{"id":4287,"date":"2000-05-10T16:06:09","date_gmt":"2000-05-10T14:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4287"},"modified":"2024-02-14T16:27:09","modified_gmt":"2024-02-14T15:27:09","slug":"net-identity","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/05\/10\/net-identity\/","title":{"rendered":"Net-Identity"},"content":{"rendered":"<p>Nicht immer schaffe ich es, Leserbriefe gleich auf die Briefe-Seite zu stellen &#8211; zum Beispiel den <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/leserbriefe-2000#michael\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">von Michael<\/a> zum Thema &#8222;Warum schreiben?&#8220;, das &#8211; wen wundert&#8217;s! &#8211; doch einige bewegt hat. Herzlichen Dank!<!--more--><\/p>\n<p>Ein anderer Diary-Gast, der nicht ver\u00f6ffentlicht werden will, stellte die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis der &#8222;Net-Identity&#8220; zur Real-Person, inspiriert durch Eintr\u00e4ge, in denen ich Unzufriedenheit merken lasse, ohne dabei sehr konkret zu werden. Ja, das ist eines meiner Lieblingsthemen und ich freue mich, wenn jemand die Eigenart so einer medialen Seinsweise bemerkt.<\/p>\n<p>In meinem ersten Netz-Jahr (1996) hab&#8216; ich da wilde Experimente veranstaltet, indem ich ansatzweise &#8222;virtuelle Zweitexistenzen&#8220; ins &#8222;Leben&#8220; rief. Zum Beispiel verfa\u00dfte ich eines Abends die Homepage eines absulut destruktiven Charakters (m\u00e4nnlich, \u00e4tzend-\u00fcbel gelaunt, zynisch, abgr\u00fcndig&#8230;), so als Gegengewicht zu meiner eher &#8222;positiven&#8220; Weblandschaft. Ich dachte, da la\u00df ich die andere Seite &#8218;raus, merkte aber schnell, da\u00df es mich einfach nicht f\u00fcr mehr als 2 Seiten inspirierte. Das Licht des Webs hat die Site nie erblickt, dieser Aspekt war einfach nicht selbst\u00e4ndig lebensf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Ein andermal hatte ich einen l\u00e4ngeren Maildialog, geriet mit dem anderen in Streit und es war zeitweise Funkstille. Da loggte ich unter einem neuen AOL-Account ein, schuf drei verschiedene &#8222;Kunstfiguren&#8220; und mailte unter diesen Identitys ganz locker und entspannt mit meinem Gegen\u00fcber weiter. Allerdings auch nur zwei\/drei recht oberfl\u00e4chliche Mails lang, dann war das Experiment als &#8222;hohl&#8220; erkannt.<\/p>\n<p>Nicht alles, was das Netz m\u00f6glich macht, f\u00fchlt sich sinnvoll an, wenn man es ausprobiert. Ich stellte schnell fest, da\u00df es nichts bringt, per Medium &#8222;viele&#8220; zu sein und trete \u00fcberall unter eigenem Namen auf. Dass ich &#8211; nach so und so vielen Projekt-Namen &#8211; eines Tages www.claudia-klinger.de anmeldete, geschah aus dem Gef\u00fchl heraus, da\u00df dieser Name, den ich mir nicht selber gab, immerhin eine Konstante ist, etwas, das ich nicht beliebig \u00e4ndern kann. Also bestens geeignet, die unz\u00e4hligen Teilaspekte und unvereinbaren Widerspr\u00fcche eines Individuums \u00fcber die Zeit zusammenzubinden (zu linken!), wenn es schon sonst nichts gibt, was wirklich immer gleich bleibt (au\u00dfer dem &#8222;Beobachter&#8220;, der aber keinen Namen braucht).<\/p>\n<p>Dass ich mich weder im Netz, noch in einem anderen Medium wirklich &#8222;vollst\u00e4ndig&#8220; abbilden kann, ist lange klar. Ich will es auch gar nicht mehr, denn Authentizit\u00e4t bedeutet auch, zu der gerade getroffenen Wahl zu stehen: Alles in allem BIN ICH EHER POSITIV gestimmt, also w\u00fchle ich lieber nicht \u00f6ffentlich in irgendeiner Schei\u00dfe, wenn es mir auch manchmal danach ist. Eher treibt mich das Verlangen, in jeder Hinsicht so &#8222;gut&#8220; zu werden, wie eine rundum gelungene Website, als zu jedem Defizit eine eigene Homepage zu verfassen, mit oder ohne &#8222;Zweit-Identity&#8220;.<\/p>\n<p>Meine Webseiten sind also allesamt &#8222;Schokoladenseiten&#8220; (irgendwo mu\u00df man die ja haben). Die GANZE, die schreckliche Wahrheit ist: ich bin ein Hund&#8230;. :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht immer schaffe ich es, Leserbriefe gleich auf die Briefe-Seite zu stellen &#8211; zum Beispiel den von Michael zum Thema &#8222;Warum schreiben?&#8220;, das &#8211; wen wundert&#8217;s! &#8211; doch einige bewegt hat. 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