{"id":489,"date":"2010-05-30T14:04:12","date_gmt":"2010-05-30T12:04:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=489"},"modified":"2010-05-31T10:57:51","modified_gmt":"2010-05-31T08:57:51","slug":"oelpest-eurokrise-oderflut-gaza-und-immer-wieder-gorleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/05\/30\/oelpest-eurokrise-oderflut-gaza-und-immer-wieder-gorleben\/","title":{"rendered":"\u00d6lpest, Eurokrise, Oderflut, Gaza und immer wieder Gorleben"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Urlaubswoche ohne Medien ist meine Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den aktuellen Katastrophen-Nachrichten deutlich gr\u00f6\u00dfer geworden. Alles regt mich weit mehr auf als sonst, was ganz klar zeigt, dass die massive Berieselung mit &#8222;News&#8220; \u00fcblicherweise etwas Einschl\u00e4ferndes hat. <\/p>\n<h2>Oder-Hochwasser: Zuwenig katastrophal f\u00fcr all die Sondersendungen<\/h2>\n<p>Am ertr\u00e4glichsten  ist mir noch das Oder-Hochwasser: da waltet Natur und der menschliche Eingriff, der so ein Ereignis zur potenziellen Katastrophe macht, zieht sich schon \u00fcber mehrere Generationen hin. Immerhin gibt es mittlerweile wieder ein paar &#8222;Polder&#8220;, die man \u00f6ffnen kann, wenn die Flut kommt. Und derzeit sieht es so aus, als ginge das Ganze glimpflich ab. Sehr zum Missfallen der Medien, denen einfach nicht genug Katastrophe geboten wird: Touristen auf dem Damm und ein Alltag, der einfach so weiter geht &#8211; nicht sehr ergiebig!<!--more--><\/p>\n<h2>Free GAZA &#8211; die ignorierte Hilfsg\u00fcter-Flotte<\/h2>\n<p>Dass dagegen eine als Medienspektakel mit immensem Spannungsfaktor geradezu pr\u00e4destinierte Aktion von unseren Mainstream-Medien weitgehend ignoriert wird, l\u00e4sst mich so langsam auf die Seite derjenigen wechseln, die genau diese Medien als &#8222;gleichgeschaltet&#8220; betrachten.  Eine Meinung, die ich lange als zu verschw\u00f6rungstheoretisch abtat. Dass aber eine mit Hilfsg\u00fctern und 800 Aktivisten (darunter der Autor Henning Mankell) derzeit auf GAZA zuhaltende Schiffsflotte nur <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2010-05\/gaza-solidaritaetsflotte\">sehr vereinzelt<\/a> <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/konflikt-um-humanitaere-krise-solidaritaetsflotte-auf-dem-weg-nach-gaza-1570209.html#utm_source=standard&#038;utm_medium=rss-feed&#038;utm_campaign=alle\">mal ein paar Zeilen<\/a> wert ist, finde ich so richtig zum Kotzen! Wer es gewohnt ist, sich auch <a href=\"http:\/\/www.net-news-global.de\/\">\u00fcber den Tellerrand<\/a> hinaus zu informieren, den gruselt es angesichts der Ignoranz bez\u00fcglich dieser spektakul\u00e4ren Hilfsaktion f\u00fcr die sich selbst \u00fcberlassenen Menschen im gr\u00f6\u00dften Gef\u00e4ngnis der Welt. Der Verkaufsstart des IPad ist ja auch soooo viel wichtiger und findet nat\u00fcrlich breiten Raum in der TAGESSCHAU!