{"id":440,"date":"2010-02-09T13:37:59","date_gmt":"2010-02-09T11:37:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=440"},"modified":"2010-02-20T13:47:17","modified_gmt":"2010-02-20T11:47:17","slug":"web-2-0-sind-zu-viele-sender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/02\/09\/web-2-0-sind-zu-viele-sender\/","title":{"rendered":"Web 2.0: Sind zu viele Sender?"},"content":{"rendered":"<p>Die Klage ist nicht neu, sondern begleitet mich seit ich 1996 meine erste &#8222;Homepage&#8220; ins Netz stellte: <strong>Du lieber Himmel, da kann ja JEDER einfach so rein schreiben! <\/strong> Und beim K\u00f6nnen bleibt es nicht, immer mehr Leute tun es tats\u00e4chlich: berichten aus ihrem t\u00e4glichen Leben, bekennen ihre Vorlieben und Abneigungen, loben und kritisieren, l\u00e4stern und plaudern, philosophieren und analysieren &#8211; und stellen sich damit selber dar, ringen um Aufmerksamkeit im Tsunami der t\u00e4gliche Informationsfluten. <\/p>\n<p>Die Frage nach der Bew\u00e4ltigung und Filterung all der vielen Inhalte, die durch das neue Mitmachweb \u00fcber uns gekommen sind, wird derzeit vielf\u00e4ltig und engagiert diskutiert. Auch m\u00f6gliche Abh\u00e4ngigkeiten und eine Art Suchtverhalten bei den &#8222;allzu Vernetzten&#8220; werden <a href=\"http:\/\/www.massenpublikum.de\/blog\/?p=1427\">immer mal wieder thematisiert<\/a>. Darum soll es hier mal nicht gehen, sondern um drei andere Fragen:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Was stimmt manche, die dieses Geschehen beobachten, so \u00e4rgerlich und aggressiv?<\/li>\n<li> Und: Gibt es mittlerweile zu viele Sender und zu wenige Empf\u00e4nger, die all diese Botschaften auch h\u00f6ren, lesen und anschauen wollen? <\/li>\n<li>Was ist es wert, ver\u00f6ffentlicht zu werden? Gibt es eine Pflicht zur &#8222;Relevanz&#8220;?\t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Kommentierer namens &#8222;Zement&#8220;, der &#8211; wie alle, die mal so richtig auf den Putz hauen wollen &#8211; lieber anonym bleibt, postete gestern <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2010\/02\/05\/doch-kein-neues-blog-erstmal\/#comment-10197\">einen ellenlangen aufgebrachten Text<\/a> unter einen Blogbeitrag, der das all\u00fcberall zunehmende SENDEN von Inhalten jedweder Art durch den Kakao zieht. Hier ein Auszug:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;liegt hier eine neue Form von Gesellschaftspsychose vor, eine Art telekommunikativer Publikumswahn inkl. Medien-Overkill-Zwangsneurose? Lustig. Obschon. Auch ein klein wenig beengend. An &#038; f\u00fcr sich. Find ich ja. \u00dcbrigens. Nachzulesen auf meiner neuen Homepage. Brandneu. Und top-betreut. Da werden auch meine neusten Bl\u00e4hungen und Brieffreundschaften eingehend er\u00f6rtert. Mehr als eingehend. Geradezu fachkundig. Und keine Angst: alle halbe Stunde ge-Up-Dated. Aber subito. Hier wird Ihre kostbare und unersetzbare Aufmerksamkeit kein Sek\u00fcndchen sich selber \u00fcberlassen. Aber iwo. Gesendet. Und gespeichert. Ob auf Podcast oder auf CD. Amen. Bzw. Publikum. Punktum. Senden. Senden. Ich sagte SENDEN. SENDEN. SENDEN AAAAAAA SENDEN SENDEN SENDEN! Boa, gottlob, jetzt hats doch noch geklappt IHRE NACHRICHT WURDE GESENDET UND GESPEICHERT, boa, nochmal gutgegangen, haarscharf, Schwein gehabt, ich lebe. Amen. Bzw. Publikum. Online. Im Netz. On the line. Auf der Welt. Existent. Manifest. Authentisch. Da. Dasein. Daseiend. Gesendet.