{"id":4756,"date":"2025-07-07T15:13:45","date_gmt":"2025-07-07T13:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4756"},"modified":"2026-01-27T11:12:01","modified_gmt":"2026-01-27T10:12:01","slug":"wenn-blogger-verschwinden-der-maschinist-ist-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2025\/07\/07\/wenn-blogger-verschwinden-der-maschinist-ist-weg\/","title":{"rendered":"Wenn Blogger verschwinden: Der Maschinist ist weg!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Update:<\/strong> Ihr sucht den Maschinisten? Es gibt jetzt den <a href=\"https:\/\/betonfluesterer.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Betonfl\u00fcsterer<\/a> &#8211; nix wie hin! :-)<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Gestern bekam ich eine Anfrage, ob ich denn w\u00fcsste, was mit dem Maschinist passiert sei &#8211; man mache sich Sorgen. Und wirklich: Das Blog gibt es nicht mehr, einfach so, von jetzt auf gleich &#8211; auf https:\/\/maschinist.blog\/ erscheint nurmehr eine Meldung, die Domain sei &#8222;geparkt&#8220;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4757\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/domeinparked.jpg\" alt=\"Domain geparkt, Symbolbild\" width=\"550\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/domeinparked.jpg 550w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/domeinparked-300x164.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Immerhin spricht die nun &#8222;geparkte&#8220; Domain daf\u00fcr, dass sie willentlich vom Eigent\u00fcmer freigegeben wurde. Es handelt sich also wohl nicht um einen krankheitsbedingten Ausfall wie bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fefes_Blog\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fefe<\/a>, der ebenfalls pl\u00f6tzlich &#8222;verschwunden&#8220; war. Die Frage &#8222;Wo ist Fefe?&#8220; m\u00e4anderte durch die Blogosph\u00e4re bis es endlich <a href=\"https:\/\/tarnkappe.info\/artikel\/kurz-notiert\/lebenszeichen-von-fefe-felix-von-leitner-auf-dem-weg-der-besserung-317084.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Lebenszeichen<\/a> von ihm gab: aus dem Krankenhaus. Ein Hirnschlag hatte ihn getroffen, wodurch er nicht mehr im Stande war, seine t\u00e4glichen Kurzpostings fortzusetzen.<!--more--><\/p>\n<h2>Ohne Abschied<\/h2>\n<p>Dass der Maschinist sich einfach vom Acker gemacht hat, ohne ein Wort des Abschieds, l\u00e4sst Raum f\u00fcr vielerlei Spekulationen. Einige, die vielleicht auch heute &#8211; so oder \u00e4hnlich &#8211; noch oder wieder gelten, finden sich in einem Diary-Eintrag aus 2017: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/01\/22\/5-thesen-warum-der-kiezneurotiker-sein-blog-geloescht-hat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5 Thesen, warum der Kiezneurotiker sein Blog gel\u00f6scht hat<\/a>. Auch damals schrieb ich einleitend:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Seit gestern ist der Kiezneurotiker verschwunden. Der wortgewaltige Zyniker aus dem Borgw\u00fcrfel, geliebt und gehasst, ist grusslos gegangen. Hat seinen Blog gel\u00f6scht, einfach so.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt also wieder! Er mag sich gedacht haben: <em>Do it again, Sam &#8211; weg damit, ab ins digitale Nirvana!<\/em> Warum, werden wir wohl genausowenig erfahren wie das letzte Mal. Und genau wie nach dem Verschwinden des Kiezneurotikers betrifft und bewegt mich das! Das Smbolbild der Park-Domain passt: da steht Publikum erwartungsvoll vor der leeren B\u00fchne, aber der K\u00fcnstler fehlt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4758\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/liebernicht.jpg\" alt=\"&quot;Ich m\u00f6chte lieber nicht&quot;\" width=\"550\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/liebernicht.jpg 550w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/liebernicht-300x176.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Trotz der vielen Abges\u00e4nge, Rants und Tiraden auf (fast) alles mag ich diesen Blogger, der mir erst als Kiezneurotiker und dann als Maschinist begegnet ist &#8211; virtuell nat\u00fcrlich nur. (2014 gab es mal einen kurzen, freundlich offenen Mailaustausch, sp\u00e4ter hat er auch diesen Kontaktweg abgeschafft.&#8216;).