{"id":458,"date":"2010-03-15T12:00:06","date_gmt":"2010-03-15T11:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=458"},"modified":"2015-12-12T15:48:56","modified_gmt":"2015-12-12T14:48:56","slug":"ueber-texte-als-ware-und-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/03\/15\/ueber-texte-als-ware-und-gespraech\/","title":{"rendered":"\u00dcber Texte als Ware und Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>Zum Thema <a href=\"http:\/\/maclites.com\/blog\/interviews\/gute-onlinetexte-schreiben-fuer-das-internet-kommunikations-designerin-claudia-klinger\/\">&#8222;Gute Online-Texte. Schreiben f\u00fcr das Internet&#8220;<\/a> hat mich <em>Tillmann Scheele<\/em> auf seinem Blog <strong>Maclites <\/strong>befragt. Obwohl das Interview ein Format ist, das unter Bloggern und auch schon in den 90gern gang und g\u00e4be ist, mutet es mich doch immer noch seltsam an, so zum &#8222;Gegenstand&#8220; eines langen Artikels zu werden. <\/p>\n<p>Nun, in Wahrheit ist es ja gar nicht so: es geht um die Texte, um Tipps f\u00fcr Blogger und um allerlei Rahmenbedingungen &#8222;rund ums Webben&#8220; &#8211; eigentlich genau das, was zu meinem <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\">Webwriting-Magazin<\/a>, das Tillmann als Ausgangspunkt w\u00e4hlte, gut passt. Und doch beschlich mich w\u00e4hrend der Beantwortung der Fragen ein wenig das Gef\u00fchl, dass wir da ein Thema besprechen, das in dieser Form gerade dabei ist, Richtung Vergangenheit abzudriften: Geht es wirklich noch um TEXTE? F\u00fchren wir nicht mehr und mehr GESPR\u00c4CHE?<!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren Texte immer schon Gespr\u00e4che: die Leitartikel der Printmedien zu aktuellen Fragen, die wissenschaftlichen, politischen und philosophischen &#8222;Gespr\u00e4che&#8220;, die seit Gutenberg in Buchform und in Magazinen gef\u00fchrt wurden: hier sprachen Autoren als Autorit\u00e4ten \u00fcber ihr Thema, das Publikum durfte lesen und bewundern, doch mitdiskutieren wurde nicht unterst\u00fctzt. Ok, in den Zeitungen gab es den Leserbrief, doch von &#8222;gleicher Augenh\u00f6he&#8220; konnte da nicht die Rede sein. Der Text war eben nicht blo\u00df Gespr\u00e4chsbeitrag im Rahmen eines Wissens- oder Politikfeldes, sondern vor allem Ware: als knappes Gut in recht langen Produktionszyklen von den Verlegern aufbereitet und vermarktet.<\/p>\n<h2>Text als Ware? Vorbei! <\/h2>\n<p>Nun sind Texte heute alles m\u00f6gliche, aber nicht mehr knapp! Ihr Warencharakter verschwindet, da es die Produktionsmittel nun &#8222;jedem&#8220; gestatten, die eigenen Beitr\u00e4ge mit geringstem Aufwand ins <a href=\"http:\/\/www.cluetrain.de\/\">&#8222;gro\u00dfe Gespr\u00e4ch&#8220;<\/a> einzuspeisen. Und weil es ein gro\u00dfes menschliches Bed\u00fcrfnis ist, wahrgenommen zu werden und &#8222;den eigenen Senf&#8220; zu allem, was einem wichtig erscheint, dazu zu geben, ergie\u00dft sich ein Ozean unterschiedlichster Texte ins Netz und sp\u00fchlt beil\u00e4ufig die alte Idee &#8222;Text als Ware&#8220; auf den M\u00fcllhaufen der Geschichte. <\/p>\n<p>Ob wir mit unseren Texten wahrgenommen werden, zeigt uns die Resonanz: liest es jemand? Gibt es Kommentare oder Zitate und Verlinkungen anderswo? Wer mit seiner Rede geh\u00f6rt und gelesen werden will, wird nicht im Traum daran denken, potenzielle Leser mit einer &#8222;Bezahlschranke&#8220; auszuschlie\u00dfen. Das