{"id":4616,"date":"2024-12-16T12:53:58","date_gmt":"2024-12-16T11:53:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4616"},"modified":"2025-01-23T14:45:09","modified_gmt":"2025-01-23T13:45:09","slug":"dinge-loswerden-mehr-als-ein-aufraeumproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2024\/12\/16\/dinge-loswerden-mehr-als-ein-aufraeumproblem\/","title":{"rendered":"Dinge loswerden: Mehr als ein Aufr\u00e4umproblem"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Besitzen wir die Dinge \u2013 oder besitzen sie uns? Warum h\u00e4ufen wir so viel an und warum f\u00e4llt es uns oft so schwer, uns von Dingen zu trennen?&#8220; Der Frage geht Elke Br\u00fcns in ihrem Buch &#8222;Dinge&#8220; nach, das Claudia Kilian in ihrem Blog Sammelmappe <a href=\"https:\/\/www.claudiakilian.de\/dinge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ger\u00fchmt hat<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Elke Br\u00fcns beschreibt in ihrem Buch sehr pr\u00e4zise und nachdr\u00fccklich, wie die Dinge in unser Leben kommen, wie sie uns begleiten, und zum Schluss erkl\u00e4rt sie auch, was es mit den letzten Dingen auf sich hat und warum unser Umgang mit der Verg\u00e4nglichkeit sich in den Dingen und dem Loslassen der Dinge widerspiegelt. Das Buch ist also kein Aufr\u00e4umratgeber. Es ist ein Essay, der von unserer Menschlichkeit und unserer Verg\u00e4nglichkeit handelt. <em>\u201eDinge geleiten uns in und durch das Leben \u2013 und auch wieder hinaus.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dinge loslassen? F\u00fcr mich doch kein Problem! So dachte ich lange, weil ich im Lauf meines Erwachsenenlebens immerhin 11 Umz\u00fcge mit immer weniger &#8222;Ballast&#8220; hinter mich gebracht hatte. Abgesehen von ein paar (wenigen) M\u00f6beln bin ich 2003 in die jetzige Wohnung mir recht wenig Krimskrams eingezogen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3294\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/alles_ausser_moebel.jpg\" alt=\"wenig Umszugslast\" width=\"240\" height=\"202\" \/><\/p>\n<p>Ich war glatt ein wenig stolz auf mich, weil ich es <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2003\/01\/17\/und-wieder-wegwerfen-wegspenden-loslassen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">geschafft hatte<\/a>, mich auch von sentimental besetzten physischen Dingen zu trennen: Alte Liebesbriefe, viele (Papier-)Fotos und Negative, ausgedruckte eigene Texte aus verschiedenen Kreativ-Schreiben-Kursen, Klamotten und B\u00fccher sowieso.<\/p>\n<p>Aber es kam anders als gedacht: Die neu angeschafften Regale f\u00fcllten sich schnell auf, die \u00dcbersichtlichkeit der ersten Zeit in der neuen Wohnung hat sich nicht gehalten und die Idee, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2021\/03\/02\/taeglich-20-minuten-aufraeumen-ein-weg-zur-ordnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">t\u00e4glich 20 Minuten aufzur\u00e4umen<\/a>, hab&#8216; ich nicht lange durchgehalten! Immerhin konnte ich viele Ordner entsorgen, die nicht mehr der Aufbewahrungspflicht unterliegen und den zweiten Ablagetisch neben dem Schreibtisch abschaffen. Dennoch stauen sich in Schubladen, auf Regalbrettern und in Aktenunterschr\u00e4nken noch immer jede Menge Dinge, die ich nie auch nur anfasse &#8211; warum sind sie also noch da?