<\/p>\n<p><strong>Update 31.5.:<\/strong>  Jetzt, wo es Tote gibt, wird geschrieben:<br \/>\n*<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,697642,00.html\">Blutiger Angriff Israels auf Gaza-Hilfsflotte; (SPON)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2010-05\/israel-schiff\">Israels Milit\u00e4r st\u00fcrmt t\u00fcrkisches Hilfsg\u00fcterschiff (ZEIT)<\/a>;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0\/Doc~EF497051C30624783B5D36C79F691F74E~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">T\u00fcrkei: Der Schaden ist nicht wieder gutzumachen (FAZ.net)<\/a>;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/israelangriff102.html\">Zehn Tote bei israelischer Milit\u00e4raktion (TAGESSCHAU.de)<\/a><br \/>\n<\/a><\/p>\n<h2>An der Grenze des technisch Machbaren: sp\u00e4tes Erschrecken<\/h2>\n<p>Die gescheiterte Aktion &#8222;Topkill&#8220; und das ganze \u00d6l-Desaster macht mittlerweile \u00fcberdeutlich, dass die \u00d6l-Konzerne mit solchen Bohrungen in der Tiefe an den Grenzen der technischen Machbarkeit agieren &#8211; sich davon aber keinesfalls abhalten lassen. Ja, sie <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wissen\/umwelt\/2010-05\/bp-bohrinsel\">gehen sogar bewusst Risiken ein<\/a>, um Geld zu sparen. <em>&#8222;Es erschreckt uns, dass wir den \u00d6lfluss nicht stoppen k\u00f6nnen&#8220;<\/em>, sagte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,697554,00.html\">laut ZEIT<\/a> der BP-Topmanager Doug Suttles bei einer Pressekonferenz. Ebenso erschrocken d\u00fcrfte die OBAMA-Administration gewesen sein, als sie bemerken musste, dass es niemanden gibt, der es besser kann!<\/p>\n<p>BP boykottieren? Wie sollen sie dann die ganzen Entsch\u00e4digungen zahlen, mal angenommen, das klappt? Ein <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:oelkatastrophe-scheinheiliger-streit-um-bp\/50119423.html\">Artikel in der FTD<\/a> nennt solchen Polit-Aktionismus scheinheilig: <em>&#8222;Jedes Mal, wenn sich die Benzinpreise in Deutschland der Marke von 1,50 Euro n\u00e4hern, schreien wir Autofahrer auf. Und nun sollen wir BP boykottieren? Nun soll BP allein bluten? So geht das nicht: Auf der einen Seite billiges Benzin haben und Autos fahren wollen, die 10 Liter auf 100 Kilometern schlucken. Und auf der anderen Seite sich nicht die H\u00e4nde schmutzig machen wollen. Das funktioniert nicht. &#8222;<\/em><\/p>\n<h2>Money makes the world go round&#8230;<\/h2>\n<p>Und wenn es nicht mehr rund l\u00e4uft mit der allgemeinen Verschuldung, mit dem Glauben an die endlose Zahlungsf\u00e4higkeit der Individuen, Banken und Staaten, dann droht die Schockstarre oder Politiker verfallen in wilden Aktionismus. So schnell, wie k\u00fcrzlich das Krediterm\u00e4chtigungsgesetz (!) zur St\u00fctzung des Euro, ging bisher nur das Bankenrettungspaket durchs Parlament. Na klar, galt doch beides als &#8222;alternativlos&#8220;! Und \u00fcber die Medien erfahren wir nun, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/debatte-um-haushaltssanierung-schaeuble-will-rentner-verschonen-1.951778\">was f\u00fcr Sparpakete drohen<\/a>, wobei es mich diese Woche schwer beeindruckt hat, dass Spanien nach Verabschiedung eines drastischen Sparplans sein Spitzen-Rating (AAA) verloren hat. Mit der Begr\u00fcndung, das Sparen werde die Wirtschaft ausbremsen&#8230; irre, nicht?  Es scheint kein sinnvolles Verhalten mehr zu geben, denn ein Abweichen von der V\u00f6llerei des &#8222;weiter so&#8220; wird ebenfalls negativ quittiert. Ich bin gespannt, wie das weiter geht!<\/p>\n<h2>Kein Endlager im Salz! Schaut Euch den Beitrag von KONTRASTE an!