcber alles zu schreiben und im Netz zu kommunizieren, was mich bewegt. Ganz unabh\u00e4ngig vom Thema und auch davon, was durch dieses Schreiben BEWIRKT wird. <\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich angekommen in meiner eigentlichen Profession: Schreiben, kommunizieren, Webprojekte entwickeln &#8211; f\u00fcr mich und f\u00fcr andere. Auch alle beruflichen Aktivit\u00e4ten zuvor lagen schon auf dieser Linie, wenn auch noch ohne Netz. Fantasievolle \u00d6ffentlichkeitsarbeit war mein Beitrag zu den politischen Themen, f\u00fcr die ich in jungen Jahren k\u00e4mpfte: es fiel mir leicht und machte riesigen Spass! Nebenbei hatte ich ein Studium zur Dipl-Kommunikationsdesignerin hinter mich gebracht, und sp\u00e4ter entwickelte ich Kampagnen zur Klima-Problematik, lange bevor das Thema richtig hochkochte. Das Netz entdeckte ich dann 1995 und schrieb ab 1996 <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/webwork\/veroeffentlichungen.html\">Beitr\u00e4ge f\u00fcr Printmedien<\/a> \u00fcber &#8222;Internet und&#8230;.&#8220; &#8211; bis die kommerziellen Akteure das Web okkupierten und fortan nur noch &#8222;n\u00fctzliche&#8220; Themen gefragt waren (Arbeit finden, Shoppen, Technik, Erotik). <!--more--><\/p>\n<h2>Selbst\u00e4ndig im Web<\/h2>\n<p>Aber auf die Printmedien und ihre schlechte Bezahlung konnte ich ja bald pfeiffen! Es meldeten sich Menschen, die meine Web-Kompetenzen f\u00fcr ihre Anliegen nutzen wollten und so wurde ich &#8222;Webdesignerin&#8220; &#8211; nach dem Programmierer der erste Netzberuf, der sich heraus kristallisierte. Meine Selbst\u00e4ndigkeit entwickelte sich fernab langweiliger Businesspl\u00e4ne und angestrengter Kapitalsuche wie von selbst. Nicht mal die Arbeitsamtsf\u00f6rderung, die mir zugestanden h\u00e4tte, musste ich in Anspruch nehmen. Immer fanden und finden mich <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/webwork\/kundenprojekte.html\">Kunden<\/a> \u00fcber meine eigenen Web-Aktivit\u00e4ten, Akquise braucht es nicht. Ab und an empfehlen mich auch Freunde und Bekannte, mein Spektrum reicht vom Honorar-Bloggen bis zur Gesamterstellung, Pflege und Bekanntmachung (heute: SEO, SEM&#8230;) ganzer Webauftritte. Und immer bleibt genug Zeit f\u00fcr eigene Aktivit\u00e4ten, was mir weit mehr wert ist als durch MEHR bezahlte Arbeit MEHR zu verdienen.<\/p>\n<h2>Kreative Eigenarbeit &#8211; f\u00fcr was?<\/h2>\n<p>Meine <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/\">eigenen Projekte<\/a> waren und sind bisher meist &#8222;gro\u00dfe Schubladen&#8220;, die mich nicht an ein bestimmtes Thema binden. Die mittlerweile als &#8222;Blogs&#8220; firmierenden Publikationen sind recht stabil, was ihre Lebenszeit angeht, doch recht sprunghaft in den Themen. Dies entspricht dem breiten Spektrum der Interessen, f\u00fcr die ich mich begeistern kann. Eine Begeisterung, die mich zu kurzfristigen Eins\u00e4tzen motiviert, die dann aber bald wieder zugunsten eines neuen Themas verfliegt. Oft schon hab&#8216; ich Menschen beneidet, die &#8222;ihren Daimon gefunden&#8220; haben und sich einer einzigen Sache lebensl\u00e4nglich verschreiben, dort zu wahren Experten werden &#8211; und dabei gl\u00fccklich sind!