{"id":4309,"date":"2024-02-15T14:56:32","date_gmt":"2024-02-15T13:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4309"},"modified":"2024-02-18T10:32:01","modified_gmt":"2024-02-18T09:32:01","slug":"nichts-wahres-im-falschen-alternativloser-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2024\/02\/15\/nichts-wahres-im-falschen-alternativloser-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Nichts Wahres im Falschen: Alternativloser Kapitalismus?"},"content":{"rendered":"<p>Das Fragezeichen hinter der \u00dcberschrift ist eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig: Blo\u00dfer Ausdruck eines Rests Hoffnung, an die ich nicht wirklich glaube. Noch niemand hat eine Alternative zum Kapitalismus formuliert, die uns Heutigen als w\u00fcnschenswert erscheinen k\u00f6nnte. Ganz im Gegenteil sind s\u00e4mtliche Versuche, Staaten auch &#8222;nur sozialistisch&#8220; zu gestalten, gro\u00dffl\u00e4chig gescheitert und dienen nurmehr als abschreckende Beispiele.<!--more--><\/p>\n<p>Das kann aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass unser &#8222;bestes aller Systeme&#8220; nicht zu einer Welt passt, in der die Grenzen des Wachstums und der verf\u00fcgbaren Ressourcen immer sp\u00fcrbarer werden. Die &#8222;gute alte Zeit&#8220;, die so viele als &#8222;das Normale&#8220; zur\u00fcck sehnen, basierte auf massiver Ausbeutung der &#8222;dritten Welt&#8220;: Die Unternehmen westlicher Industriestaaten beherrschten die noch wenig entwickelten Staaten \u00f6konomisch und nutzten deren Rohstoffe und Arbeitskraft zu ihren Bedingungen. Dabei machten sie so viel Gewinn, dass auch der einfache Brieftr\u00e4ger gesichert angestellt werden konnte und &#8211; im Vergleich zu heute &#8211; gut verdiente.<\/p>\n<p><strong>Das ist vorbei.<\/strong> Viele der ehemaligen Drittweltl\u00e4nder haben sich lange schon vom Kolonialismus befreit und gut entwickelt. Allen voran hat China sich wirtschaftlich gewaltig emanzipiert und stellt heute einen Gro\u00dfteil unserer Konsumprodukte her. Nicht mehr viel ist &#8222;made in Germany&#8220;. Die Globalisierung hat die Dinge ver\u00e4ndert, nicht nur die Produktion verlagert, sondern auch Gewinne. Das Wachstum des Kuchens reicht nicht mehr, um &#8222;alle&#8220; gut zu versorgen. Damit nun Reiche (nicht nur das eine Prozent) reich bleiben k\u00f6nnen, mussten die Arbeitskosten gedr\u00fcckt werden und ein gigantischer Niedriglohnsektor ist entstanden: prek\u00e4re, ungesicherte Arbeitsverh\u00e4ltnisse und geringe L\u00f6hne, die teils nicht mal mehr zum Leben reichen. Auch die soziale Umverteilung (B\u00fcrgergeld etc.), die n\u00f6tig bleibt, um die Verarmenden nicht ganz ins Elend fallen zu lassen, ger\u00e4t immer mehr unter Druck: Zu teuer, sagen Politiker und andere Gutverdienende und verlangen die drastische Reduzierung der Zuwendungen.<\/p>\n<h2>Nichts Wahres im Falschen<\/h2>\n<p>Der Spruch von Adorno &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Es_gibt_kein_richtiges_Leben_im_falschen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Es gibt kein richtiges Leben im falschen<\/a>&#8220; f\u00e4llt mir immer ein, wenn ich pers\u00f6nliche Konsumver\u00e4nderungen betrachte.<\/p>\n<ul>\n<li>Was bliebe zum Beispiel von einem Supermarkt oder Discounter noch \u00fcbrig, wenn sich alle gesund ern\u00e4hren w\u00fcrden? Nurmehr frisches Obst und Gem\u00fcse, unverarbeitete Lebensmittel zum Selberkochen, kein mit Zucker, Salz, Fett und Zusatzstoffen angereicherter Industriefood mehr? Wie viele Arbeitspl\u00e4tze w\u00fcrden dadurch entfallen?<\/li>\n<li>Nehmen wir weiter an, wir alle w\u00fcrden uns nicht nur gesund ern\u00e4hren, sondern auch gen\u00fcgend bewegen. Der gesamte Medizinbetrieb m\u00fcsste gewaltig schrumpfen, weniger Krankenh\u00e4user und \u00c4rzte, weniger Pharma-Betriebe, der ganze Nahrungserg\u00e4nzungsmittelmarkt w\u00fcrde zusammen brechen.<\/li>\n<li>Wenn das &#8222;gesunde Leben&#8220; auch noch mit sich bringen w\u00fcrde, dass wir weniger Zeit vor Bildschirmen verbringen, w\u00fcrde auch die Medienwelt schrumpfen: Weil wir anderes zu tun h\u00e4tten als an den Emp\u00f6rungswellen der\u00a0 &#8222;sozialen Medien&#8220; teilzuhaben, Artikel zu &#8222;scannen&#8220; oder unterhaltende Videos zu schauen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurzum: Jede Entwicklung in Richtung &#8222;ges\u00fcnderes Leben&#8220; bringt die Wirtschaft in Gefahr! Ganz ebenso jeglicher Verzicht auf Konsum, der lediglich dazu dient, die Langeweile zu vertreiben oder ein kurzfristiges &#8222;Jagderfolgsgef\u00fchl&#8220; zu vermitteln.