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h2>Interessiert das jemanden?<\/h2>\n<p>Mich hat dieses Posting in einer Situation erwischt, in der ich mir gerade sowieso <strong>Gedanken um die Relevanz eigener Artikel<\/strong> machte &#8211; und zwar ganz konkret. Seit Wochen besch\u00e4ftige ich mich mit der Auswahl eines mobilen Computers: viele Stunden suchen, lesen, bewerten, lernen &#8211; und all das wollte ich nun ganz gerne auch bloggen! Beginnend beim <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/internet-mobil-nicht-wirklich-aber-ich-will-endlich-aufs-sofa\/\">Anlass der Suche<\/a>, fortfahrend mit der <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/welches-netbook-kaufen-oder-doch-lieber-ein-sub-notebook\/\">Qual der Wahl  (Netbook? Notebook?)<\/a> und dem Schwanken zwischen zig M\u00f6glichkeiten, bis hin zum Kauf und zur darauf folgenden Erfahrung mit der Nutzung. <\/p>\n<p>Warum dieses Mitteilungsbed\u00fcrfnis? Schlie\u00dflich kauften sich Hunderttausende in den letzten zwei Jahren so ein Netbook, das ist nun wirklich &#8222;nichts Besonderes&#8220;.  Ja, stimmt! Allerdings hab&#8216; ich bei meiner Suche und Entscheidungfindung origin\u00e4re Erfahrungsberichte Anderer nur so verschlungen! Sie waren mir freudig aufgefundene Stecknadeln im Heu der vielen Preisvergleichs- und Produktbeschreibungsseiten und gaben mir manchen n\u00fctzlichen Tipp. Glaubhafte Erfahrungen lebendiger Menschen lese ich 1000mal lieber als k\u00fchle Informationen ohne jeden pers\u00f6nlichen Bezug.<\/p>\n<p>Und das Ergebnis gibt mir recht: Die beiden Artikel zu diesem Thema haben die <a href=\"http:\/\/www.blogoscoop.net\/blog\/708\">Aufrufe des Webwriting-Magazins<\/a> jeweils um ca. 20% gesteigert &#8211; es scheint andere also ebenso zu interessieren, wie es mich interessiert hat. <\/p>\n<p>Nun ist &#8222;Netbook-Kauf&#8220; ein durchaus massenkompatibles Thema. Doch auch, wenn es um ein Halsband f\u00fcr eine Perserkatze oder den richtigen Zeitpunkt, Tomaten vorzuziehen, gegangen w\u00e4re, g\u00e4be es viele Leser, die Botschaften dazu gerne &#8222;empfangen&#8220;. \u00dcber Relevanz entscheidet der Empf\u00e4nger (so auch k\u00fcrzlich Peter Kruse im sehenswerten Video des Elektrischen Reporters: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gf6YQJRYJa0\">das ICH im JETZT<\/a>). Was spricht also dagegen, zu senden, was immer man mag, und die Sinnhaftigkeit den Lesern zu \u00fcberlassen?<\/p>\n<h2>Angema\u00dfte Bedeutung?<\/h2>\n<p>Aus meiner Sicht r\u00fchrt die Aggressivit\u00e4t, die manche angesichts des allgemeinen Publizierens vermeintlicher Nichtigkeiten versp\u00fcren, aus dem Verhaftetsein in der alten Medienwelt: Da gab es Redaktionen, die die Flut der M\u00f6glichkeiten filterten und mit ihrer Gatekeeper-Autorit\u00e4t nur dem aus ihrer Sicht &#8222;Wichtigen&#8220; den knappen Medienplatz einr\u00e4umten. Nur Inhalte mit Bedeutung F\u00dcR DIE MASSEN hatten die Chance, gesendet und gedruckt zu werden. Heute aber ist der Platz nicht mehr knapp und jeder darf selbst entscheiden, was er senden m\u00f6chte. \u00dcberlegungen zur Relevanz