{"id":4374,"date":"2000-07-20T14:26:26","date_gmt":"2000-07-20T12:26:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4374"},"modified":"2024-02-29T14:34:56","modified_gmt":"2024-02-29T13:34:56","slug":"vorsicht-politics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/07\/20\/vorsicht-politics\/","title":{"rendered":"Vorsicht politics!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern waren hier 213 Besucher, weit mehr als doppelt so viel wie sonst. Seltsam ist, dass an der Referenzliste bei WebHits nicht zu erkennen ist, woher sie kamen. Keiner der dort erfassten Links auf dieses Diary war die Quelle, schon komisch. Na, das Web hat halt so seine Geheimnisse&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Heute will ich Euch mal ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Surf-Ziel vorschlagen:<\/p>\n<blockquote><p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/> <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20010602095513\/www.pips.at\/huruma\/\">Mji wa Huruma, the First Slum on the Internet (im Webarchiv)<\/a><br \/>\nDiese Website wird von Matumaini Youth Group betrieben, einer Jugendgruppe, die in einem Slum am Rand von Nairobi lebt und arbeitet. Hier kann man den Altlag der Slumbewohner erleben, durch die Dorfstrasse gehen, in H\u00e4user eintreten, die neuesten Nachrichten lesen und im Diskussionsforum mit den Slumbewohnern in Kontakt treten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Autor Martin Auer schreibt dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Bei meinem Aufenthalt in Kenia in diesem Fr\u00fchjahr habe ich mitgeholfen, diese Website aufzubauen. Mit dieser Mail m\u00f6chte ich sie euch\/Ihnen ans Herz legen. Es ist auch m\u00f6glich, mittels Kreditkarte \u00fcbers Web Geldspenden zu \u00fcberweisen&#8230;:-)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich bin gespannt, wie sich diese Initiative entwickelt &#8211; eine netzgest\u00fctzte Entwicklungshilfe von unten?<\/p>\n<p><b>Fette So\u00dfe<\/b><\/p>\n<p>Wenn ich so mitbekomme, wieviel Energie, Kreativit\u00e4t und Herzblut in die Gestaltung von Webseiten der New Economy fliesst, um sie f\u00fcr den Surfer (meist: Kunden) schneller, ergonomischer, n\u00fctzlicher zu machen, frag&#8216; ich mich manchmal schon, ob es auf diesem Planeten eigentlich sonst nix mehr zu tun gibt. Ich wei\u00df, das ist in der Spa\u00dfgesellschaft einfach nur ein langweiliger Gedanke, doch ich kann ja nichts daf\u00fcr, dass er mir kommt. Nicht, weil ich etwa noch von einem unzeitgem\u00e4\u00dfen Samaritertum oder Weltrettungsbed\u00fcrfnis geplagt w\u00fcrde, nein! Was mich st\u00f6rt, ist die Tatsache, dass es uns materiell immer besser geht, ohne dass dadurch jemand gl\u00fccklicher, wacher, intelligenter, gro\u00dfz\u00fcgiger oder gar weiser w\u00fcrde. Es ist, wie wenn man in eine gute So\u00dfe immer mehr Creme Fraiche giesst: Anf\u00e4nglich macht es die So\u00dfe NOCH wohlschmeckender, doch bald schl\u00e4gt es ins Gegenteil um, sie verliert an Geschmack und wird zu einer \u00fcberfetten Br\u00fche ohne besonderen Charakter, au\u00dfer dem, dass sie das eh schon zu fette Volk noch kr\u00e4nker macht. Und anstatt sich was zu \u00fcberlegen, st\u00fcrzen sich alle in die Produktion von immer mehr Creme Fraiche!<\/p>\n<p><b>Sparen ist bl\u00f6d<\/b><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wirken \u00fcbrigens die st\u00e4ndigen Apelle unglaublich absurd, die mir von allen Seiten zuschreien, ich solle doch hier und dort und da noch &#8218;was SPAREN: der NOCH G\u00dcNSTIGERE Netzzugang, die Homepage f\u00fcr nur 99 Pfennig, das Kilo Schweinefleisch zu 5.99, auf dass die G\u00fclle zum Himmel stinke, das Konto bei der anderen Bank, die NOCH WENIGER Geb\u00fchren nimmt, die preisgesenkte Fernreise auf die Seychellen und die rabattierten Klamotten: Igitt! Ich will nicht sparen! Alle, die mich auf diese Weise ansprechen, appellieren an den Geist des Geizes, der Kleinkr\u00e4merei, der &#8222;Wer den Pfennig nicht ehrt-Mentalit\u00e4t&#8220;, die vielleicht in der Nachkriegszeit ihre Berechtigung hatte &#8211; heute ist das alles eine b\u00f6sartige Gehirnw\u00e4sche, die den Einzelnen im Gef\u00fchl des Zu-Wenig-habens einschwei\u00dfen soll, auf dass er nichts anderes in Herz &amp; Hirn bewege, als die Jagd nach dem n\u00e4chsten Schn\u00e4ppchen.