<\/p>\n<h2>Die Engf\u00fchrung durch Klimawandel<\/h2>\n<p>Dass ich \u00fcberhaupt auf dieses wirklich leidige Thema gekommen bin, verdankt sich einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mz_storymakers\/status\/1573612017428168704\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tweet auf X<\/a>, in dem ein Redebeitrag von Ulrike Herrmann in der Lanz-Talkshow mit dem Worten beschimpft wurde:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;<span class=\"css-1qaijid r-bcqeeo r-qvutc0 r-poiln3\">Womit erneut deutlich wird: dieser Sekte geht es nicht ums Klima. Denen geht es um Klassenkampf und Kommunismus!<\/span>&#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Herrmann f\u00fchrte aus, dass \u00d6ko-Energie immer knapp (und entsprechend teuer) sein werde, der Kapitalismus jedoch nicht ohne st\u00e4ndiges Wachstum (=mehr Energie- und Ressourcenverbrauch) funktionieren kann. Deshalb stellt sie die Frage in den Raum, wie &#8222;wir aus dem Kapitalismus aussteigen&#8220; k\u00f6nnten, nicht etwa, weil sie grunds\u00e4tzlich etwas gegen diese in vieler Hinsicht so erfolgreiche Wirtschaftsweise h\u00e4tte. (Hier eine <a href=\"https:\/\/taz.de\/!200136\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kurzfassung ihres Buchs<\/a> mit allen Dilemmata des Kapitalismus und warum bisher keine Alternative machbar ist). Kurz gesagt, nimmt sie uns die Illusion des &#8222;Gr\u00fcnen Wachstums&#8220;, also die letzte Hoffnung, es k\u00f6nne alles so weiter gehen, halt nur ein bisschen &#8222;gr\u00fcner&#8220; mittels erneuerbarer Energie. (Hier ausf\u00fchrlicher: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2022\/09\/13\/schluss-mit-wachstum-und-dann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schluss mit Wachstum &#8211; und dann?<\/a>)<\/p>\n<p>Die Kommentare unter dem Tweet sind fast alle rein feindselig, irgend ein sachliches Gegenargument gegen ihre Sicht der Dinge hab&#8216; ich nicht gesehen.<\/p>\n<p>FAZIT: Mit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise sind wir unf\u00e4hig, den sich abzeichnenden Folgen des Klimawandels zu begegnen. Wir k\u00f6nnen nur &#8222;weiter so&#8220;, denn jegliche Ver\u00e4nderung in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab kostet uns Wohlstand. Das sieht man schon jetzt, ausgel\u00f6st durch Putins Krieg und den folgenden Stopp des billigen Gases aus Russland (das war NICHT Habeck!), das hierzulande ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war. Ohne die Notwendigkeit, diese Energielieferungen zu ersetzen, h\u00e4tten die &#8222;Erneuerbaren&#8220; noch lange nicht den Schub bekommen, den sie derzeit haben (der aber lange noch nicht reicht).<\/p>\n<p><strong>Irgendein Lichtblick irgendwo?<\/strong> Vielleicht ja doch: In <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/geowissen\/unterirdisches-wasserstoff-reservoir-entdeckt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Albanien wurde ein riesiges Wasserstoff-Vorkommen entdeckt<\/a> &#8211; also Wasserstoff, der nicht wie bisher aufwendig chemisch erzeugt werden muss. Auch in Frankreich hat man ein &#8222;<a href=\"https:\/\/efahrer.chip.de\/news\/forscher-entdecken-das-vielleicht-groesste-wasserstoff-vorkommen-der-welt_1015226\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bisher gr\u00f6\u00dftes nat\u00fcrliches Wasserstoffreservoir der Welt<\/a><strong>&#8220; <\/strong>gefunden. Ein <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Quelle-von-natuerlichem-Wasserstoff-in-Australien-entdeckt-9358117.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weiterer Artikel<\/a> berichtet \u00fcber Funde in Australien und anderswo, stellt jedoch in Frage, inwieweit diese Art irdischer Wasserstoff auch abbauf\u00e4hig ist. Aber wer wei\u00df, die Kreativit\u00e4t in Mangelsituationen ist gro\u00df. Vielleicht klappt es ja und wir k\u00f6nnen mit Wasserstoff noch ein bisschen &#8222;weiter so&#8220;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fragezeichen hinter der \u00dcberschrift ist eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig: Blo\u00dfer Ausdruck eines Rests Hoffnung, an die ich nicht wirklich glaube. Noch niemand hat eine Alternative zum Kapitalismus formuliert, die uns Heutigen als w\u00fcnschenswert erscheinen k\u00f6nnte. 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