{"id":476,"date":"2010-04-22T12:02:36","date_gmt":"2010-04-22T11:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=476"},"modified":"2010-04-25T13:23:00","modified_gmt":"2010-04-25T11:23:00","slug":"stadt-land-netz-veraendert-das-internet-unser-wohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/04\/22\/stadt-land-netz-veraendert-das-internet-unser-wohnen\/","title":{"rendered":"Stadt, Land, Netz? Ver\u00e4ndert das Internet unser Wohnen?"},"content":{"rendered":"<p>Das Kommentargespr\u00e4ch zum <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/04\/09\/privatheit-ade-verschwindet-die-anonymitaet-des-stadtlebens\/\">Artikel Privatheit ade: verschwindet die Anonymit\u00e4t des Stadtlebens?<\/a> hat alles in den Schatten gestellt, was ich dazu erwartet h\u00e4tte!  Es entspann sich eine intensive Auseinandersetzung \u00fcber die Vor- und Nachteile des Lebens auf dem Land bzw. in der Stadt &#8211; ein Thema, mit dem ich mich erlebend und experimentierend lange schon befasse.  Nach zwei recht ernst gemeinten Versuchen der &#8222;Auswanderung&#8220; (einmal &#8222;Pendeln in die Toskana&#8220;, sp\u00e4ter zwei Jahre Umzug in ein kleines Dorf in Mecklenburg) hab&#8216; ich meinen Frieden in der Stadt gefunden. Allerdings erst so richtig, seit ich einen <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">Kleingarten<\/a> in nicht allzu weiter Ferne betreibe: 20 Minuten mit dem Fahrrad, wenn ich mich beeile, auch schneller &#8211; da ist das &#8222;Cardio-Training&#8220; gleich inbegriffen &#8211; gut so!<!--more--><\/p>\n<h2>Und das &#8222;Leben in den Netzen&#8220;?<\/h2>\n<p>Im Gespr\u00e4ch Stadt- versus Landleben spielte das Netz kaum eine Rolle. Zwar schrieb Iris dazu:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Ein wesentlicher Vorteil des Internets ist ja gerade, dass ich keinen radikalen Ortswechsel mehr vornehmen muss, um meine Weltsicht zu erweitern. Ich bin nicht mehr auf die Auswahl an Gespr\u00e4chspartnern in meiner unmittelbaren Umgebung angewiesen. Und vielen anderen geht\u2019s doch mittlerweile genauso. Sie werden ebenfalls durch ihre Teilnahme \u2018am gro\u00dfen Gespr\u00e4ch\u2019 mit Ansichten aus vielen Regionen konfrontiert. So kann ich z.B. hier mit Claudia diskutieren, ohne nach Berlin fahren zu m\u00fcssen. Ist das nicht toll? ;o)&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ist aber damit die Wirkung der Vernetzung auf die Art, wie wir wohnen, bzw. wo wir uns &#8222;zuhause&#8220; f\u00fchlen, schon ersch\u00f6pfend beschrieben? Immerhin sagt das Statement aus, dass es f\u00fcr Landbewohner leichter geworden ist, auf dem Land zu bleiben, denn zumindest geistig steht die gro\u00dfe weite Netzwelt f\u00fcr vielerlei Aktivit\u00e4ten offen.  Und wie ist es andersrum? Bringt das Netz auch den Stadtmenschen einen leichteren Zugang zum Land? <\/p>\n<p>W\u00fcrde ich meine Br\u00f6tchen nicht mit Arbeiten &#8222;im Internet&#8220; verdienen, w\u00e4re ich nicht nach Mecklenburg gezogen &#8211; ganz sicher nicht! Und dort hat es mich nicht gro\u00df gest\u00f6rt, von mecklenburger Rentnern umgeben zu sein, die in ihren kleinen H\u00e4uschen den Lebensabend zubringen, dabei recht abweisend und wenig kommunikativ alls Fremde und Neue bee\u00e4ugend. Dann gab es noch die &#8222;neuen Siedler&#8220;: billige Einfamilienh\u00e4user mit wenig freiem Platz drumrum, bewohnt von frisch verschuldeten Pendler-Familien, die ihre Kinder in einer nat\u00fcrlicheren Umwelt aufwachsen lassen wollen. Was sich aber als sehr m\u00fchsam darstellte, denn au\u00dfer dem Schulbus gab es keinerlei \u00f6ffentliche Verkehrsmittel &#8211; vielleicht zweimal am Tag ein Bus, das erinnere ich nicht so genau. Man muss die Kids also \u00fcberall hinfahren, wenn sie au\u00dfer-schulische Aktivit\u00e4ten unternehmen, was ja heute nicht selten ist. Anders als ich geglaubt hatte, konnten diese Kinder mit ihrer l\u00e4ndlichen Umgebung wenig anfangen, ja, sie verlie\u00dfen kaum die H\u00e4user und Wohnungen! Dem Nachbarsohn brachte ich das Webwerken bei &#8211; davon war er weit begeisterter als von allem, was die Natur rundum so bot. <\/p>\n<p>Im Artikel zur vielleicht <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/04\/09\/privatheit-ade-verschwindet-die-anonymitaet-des-stadtlebens\/\">schwindenden Anonymit\u00e4t der Stadt<\/a> sah ich die Folgen vornehmlich negativ: Wie w\u00fcrde es sein, st\u00e4ndig von allen m\u00f6glichen Fremden, die ich bisher ignorieren (Iris: Stadt-neurotisch durch sie hindurch sehen) kann, wom\u00f6glich &#8222;erkannt&#8220;, gar angesprochen zu werden? Droht eine &#8222;Verd\u00f6rflichung&#8220; der Stadt &#8211; bzw. ist das vielleicht gar nicht schlecht?  <\/p>\n<p>Da sitze ich auf der Bank in der Sonne, goggle mit dem Smarthandy ein wenig die Umgebung &#8211; mit vielleicht irgendwann frei geschalteter Gesichtserkennung, oder mittels der Daten, die die Leute freiweillig \u00fcber ihre in die Klamotten integrierten RFID-Chips in die Welt senden. Eine junge Mutter nicht weit von mir beaufsichtigt ihre Kinder, die da im Sand spielen &#8211; aha, sie sucht gerade einen gebrauchten Fernsehen oder gar eine &#8222;Oma on Demand&#8220;. Jetzt kann ich mir \u00fcberlegen, ob ich nicht eines ihrer Bed\u00fcrfnisse befriedigen kann und will &#8211; das w\u00e4r doch was, oder? <\/p>\n<p>Und all die Zusammenk\u00fcnfte Fremder zu diversen Events: oft f\u00fchlen Einzelnde sich da unwohl, weil es nicht jedem leicht f\u00e4llt, mal eben so in einen Smalltalk zu kommen. In meiner hier ausgesponnenen voll vernetzten Zukunft w\u00fcrde ein kurzer Scan der Anwesenden jede Menge Themen ergeben, \u00fcber die sich sinnvoll Kontakt aufnehmen lie\u00dfe. <\/p>\n<h2>Wo ist zu hause?<\/h2>\n<p>Und das Land? Was ist es, das uns ein Gef\u00fchl des &#8222;zuhause seins&#8220; vermittelt, auch wenn wir nicht am konkreten Ort geboren sind? Sind es nicht unsere sozialen Netze, die auch unabh\u00e4ngig vom Ort Bestand haben? Etwa so, wie fr\u00fcher und heute noch spezialisierte Wissenschaftler mit Kollegen in aller Welt verbunden sind: egal, wo sie wohnen, in ihrer Profession und den entsprechenden sozialen Bez\u00fcgen sind sie beheimatet, ein Ortswechsel ist nur begrenzt relevant.<\/p>\n<p>Die geistige &#8222;Heimat per Netz&#8220; k\u00f6nnte zu einer verst\u00e4rkten Wieder-Besiedlung l\u00e4ndlicher Regionen f\u00fchren, die in den letzten Jahrzehnten viele Einwohner an die St\u00e4dte verloren haben. <\/p>\n<p>Der Wandel der St\u00e4dte im Bereich Wirtschaft und Konsum ist schon derzeit weit fortgeschritten: Wenn man fast alles \u00fcbers Internet kaufen kann, braucht es immer weniger Fachgesch\u00e4fte vor Ort. Die Produktion ist lange schon weitgehend ausgewandert und globalisiert so vor sich hin. Daf\u00fcr steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln aus der Region: immer mehr Menschen wollen hier &#8222;global denken und lokal handeln&#8220;, aber auch mehr Genuss und Gesundheit einkaufen und den industriellen Massenprodukten etwas entgegen setzen.  W\u00fcrde man verst\u00e4rkt &#8222;in der Region&#8220; wohnen, w\u00e4re das einfacher.<\/p>\n<p>Gut 15 Jahre Internet haben das Leben schon sehr ver\u00e4ndert &#8211; auch f\u00fcr die, die nicht selbst aktive Nutzer sind. Noch weit gro\u00dfformatigere Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnten uns bevor stehen, bzw. sind virtuell, also &#8222;der M\u00f6glichkeit und Kraft nach&#8220; schon vorhanden. <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/04\/09\/privatheit-ade-verschwindet-die-anonymitaet-des-stadtlebens\/#comment-10608\">Susanne schrieb:<\/a><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Stadt scheint mir ein lokales, vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen zu sein. Weil Stadt nur bleibt, wenn ihre Physik gesichert ist. Ohne Strom, ohne Markt, ohne Technik wird sie schnell wieder Land. Land aber kann warten. Stadt eben nicht. &#8222;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Strom, Markt und Technik gestalten auch heute schon das Land, wie wir es kennen. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich Stadt und Land mit Hilfe der Vernetzung in Zukunft mehr durchdringen: Mehr D\u00f6rflichkeit in der Stadt,  mehr Anschluss an die Gegenwart auf dem Land. <\/p>\n<p>Und ich freu mich \u00fcber weitere Resonanzen zum Thema!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kommentargespr\u00e4ch zum Artikel Privatheit ade: verschwindet die Anonymit\u00e4t des Stadtlebens? hat alles in den Schatten gestellt, was ich dazu erwartet h\u00e4tte! Es entspann sich eine intensive Auseinandersetzung \u00fcber die Vor- und Nachteile des Lebens auf dem Land bzw. in der Stadt &#8211; ein Thema, mit dem ich mich erlebend und experimentierend lange schon befasse. 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