beziehen sich allenfalls auf den &#8222;Ort&#8220; der Platzierung: schreibe ich nur einen Kommentar oder einen eigenen Artikel? Oder schicke ich nur einen Link mit Kurzbemerkung <a href=\"http:\/\/twitter.com\/HumanVoice\">\u00fcber Twitter<\/a> in die Welt? <\/p>\n<p>Die \u00c4RGERLICHEN empfinden das als Anma\u00dfung: Wer bin ich schon, dass ich denke, es k\u00f6nnte &#8222;die Welt&#8220; interessieren, was ich t\u00e4glich so denke und meine, gut finde oder kritisiere? Ich denke aber gar nicht an &#8222;die Welt&#8220;, wenn ich etwas aussende, sondern erlebe das Senden als &#8222;bereit stellen&#8220; f\u00fcr unbekannt viele oder wenige Interessenten. Ich schwimme im Fluss all der Botschaften, die ich mitbekomme und erlebe zus\u00e4tzlich Eigenes durch mein Handeln und Reflektieren. Was mir davon PERS\u00d6NLICH wichtig erscheint, reiche ich weiter &#8211; mal in Gestalt eines ausf\u00fchrlichen Artikels, mal nur als kurzen Link-Tipp. <\/p>\n<p>Was nun die Empf\u00e4nger ihrerseits damit anfangen, bekomme ich dank Web2.0 ja zumindest stellenweise mit. Und auch, was IHNEN wichtig ist &#8211; etwa durch <a href=\"http:\/\/rivva.de\/social\/HumanVoice\">die personalisierte Darstellung der von meinen &#8222;Twitter-Followern&#8220; empfohlenen Inhalte auf Rivva<\/a>, ebenso durch Kommentare im Blog und &#8222;Status-Kommentare&#8220; auf Facebook.<\/p>\n<h2>Zuwenig Empfangende?<\/h2>\n<p>Die manchmal ge\u00e4u\u00dferte Sorge, es g\u00e4be mittlerweile zu viele Sender und zu wenige Empf\u00e4nger, teile ich nicht. Zum einen nehmen diejenigen, die selber senden, deutlich mehr Inhalte auf als die blo\u00df passiven Leser. Zum anderen sind nach wie vor in einer x-beliebigen Community immer nur 5 bis 10 Prozent der Teilnehmer selber aktiv &#8211; der gro\u00dfe Rest liest, schaut zu und schweigt. Von den derzeit ca. 300 Digital-Diary-Besuchern pro Tag kommentieren hier z.B. fluktuierende 5 bis 25 Stammleser. Einige der Nicht-Kommentierer kenne ich pers\u00f6nlich, sie sind manchmal richtige &#8222;Inhalts-Giganten&#8220;, die aber leider leider &#8211; eine Temperamentsfrage! &#8211; ihre Gedanken nicht ins Web senden, sondern sich allenfalls im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch offenbaren. <\/p>\n<p>Es soll und darf eben jeder, wie er mag. Und ich finde das GUT so, denn dem steht meine Freiheit gegen\u00fcber, zu bemerken, was mir bemerkenswert erscheint, und den Rest zu ignorieren. <\/p>\n<p>Tja &#8211; wie eingangs gesagt ist das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/30_06_03.shtml\">ein URALTES Web-Thema<\/a>. Und vermutlich war es \u00fcberfl\u00fcssig, es wieder einmal aufzuw\u00e4rmen. Mir hat es aber Spass gemacht &#8211; und niemand MUSS das ja jetzt lesen! :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klage ist nicht neu, sondern begleitet mich seit ich 1996 meine erste &#8222;Homepage&#8220; ins Netz stellte: Du lieber Himmel, da kann ja JEDER einfach so rein schreiben! Und beim K\u00f6nnen bleibt es nicht, immer mehr Leute tun es tats\u00e4chlich: berichten aus ihrem t\u00e4glichen Leben, bekennen ihre Vorlieben und Abneigungen, loben und kritisieren, l\u00e4stern und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=440"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}