<\/p>\n<p>Mit meiner eigenen Sprunghaftigkeit bin ich mittlerweile weniger gl\u00fccklich: zwar lebe ich in dieser selbst geschaffenen (und vom Netz geschenkten!) selbstbestimmten Arbeitswelt quasi &#8222;leidfrei&#8220; und kann mich jederzeit frei entfalten. Zunehmend dr\u00e4ngt sich aber der Gedanke auf: Wof\u00fcr? In welche Richtung? Mit welchem Sinn und Ziel? <\/p>\n<p>Diese gef\u00fchlte &#8222;Schubumkehr&#8220; weg vom blo\u00dfen Buchstabengl\u00fcck hin zur Suche nach einem nachhaltig sinnvollen und n\u00fctzlichen,  konzentrierteren und dadurch wirkungsm\u00e4chtigeren Tun h\u00e4ngt gewiss damit zusammen, dass mir heute im Bewusstsein steht, dass mein Leben endlich ist. Und der Raum pers\u00f6nlicher (!) W\u00fcnsche ist LEER: es gibt nichts, was ich f\u00fcr mich noch unbedingt haben oder erleben wollte &#8211; ich bin zufrieden mit meinem Leben, wie es ist. Was allerdings AUCH bedeutet, dass ich mich in den blo\u00dfen Erhalt des Status Quos verstricken k\u00f6nnte: ohne Wachstum und Streben setzt Verk\u00fcmmerung und Verteidigung ein &#8211; wobei ich mit Wachstum nicht blo\u00df ein \u00c4u\u00dferes meine. <\/p>\n<h2>Was ist n\u00fctzlich und sinnvoll?<\/h2>\n<p>Nicht n\u00fctzlich ist es zum Beispiel, wenn ich hier ein &#8222;ermunterndes&#8220;, vielleicht ein St\u00fcck weit <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/05\/31\/hoffnung-auf-die-jungen-rifkin-empathische-zivilisation\/\">utopisches Buch oder Video<\/a> vorstelle, dann aber den eigenen Herzimpuls in der Diskussion der &#8222;Geht nicht, weil&#8230;-Kommentare&#8220; zerreiben lasse. Das tut einfach nur weh, deprimiert und n\u00fctzt im Sinne des Impulses niemandem. Im Gegenteil, es besch\u00e4digt meine eigene Motivation und Kraft, im Sinne dieses Impulses t\u00e4tig zu werden.  <\/p>\n<p>SEHR n\u00fctzlich war es dagegen, meine eigene &#8222;Empathie&#8220; in Richtung der Kambodschaner Ernst zu nehmen, als ich 2006 dieses uns\u00e4glich arme Land bereist hatte. Ich wollte etwas zur\u00fcck geben, etwas zur Verbesserung der Lebensbedingungen beitragen, also entstand die Aktion <strong>&#8222;Brunnen f\u00fcr Tani&#8220;<\/strong>:  2007 und 2008 zur vorweihnachtlichen Spenderzeit <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/category\/kulturschock-kambodscha\/\">hier im Digital Diary<\/a> durchgezogen, brachte sie das Geld f\u00fcr insgesamt 17 Brunnen: jeder dieser Brunnen versorgt nun 8 bis 20 (Gro\u00df-)Familien. Die Aktion verbesserte also die Lebensbedingungen von mehreren 1000 Menschen in Kambodscha, die nun Zugang zu sauberem Wasser haben. Etliche liebe Stammleser haben gespendet, das Digital Diary war auf einmal mehr als ein Ort besinnlicher Unterhaltung, wo man zwar gepflegt \u00fcber Zeitgeistiges plaudert, aber niemals wirklich etwas \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nun nicht, dass ich die Zukunft in reinen Wohlt\u00e4tigkeits-Aktivit\u00e4ten sehe. Auch &#8222;nur Schreiben&#8220; kann Wirkungen haben, bzw. sich mit anderen Schreibenden zur Wirkung aufschaukeln. Daf\u00fcr braucht es aber den jeweils passenden Rahmen, um ein Thema auch nachhaltig zu beackern. Hier schreib ich dagegen mal \u00fcber dies und mal \u00fcber das und vertreibe damit genauso viele Leute, wie ich mit dem Einzelthema anziehe &#8211; das Ergebnis ist Stagnation, nicht nur bei den Besucherzahlen. <\/p>\n<p>Noch wei\u00df ich nicht, welches meiner bevorzugten Themen ich in einem neuen Medium bearbeiten werde, doch nehme ich mir fest vor, bis zum Herbst damit zu Potte zu kommen. Vielleicht werden es ja auch gleich mehrere &#8211; das neue WordPress soll &#8222;Unterblogs&#8220; erm\u00f6glichen, was ja eine Menge Arbeit sparen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Times they are changing &#8211; Buchstabengl\u00fcck ist nicht genug! Das Digital Diary als pers\u00f6nlicher Schreibort wird aber auf jeden Fall bleiben! :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Vom Sinn des Lebens zum Buchstabengl\u00fcck&#8220; ist der Untertitel dieses, jetzt gut 11 Jahre alten Webdiarys. 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