{"id":4379,"date":"2000-07-24T14:40:07","date_gmt":"2000-07-24T12:40:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4379"},"modified":"2024-02-29T14:42:21","modified_gmt":"2024-02-29T13:42:21","slug":"feste-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/07\/24\/feste-feiern\/","title":{"rendered":"Feste feiern?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber 30 Stunden ohne Computer verbracht, gestern nicht EINMAL eingeschaltet! Kaum kann ich mich an eine so lange Zeit &#8222;ohne&#8220; erinnern! <!--more--><br \/>\nNoch Samstagnacht hatte ich mich mit meinem Gast vom Mieterfest auf der Schlo\u00dfwiese zur\u00fcckgezogen, vors Ger\u00e4t gesetzt und zusammen einen Video-Stream angesehen, der Life-Ausschnitte von einem anderen Fest mit k\u00fcnstlerischen Sequenzen, abstrakten Formen, ungewohnten Anblicken und Bildern von Bildern kombinierte. Ich war beeindruckt, denn die Video-Pr\u00e4sentation nutzte das langsame und &#8222;holpernde&#8220; Streaming als wunderbar passendes Stilmittel. Die Herrschaft der Regisseure \u00fcber die Zeit, die in Film und TV so martialisch f\u00fcr immer schnellere Schnitte genutzt wird, war hier an das Netz abgegeben, Ladezeit eben. Das ergab eine ganz neue Seh-Erfahrung! Ich hoffe eigentlich, dass das Netz noch einige Zeit &#8222;zu langsam&#8220; bleibt, dann entwickelt sich vielleicht eine Web-Video-Kunst &#8211; genau wie Gif-Animationen, die aus der Unm\u00f6glichkeit, eine fliessende Bewegung zu zeigen, ihre besondere Qualit\u00e4t sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Etwas absurd fand ich es schon, das &#8222;reale&#8220; Fest zu fliehen und mir im Monitor ein &#8222;virtuelles&#8220; anzusehen, doch bin ich immer weniger f\u00e4hig, an einer Party Freude zu finden. Warum also ausharren? Wenn viele fremde Leute am selben Ort aufeinander treffen, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich die, die sich schon vorher kennen, etwas miteinander anfangen. Ansonsten herrscht der Smalltalk oder man betrinkt sich und &#8222;tanzt ab&#8220;. Vermutlich ist es eine Alterserscheinung, dass mir das nichts mehr bedeutet, aber eine, \u00fcber die ich mich nicht beschwere, sondern nach der ich mich ganz gerne richte. Und so hatte ich mir EINEN pers\u00f6nlichen Gast eingeladen, mit dem ich auch ganz gut ohne Fest ausgekommen w\u00e4re. Wir sind dann so hin und hergelaufen, mal drinnen gelaudert und gesurft, dann wieder drau\u00dfen mit anderen am Feuer gesessen.<\/p>\n<p>Ein Aspekt, der auf Festen aller Art seltsam anmutet, ist die Unf\u00e4higkeit des &#8222;Abendl\u00e4nders&#8220;, zu feiern, bzw. die Versuche, dieses Unverm\u00f6gen zu \u00fcberwinden oder zu vergessen. Es klappt noch halbwegs bei Leuten unter 30, f\u00fcr die der Reiz eines Festes immer auch darin liegt, ein interessantes Exemplar des anderen Geschlechts zu treffen. Dar\u00fcber &#8211; und jenseits dieser Motivation &#8211; tut sich ein kulturelles Loch auf: Wir sind nun mal auf Rationalit\u00e4t konditioniert, zudem feiert auf einem Fest \u00fcblicherweise keine existierende Gemeinschaft, sondern die Anwesenden, von hier und da Eingeladenen, sollen ohne jeden Vorlauf in die Festgemeinschaft eintauchen &#8211; ja wie denn?<\/p>\n<p>In fr\u00fcheren Zeiten und bei anderen Kulturen war das Fest H\u00f6hepunkt und Folge einer gemeinsamen Erfahrung: das Ende der hungrigen Fastenzeit, das Einbringen der Ernte, eine erfolgreiche Jagd, ein geschlossener Friede &#8211; entsprechend kann heute ein junges Unternehmen den ersten gro\u00dfen Auftrag feiern, eine Polit-Gruppe ihren Erfolg. Doch schon bei Anl\u00e4ssen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag, eigentlich ganz traditionelle Anl\u00e4sse, tut sich das Loch auf: Der Anlass hat f\u00fcr die aus allen Richtungen zusammengerufene Menschenversammlung \u00fcblicherweise keinerlei existenzielle Bedeutung. Wie also feiern?<\/p>\n<p>Trinken und vergessen ist dann oft die Methode der Wahl &#8211; doch das Vergessen funktioniert schlecht, auch wenn afrikanische Trommeln und indische Ges\u00e4nge an die ekstatischen Feste anderer Weltgegenden erinnern und uns auf die Spr\u00fcnge helfen wollen.<\/p>\n<p><b>Sonntags nie<\/b><\/p>\n<p>Gestern morgen bin ich mit meinem liebsten Freund nach <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/> <a href=\"http:\/\/www.guestrow.de\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">G\u00fcstrow<\/a> gefahren. Eine spontane Idee: gar nicht erst das Ger\u00e4t eingeschaltet, kein Diary geschrieben, sondern ab in die unendlichen Weiten der mecklenburger Landschaften, die durch ihre Leere faszinieren, durch den weiten Blick, die vielen kaum genutzten Seen, die wenigen verschlafenen D\u00f6rfer und halbsanierten Kleinst\u00e4dte, in deren Stra\u00dfen einfach nichts los ist, nicht mal Sonntags, wenn sich ein paar Touristen hinverirren. Ich liebe Mecklenburg!<\/p>\n<p>Sonntags werde ich in Zukunft kein Diary mehr schreiben &#8211; da ich jetzt wirklich regelm\u00e4\u00dfig schreibe, brauche ich einfach einen Tag frei. Einen Tag, der NICHT damit anf\u00e4ngt, dass ich den Computer einschalte&#8230; Wow, ich hab&#8216; den Sonntag neu erfunden! Und mein Motivationsloch ist auch vorbei.<\/p>\n<p><b>Zum Schlu\u00df ein Tipp<\/b> f\u00fcr die Schreibenden unter euch: Zum 4.Geburtstag des KriT-Magazins von Ralph Segert findet der Wettbewerb <b>Write5<\/b> statt. F\u00fcnf gut kommentierte Surftipps sind einzureichen. Es ist mir eine Freude, in der Jury mitzumachen. (Der erste Preis ist ein Palm Vx.) Mir gef\u00e4llt vor allem die Idee, eines der verbreitetsten &#8222;Formate&#8220; des Web, eben den kommentierten Link, zum Thema eines Wettbewerbs zu machen &#8211; als Jury-Mitglied gibt mir das Gelegenheit, mal wieder wirklich viel vom Web zu sehen. Bin gespannt auf eure Einsendungen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber 30 Stunden ohne Computer verbracht, gestern nicht EINMAL eingeschaltet! 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