<\/h2>\n<p>Vielleicht kommt Euch ja angesichts dieses uralten Themas das gro\u00dfe G\u00e4hnen? Das \u00d6l im Golf von Mexiko ist in 10, 20 Jahren weg, aber sollte wirklich jede Menge hoch radioaktiver Atomm\u00fcll  im Salz von Gorleben versenkt werden, ist das ein Mega-Verbrechen an der Menschheit!!!  Und daf\u00fcr werden gerade neue Weichen gestellt, wie das Polit-Magazin KONTRASTE meldete: <em>&#8222;Bundesumweltminister R\u00f6ttgen will die Sicherheitsstandards am geplanten atomaren Endlager Gorleben senken. <strong>Geplant ist, auf eine R\u00fcckholbarkeit des Strahlenm\u00fclls zu verzichten.<\/strong> Das Risiko: Es k\u00f6nnte im Salzstock zu chemischen Reaktionen bis hin zu Explosionen kommen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Schaut Euch <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/ard\/servlet\/content\/3517136?documentId=4517320\">die Sendung<\/a> an, so lange sie noch in der Mediathek ist. Detailliert wird erkl\u00e4rt, welche Gefahr droht, wenn man (wie hierzulande allen Ernstes geplant!) den Atomm\u00fcll in nicht weiter abgeschirmte Bohrl\u00f6cher im Salz versenkt: Erhitzung der Umgebung des M\u00fclls auf mehrere 100 Grad, Risse im Salz, Eindringen von Wasser &#8211; und in der Folge Austritt der Radioaktivit\u00e4t in die Umgebung.  Die Bundesregierung ignoriert dieses Risiko und h\u00f6rt weiter auf Dr. K\u00fchn, den ehemaligen Chef von Asse (!) als Berater, der selbst laut KONTRASTE niemals mit hoch radioaktivem M\u00fcll Erfahrungen gemacht hat (und was da in Asse gelaufen ist, sollte ihn eigentlich als Berater disqualifizieren!). Andere L\u00e4nder, sogar die USA, haben sich mittlerweile vom Salz als m\u00f6glicher Endlagerst\u00e4tte abgewendet. Aber hierzulande will man den Schei\u00df einfach m\u00f6glichst schnell in Gorleben verbuddeln. Blo\u00df keine anderen Optionen pr\u00fcfen, schlie\u00dflich will niemand den Atomm\u00fcll im eigenen Bundesland haben&#8230;.<\/p>\n<p>Dass R\u00f6ttgen jetzt auf die &#8222;R\u00fcckholbarkeit&#8220; verzichten will, geschieht im Dienst der ATOM-Lobby: m\u00fcsste man den M\u00fcll beaufsichtigen und r\u00fcckholbar lagern, dann w\u00fcrde der Atomstrom unattraktiv teuer &#8211; da sei unsere Regierung vor, die ja fortw\u00e4hrend &#8222;unser Geld sch\u00fctzen&#8220; will. Was solls, wenn daf\u00fcr ganze Landstriche in einer nicht berechenbaren Zukunft verstrahlt werden: nach uns die Sintflut bzw. tschernobylisierte Landschaften!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Das ist mal wieder ein Artikel, der nicht in die \u00fcblichen Formate des Digital Diary passt. Derzeit denke ich verst\u00e4rkt \u00fcber ein neues Medium nach: zu Politik und Wirtschaft, aber auch zur Ermunterung und Erm\u00e4chtigung des in Krisenzeiten zunehmend verunsicherten Individuums, selbst\u00e4ndig zu denken und zu leben. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Urlaubswoche ohne Medien ist meine Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den aktuellen Katastrophen-Nachrichten deutlich gr\u00f6\u00dfer geworden. Alles regt mich weit mehr auf als sonst, was ganz klar zeigt, dass die massive Berieselung mit &#8222;News&#8220; \u00fcblicherweise etwas Einschl\u00e4ferndes hat. 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