{"id":4361,"date":"2000-07-10T13:41:38","date_gmt":"2000-07-10T11:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4361"},"modified":"2024-02-29T13:47:47","modified_gmt":"2024-02-29T12:47:47","slug":"cosmo-pollite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/07\/10\/cosmo-pollite\/","title":{"rendered":"Cosmo Pollite"},"content":{"rendered":"<p>Mein Bett ist gl\u00fccklicherweise breit genug, um B\u00fccher einfach links liegen zu lassen, wenn mir &#8211; meist schon nach wenigen Seiten &#8211; sp\u00e4testens gegen Mitternacht die Augen zufallen (Landmensch schl\u00e4ft fr\u00fch ein). Zur Zeit komm&#8216; ich kaum zum lesen, keine Zeit, um in Anderwelten abzutauchen, der PC als Tor zur Welt mit all seinen Pflichten h\u00e4lt mich fest, bis ich nur noch Lust habe, abzuliegen und die angestrengten Augen zu schlie\u00dfen.<!--more--><\/p>\n<p>Wenn dann Freunde B\u00fccher schicken (EIGENE!!!! SELBST GESCHRIEBEN&#8230;.) f\u00fchl&#8216; ich mich unter Druck: Das mu\u00dft du jetzt unbedingt schnell lesen, sonst ist er sauer! Na, auf diese Weise ist mir gerade das Werk COSMO POLLITE von Andreas Winterer zugestossen, und gestern hab ich &#8218;reingelesen. Mit dem Gef\u00fchl: Oh je, meine Science Fiction-\u00c4ra liegt schon zwei Jahrzehnte zur\u00fcck, wie werd&#8216; ich das \u00fcberstehen?<\/p>\n<p>Doch &#8211; oh Wunder! &#8211; ich hab&#8217;s &#8222;at one sitting&#8220; bis auf Seite 47 geschafft! (Und dann war ich nicht etwa genervt, sondern einfach nicht mehr lesef\u00e4hig). Die Weltraum-Satire mit dem mitreissenden Untertitel &#8222;Wodka, Warp und Laserwummern&#8220; wird allen etwas geben, die wie ich mal auf &#8222;Per Anhalter durch die Galaxis&#8220; abgefahren sind (KEINE PANIK!). Cosmos Abenteuer sind nicht nur witzig und voller Anspielungen und am\u00fcsanter Zitierungen, die auf die gewaltige Lese- und TV-Vergangenheit des Autors schlie\u00dfen lassen (bis hin zu &#8222;Wein und Zeit&#8220;, &#8222;Wein und das Nichts&#8220;), sie bringen auch &#8211; anders als bei Douglas Adams &#8211; gelegentlich das Medium und die Lese-Situation ins Bewusstsein, wenn zum Beispiel der Autor bilderreich beschreibt, wie das Ganze jetzt im Film &#8218;r\u00fcberk\u00e4me &#8211; und das GEHT, ohne zu nerven!<\/p>\n<p>Wunderbar auch die uns allen bekannten Erlebnisse mit Computern und Programmen, die nat\u00fcrlich auch in der Zukunft Cosmo das Leben schwer machen. Hier mal eine <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/cosmo.htm\" target=\"unten\" rel=\"noopener\">Szene aus einem Aufzug<\/a> &#8211; so zum Appetit machen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Aufzugt\u00fcren bestanden aus vergoldetem Glas. Als sie sich beiseite schoben, gaben sie den Blick auf noch mehr vergoldetes Glas frei. Cosmos Kontaktlinsen verdunkelten sich automatisch, so da\u00df er M\u00fche hatte, eine Schalttafel zu finden. Entnervt tastete er eine Weile herum, fand aber einfach keine Bedienungskn\u00f6pfe. Schlie\u00dflich h\u00e4mmerte er mit den nackten F\u00e4usten gegen die W\u00e4nde und fluchte laut. Sofort erklang eine angenehme Computerstimme. &#8222;Willkommen bei der kontextsensitiven Hilfe.&#8220;, gr\u00fc\u00dfte der Aufzug. &#8222;Die kontextsensitive Hilfe beantwortet alle Fragen im Zusammenhang mit der Aufzugsteuerung prompt und zuverl\u00e4ssig.&#8220;<br \/>\nSieg der Technik! Cosmo Pollite hatte sich schon lange gefragt, warum die Menschen auch im drei\u00dfigsten Jahrhundert noch auf Kn\u00f6pfe dr\u00fccken mu\u00dften. Nun war auch klar, warum er keine fand. Er l\u00e4chelte in die Kabine und entspannte sich.<br \/>\n&#8222;Dritter Stock.&#8220;<br \/>\nW\u00e4hrend sich seine Kontaktlinsen langsam wieder aufhellten, pl\u00e4tscherte Gioachino Rossinis Barbier von Sevilla leise aus verborgenen Lautsprechern. Nur der Fahrstuhl tat keinen Muckser.