<\/p>\n<p>Aber denk doch an die Armen, an die wachsende Kluft zwischen den Information-Poor und der kompatiblen Klasse, mag jetzt jemand einwenden. Tu ich, ich denke dran &#8211; und sehe, dass die einfachsten L\u00f6sungen nicht angegangen werden, weil hierzulande noch immer ein l\u00e4cherlicher Arbeits-Ethos hochgehalten wird (&#8222;Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen&#8220; &#8211; Paulus), der es schlicht verhindert, dass man &#8222;die Armen&#8220; mit einem Grundeinkommen versorgt und ihnen nicht weiter \u00fcber die \u00c4mter das Leben schwer macht.<\/p>\n<p>Das ist nicht so dahingesponnen, sondern w\u00e4re leicht machbar, wenn man den Bedarf an einfachen Arbeitskr\u00e4ften dadurch decken w\u00fcrde, dass man Asylbewerbern das Arbeiten erlaubt. UNSERE Sozialhilfeempf\u00e4nger br\u00e4uchte man dann nicht mehr mittels des &#8222;Lohnabstandsgebots&#8220; zu nerven, das es erfordert, dass sogenannte &#8222;niedere Arbeit&#8220; MEHR Geld bringen muss als die Sozialhilfe. Ja, diese L\u00f6hne k\u00f6nnten sogar sinken, da solche Einkommen f\u00fcr (Wirtschafts-)Fl\u00fcchtlinge aus der Dritten Welt noch immer wesentlich besser sind, als das, was sich ihnen in der Heimat bot. Allen Beteiligten w\u00e4re geholfen, auch w\u00fcrden die Asylbewerber aus der Schu\u00dflinie kommen, die sich ja immer aus dem Neid der Marginalisierten speisst: &#8222;Die h\u00e4ngen &#8218;rum und lassen sich versorgen&#8230;&#8220;, so redet nur jemand, der das als anstrebenswerten Zustand betrachtet, der ihm selber verschlossen ist.<\/p>\n<p>Statt dessen wird aktuell versucht, die Zahl der Asylbewerber zu senken und noch mehr Druck auf inl\u00e4ndische &#8222;Arme&#8220; auszu\u00fcben, damit sie die MacJobs annehmen, die sie nicht wollen, \u00fcber die andere aber gl\u00fccklich w\u00e4ren. Es wird nicht funktionieren, genauso wenig, wie etwa die Erdbeer- oder Spargelernte hierzulande noch ohne Gastpfl\u00fccker aus dem Osten zu leisten ist.<\/p>\n<p><b>Genug Politics.<\/b> Ich verstehe die politische Abstinenz der &#8222;kompatiblen Klasse&#8220; gut, die von der Rationalit\u00e4t der Maschinen und Programme verw\u00f6hnt ist. Da kann man eine Fehlfunktion erkennen und sobald die L\u00f6sung gefunden ist, wird sie angewendet. Wogegen man in der Politik mit Gef\u00fchlen konfrontiert ist, Gef\u00fchlen des Neids, des Hasses, der Aus- und Abgrenzung &#8211; und dies alles noch bem\u00e4ntelt durch Pseudo-Argumente, was es praktisch unm\u00f6glich macht, einen rationalen und ernst gemeinten Diskurs zu f\u00fchren. Diejenigen, die ihn f\u00fchren k\u00f6nnten, kleben ihrerseits an Idealen, die sie nicht bereit sind, zugunsten der Realit\u00e4t loszulassen &#8211; zum Beispiel das Ideal der Gleichheit, dass es verunm\u00f6glicht, f\u00fcr unterschiedliche Gruppen auch unterschiedliche Sektoren auf dem Arbeitsmarkt einzurichten.<\/p>\n<p>Zum gestrigen Beitrag &#8222;Der Wallert-Virus&#8220; sagte ein Freund: &#8222;Ja, das Denken wird uns von allen Seiten abgew\u00f6hnt!&#8220; Vielleicht geschieht das deshalb, weil zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr zu verbergen ist, dass das Denken nicht geholfen hat?<\/p>\n<p><b>Mehr Spa\u00df?<\/b><\/p>\n<p>Wem das jetzt zu ernst war, dem sei zur verdienten Erholung der Artikel<\/p>\n<blockquote><p><b>Gemeinsam das Meer erreichen<br \/>\nDie n\u00e4chste dotcom krepiert bestimmt<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>empfohlen. Direkt aus dem wilden &amp; abenteuerlichen Wirtschaftsleben der New Economy, unbedingt lesen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4376\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2000\/07\/sarg.jpg\" alt=\"Ameise stemmt einen Sarg: Lets be Lemminge\" width=\"200\" height=\"236\" \/><\/p>\n<p><center><\/center><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern waren hier 213 Besucher, weit mehr als doppelt so viel wie sonst. Seltsam ist, dass an der Referenzliste bei WebHits nicht zu erkennen ist, woher sie kamen. Keiner der dort erfassten Links auf dieses Diary war die Quelle, schon komisch. 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