w\u00e4re ja, als w\u00fcrde jemand, der in einer Gespr\u00e4chsrunde sitzt, darauf warten, dass ihm jemand ein paar Cent oder Euro zusteckt, damit er sich beteiligt &#8211; ein absurder Gedanke! <\/p>\n<h2>Von der Homepage zum Blog zum Webgespr\u00e4ch<\/h2>\n<p>Zur Zeit leiden auch viele sehr &#8222;netz-affine&#8220; Menschen an der Zersplitterung der Gespr\u00e4che in den &#8222;sozialen Medien&#8220;. Ein Beitrag wird nicht mehr unbedingt am &#8222;Ort&#8220; seines Erscheinens diskutiert, sondern vielleicht auf Twitter, Facebook, Buzz und sonstnochwo. Der Versuch, &#8222;\u00fcberall&#8220; pr\u00e4sent zu sein, um keine Gespr\u00e4che zu verpassen, l\u00f6st zunehmend das Bem\u00fchen ab, auf der eigenen Website m\u00f6glichst viele Besucher zu begr\u00fc\u00dfen. Damit ver\u00e4ndert sich der Stellenwert des Blogs, bzw. des Webprojekts, auf dessen Ausgestaltung und &#8222;Branding&#8220; noch k\u00fcrzlich die meiste Energie verwendet wurde. Das ist es, was mir als untergr\u00fcndiges Gef\u00fchl w\u00e4hrend des <a href=\"http:\/\/maclites.com\/blog\/interviews\/gute-onlinetexte-schreiben-fuer-das-internet-kommunikations-designerin-claudia-klinger\/\">Maclite-Interviews<\/a> aufgefallen war, ohne dass ich es schon in Worte h\u00e4tte fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn sich die Dinge \u00e4ndern, erleben wir das oft als Zumutung, bzw. sehen zun\u00e4chst eine Verschlechterung: du lieber Himmel, nun muss ich nicht mehr &#8222;nur&#8220; mein Blog pflegen und interessant halten, sondern auch noch auf allerlei &#8222;fremden Hochzeiten&#8220; tanzen, damit ich nicht in der Versenkung verschwinde! Und allzu gerne ruht man auf alten Lorbeeren aus und beurteilt das Neue von oben herab als \u00fcberfl\u00fcssig: eitler Tand f\u00fcr aufmerksamkeitsgeile Spinner, die all\u00fcberall ihre Stimmf\u00fchlungslaute verteilen m\u00fcssen im Stil eines &#8222;hallo, es gibt mich auch!&#8220; <\/p>\n<h2>Personen f\u00fchren Gespr\u00e4che, nicht Texte<\/h2>\n<p>Falsch! Wer sich einl\u00e4sst und mit demselben Herzblut, das k\u00fcrzlich noch allein in die Ausgestaltung der eigenen &#8222;Web-Heimat&#8220; floss, den neuen &#8222;verteilten Gespr\u00e4chen&#8220; widmet, wird auch die neuen Qualit\u00e4ten erkennen, die erstmal weder besser noch schlechter sind, jedoch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig anders. In den SocialMedia bin ich n\u00e4mlich nicht mehr &#8222;Digital Diary&#8220; oder &#8222;WebwritingMag&#8220;, sondern zuvorderst <a href=\"http:\/\/www.google.com\/profiles\/Claudia.Klinger.Berlin\">Claudia Klinger<\/a>, manchmal auch ClaudiaBerlin und <a href=\"http:\/\/twitter.com\/HumanVoice\">&#8222;HumanVoice&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Es st\u00f6rt bei dieser Ver\u00e4nderung \u00fcberhaupt nicht, auf Blogs &#8222;gute Texte f\u00fcr das Internet&#8220; zum Besten zu geben &#8211; im Gegenteil! ABER diese Texte alleine sind es eben nicht mehr, die &#8222;Bedeutung&#8220; transportieren. Mehr und mehr sind es Personen, die uns etwas bedeuten, erkennbare Individuen, die mit authentischer Stimme sprechen, ganz egal, auf welcher Plattform man sie trifft.<\/p>\n<p>Neu? War es nicht &#8222;eigentlich&#8220; immer schon so? :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Thema &#8222;Gute Online-Texte. 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