<\/p>\n<p>Inhaltlich folgte ich ihm oft nicht, seine Sprache fand ich gelegentlich absto\u00dfend (obwohl er auch das nahezu zur Kunstform entwickelte), aber dazwischen gab es auch immer wieder Perlen: Offene Selbstreflexionen, die <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240106014613\/https:\/\/maschinist.blog\/2023\/10\/01\/feldberg-2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berichte von seiner Therapie-Auszeit<\/a> (hier mein <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/10\/01\/hallo-maschinist-ich-drueck-dir-die-daumen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogpost dazu<\/a>), die Erlebnisse mit dem &#8222;pubertierenden Kind&#8220;. Irgendwann hat er auch mal erz\u00e4hlt, wie er zu dem wurde, der er ist. &#8222;Schwierige Jugend&#8220; w\u00e4re krass untertrieben und er stellte es selbst als eine Art Wunder dar, dass er die Kurve gekriegt hat. Hin zu einem immerhin funktionierenden Leben mit Kind, mitten im &#8222;neo-woken&#8220; Prenzlauer Berg, immer weiter arbeitend im verhassten &#8222;Borgw\u00fcrfel&#8220;.<\/p>\n<h2>Selbstbild zerfallend?<\/h2>\n<p>K\u00fcrzlich schrieb er dar\u00fcber, dass er sich umgeschaut habe und woanders h\u00e4tte anfangen k\u00f6nnen, sogar mit finanziellem Gewinn. Hat er dann doch nicht gemacht! So ist das nun mal im vorger\u00fcckten Alter: Das gewohnte, gekonnt navigierbare Elend und der erreichte Status \u00fcberwiegen den Wunsch nach &#8222;woanders neu anfangen&#8220;. Aus den vielen Texten im Blog meinte ich immer wieder den Zwiespalt zu sp\u00fcren: da ist einerseits noch der &#8222;Angry young man&#8220;, der Punk, der er einmal war, der gerne alles in die Tonne tritt und an nichts ein gutes Haar l\u00e4sst. Der durfte sich im Blog austoben und alles rauslassen, was im realen Leben eher nicht gepasst h\u00e4tte. Zwischenrein meldete sich aber auch immer \u00f6fter mal der &#8222;alte Weise&#8220;, der Lebenserfahrene, der verantwortungsbewusste Mensch und Vater, zu dem diese Attit\u00fcde einfach nicht mehr passte. Innerlich zerrissen zwischen einer alten und einer neuen Identit\u00e4t, irgendwie steckenbleibend in einer schmerzhaften H\u00e4utung, die man nicht wirklich bef\u00fcrworten, gar begr\u00fc\u00dfen will&#8230;ein krasser Zustand!<\/p>\n<p>So ist jedenfalls mein Eindruck vom Maschinist in letzter Zeit. Einen Anspruch auf Wahrheit erhebe ich garnicht erst! Ich hoffe sehr, dass ihm das L\u00f6schen des Blogs wenigstens etwas gebracht hat, dass er aus dem was-immer-es-sein-mag wieder heraus findet &#8211; und dass er irgendwann wieder auftaucht. Wer so lange schon schreibt, KANN eigentlich nicht anders, als weiter zu schreiben. Ob wir ihn dann aber wiedererkennen w\u00fcrden, ist nicht sicher.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>Und sonst?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hab&#8216; mal Perplexity \u00fcber den Maschinist befragt. Es hat noch nicht bemerkt, dass er verschwunden ist.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Der anonyme Blogger &#8222;Maschinist&#8220; aus Berlin-Prenzlauer Berg repr\u00e4sentiert eine wichtige Stimme in der deutschen Blogosph\u00e4re. Sein satirischer Blick auf die Gentrifizierung Berlins, seine kompromisslose Gesellschaftskritik und sein unverwechselbarer Schreibstil machen ihn zu einer einzigartigen Figur in der Berliner Medienlandschaft.<\/p>\n<p class=\"my-0\">Seine konsequente Anonymit\u00e4t, kombiniert mit seiner langj\u00e4hrigen Aktivit\u00e4t und seiner Vernetzung mit anderen etablierten Bloggern, zeigt die Bedeutung anonymer Stimmen in der digitalen Meinungsbildung. W\u00e4hrend viele seiner Zeitgenossen bereits verstummt sind oder ihre Blogs aufgegeben haben, bloggt der Maschinist weiterhin unverbl\u00fcmt und provokativ \u00fcber das Leben in der deutschen Hauptstadt.<\/p>\n<p class=\"my-0\">Seine pessimistischen Reflexionen \u00fcber die Zukunft des Bloggens und die Auswirkungen der KI auf die Blogger-Szene machen ihn zu einem wichtigen Chronisten des digitalen Wandels. Der Maschinist verk\u00f6rpert damit sowohl die Tradition der anonymen Gesellschaftskritik als auch die Herausforderungen der modernen Bloglandschaft.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Update: Ihr sucht den Maschinisten? Es gibt jetzt den Betonfl\u00fcsterer &#8211; nix wie hin! :-) *** Gestern bekam ich eine Anfrage, ob ich denn w\u00fcsste, was mit dem Maschinist passiert sei &#8211; man mache sich Sorgen. 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