{"id":4366,"date":"2000-07-13T14:00:35","date_gmt":"2000-07-13T12:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4366"},"modified":"2024-02-29T14:02:56","modified_gmt":"2024-02-29T13:02:56","slug":"teamwork","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/07\/13\/teamwork\/","title":{"rendered":"Teamwork?"},"content":{"rendered":"<p>Morgen abend um 19 Uhr werde ich in N\u00fcrnberg in der &#8222;schwarzen Ledersessel-Situation&#8220; einer Lounge namens &#8222;Cosmo&#8220; (echt!) mit Ralf Ebbinghaus, Peter Matthies und den Initiatoren \u00fcber &#8222;Teleexistenz und immaterielle Produktion&#8220; plaudern. Es sollen so 20 bis 30 Zuh\u00f6rer da sein, dazu die Projekt-Initiatoren kr\u00fcskemper_sadlowski. <!--more--><br \/>\nWas soll ich sagen? Hat jemand eine Idee? Es geht um Arbeit in der Zukunft, ich bin sozusagen als Beispiel eingeladen, Beispiel f\u00fcr das halbwegs erfolgreiche &#8222;alleine-vor-dem-PC-worken&#8220;, wogegen die anderen G\u00e4ste eher das Face-to-face-Teamwork in den neuen AGs der NewEconomy repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Die Frage nach dem Team ist aus meiner Erfahrung u.a. eine Altersfrage: Zwischen 20 und 35 bildet man gerne St\u00e4mme, identifiziert sich mit Gruppen und k\u00e4mpft mit diesen Gruppen gegen andere. Die M\u00f6glichkeit, das innerhalb der Wirtschaft zu tun, war lange nicht gegeben, die sklerotischen Gro\u00dfunternehmen mit ihren Hierarchien und B\u00fcrokratien verstr\u00f6mten nicht den geringsten Hauch von Abenteuer. Das hat sich ge\u00e4ndert und ich finde das toll &#8211; wenn ich auch selbst aus dem Alter raus bin, in dem die Erf\u00fcllung der Sehns\u00fcchte etwas kollektiv erreichbares ist. Im Gegenteil. Feste Gruppen werden schnell zu Fesseln, und gerade die erstmal positive Tatsache, da\u00df man im Zusammensein von Angesicht zu Angesicht sehr viel schneller und leichter Motivation ziehen kann, hat die Kehrseite, dass es auch entsprechend furchtbar wird, wenn die Dinge nicht so flutschen, was nahezu zwangsl\u00e4ufig kommt.<\/p>\n<p>Alleine vor dem Monitor arbeiten, doch vernetzt mit der Welt und unterschiedlichen Working-Groups, entlastet von der Notwendigkeit, Masken zu tragen. Und je l\u00e4nger das jemand tut, desto weniger steht die F\u00e4higkeit, sich zu verstellen, zur Verf\u00fcgung. Ich meine mit &#8222;Verstellen&#8220; dieses operative freundlich- und Positiv-drauf sein, oder auch das Ausstrahlen einer gewissen Agressiit\u00e4t und Kampfkraft, das dem anderen (den Mitarbeitern, den Chefs) signalisiert: Aufpassen!<\/p>\n<p>Wenn ich physisch mit einer Gruppe kontinuierlich zusammen sein mu\u00df, bin ich sozusagen immer an der Front. Und das nicht nur verbal und gedanklich, sondern mit Mimik und Gestik, mit Stimme, Blick und K\u00f6rperhaltung &#8211; immer sehen mir andere an, wie ich gerade auf die Inputs der Au\u00dfenwelt reagiere, und entsprechend selbstverst\u00e4ndlich zeige ich ein So-Sein vor, da\u00df immer weniger dem entspricht, was wirklich in mir vorgeht, daf\u00fcr aber &#8222;kompatibel&#8220; ist. Ein gro\u00dfer Teil der M\u00fcdigkeit, der Urlaubsreife und der Ersch\u00f6pfung, die so ein Arbeitsleben bringt, r\u00fchrt von daher, nicht etwa von der Arbeit selbst.<\/p>\n<p>Die Kunst, erfolgreiche Teams zu bilden, ist die Kunst, die zueinander passenden Menschen (!) zu finden und dann m\u00f6glichst viel Motivation aus F2F-Situationen zu ziehen, jedoch zu vermeiden, da\u00df sich die Leute im &#8222;Real Life&#8220; aneinander psychisch verschleissen. Am Anfang ist alles wunderbar, alle motivieren sich gegenseitig, die Welt ist voller M\u00f6glichkeiten und Abenteuer, man kann zusammen herumspinnen und &#8222;L\u00f6cher ins Universum&#8220; planen (Motivations-Spruch von Steve Jobs bei Apple). Doch sobald sich die Grenzen der Machbarkeit zeigen, bzw. die M\u00fchen der Ebene beginnen, die Zw\u00e4nge und Rahmenbedingungen ihr gnadenloses Gesicht zeigen (wie es gerade viele StartUps erleben) kehrt sich die Lage um: Jetzt werden Schuldige gesucht und gefunden, Unf\u00e4hige ausgemacht, Schw\u00e4chere &#8218;rausgemobbt &#8211; leicht verstrickt sich das gelobte Team in Machtk\u00e4mpfe und Psychokonflikte aller Art, die nicht nur den Leuten selbst immer schlechter bekommen, sondern auch der Sache, um die es geht.<\/p>\n<p>Ich war in einigen Real-Life-Teams &#8211; damals, vor Netz-Zeiten &#8211; sowohl als Mitglied, als auch als Projektleiterin, und bin froh dar\u00fcber, da\u00df die Technik es heute erm\u00f6glicht, es anders zu machen. Nat\u00fcrlich nicht GANZ OHNE Meetings von Angesicht zu Angesicht, doch sollten diese Treffen als inspirierende Ereignisse veranstaltet werden, nicht als aufreibender Alltag.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgen abend um 19 Uhr werde ich in N\u00fcrnberg in der &#8222;schwarzen Ledersessel-Situation&#8220; einer Lounge namens &#8222;Cosmo&#8220; (echt!) mit Ralf Ebbinghaus, Peter Matthies und den Initiatoren \u00fcber &#8222;Teleexistenz und immaterielle Produktion&#8220; plaudern. 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