<br \/>\n&#8222;He! Ich sagte &#8218;Dritter Stock&#8216;!.&#8220;<br \/>\n&#8222;Bitte formulieren Sie Ihren Satz in Form einer Frage.&#8220;, schnarrte der Lift. &#8222;Die kontextsensitive Hilfe kann den Aufzug weder steuern noch eine Konversation f\u00fchren. Die kontextsensitive Hilfe beantwortet alle Fragen im Zusammenhang mit der Aufzugsteuerung prompt und zuverl\u00e4ssig.&#8220; Tia, ganz soweit war die Technik wohl doch nicht. Na, wenigstens die Stimme des Lifts klang futuristisch.<br \/>\n&#8222;Okay, \u00e4h, prima. Also: Aufzug, wie komme ich in den dritten Stock?&#8220; &#8222;Diese Frage ist in diesem Kontext nicht beantwortbar.&#8220; &#8222;Was?&#8220;<br \/>\n&#8222;Diese Frage ist in diesem Kontext nicht beantwortbar.&#8220;<br \/>\nAha, man mu\u00dfte wohl seine Frage besonders korrekt formulieren. Nun ja, jede Technik hatte am Anfang ihre T\u00fccken.<br \/>\n&#8222;Aufzug, wie fahre ich in den dritten Stock?&#8220;<br \/>\n&#8222;Derzeit&#8217;nicht&#8216;.&#8220; Cosmo h\u00e4mmerte auf eine Reihe von Not-Kn\u00f6pfen, die sich etwa auf Knieh\u00f6he befanden. Nichts passierte. Er fluchte wieder.<br \/>\n&#8222;Aufzug! Wie \u00f6ffne ich die T\u00fcr?&#8220;<br \/>\nDie Stimme des Aufzugs war emotionslos. &#8222;Diese Frage ist in diesem Kontext nicht beantwortbar.&#8220;<br \/>\nGanz anders als die von Cosmo. &#8222;Sag mal, Du Drecksmaschine! Dir hat man wohl zuviel kalt gepre\u00dftes Oliven\u00f6l in die elektronische Birne gegossen?&#8220;<br \/>\n&#8222;Diese Frage ist in diesem Kontext nicht beantwortbar.&#8220;<br \/>\n&#8222;Warum denn, um Himmels willen?&#8220;<br \/>\n&#8222;Diese Frage ist in diesem Kontext nicht beantwortbar.&#8220;, beharrte die Stimme.<br \/>\nCosmo dachte nach. Dann versuchte er es erneut. Mit Freundlichkeit. &#8222;Lieber Aufzug, k\u00f6nnte ich in den dritten Stock fahren?&#8220; Diesmal antwortete der Lift: &#8222;Na klar.&#8220;<br \/>\nCosmo wartete. Seine Fingerkuppen trommelten auf das vergoldete Glas der Aufzugkabine. Seine Fingerabdr\u00fccke blieben haften. Ansonsten tat sich nichts. Der Fahrstuhl bewegte sich keinen Millimeter.<br \/>\nWieder drosch er auf die Wand ein.<br \/>\n&#8222;Dann tu&#8217;s halt, verdammt!&#8220;<br \/>\n&#8222;Bitte formulieren Sie Ihren Satz in Form einer Frage. Die kontextsensitive Hilfe kann &#8230; &#8220;<br \/>\nKraftlos sank Cosmo zu Boden und weinte.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Buch ist fast jeder Absatz GAG-ges\u00e4ttigt &#8211; manchmal ein bi\u00dfchen to much, aber das ist Geschmacksache, schlie\u00dflich ist es Satire. Dass ein S\u00f6ldner-Raumschiff STAHLGEWITTER heisst und ein T-1800-Kampfroboter, der sich binnen 10 Minuten regenerieren kann, durch schlichtes Spaghetti-Kochwasser ausser Gefecht gesetzt wird, dass die Philosophen der Zukunft alle f\u00fcnf Jahre um die Verleihung des &#8222;goldenen Schierlingsbechers&#8220; wetteifern &#8211; das und vieles mehr bringt mich zum Lachen, ohne mich daf\u00fcr sch\u00e4men zu m\u00fcssen, weil wieder mal meine niedersten Triebe angesprochen w\u00fcrden. Was will mensch mehr?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Bett ist gl\u00fccklicherweise breit genug, um B\u00fccher einfach links liegen zu lassen, wenn mir &#8211; meist schon nach wenigen Seiten &#8211; sp\u00e4testens gegen Mitternacht die Augen zufallen (Landmensch schl\u00e4ft fr\u00fch ein). Zur Zeit komm&#8216; ich kaum zum lesen, keine Zeit, um in Anderwelten abzutauchen, der PC als Tor zur Welt mit all seinen Pflichten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[1299,1300],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4361"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4361"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4361\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}