{"id":442,"date":"2010-02-12T13:46:34","date_gmt":"2010-02-12T11:46:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=442"},"modified":"2010-02-20T13:46:49","modified_gmt":"2010-02-20T11:46:49","slug":"transfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/02\/12\/transfer\/","title":{"rendered":"Transfer"},"content":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor zehn. Ich bin sp\u00e4t aufgestanden und lese &#8211; wie immer &#8211; erstmal die neuesten Nachrichten. Es folgen Mails und Blog-Kommentare, die ich auch gleich beantworte. Manch&#8216; einer verf\u00fchrt mich, zu schauen, wer der Autor ist: ich klicke mich weiter auf fremde Blogs, scanne schnell ein paar Eintr\u00e4ge, zappe dann wieder zu den &#8222;meist erw\u00e4hnten&#8220; Beitr\u00e4gen, die <a href=\"http:\/\/www.rivva.de\">Rivva<\/a> versammelt: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,677225,00.html\">Westerwelle<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.basicthinking.de\/blog\/2010\/02\/11\/flattr-pirate-bay-gruender-peter-sunde-will-paid-content-revolutionieren\/\">Paid Content<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.buzzmachine.com\/2010\/02\/11\/the-german-privacy-paradox\/\">German Privacy<\/a> und die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101\/Doc~E88A9CA72ADE445F390437D064F10C598~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Hegemann-Debatte<\/a> treiben &#8222;die Welt&#8220; gerade um. Aha.<!--more--><\/p>\n<p>All das geht ungeheuer schnell, genauer gesagt: fast so schnell, wie ich denken kann. Und: ICH bin die Macht, die all das heran und wieder weg klickt, genauso dynamisch, wie ich es mir gerade zumuten will, nicht mehr, nicht weniger. Niemand pfuscht mir rein in meine virtuellen Bewegungen, die so herrlich leicht von statten gehen: noch ein Mausklick mehr kostet keine Kraft, geistige Erm\u00fcdung wird erst nach Stunden sp\u00fcrbar, wenn \u00fcberhaupt. <\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine wunderbare Welt: Information at your fingertipps, gedankenschnelle Interaktionen, Leichtigkeit des Seins, Sch\u00f6pfen aus unendlicher F\u00fclle, ganz nach eigenem Belieben. Mein \u00dcbergang vom Konsumieren zum Produzieren \u00e4ndert wenig an diesem Gef\u00fchl: ich bereichere die Vielfalt, w\u00e4hle dabei aus unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten, gebe dem Text, dem Bild, der Webseite, dem Blogbeitrag Gestalt &#8211; f\u00fcr meine Auftraggeber, f\u00fcr mich,  doch immer auch f\u00fcr &#8222;potenziell alle&#8220;.<\/p>\n<p>Dann stockt der Fluss, ich bremse. Rufe mich zur Ordnung, zum Ausstieg bzw. zum Umstieg in die physische Welt. Muss mich losrei\u00dfen aus der Welt der Leichtigkeit und eintreten in die Zone der Schwere. Muss mich einmummeln, um die warme Wohnung zu verlassen. Drau\u00dfen ist strenger Winter, die Gehwege sind 10 cm hoch vereist, unregelm\u00e4\u00dfig, so dass jeder Schritt Konzentration erfordert. Hier folgen die Taten nicht den Gedanken, sondern die Wahrnehmung mit allen Sinnen steht an erster Stelle. Der Kopf muss frei von \u00dcberlegungen sein, wenn ich nicht st\u00fcrzen will. Alle Kapazit\u00e4ten flie\u00dfen ins Gewahrsein dessen, was als &#8222;Info&#8220; \u00fcber die Sinne herein kommt. Blitzgeschwind muss ich K\u00d6RPERLICH reagieren, balancieren, voran schreiten, ausweichen, dr\u00fcber steigen. Und nein, es ist nicht leicht, mein K\u00f6rper wiegt ja was &#8211; derzeit sogar ein paar Kilo mehr als noch im Sommer. Ich sp\u00fcre die Schwere, die so ganz anders ist als blo\u00df mal eine Hand \u00fcber der Tastatur schweben zu lassen.<\/p>\n<p>Die physische Welt kostet Kraft, reale Muskelkraft. Genau deshalb suche ich sie auch gerade auf: um mir die Kraft zu erhalten, die der altmodische K\u00f6rper braucht, um gesund zu bleiben. Damit das nicht zuviel Zeit kostet, gehe ich zu Kieser, ein sehr spezielles Fitness-Center nur zwei Stra\u00dfen weiter. Die haben das Kraft-Gewinnen konzentriert und optimiert: keine Laufb\u00e4nder und Fahrr\u00e4der, keine H\u00fcpfkurse, keine Bar, keine Sauna, keine Musik. Nur eine Fabrikhalle, eine spartanische Umkleide, die Kraftmaschinen und ich. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich \u00fcber diesen Purismus gel\u00e4stern, heute wei\u00df ich, wof\u00fcr das gut ist. Minimaler Aufwand, maximaler Kraftzuwachs &#8211; was will man mehr? An zehn Maschinen vollf\u00fchre ich jeweils zw\u00f6lf mal eine einzige Bewegung, mehr ist nicht angesagt. Hinzu kommen bis zu vier Voreinstellungen pro Maschine. Da bin ich noch ein wenig langsam, denn ich fange erst an. Bald aber wird mich das Ganze nicht mehr als zweimal die Woche 40 Minuten kosten &#8211; und schon kann ich wieder zur\u00fcck ans heimische Ger\u00e4t! <\/p>\n<p>Zur\u00fcck dahin, wo alles so leicht ist, dass die Muskeln schwinden. Wo Arbeit wie Spiel ist und die Macht, etwas zu machen, schier unendlich &#8211; bis zum n\u00e4chsten Transfer.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor zehn. Ich bin sp\u00e4t aufgestanden und lese &#8211; wie immer &#8211; erstmal die neuesten Nachrichten. Es folgen Mails und Blog-Kommentare, die ich auch gleich beantworte. 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