<\/p>\n<p>Weil ich mich eben nicht trennen konnte, bzw. das Aufr\u00e4umen, Sortieren und Entsorgen vor mir her schiebe! Nicht, weil es Arbeit macht, sondern weil es mich vor unz\u00e4hlige kleine Entscheidungen stellt: Wohin jetzt mit diesem h\u00fcbschen teuren Notizblock, den mir mal jemand geschenkt hat? Das s\u00fcndhaft teure Fotopapier f\u00fcr den entsorgten Farbdrucker?\u00a0 Die alten DigiCams, die ich nicht mehr nutze, seit es das Handy tut? Die &#8222;PC-Ordner&#8220; mit den Begleitpapieren und Materialien zum jeweils neuen PC? Die &#8222;wertig&#8220; wirkenden ungenutzen Kabel und Ladeger\u00e4te aller Art? Die Super-8 Filme von meinem lange verstorbenen Vater, einschlie\u00dflich Vorf\u00fchrger\u00e4t? Die Datensicherungen auf CDs bis zur\u00fcck in die 90ger? Musik-CDs, die ich nie abspiele? Zelt und Luftmatratze k\u00f6nnten wirklich weg wie so vieles, denn ich werde gewiss nicht mehr zelten!<\/p>\n<p>Mit all dem weitgehend ungeordnetem Kram f\u00fchle ich mich zunehmend unwohl, weil ich z.B. daran denke, dass mein (j\u00fcngerer) Liebster mit alledem umgehen muss, wenn ich mal pl\u00f6tzlich den Abgang mache! Gerne h\u00e4tte ich einen reduzierten Haushalt, der sehr \u00fcbersichtlich nur noch die Dinge enth\u00e4lt, die ich wirklich nutze. Auch das \u201eDigitale\u201c in meinem PC erfordert diese \u00dcbersicht eigentlich dringend, die ganzen Accounts und Vertr\u00e4ge etc.! Aber das ist ein extra Thema, das kommt erst noch, jetzt will ich erstmal &#8222;physisch&#8220; reduzieren, wie schon so oft!<\/p>\n<p>Vielleicht kaufe ich mir doch das Buch von Elke Br\u00fcns (hier eine <a href=\"http:\/\/www.reclam.de\/data\/media\/978-3-15-014597-5.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leseprobe, PDF<\/a>), denn es scheint wirklich kein reines &#8222;Aufr\u00e4umproblem&#8220; zu sein. Sortieren, aufr\u00e4umen, entsorgen &#8211; im vorger\u00fcckten Alter ist das eine Konfrontation mit der eigenen Verg\u00e4nglichkeit. Ich wei\u00df jetzt, dass ich vieles WIRKLICH nicht mehr brauchen werde, weil nicht mehr so viel Zeit bleibt, in der sich &#8211; theoretisch &#8211; alles \u00e4ndern k\u00f6nnte, sodass ich dies oder jenes nochmal nutzen wollen w\u00fcrde. Man sollte meinen, dass das Aufr\u00e4umen dadurch erleichtert wird, aber ich empfinde es nicht so. Warum?<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird mir der m\u00f6gliche Grund anhand der alten Sicherungs-CDs. Da sind Daten drauf, die ich nicht mehr auf dem PC halte, Webwerke aus den 90gern, Kundenprojekte &#8211; eigentlich f\u00fcrs Heute garantiert unwichtig, warum habe ich sie also noch bei keiner Aufr\u00e4umaktion entsorgt? Ich vermute: Weil sie eine Vergangenheit repr\u00e4sentieren, auf die ich dann keinen Zugriff mehr h\u00e4tte. Ich h\u00e4tte keine Chance mehr, mich an all das nochmal zu erinnern, es w\u00e4re wirklich weg.<\/p>\n<p>Aber jetzt reichts! Zumindest diese CDs werde ich noch heute vernichten und so das Loslassen \u00fcben. Und vielleicht geht ja allerlei Anderes noch mit, wenn ich schon mal dabei bin. Irgendwann m\u00fcssen wir sowieso alles loslassen &#8211; und je besser wir das schaffen, desto friedlicher k\u00f6nnen wir sterben. So berichtet es jedenfalls der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dyn4qqziuRQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuropsychiater Peter Fenwick im Interview<\/a> (dazu ab Min 49:30). Mich w\u00fcrde glatt interessieren, wie er (am 22.11.24) gestorben ist, hoffentlich friedlich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Besitzen wir die Dinge \u2013 oder besitzen sie uns? 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