{"id":482,"date":"2010-05-04T12:54:04","date_gmt":"2010-05-04T10:54:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=482"},"modified":"2010-05-04T13:00:06","modified_gmt":"2010-05-04T11:00:06","slug":"wir-sind-das-netz-netzkritik-ist-selbstkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/05\/04\/wir-sind-das-netz-netzkritik-ist-selbstkritik\/","title":{"rendered":"Wir sind das Netz! Netzkritik ist Selbstkritik"},"content":{"rendered":"<p>Hat schon mal jemand das rasant gewachsene Stra\u00dfennetz f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Beziehungen verantwortlich gemacht, die Menschen heute &#8222;in die Ferne&#8220; haben bzw. haben k\u00f6nnten? Was ist von den vielen Flugverbindungen zu halten, die dem blo\u00dfen Konsum touristischer Sehensw\u00fcrdigkeiten dienen? Und was bringt ein noch so gut gepflegtes Schienennetz, wenn es uns einander nicht wirklich n\u00e4her bringt?? <\/p>\n<p>Komische Sicht? N\u00f6, ganz normal, zumindest, wenn \u00fcber das Internet, bzw. das &#8222;Social Web&#8220; geredet wird. Dass ich mich zeigen und verlinken kann, dass ich &#8222;Leuten folgen&#8220; und mich mit XYZ &#8222;vernetzen&#8220; kann, die dann je nach Plattform &#8222;Freunde&#8220;, &#8222;Kontakte&#8220;, &#8222;Fans&#8220; oder wie auch immer hei\u00dfen &#8211; was ist das denn MEHR als eine technische M\u00f6glichkeit? <!--more--><\/p>\n<p>Warum kommen so viele, durchaus intelligente Menschen dazu, fortw\u00e4hrend die technischen M\u00f6glichkeiten und Plattformen f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Ergebnisse zu kritisieren? Bejammern wir die Tastaturen und Textprogramme wegen der vielen schlechten Texte?  Wer ist es denn, der Beziehungen gestaltet, ihnen Oberfl\u00e4chlichkeit oder Tiefe, Fl\u00fcchtigkeit oder Dauer verleiht?<\/p>\n<h2>Dann investier doch mal!<\/h2>\n<p><em>Umair Haque<\/em> schreibt auf Carta <a href=\"http:\/\/carta.info\/26515\/die-social-media-blase-nennen-wir-es-beziehungsinflation\/\">\u00fcber die &#8222;Social Media Blase&#8220;<\/a>, der er eine &#8222;Beziehungsinflation&#8220; anlastet: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Zahlenm\u00e4\u00dfig haben wir heute zwar deutlich mehr Kontakte als fr\u00fcher. Doch wertvoll sind in Wahrheit \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur sehr wenige von ihnen. \u00c4hnlich wie eine W\u00e4hrungsinflation unser Geld entwertet, vermindert die soziale Inflation den Wert unserer Beziehungen. Schon das Wort \u201eBeziehung\u201c wird dabei verw\u00e4ssert. Es gab Zeiten, da stand es f\u00fcr jemanden, auf den man bauen konnte. Heute sind es Leute, mit denen wir Informationsbits \u00fcber das Netz austauschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>D\u00fcnne Beziehungen schaffen die Illusion echter Beziehungen. Letztere bestehen aus Strukturen gegenseitiger Investitionen. Ich investiere in dich, du investierst in mich. Eltern, Kinder, Ehepartner \u2013 sie alle verlangen mehrstellige Investitionen von Zeit, Geld, Wissen und Aufmerksamkeit. Die \u201eBeziehungen\u201c im Innersten der sozialen Blase sind nicht echt, da sie gerade nicht von gegenseitigen Investitionen gepr\u00e4gt sind. Sie sind h\u00f6chstens gekennzeichnet durch einen gelegentlichen Austausch von Informations- und Aufmerksamkeitsh\u00e4ppchen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich zweifle sehr daran, dass sich die &#8222;User&#8220; tats\u00e4chlich der Illusion hingeben, all die Follower und Friends seien echte Freunde, auf die man bauen kann. Ein paar Verlinkungen und die Leichtigkeit, sie zu installieren, machen aus einem Menschen noch keinen Deppen! Und was bitte