{"id":4296,"date":"2000-05-19T11:36:51","date_gmt":"2000-05-19T09:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4296"},"modified":"2024-02-15T11:41:44","modified_gmt":"2024-02-15T10:41:44","slug":"symbiose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/05\/19\/symbiose\/","title":{"rendered":"In Symbiose mit dem Netz"},"content":{"rendered":"<p>Noch 3 Tage&#8230;. Am Montag wird der &#8222;Stress&#8220; vorbei sein, Becontent.de geht online und wird 500.000 Mark unters kreative Volk streuen. Und ICH werde die Seele baumeln lassen, ein paar Tage nur f\u00fcr die allern\u00f6tigsten Nacharbeiten zur Verf\u00fcgung stehen und ansonsten nur ZWECKLOSE Dinge tun, die mir Freude machen.<!--more--><\/p>\n<p>Stre\u00df schreibe ich in Anf\u00fchrungszeichen, da ich Stress lange schon nicht mehr so sp\u00fcre wie fr\u00fcher, so als inneres Nagen und Ziehen auf einem Untergrund von Angst und Ehrgeiz, vebunden mit k\u00f6rperlichen Verspannungen, die man nicht mehr bewu\u00dft wahrnimmt, obwohl sie die Befindlichkeit dramatisch verschlechtern. Es geh\u00f6rt zu den Vorteilen des \u00c4lter-werdens, da\u00df DAS verschwindet, man glaubt nicht mehr, da\u00df die Welt einf\u00e4llt, wenn irgend etwas nicht klappt und h\u00e4ngt nicht mehr v\u00f6llig ausgeliefert an den Bewertungen, die von AUSSEN kommen, von Chefs, Kollegen, vom Publikum, von wem auch immer. Ich tue, was ich kann, gebe mein Bestes &#8211; mehr ist nicht drin, das mu\u00df reichen.<\/p>\n<p>Als ich heute Morgen den PC einschaltete (nachts mach ich ihn immerhin noch aus!), dr\u00f6hnte er wie ein Staubsauger. Sowas h\u00e4tte mich dereinst in Panik versetzt, jetzt hoffte ich nur einfach, er werde sich wieder beruhigen und ging erstmal M\u00fcll ausleeren. Und tats\u00e4chlich, jetzt ist er wieder ruhig wie ein Schaf. Es war der L\u00fcfter, den ich demn\u00e4chst wohl austauschen lassen werde &#8211; f\u00fcr jetzt bin ich froh, da\u00df ich aktuell nicht im L\u00e4rm arbeiten mu\u00df oder irgend etwas auf die Schnelle organisieren, schlie\u00dflich liegt noch einiges an bis Montag.<\/p>\n<p>Mehr und mehr lebe ich mit dem Netz in Symbiose. Das wird mir sehr bewu\u00dft, wenn ich wahrnehme, wie andere mit dem Computer und dem Internet umgehen. Sie schalten zu bestimmten Zwecken ein, arbeiten die Pflicht ab und machen wieder aus. Oft ist f\u00fcr sie das Ganze nur ein kompliziertes Ger\u00e4t, da\u00df mensch heute leider zum arbeiten braucht &#8211; und das Netz nehmen sie als Shopping-Mall oder Entertainment wahr, eben so, wie es in den meisten Medien angepriesen wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich dagegen ist der Monitor das Tor zur Welt, zur GESELLSCHAFT, an der ich als aktive B\u00fcrgerin teilhabe &#8211; nicht in langweiligen Politikzirkeln, sondern frei schwebend, mal diese, mal jene Community aufsuchend, hier und dort an Gespr\u00e4chen teilnehmend, mit Menschen in Kontakt tretend, die ich im &#8222;realen Leben&#8220; nie und nimmer getroffen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe ich es z.B: geha\u00dft, f\u00fcr mehrere Stunden eine langweilige Arbeit tun zu m\u00fcssen und nichts sonst &#8211; andrerseits dann die FREIZEIT, wo man &#8222;am St\u00fcck&#8220; allerlei Unterhaltsames