hindert irgend jemanden daran, in eine Verbindung &#8222;zu investieren&#8220;? Das geht auch mit Netzkontakten, man muss es nur wollen! Es geht sogar schneller, leichter, unaufw\u00e4ndiger in den Mitteln und Methoden, doch Zeit, Aufmerksamkeit und Engagement wird es immer brauchen, um sich mit jemandem &#8222;wirklich&#8220; zu befreunden. <\/p>\n<p>Dass viele meinen, das nicht mehr zu brauchen, da es ja jederzeit m\u00f6glich ist, Spontankontakte auf- und wieder abzubauen, bestreite ich nicht: Ein interessantes Ph\u00e4nomen, \u00fcber das sich viel sagen bzw. schreiben lie\u00dfe &#8211; ABER im Kern kein  &#8222;Netzthema&#8220;, sondern eine psychosoziale Entwicklung. <\/p>\n<h2>Warum so deprimiert?<\/h2>\n<p>Auch bei <em>Thinkabout<\/em> l\u00e4uft gerade ein Gespr\u00e4ch <a href=\"http:\/\/thinkabout.ch\/article\/wieviel-deut-scheren-sie-sich-ums-internet\">\u00fcber Beziehungen im Internet,<\/a>  das mich heut&#8216; Nacht zum ausufernden Kommentieren verf\u00fchrt hat. Im netztypischen &#8222;Kommen und Gehen&#8220; vermisst er die Verbindlichkeit (etwas, das Menschen nicht nur ersehnen, sondern auch als beklemmend empfinden &#8211; nicht erst, seit es das Netz gibt!). Zur selben Zeit stolperte ich \u00fcber Bazon Brooks Abgesang <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E\/Doc~E9D6C5B00251B47319D351EB285C1E44B~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&#8222;Das Netz ist die H\u00f6lle der neuen Welt&#8220;<\/a>, in dem er die Unm\u00f6glichkeit beschreibt, im Netz Vertrauen zu gewinnen und gemeinsam Wissenschaft zu betreiben. B\u00f6ses Netz aber auch, das aus liebevollen und teilungsbereiten Forschern konkurrierende Ideenklauer, Abschreiber und egoistische Hy\u00e4nen macht!<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte fortfahren, doch sp\u00fcre ich gerade einen inneren Widerstand, die in  kurzen Abst\u00e4nden wiederkehrende Welle deprimierten Web2.0-Bashings durch weiteren Widerspruch mit aufzuschaukeln. Warum schaffen es nur die Amerikaner so gut, jede Menge innovativer Projekte hervor zu bringen, anstatt in Kulturkritik zu versacken?  Thinkabout sehnt sich nach Webseiten, &#8222;die Lust machen auf Leben&#8220; &#8211; als sei das Leben etwas au\u00dferhalb des Netzes, wo nur Untote ihre gespensterhafte Existenz pflegen! <\/p>\n<p>Genug, genug, genug! Und wem es nicht genug ist, findet hier mehr dazu:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.zweipunktnull.org\/blog\/2010\/05\/03\/die-maer-von-der-beziehungsinflation\/\">Die M\u00e4r von der Beziehungsinflation (zweipunktnull)<\/a>;<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/medienlotse.wordpress.com\/2010\/05\/04\/euphorie-der-moglichkeiten-und-keine-beziehungsinflation\/\">Euphorie der M\u00f6glichkeiten \u2013 und keine Beziehungsinflation (Medienlotse)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/stadtgespraech.posterous.com\/revolution-20-zukunftsforscher-peter-kruse-ub\">Revolution 2.0:<\/a> Zukunftsforscher Peter Kruse \u00fcber den Boom von sozialen Netzwerken<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/04\/27\/freundschaft-in-den-zeiten-sozialer-medien\/\">Freundschaft in den Zeiten sozialer Medien (Digital Diary)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/menschen-erkennen-im-netz\/\">Menschen erkennen im Netz (WWMAG)<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat schon mal jemand das rasant gewachsene Stra\u00dfennetz f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Beziehungen verantwortlich gemacht, die Menschen heute &#8222;in die Ferne&#8220; haben bzw. haben k\u00f6nnten? 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