konsumiert oder ins Werk setzt, Himmel, wie unorganisch! Fern der lebendigen Realit\u00e4t! Wie oft sa\u00df ich schon in einer Veranstaltung und dachte an meine aktuelle Arbeit, die mir viel spannender erschien als das, was auf der B\u00fchne vorging. Und oft arbeitete ich &#8222;konzentriert&#8220; an einer Sache, doch im Kopf entstanden schon Bilder und Texte, die damit gar nichts zu tun hatten &#8211; ganz zu schweigen von den Kommunikationsbed\u00fcrfnisen, die von Augenblick zu Augenblick auftauchen, ganz wie es ihnen beliebt.<\/p>\n<p>Heute kann ich alles haben, gleich hier &#038; jetzt. Eine Stunde ununterbrochenes Herumbosseln an einer Website ist schon viel, dann rufe ich Mail ab, schreibe vielleicht selbst eine kurze Botschaft oder l\u00f6sche zumindest ein wenig M\u00fcll aus der Box. Schaue vielleicht in die Liste Netzliteratur und registriere, was dort gerade Thema ist, besuche evtl. noch ein Webboard, auf dem ich gelegentlich schreibe und schaue nach, ob neue Antworten gekommen sind. Neue Ufer, neue Ziele im Web erreiche ich durch Infos aus interessanten Newslettern, Tips in Mailinglisten oder auch durch chaotisches Surfen: irgendwelche Worte in Suchmaschinen eingeben, sehen, was kommt. Oder durch Domain-Hopping: einfach einen Begriff oder einen Satz als URL eingeben, z.B. www.glaube-liebe-hoffnung.de oder www.tod.de &#8211; macht Spa\u00df! Blo\u00df nicht die ausgetretenen Pfade, die andere Medien vorzeichnen!<\/p>\n<p>Und selbst mitten in der Arbeit: oft kommen Fragen auf, die ein kurzer Ausflug ins Netz beantwortet &#8211; ohne das w\u00e4re ich gar nicht mehr arbeitsf\u00e4hig. Selbst wenn ich wei\u00df, da\u00df irgendwo auf meiner Festplatte die Info liegen mu\u00df, oder sie im Regal im Stapel Magazine zu finden w\u00e4re: das Netz ist schneller, n\u00e4her, aktueller, vor allem: dort sind \u00fcberall Menschen hinter den &#8222;Inhalten&#8220; und das macht es viel spannender als die toten Informationsspeicher, die wir aus Vor-Netz-Zeiten gewohnt sind.<\/p>\n<p>Gerade lese ich: Die Telekom-Flatrate kommt. Endlich. Unter 100 Mark und mit vielfacher ISDN-Geschwindigkeit &#8211; vermutlich mach ich dann garnicht mehr aus und schreibe &#8211; wie auch jetzt schon oft &#8211; direkt ins Web, nicht erst ins stille K\u00e4mmerlein eines Offline-PCs.<\/p>\n<p>Nachteile? Gefahren? Jede Menge, doch war das Leben immer schon gef\u00e4hrlich. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr ist, den K\u00f6rper zu vergessen, nicht den Punkt zu bemerken, wo Ablenkung und Entspannung NICHT MEHR MITTELS DER MAUS geschehen kann, sondern k\u00f6rperliche Bewegung angesagt ist. Seit ich t\u00e4glich Rad fahre, geht es mir viel besser. Ich sp\u00fcre, wie die spontane Ablehnung jedweder k\u00f6rperlichen Anstrengung abnimmt und h\u00fcpfe fr\u00f6hlich die Treppe rauf und &#8218;runter. Jaaaaa, nach Montag werde ich sogar mal mit Freude aufr\u00e4umen &#038; putzen &#8211; REAL, nicht nur auf der Festplatte oder meinen Servern&#8230;. :-) <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch 3 Tage&#8230;. Am Montag wird der &#8222;Stress&#8220; vorbei sein, Becontent.de geht online und wird 500.000 Mark unters kreative Volk streuen. 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